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Interview mit Elisabeth Pähtz

 
Wir sprachen mit der 20 jährigen Großmeisterin und U 18 Weltmeisterin IM Elisabeth Pähtz
Homepage von Elisabeth Pähtz
 
Name: Elisabeth Pähtz
Wohnort: Kerspleben
Beruf: Abiturientin
Verein: OSC Baden Baden
 
Frau Pähtz,Sie sind grade erst 20 Jahre alt und haben schon in jungen Jahren intensive und methodische Förderung Ihrer schachlichen Fähigkeiten erfahren. Im August diesen Jahres werden Sie mit Ihrem Vater –GM Thomas Pähtz - die Schachschule Kerspleben gründen. Weiterhin wird man Sie erleben können im Jugendcamp Grömitz. Darf man aus all dem schließen, das Sie sich der Jugend ganz besonders verbunden fühlen? Kennen Sie die Stars und Sternchen der grade erst zu Ende gegangenen Deutschen Jugendmeisterschaften und haben Sie die Szenerie beobachtet?

Ich will meinen Vater in der Schachschule >Kerspleben< unterstützen. Außerdem habe ich schon einige Erfahrung beim Training mit Kindern und Jugendlichen. Es erinnert mich auch irgendwie an meine Kindheit zurück. Daher bereiten mir Organisation und Durchführung von Schachveranstaltungen wie z.B. in Grömitz sehr viel Spaß. Sicher kenne ich viele aus dem Kinder -und Jugendbereich. Ich besuche ja noch das Sportgymnasium in Dresden, und dort haben wir zur Zeit 2 frisch gebackene Deutsche Meister: Felix Graf und Elena Winkelmann. Schon aus diesem Grund bin ich über die heutige Jugendszenerie ständig auf dem Laufenden.

Wenn wir das richtig mitbekommen haben, ist das Sportgymnasium in Dresden für Sie nunmehr Geschichte. Was genau haben Sie für Ihren weiteren beruflichen Weg geplant? Ist die Schachschule Kerspleben ein wesentlicher Eckpfeiler dieser Planung ?

Ja das ist richtig, ich bin gerade dabei mein Abitur zu machen. Meine schriftlichen Prüfungen in Geschichte, Englisch und Sport habe ich bereits absolviert. Nächsten Freitag habe ich die mündliche Matheprüfung, was damit auch meine Letzte ist. Nach der Schule ,also demzufolge ab Juli, werde ich einige Turniere spielen und dann an meinem Schach arbeiten. Irgendwann werde ich studieren, vielleicht Englisch-Russisch Lehramt ,mal sehen. Auf die Schachschule zurückzukommen. Sicher hat es auch einen eigenen Vorteil mit Jugendlichen zu arbeiten. Allein die Stundenvorbereitung ist eine Art Wiederholung und damit gleichzeitig Training für mich.

Wenn man Publikationen über Sie liest und auch wenn man auf Ihre Homepage guckt, wird man das Gefühl nicht los, das es objektiv schwer ist, einen einzigen Ihrer sportlichen Erfolge besonders hervor zu heben. So werden Sie teilweise als Weltmeisterin der Jugend wie auch Junioren Vize - Weltmeisterin bezeichnet. Auch sonst käme da ja noch so allerhand in Frage, wenn man den von der FIDE verliehenen IM Titel bedenkt oder den einer Frauen Großmeisterin. Welchen Ihrer Erfolge und Titel halten Sie denn nun wirklich für den Schwergewichtigsten ?

Sehr gute Frage;) Der WM-Titel u 18 würde ich denken,da ich in den sehr jungen Altersklassen mehrmals unglücklich in der letzten Runde gescheitert bin und somit ein jahrelanger Kindertraum in Erfüllung ging.

In der letzten Saison wurden Sie mit dem OSC Baden Baden Deutscher Meister der Frauenbundesliga. Herzlichen Glückwunsch! Nun konnte man im Internet lesen, Sie wären auf der Suche nach einem Bundesliga-Verein für die kommende Saison. Welcher Verein hat denn den Zuschlag bekommen?

Da gibt es zur Zeit nichts offizielles, daher wäre jede Art von Antwort reine Spekulation:)

Auch unsere Lieblingsfrage wollen wir an Sie richten und hoffen endlich auf eine griffige Antwort. Warum unterscheidet man Männer und Frauenschach ?

Gut, es ist offensichtlich dass Männer nun mal die stärkeren Spieler sind. Der Grund dafür hat meiner Meinung nach verschiedene Ursachen. Zum einen behauptet man ja , dass Männer logischer denken können, was wohl auf den unterschiedlichen Bau des menschlichen Gehirns zurückzuführen ist. Aber auch denke ich, dass Männer sich besser auf eine Sache fixieren können. Wobei bei der Frau ab einem gewissen Alter der Familien-Kindergedanke eine Rolle spielt. Es wird sicher noch viele andere Gründe geben, aber eins kann ich mir an dieser Stelle nicht verkneifen: Wir mögen zwar schlechter spielen, aber dafür kämpfen wir viel mehr. Die Remisquote ist um einiges niedriger.

In >Elisabeths Schachecke< – ihrer Kolumne in der Thüringer Allgemeinen - hieß es sinngemäß ,das Großmeisterliche Schach sei zunehmend von der Angst vor dem Verlust diktiert und entsprechend langweilig ginge es zu. Waren die M Tel Masters denn aus Ihrer Sicht eine positive Wende zum Besseren ?

Die Idee fand ich persönlich nicht schlecht. Jedoch gibt es immer einen Weg ein Remis zu erzwingen, wenn sich beide Spieler vorher einig sind. Wobei sich viele Spieler davor scheuen, diverse Absprachen vor der Partie zu hegen. Daher würde ich meinen, dass dies ein guter Schritt zum Besseren ist.

Ebenfalls in der eben genannten Kolumne bezeichneten Sie Kasparow einmal als >das Maß aller Dinge< im Schach. Letzterer hat sich nun plötzlich und unerwartet verabschiedet. Welche Bedeutung hat dies Ihrer Ansicht nach für die Schachwelt und wer hat das Zeug zum Nachfolger ? Wer spielt derzeit das attraktivste Schach.

Der Lotse ging von Bord. Einer der größten und genialsten Schachspieler hat sich aus der Schachszene verabschiedet. Ich hoffe, dass es nicht endgültig ist. Es gibt viele starke Spieler in der Weltspitze. z.B Vishi Anand.

Auf Ihrer Homepage findet sich unter >Beste Partien< nicht weniger als 6 mal der Name Kosteniuk. Ganz offensichtlich inspiriert Sie diese Gegnerin in ganz besonderer Weise. Was verbindet Sie beide ?

Wir haben bereits über 20 Partien gegeneinander gespielt. Unsere erste Partie 1995. Wir sind in einem Alter und waren ständig gezwungen gegeneinander zu spielen. Obwohl wir schachlich Rivalen sind, verstehen wir uns gut.

Köstlich amüsiert haben wir uns, als Sie im Duett mit HaPe Kerkeling einen ganzen Schachclub kräftig veralberten. Wie haben denn die Schachfreunde reagiert, als Sie merkten, das sie hinters Licht geführt worden sind ? Verlief denn alles wie geplant, oder sind sie mehr als erwartet gefordert worden ?

Ich glaube, sie waren sehr verärgert. Aber Schachspieler sind von Natur aus ernst und haben wahrscheinlich für solche Späße wenig übrig. Ich selbst fand es ziemlich witzig. Nicht umsonst wird der Sketch jedes Jahr um die Weihnachtszeit wiederholt.

Wer bei Harald Schmidt schon zu Gast war, der muss sich nach einer Blindpartie gegen Ihn eine Frage gefallen lassen. Welche geschätzte DWZ hat er denn der Harald? Ist der Harald wirklich so ein spontan lustiger Mensch oder ist die ganze Sendung bis ins Kleinste vorbereitet ?[/

Ich glaube, er spielt viel besser als in der damaligen Show. Eine DWZ zu vergeben ist daher nicht möglich. Der Ablauf der Show ist immer geplant. Die Gespräche mit Gästen sind jedoch spontan. Ich wusste nicht, worüber er sich mit mir genau unterhalten wird.Frage und Antworten kamen ganz spontan.

Eine junge hübsche Frau, die zudem noch sehr gut Schach spielen kann, hat doch sicher eine Vielzahl an Verehrern. Haben Sie da schon lustiges erlebt und wie gehen Sie mit offenen Angeboten um ? Gibt es schon einen Elisabeth Pähtz - Fanclub ?

Ich weiß nichts über einen Fanclub. Hier und da gibt es ein paar Autogrammanfragen, aber ich bin weder eine Claudia Schiffer noch eine Franziska von Almsick. Eine lustige Episode kann ich erzählen. Nach meinem Auftritt in der Show Riverboot erhielt ich Fanpost aus der Schweiz. Der Schweizer Fan hielt mich für eine begnadete Schauspielerin und fragte mich über zukünftige Filme aus.

Welche finanziellen Mittel muss man aufbringen, wenn man Sie bspw. für eine Simultanveranstaltung engagieren will? Haben Sie so etwas wie einen Manager, an den man sich dann wenden müsste?

Mein Vater ist mein Manager, der alles für mich regelt.Wollen sie näheres Wissen, müssen sie wohl meinen Vater interviewen. Ich habe einen Sponsor. Das ist ZMD, ein Hersteller von Mikrochips in Dresden. Ohne die finanzielle Unterstützung von ZMD hätte ich viele Turniere nicht bestreiten können.

Wir bedanken uns für das Gespräch schachlinks.com
 
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