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Interview mit Stefan Frübing

 
Wir sprachen mit dem Deutschen Meister u 18 2005 Stefan Frübing
 
Name: Stefan Frübing
Wohnort: Berlin
Beruf: Schüler
Verein: SV Glück auf Rüdersdorf e.V.
 
Herr Frübing, Sie haben sich gegen sehr starke Konkurrenz bei den diesjährigen Deutschen Jugendmeisterschaften durchgesetzt und den Titel geholt. Dazu unsere herzlichen Glückwünsche !

Danke !

Bevor wir auf das Turnier eingehen, gestatten Sie einige Fragen zu Ihrer Person, denn auf der Homepage des Berliner Schachbundes haben die Berliner in Ermangelung einer eigenen Medaille Ihren Erfolg gleich mitgefeiert. Weiter war zu lesen, Ihr Vater Thomas spielt bei GW Köpenick und Mutter Simone bei Rüdersdorf. Sind Sie demnach ein Berliner, der in Brandenburg Schach spielt ?

Ja, das ist richtig. Ich wohne in Berlin-Friedrichshagen und gehe dort auch zur Schule. Zunächst habe ich auch für einen Berliner Verein gespielt und 1997 sogar die Berliner Meisterschaft U11 gewonnen. Anschließend bin ich aber aufgrund besserer Trainingsmöglichkeiten nach Brandenburg gewechselt. Rüdersdorf liegt nämlich viel näher an meinem Wohnort als die Berliner Vereine mit annähernd vergleichbarer Nachwuchsförderung. Trotzdem halte ich natürlich Kontakt zum Berliner Schach und nehme gern an vielen Turnieren in der Hauptstadt teil.

Ein solches Turnier, wie die deutsche Jugendeinzelmeisterschaft bedurfte sicherlich einiger Vorbereitungen sowie betreuender Maßnahmen während des Turniers. Wer außer Ihnen selbst hat denn ebenso Anteil an Ihrem Sieg und wem möchten Sie möglicherweise dafür Dank sagen ?

Mein langjähriger Trainer Jörg Pachow hat mir natürlich besonders geholfen und mich wie immer hervorragend auf die Partien eingestellt und vorbereitet, sowohl schachlich als auch mental. Ansonsten möchte ich mich natürlich auch bei meinen Eltern bedanken, die mich seit Jahren mit viel Engagement unterstützen. Außerdem sind natürlich auch die vielen Freunde wichtig, die die notwendige Turnieratmosphäre schaffen.

Das Ihre Spiele live auf einen Internet-Server übertragen werden, ist ja auch für Sie nicht alltäglich, denn so viele Kibitze hat man in der Regel eher nicht. In wie fern hat diese mediale Präsenz das Turniergeschehen beeinflusst? Haben Sie das Turnier vielleicht auch deshalb gewonnen, weil Sie mental am Besten vorbereitet waren mithin am coolsten damit umgegangen sind?

Die Live-Übertragung ins Internet beeinflusst mich eigentlich nicht, ich bin sie auch durchaus aus den vergangenen Jahren und auch von anderen Turnieren gewohnt. Ein entscheidender Vorteil für mich war vielleicht eher, dass ich in meinem ersten U18-Jahr doch ohne größeren Druck spielen konnte. Mit dem guten Start hatte ich dann auch sofort das nötige Selbstvertrauen.

Wie muss man sich das Geschehen zwischen den Runden vorstellen ?Haben Sie sich gezielt auf Gegner vorbereitet, deren Partien studiert und Varianten ausgetüftelt?

Selbstverständlich habe ich mit meinem Trainer jede Partie sorgfältig vorbereitet. Dank meines flexiblen Eröffnungsrepertoires war ich zum Glück nicht gezwungen, mich auf die Spezialvarianten meiner Gegner einzulassen. In einer derart engen Meisterschaft ist das häufig ein entscheidender Vorteil. Gerade der richtungsweisende Schwarzsieg in Runde 3 gegen den an 2 gesetzten Axel Heinz war im Wesentlichen das Ergebnis einer guten Vorbereitung.

Sie werden uns sicher zustimmen in der Einschätzung, das Sie nicht als Turnierfavorit in den Wettbewerb gegangen sind. An irgendeinem Zeitpunkt muss Ihnen klar geworden sein, das der Sieg möglich ist. Können Sie sich an diesen Moment erinnern?

Nun, dass Teilnehmerfeld war sehr eng beisammen und ich wusste schon, dass ich an einem guten Tag auch jeden schlagen, aber auch gegen jeden verlieren kann. Dass es für ganz vorn reichen könnte, kam mir ein erstes Mal nach Runde 4 in den Sinn, als ich gegen den an 1 gesetzten Martin Krämer glücklich gewonnen hatte. In der Nachmittagsrunde und am folgenden Tag gab es dann aber jeweils einen Dämpfer und die Auslosung für Runde 7 begeisterte mich auch nicht gerade, denn Jewgeni Degtiarev liegt mir eigentlich vom Spielstil her nicht. Als er dann jedoch statt seinem üblichen Anfangszug 1. d4 zu 1.e4 griff, schöpfte ich schon Hoffnung, denn ich wusste, dass ich ihn in meiner Spezialvariante, dem Drachen, durchaus schlagen konnte. Nach diesem Sieg glaubte ich an meine Titelchance. Die verpasste Chance im letzten Jahr, wo ich nach Runde 7 immerhin einen Punkt Vorsprung hatte, war mir aber auch Warnung genug, nicht zu überziehen.

Alle Ihre Partien während der DEM stehen zum Download bereit und jeden Ihrer Züge, kann man mit einem Mausklick und einem Schachprogramm auf den Bildschirm zaubern. Jetzt verraten Sie uns doch bitte unbedingt, welcher Ihrer Züge war aus Ihrer Sicht am schwersten zu finden und welchen Zug hätten Sie am liebsten nie gemacht ?!

Ein gröberer Fehler war 28. ...a5 in meiner Verlustpartie gegen Aljoscha Feuerstack. Gerade als ich meinte, endlich den Ausgleich geschafft zu haben, mache ich sofort den Verlustzug. Sehr ärgerlich. Eine Runde später habe ich gegen Boris Grimberg in Zeitnot auch mehrere Gewinnchancen ausgelassen. Andererseits hatte ich aber in anderen Partien auch etwas Glück, das gleicht sich im Laufe des Turniers meistens aus. Welcher Zug am schwersten zu finden war, kann ich so gar nicht sagen. Am schwersten war die Partie gegen Martin Krämer, wo ich dank einer kleinen Ungenauigkeit früh in Schwierigkeiten kam. Nach einem Bauernopfer war es dann schon nicht einfach, den Vorteil des Läuferpaares nachzuweisen.

Der SV Glück auf Rüdersdorf ist für seine vorbildliche Talentförderung bekannt und bereits ausgezeichnet worden. Das nun der Deutsche Jugendmeister u 18 von dort kommt, kann demnach kein Zufall sein. Können Sie uns beschreiben, welche Bedingungen Sie dort vorgefunden haben?

Nun, Rüdersdorf zählt inzwischen zu den zehn größten Schachvereinen Deutschlands, obwohl der Großteil der Mitglieder noch Jugendliche (darunter auch viele Mädchen) sind. Dadurch entsteht natürlich ein für mich sehr angenehmes Klima. Durch die mangelnde Konkurrenz in Brandenburg stehen auch ansehnliche finanzielle Fördermittel zur Verfügung. Wichtig sind auch die vielen gut ausgebildeten Trainer und das große Engagement von Abteilungsleiter Jörg Zähler, der es schafft, den großen Organisationsaufwand zu bewältigen.

Sie sind mit der ersten Männermannschaft des SV Glück auf Rüdersdorf direkt Richtung 2. Bundesliga durchmarschiert. Welche Saisonziele hat sich die Mannschaft für das nächst Jahr gesteckt ? Hat man sich möglicherweise noch einmal verstärkt ?

Nun, der direkte Durchmarsch in die 2. Bundesliga kam auch für mich etwas überraschend. Ziel für die neue Saison muss sicherlich der Klassenerhalt sein, auch wenn es nicht leicht werden dürfte. Ob die Mannschaft noch einmal verstärkt wird, steht noch nicht fest. Vielleicht kommt die Verstärkung ja auch aus den eigenen Reihen.Wir haben noch einige junge Spieler in der Warteschleife, die so langsam das Niveau der 1. Mannschaft erreicht haben.

Schachlinks.com dankt für das Gespräch
 
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