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Interview - Anzeigen
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Interview mit Gerald Appel
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Wir sprachen mit dem Chef des Schachversandes "Freibauer Nord" Gerald Appel
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| Name: |
Gerald Appel |
| Wohnort: |
Friedrichshof bei Friedland |
| Beruf: |
Mathematisch-Techn. Assistent |
| Verein: |
SF Strasburg /Um.e.V. |
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Gerald,was hat Dich bewogen, einen eigenen Schachversand aufzubauen ?
Ich spiele seit meiner Jugend gerne Schach und sah jetzt eine Möglichkeit,mein Hobby zum Beruf zu machen um damit Geld zu verdienen.
Kannst Du nach so kurzer Zeit bereits ein erstes Fazit ziehen. Welche Deiner Erwartungen haben sich bereits erfüllt ? Gab es auch überraschende Erkenntnisse?
Mein Fazit ist, dass mir die Sache mit dem Schachversand viel Spaß macht - es ist also „genau mein Ding“. Auf Turnieren haben sich meine finanziellen Erwartungen regelmäßig erfüllt, der Versand selber braucht wohl noch seine Zeit...
Überraschend fand ich - nachdem ich anfing, mich intensiv mit dem Schachversand zu beschäftigen - wie viel billige oder schlechte Schachartikel es gibt, die einfach nicht die daran gestellten Erwartungen erfüllen. Erstaunt hat mich auch, dass die meisten schönen Figuren und Schachbretter aus Tropenhölzern gebaut werden, und wie billig dieses Tropenholz dabei seien muss, gemessen daran, dass diese Wälder nicht wieder aufforstbar sind. Außerdem hat mich überrascht, wie viele Schachbücher es gibt. Früher dachte ich so an einige hundert, aber es sind viel, viel mehr...
Auf Deiner Homepage http://www.freibauer-nord.de schreibst Du bewusst etwas doppeldeutig, das Schach „natürlich“ Spaß machen würde und das genau deshalb Materialien aus Tropenholz nicht im Programm seien. Glaubst Du tatsächlich, das es den ökologisch denkenden Schachfreund gibt, oder ist hier mehr der Wunsch der Vater des Gedanken.
In Zeiten stetig schwindender Ressourcen und verschwindender Wälder beginnen (glaube ich) die meisten Menschen „ökologisch“ zu denken. Wenn von zwei Autos gleicher Qualität und gleichen Komforts eines nur halb soviel Benzin verbraucht, werden sich die meisten Menschen vernünftigerweise hierfür entscheiden. Wenn genauso schöne Schachfiguren /-bretter für den gleichen Preis aus nachwachsenden Hölzern angeboten werden, sollte man sich aus Vernunftsgründen für diese entscheiden, denn Tropenwälder sind nicht wieder aufforstbar. Schachuhren hoher Qualität rechnen sich nach ein paar Jahren, sind also über die Jahre preiswerter und viel verläßlicher. Ich versuche nur Artikel hoher Qualität aufzunehmen und damit gegen die aktuelle „Geiz-ist-Geil“ -Welle zu schwimmen. Ich vertraue auf die Vernunft der Menschen und denke, dass gerade Schachspieler sehr rational und vernünftig denken können.
Meine Frau Jana und ich haben in den letzten 5 Jahren den Naturkostladen „Der Erdbär“ in Cottbus aufgebaut, den wir jetzt an Freunde übergeben haben, um hier auf dem Land ein naturverbundeneres Leben zu führen, mit u.a. ökologischem Gemüseanbau, einer Filzwerkstatt, einer Holzwerkstatt und einer gerade entstehenden Pferdezucht. Da führt einfach kein Weg daran vorbei, auch einen ökologischen Schachversand zu haben.
Gerald, Du hast es mit einem überschaubaren Markt und großen etablierten Wettbewerbern zu tun. Zudem sind bei weitem nicht alle Produkte margenträchtig, so dass ein Wettkampf der Preise und Rabatte schnell an seine natürliche Grenzen stößt. Kannst Du dieser Analyse so zustimmen und wenn ja ,mit welcher Strategie willst Du Dich dennoch behaupten ?
Doch, das stimmt. Ich bin sozusagen der nette, kleine „Schachversand“ um die Ecke, der versucht, durch gute Beratung, viel Zeit für den Kunden und entsprechenden Service zu überleben.
Ich nehme nur Produkte auf, von deren Qualität ich persönlich überzeugt bin und versuche, diese dann möglichst preisgünstig anzubieten. Außerdem versuche ich, Dinge anders als die anderen Schachversender anzupacken, um auf mich aufmerksam zu machen. Z.B. drucke ich (wohl als einziger Schachversand) Partieformulare mit farbigem Wunschlogo auf Umweltschutzpapier.
Wir wissen von Dir, das Du Dich gelegentlich mit einem ausgewählten Sortiment, bei größeren Turnieren vorstellst. Dann gibt es den „Gerald Appel“ sozusagen live und zum anfassen. Wie bist Du bisher angekommen bei den Schachfreunden oder anders gefragt, wie geht man um mit Dir, als dem Schachhändler am Rande des Turnieres?
Ich habe eigentlich durchgängig nur positive Resonanz auf den Turnieren mit meinem Stand erfahren und freue mich über die dort gewonnenen Kontakte. Besonders den "Lichtenrader-Herbst" möchte ich hier mit seiner sehr angenehmen Atmosphäre loben.
Dürfen sich die Schachfreunde auf neue innovative Ideen von Gerald Appel in der Zukunft freuen ?
Na eine Idee ist beispielsweise die Doppeldeutigkeit meines Logos: Der samenstreuende Freibauer auf seinem quadratisch gemusterten Schachbrett steht nicht nur für den Schachversand, sondern auch dafür, dass ich mit Naturkost handele.
Eine andere Idee besteht darin, dass ich derzeit gerade damit beginne, meine eigene Drechselwerkstatt einzurichten, um im nächsten Jahr selber Schachfiguren herstellen zu können, die dann aus Holz bestehen, welches ich in den hiesigen großen Wäldern auch selber geschlagen habe.
Was hat Gerald Appel alles zu tun, wenn er nicht grade Schachartikel verkauft ?
Zunächst versuche ich natürlich viel Zeit für meine beiden kleinen Kinder zu finden. Außerdem wohnen wir hier mit mehreren Klein-Familien in einem alten Gutshaus, das dringend saniert werden möchte und bei dem alle mit anpacken müssen. Brennholz machen ist dabei natürlich ebenso Dauerthema, wie die Arbeit mit den beiden Fjord-Pferden, mit denen wir gerade anfangen. Und dann spiele ich natürlich auch sehr gerne noch Schach und Flöte. Es ist schade, dass der Tag nur 32 Stunden hat....
Gerald! Stell Dir vor, Du selbst müsstest 5 Jahre allein auf eine einsame Insel und Du hättest ein Budget von 500 Euro für Schachmaterialien. Welche Artikel aus Deinem Sortiment würdest Du mitnehmen ?
Wenn die Insel wirklich so einsam ist, dann würde ich wohl als Schachpartner den TungstenE2-Palm-Computer mitnehmen und wohl so viele GAMBIT-Verlags-Bücher wie möglich - und natürlich unbedingt eine Flöte - ach ich hab ja ‘nen Schachladen... So ein Pech!
Schachlinks.com bedankt sich für das Gespräch
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