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Interview mit Falko Bindrich
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Wir sprachen mit dem mehrfachen deutschen Jugendmeister und Mitglied der Junioren-Olympiamannschaft FM Falko Bindrich
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| Name: |
Falko Bindrich |
| Wohnort: |
Zittau |
| Beruf: |
Schüler |
| Verein: |
Dresdner SC 1898 |
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Falko,Sie haben kürzlich im ukrainischen Alushta Ihre 2. IM Norm erspielt.Dazu unseren herzlichen Glückwunsch !
Danke, es wurde höchste Zeit! Mehrmals war ich schon nur einen halben Punkt entfernt. Nun wird bald die 3.Norm und der „Titel“ kommen.
Welche wichtigen Meilensteine sollte man aus Ihrer Sicht unbedingt erwähnen, wenn man Ihre schachliche Laufbahn beschreiben wollte ?
Das ist schwer zu beantworten. Von Anfang an hat mein Vater viel Wert auf regelmäßiges Training gelegt. ...Dann kommen die Erfolge schon" so meinte er. Der Aufstieg auf den Olymp zur Europameisterschaft 1999 in Litohoro war vielleicht so ein Punkt. Mir wurde dort bewusst, dass ich gar nicht richtig Schach spielen konnte. Und als ich mit Tiger Hillarp Person 2002 den ersten Großmeister besiegen konnte, war das bestimmt auch ein Schritt. Sonst denke ich aber, dass ich mit kleinen Schritten, mit beständiger Arbeit am weitesten komme
Kommt es Ihnen nicht manchmal selbst vor wie ein „Wunder“, das Sie in der Oberliga für Dresden direkt neben GM Wolfgang Uhlmann am Spitzenbrett sitzen ? Immerhin ein Mann, der schon mit Fischer die Klingen kreuzte und gemessen am Alter Ihr Urgroßvater sein könnte. Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu ihm beschreiben. ?
Sehr herzlich; er könnte wirklich mein Großvater sein! Auch ich möchte mal so lange Schach spielen. Trainiert hat mich Herr Uhlmann bei den sächsischen Lehrgängen.Und bei ihm zu Hause gab es auch schon einige Trainingsstunden. Na ja Wunder“ (?), ich trainiere viel, Vorbilder sind von Anfang an Robert James Fischer und Garry Kasparow.
Übrigens hatte auch mein Vater schon in jungen Jahren gegen Wolfgang Uhlmann gespielt.
Sie betreiben Schach als Leistungssport und trainieren im Sportgymnasium Dresden. Beschreiben sie uns doch bitte die Trainingsbedingungen in Dresden. Wer kümmert sich dort um Ihre schachliche Entwicklung?
Mein Wohn- und Trainingsort ist Zittau, die südöstlichste Stadt Deutschlands. Aufgrund der Entfernung (120 Km) bin ich selten in Dresden. Die Bedingungen sind in Zittau gut. Mein Vater koordiniert das Training und in der Schule habe ich keine Probleme mit den vielen Freistellungen. Den Unterrichtsstoff hole ich so schnell wie möglich nach. Alle meinen bisherigen Trainer haben mir viele verschiedene Dinge beigebracht. In strategischer Hinsicht und für das Endspiel die Landestrainer Lothar Vogt, Miroslav Shvarts und David Lobhzanidze und auch die Lehrgangstrainer vor allem Wolfgang Uhlmann, Matthias Womacka und Hendrik Hoffmann. GM Michael Bezold, da war ich in der Prinzentruppe des Bundesnachwuchstrainers, hat mir die Schönheit und den Ideengehalt von Studien nahe gebracht. Jiri Lechtynsky, ein sehr erfahrener tschechischer Großmeister, hat mir die Vielfalt der Möglichkeiten und die Wirkung des Überraschungseffekts gezeigt. Und Großmeister Zigurds Lanka hat mich darin bestärkt, dass 1.e4 der bessere Zug ist. Der jetzige Mentor, Großmeister Henrik Teske, analysiert vor allem mit mir sehr tief und weist auf meine praktischen Schwächen hin. Sehr interessant war das Training in den Oktoberferien mit GM Iossif Dorfman. Na ja und die Bücher sind meine besten Lehrmeister.
Sie sind sogenannter C-Kader Spieler. Bedeutet dies, das Sie in besonderer Weise unterstützt werden? Wie genau muss man sich diese Unterstützung vorstellen und welche Privilegien genießt ein Schachtalent, dem der Deutsche Schachbund Förderungswürdigkeit bescheinigt hat ?
Anfangs war mir nicht so richtig klar, welche Bedeutung ein C-Kader hat. Für mich war immer wichtig, stark zu spielen, das Turnier zu gewinnen, Deutscher Meister zu werden und später bei der WM oder EM so weit wie möglich vorn mitzuspielen. Das ist ja nicht so einfach. Je älter ich wurde, bekam ich natürlich mit, dass meine Eltern wegen der Arbeitslosigkeit nicht jedes Turnier bezahlen konnten. Um so besser wollte ich sein, um Turnierzuschüsse zu bekommen. In der Sonderförderung und nun in der Jugend-Olympiamannschaft werden Trainingslehrgänge, das Mentorentraining und auch wichtige Turniere wie die Weltmeisterschaft, die Internationale Deutsche Jugendmeisterschaft oder die letzten Normenturniere durch den DSB bezahlt. Leider ist nun unser Sponsor Infineon weggefallen. Letzterer unterstützte mich in den letzten drei Jahren auch reichlich.
Die Schacholympiade im Jahre 2008 ist nun in Ihre schachliche Heimat nach Dresden vergeben worden und mit Ihrer Nominierung für die Junioren-Olympiamannschaft besteht die konkrete Aussicht Ihrer Teilnahme an diesem großartigen Ereignis. Welche Etappenziele wollen Sie bis dahin erreichen ? Wie sieht Ihr „Fahrplan“ bis dahin aus ? In wie weit sind Sie als Mitglied der Jugend-Olympiamannschaft eingebunden in Veranstaltungen, die der Deutsche Schachbund zum Thema „Olympiade“ organisiert ?
Klares Ziel ist für mich der Großmeistertitel, eine ELO-Zahl über 2600 und eine Medaille bei einer Welt- oder Europameisterschaft U20. Simultan habe ich auch schon in der Kreissparkasse Zittau für unsere lokalen Sponsoren gespielt. Zur Werbung für die Olympiade soll ich auch Simultan spielen. Bisher passte es noch nicht.
Ihre Teilnahme an Trainingssitzungen, Lehrgängen, Turnieren im Ausland u.s.w. verschlingt sicher eine Menge finanzieller Ressourcen, die weit über das hinausgehen, was der Schachbund an Förderung leisten kann. Gibt es denn Sponsoren, die Sie unterstützen, oder müssen Ihre Eltern diese Last weitestgehend alleine tragen ?
Na ja, Infineon ist Geschichte. Damit wird einiges schwieriger. Trotz der finanziellen Probleme bleiben meine Eltern der „Hauptsponsor“. Zum Glück gibt es in Zittau mehrere kleine Sponsoren, einen Apotheker zum Beispiel, oder die Stadtwerke. Mit unserem Oberbürgermeister habe ich schon mehrmals gespielt.
Wie muss man sich eine ganz normale Woche von Falko Bindrich vorstellen ? Welche Dinge sind neben „Schach“ auch wichtig für Sie ?
Es sieht so aus, als ob ich wenig Freizeit habe. Das Liebste, was ich in der „Freizeit“ mache, ist aber Schach spielen! Und hunderte Bücher, je dicker desto besser, habe ich gelesen. Seit Jahren schwimme ich im Verein und hole mir Kondition. Spaß macht mir auch Tischtennis.
Welche Pläne haben Sie in beruflicher Hinsicht ?
Ich denke an ein Studium und einen „normalen“ Beruf. Aber etwas Spezielles habe ich noch nicht in Sicht.
Kommen wir noch einmal zurück zum Thema Schach. Nachdem von uns bereits erwähnten Rundenturnier der Kategorie 8 in Alushta lobte Sie der russische GM Styrenko für Ihre harte Spielweise. Was genau hat er mit „harter Spielweise“ gemeint ? Wie würden Sie selbst Ihre Spielweise charakterisieren ?
Mit „harter Spielweise“ wird GM Styrenkov gemeint haben, dass ich ein kämpferisches Repertoire mit beiden Farben habe. Ich spiele fast immer auf Sieg, unabhängig von der Farbe. Wie gesagt sind Fischer und Kasparow meine Vorbilder. Allerdings wird es auf höherem Niveau immer schwerer, auch mit Schwarz auf Sieg zu spielen. Zur Zeit arbeite ich daran, ein solideres Schwarzrepertoire aufzubauen.
Gibt es eine Schachpartie von Ihnen, die Ihnen - aus welchen Gründen auch immer- unvergesslich geblieben ist ?
In der oben genannte Partie gegen den schwedischen Nationalspieler Tiger Hillarp Persson (2540) errang ich mit Schwarz nach erbittertem Ringen erst nach mehr als fünf Stunden den vollen Punkt. Der deutsch sprechende Großmeister, der jeden Tag im Foyer des Hotels sehr gut Klavier spielte, gab mir interessante Hinweise.
Hillarp Persson,T (2461) - BINDRICH,F (2181)
Mit 25.Td1? [statt 25.Td6 Sc4 26.-- Sxa3 mit ausgeglichener Stellung] 25...Sc4 26.Sa4 Ta7 gab der Großmeister die Qualität. Hier musste ich bis zum Ende der Partie, bis zum letzten Zug, richtig Schachspielen. Ein harter Kampf und für mich in strategischer Hinsicht ein sehr wichtiger Sieg.
die gesamte Partie angucken
Die ersten Runden der Saison sind gespielt. Wie läuft es bei Ihnen in den Ligen?
In der Oberliga habe ich nach drei Runden noch eine weiße Weste. In der Mannschaft meines ehemaligen Trainers in der tschechischen Extra-Liga habe ich drei Punkte aus vier Runden. (alles gegen Internationale Meister).
Falko gegen GM Delchev
Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen für Ihren weiteren Lebensweg Gesundheit und viel Erfolg !
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