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Interview mit Hikaru Nakamura
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Abdul Karim vom "Chess Chronicle"sprach mit dem in Japan geborenen US-amerikanischen Meister von 2005 GM Hikaru Nakamura
ins Deutsche übersetzt von Jörg Elter
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Hikaru Nakamura |
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| Beruf: |
Schachprofi |
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Chess Chronicle:
Wie haben Sie angefangen Schach zu spielen?
Hikaru Nakamura
Das ist wahrlich eine interessante Geschichte. Mein Bruder fing an Schach zu spielen, als er noch sehr jung war, ich glaube er war noch in der Vorschule; und ich habe das Spiel nicht gespielt, bis ich ungefähr 7 Jahre alt war, das war etwa als ich in der 2. oder 3. Klasse war. Zu diesem Zeitpunkt hat mein Bruder bereits seit einigen Jahren gespielt. Was im Grunde passierte war, das während mein Bruder zusammen mit meinen Stiefvater in vielen Turnieren spielte, ich zu einigen Turnieren ging und mich entschied in den Aufenthaltsraum zu schauen. Das ist dort ,wo normalerweise die Spiele analysiert werden- ein amüsanter Raum. Und ich begann, gelegentlich zu spielen. Das ist wirklich der Anfang – nur in den Aufenthaltsraum gehen und einige Spiele spielen. Schließlich begann ich Turniere zu spielen; der Rest der Geschichte ist wohl bekannt.
Chess Chronicle:
Sie haben also angefangen zu spielen als Sie 7 waren?
Hikaru Nakamura
Ja, ich habe zu spielen angefangen als ich 7 war.
Chess Chronicle:
Es hat Sie nicht viel Zeit gekostet, um US-Meister zu werden.
Hikaru Nakamura
Nun, ja, ich bin jetzt 17, also das waren jetzt 10 Jahre. Auf` das Schachspiel bezogen, ist es etwas spät um mit 7 Jahren anzufangen. Die meisten scheint es, beginnen im Alter von 5 oder 6 Jahren. Sieben ist eindeutig etwas spät. Ich denke, dass andere aufstrebende Spieler heutzutage (wie zum Beispiel Carlsen) in diesem Alter anfingen zu spielen, ich könnte aber auch falsch liegen. Es scheint, dass es heut einige sehr begabte Leute gibt, die später anfangen und dann sehr schnell aufsteigen. Sie gelangen vom Anfänger sehr schnell bis zum Meister, so wie ich. Ich stieg vom Anfänger zum Meister innerhalb von 3 Jahren auf.
Chess Chronicle:
Was ist die Ursache, dass es früher so lange dauerte um Großmeister zu werden, aber wenn Sie heute nicht bereits mit 10/11/12 Jahren Großmeister sind, sind sie nur noch nicht soweit?
Hikaru Nakamura
Ich denke, dass es nur eine Erklärung gibt, um die Explosion der Großmeister zu beschreiben, und das ist eindeutig die Technologie – Computer. In den alten Zeiten – vor 5-10 Jahren – sah man keine Großmeister die nicht mindestens 16 oder 17 waren. Jetzt scheint es immer jemanden zu geben, der mit 12,13 oder 14 Großmeister wird. Ich denke, das liegt an der Technologie und der Tatsache, dass jedes Spiel für jeden einzusehen ist. Das macht es viel leichter die Spiele der anderen Spieler zu studieren.
Chess Chronicle:
Das ist richtig. Wer lehrte Sie Schach zu spielen?
Hikaru Nakamura
Meinen Sie, wer mein erster Trainer war?
Chess Chronicle:
Ja.
Hikaru Nakamura
Ich würde sagen, dass ich eigentlich nicht unbedingt einen Trainer hatte, aber ich begann mich dafür zu interessieren, als ich meinen Bruder spielen sah.
Chess Chronicle:
Wer war ihr Lieblingsspieler? Wer war ihre Motivation? Wem begannen Sie nachzueifern?
Hikaru Nakamura
Als ich mit dem Schach anfing, habe ich nicht unbedingt jemandem nachgeifert. Wie auch immer, 1995, kurz nachdem ich anfing Schach zu spielen, ging ich und sah mir das Weltmeisterschaftsmatch zwischen Kasparov und Anand an, das im World Trade Center gespielt wurde. Ungefähr zu dieser Zeit begann ich Kasparov nachzueifern.
Chess Chronicle:
Als Sie die US-Meisterschaft gewannen, waren Sie der jüngste Gewinner des 159-Jahre- alten Titels seit Fischer. Was haben Sie dabei gefühlt?
Hikaru Nakamura
Nun, zuerst mal gewann Fischer nicht nur mit 14 sondern jedes Mal wenn er teilnahm; und mit 20 hatte er ein perfektes Ergebnis; damit verglichen verblasst meine Leistung. Ich würde sagen, dass ich sehr gut gespielt habe und glückliche Gelegenheiten hatte, die ich brauchte, um zu gewinnen. Es war eine magische Serie und die Hauptsache für mich ist es nun, dies im kommenden Februar zu wiederholen.
Chess Chronicle:
Ich sah ihre Mutter neben Ihnen nach dem Playoff-Spiel? Können Sie Sich erinnern, was hat sie Ihnen damals gesagt hat?
Hikaru Nakamura
Sie hat nicht wirklich viel gesagt. Ich denke, es war etwas überraschend für sie, weil, wann immer sie mit mir zu den Turnieren gekommen ist, ist sie nie im Raum geblieben um dem Spiel zuzugucken. Ich denke, sie war zu dieser Zeit einfach nur stolz auf meine Leistung. Ich meine, welche Eltern wären das nicht?
Chess Chronicle:
Sehr wahr; sie ist nun eine sehr stolze Mutter.
Hikaru Nakamura
Ja. Ich denke, jemand kann jederzeit der Beste im Land in etwas werden – ob nur einmal oder ob es mehrfach geschieht – es ist jedes Mal etwas Besonderes.
Chess Chronicle:
Sind Sie auf die nächste US-Meisterschaft vorbereitet, die demnächst ansteht?
Hikaru Nakamura
Nun, ich habe meine Vorbereitungen diese Woche begonnen. Ich denke, meine letzten Ergebnisse bei dem FIDE World Cup – so wie auch in anderen Turnieren – war nicht sehr inspirierend, so dass ich versuche einen Zahn zuzulegen, um es bei der US-Meisterschaft besser zu machen.
Chess Chronicle:
Wir wünschen Ihnen dafür viel Glück.
Hikaru Nakamura
Danke.
Chess Chronicle:
Sie haben jeden Altersrekord von Fischer in den USA gebrochen, bis auf einen: die US-Meisterschaft. Wie Sie sagten, setzte er diesen Rekord mit 14 und sie gewannen mit 16. Ein Kommentar dazu?
Hikaru Nakamura
Nun, ich denke, dass dieser Rekord niemals gebrochen werden wird. Es ist so gut wie unmöglich, weil es heute eine Menge russischer Einwanderer gibt, die herkamen und sehr starke Großmeister sind. Für jemanden im Alter von 14 ist es, denke ich, unmöglich in die Szene zu kommen und sich gegen all diese Spieler durchzupflügen. Dazu bedürfte es eines außergewöhnlichen Talentes.
Chess Chronicle:
Ein Naturtalent?
Hikaru Nakamura
Ja. Ich denke nicht, dass dies geschehen wird.
Chess Chronicle:
Ich stimme Ihnen mit den russischen Einwanderer-Schachspielern hier zu. Was ist der Grund dafür, dass das amerikanische Schach,mit seiner großen Gemeinde, keine echten Amerikaner hat? Es scheint ,dass bei jeder Veranstaltung die stärksten Spieler Einwanderer aus Russland oder anderen Länder sind.
Hikaru Nakamura
Nun, ich denke, das es sehr schwierig ist im amerikanischen Schach; wenn sie jung sind werden sie ermutigt Schach zu spielen und wenn sie zu Turnieren gehen – übrigens fanden letzte Woche die nationalen Meisterschaften der der Alterstufe K-12 statt …
Chess Chronicle:
Ja, ich war da.
Hikaru Nakamura
Ok, ja, Ok.
Nun. Diese Art von Turnieren wird immer abgehalten. Sie sind sehr beliebt. Normalerweise tauchen dort eine Menge Kinder auf, aber ich glaube dass das Problem ist, dass Kinder solange sie jung sind, ermutigt werden Schach zu spielen. Wenn sie das Mittel- und Oberschulalter erreichen, tendieren sie dazu, aus dem Spiel auszusteigen; und ich denke, es ist nachzuvollziehen warum, weil, wenn sie diesen Punkt erreichen und zum Beispiel die nationalen Meisterschaften gewinnen; was können sie dann noch tun? Es ist sehr schwierig. Es ist fast so, als hätten Sie die Erwartung, der Sprung vom Schülertitel zu den „Großen“ sei geschafft.
Es ist wirklich sehr schwierig. Ich denke, sie brauchen eine Zwischenstufe. Dies könnte die Situation verbessern. Nun, so weit es die russischen Einwanderer betrifft, würde ich sagen, dass seitdem die Sowjet-Union zusammengebrochen ist, sie überall auf der Welt verstreut wurden und dass jeder versucht seinen Weg zu machen und gut zu leben. Ein professioneller Schachspieler zu sein, ist am Anfang nicht leicht. Es ist sehr schwer.
Chess Chronicle:
Wie sehen Sie die Zukunft des Profi-Schachs?
Hikaru Nakamura
Nun, ich denke, dass Schach eine große Zukunft auf der Welt hat. Ich denke, dass die FIDE, besonders unter Kirsan, in der Lage ist, eine Menge Geld in das Schach zu pumpen. Ob ich mit dem übereinstimme was er macht, in Bezug auf die Vereinigung, ist eine andere Geschichte.
Chess Chronicle:
Ja. Natürlich ist das eine andere Sache.
Hikaru Nakamura
Ja. Das ist eine ganz andere Sache, aber er bringt eine ganze Menge Geld ins Spiel, was ein guter Anfang ist. Ich denke, was es wirklich braucht, um Schach sehr populär zu machen, wäre ein Wiedervereinigungsmatch, so dass es nur noch einen Weltmeister gibt.
Chess Chronicle:
Bessel Kok kandidiert um die FIDE-Präsidentschaft. Was sagen Sie dazu? Ist es Zeit für einen Wechsel?
Hikaru Nakamura
Ich glaube nicht, dass die derzeitige FIDE-Führung nicht genug tut, um das Schach und die Spieler zu unterstützen.
Chess Chronicle:
Bei der Weltmeisterschaft in San Luis fehlten eine Menge der Spitzenspieler? Kennen Sie die Auswahlkriterien?
Hikaru Nakamura
Das war tatsächlich recht verwirrend. Ich denke, sie benutzten eine bestimmte Ratingliste anstelle einer Aktuelleren; das ist es, warum ich denke, das Ivanchuk nicht spielte, obwohl er zu dieser Zeit auf Platz 5 der Weltrangliste stand. Ich denke, dass er auf der Ratingliste, die sie benutzten, auf Platz 10 oder so stand. Das war kurz bevor er eine Menge Punkte einsammelte. Ich bin mir nicht 100% sicher, aber ich denke, dass das System verbessert werden muss.
Chess Chronicle:
Alex Baburin berichte in der Ausgabe 1831 von Chess Today, dass ein „unbekannter Teilnehmer der Weltmeisterschaft in San Luis“ Veselin Topalov beschuldigt hat, Hilfe von außen benutzt zu haben, um zu gewinnen. Cheparinov erstellte Computeranalysen des Spiels und gab sie an den zukünftigen Champion für den nächsten Zug weiter. Irgendein Kommentar?
Hikaru Nakamura
Mir scheint es, dass entweder Leko oder Kasimdzhanov der „unbekannte Spieler“ ist. Ich weiß wirklich nicht, was ich sagen soll, weil es ohne Beweise eine dumme Beschuldigung ist. Sie müssen es be- oder widerlegen. Ich persönlich denke, dass es sehr unwahrscheinlich ist, das Topalev schummelte.
Chess Chronicle:
Gibt es eine Möglichkeit oder gibt es keine?
Hikaru Nakamura
Es gibt eine Möglichkeit, aber ich denke, wenn dies passiert wäre, es von mehr als einer Person bemerkt worden wäre. Ich denke, dass so lange es keinen echten Beweis gibt, es nur eine dumme Beschuldigung ist.
Ich würde sagen, die Chancen sind sehr unwahrscheinlich, vielleicht 1 zu einer Million, das es geschehen ist. Die einzige Sache, die dies möglicherweise rechtfertigt, ist ,dass Topalov jedes einzelne Spiel auf sehr hohem Niveau gespielt hat. Vielleicht denkt derjenige, wer auch immer Topalev beschuldigte, das er etwas zu gut spielte. Noch einmal, wir werden niemals sicher sein, aber ich denke, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass Topalov schummelte.
Chess Chronicle:
Topalev erzielte das ganze Jahr über wirklich gute Ergebnisse.
Hikaru Nakamura
Ja, er hatte im Allgemeinen ein sehr gutes Jahr. Es war ein sehr gutes Ergebnis, ganz zu schweigen davon, dass er Kasporov in seinem allerletzten Spiel geschlagen hat.
Chess Chronicle:
Wen halten Sie für den wahren Weltmeister?
Hikaru Nakamura
Unglückweise, denke ich, müssten beide, Kramnik und Topalov, als Weltmeister anerkannt werden. Obwohl Kramniks Weltrangposition sich verringert hat, ist er doch in einem Weltmeisterschaftsmatch ungeschlagen. Als solches ist er Weltmeister. Ich denke, es ist Zeit, 2006 die Debatte mit einem Kramnik-Topalov-Match zu beenden.
Chess Chronicle:
Kramnik hat Kasparov geschlagen. War Kasparov ein FIDE-Weltmeister?
Hikaru Nakamura
Ungeachtet dessen, war er Weltmeister. Sie müssen Kramnik nicht mögen und Sie müssen nicht mit dem übereinstimmen was er tut, aber er ist der Weltmeister.
Chess Chronicle:
Gibt Ihnen Ihr US-Meistertitel das Recht, ein Weltmeisterschaftsmatch außerhalb der FIDE zu spielen?
Hikaru Nakamura
Es ist gegenwärtig nicht möglich; um gegen die Spitze zu spielen, müssen sie sich für den Kreis der Kandidaten qualifizieren.
Chess Chronicle:
Irgendein Kommentar zu Ihrer Leistung nach der US-Meisterschaft?
Hikaru Nakamura
Ich hatte eine Menge guter Ergebnisse; ich hatte keine guten Ergebnisse, wenn es um den Gewinn großer Turniere ging. Meine Ergebnisse waren einigermaßen konstant und ich habe einige Punkte gesammelt.
Chess Chronicle:
Es gab ein gutes Match in Mexiko.
Hikaru Nakamura
Gegen Karjakin, es war ein sehr gutes Match. Ich habe das Match mit 4½ zu 1½ gewonnen. Es ist immer nett, wenn sie ein Match wie dieses gewinnen können, besonders weil Karjakin ein aufsteigender Jungspieler ist.
Chess Chronicle:
Befürworten Sie ein Wiedervereinigungsmatch?
Hikaru Nakamura
Ja, absolut. Ich denke, um das Schach voranzubringen, muss es wirklich ein Wiedervereinigungsmatch geben und soweit es Topalov betrifft, wäre es in seinem eigenen Interesse, dieses Match gegen Kramnik zu spielen. Es ist notwendig, so dass die Schachwelt vorankommen kann und einen Weltmeister hat. Wenn es nur einen Weltmeister gibt, sind die Dinge einfacher. Dann wird es auch möglich sein, mehr Sponsoren anzuziehen. Jetzt, mit 2 Weltmeistern, ist es sehr verwirrend.
Chess Chronicle:
Angenommen, Sie seien der Weltmeister. Würden Sie das Wiedervereinigungsmatch spielen?
Hikaru Nakamura
Ja. Im Interesse des Schachs denke ich, dass die Spieler sich immer daran erinnern sollten, was das Beste für das Schach ist – und eben nicht das beste für sie selbst und wo das meiste Geld zu machen wäre. Sie werden ihr Geld machen, egal was sie tun. Wenn sie dem Schach helfen und versuchen das Spiel voranzubringen, werden sie möglicherweise mehr Geld machen.
Chess Chronicle:
Denken Sie nicht, Chess World Cup ist nur ein anderer Name für die FIDE-K.O.-Weltmeisterschaft?
Hikaru Nakamura
Ja, genau. Sie haben nur den Namen geändert. Ich denke, der Unterschied ist, dass nun Topalov der FIDE-Weltmeister ist. Sie haben mehr oder weniger nur den Turniernamen geändert. Das Turnier ist genau das Selbe. Der einzige Unterschied ist nur, dass die Person, die das Turnier gewinnt, nicht automatisch der Weltmeister ist.
Chess Chronicle:
Sie muss die nächste Weltmeisterrunde spielen?
Hikaru Nakamura
Ja, man muss sich qualifizieren.
Chess Chronicle:
Sie haben die erste Runde gegen den Inder Surya Ganguly verloren. Waren Sie auf dieses Ereignis nicht vorbereitet?
Hikaru Nakamura
Nun, zuerst einmal, ich war sicherlich etwas eingerostet. Ich hatte für etwas mehr als einen Monat kein Turnier gespielt und zweitens, unglücklicherweise, mit dem K.O.-System ist das unverzeihlich. Unglücklicherweise habe ich im ersten Spiel nicht sehr gut gespielt. Dann war ich, obwohl ich alles versuchte, nicht in der Lage ein Remis zu erreichen. Allein wegen dieser Niederlage war ich gezwungen, im zweiten Spiel aggressiver zu spielen. Ich glaube folgendes; das System gesteht niemandem auch nur einen einzigen Fehler zu.. Meiner Meinung nach, neigt der derjenige dazu, das Match zu verlieren, der zuerst Fehler macht.
Chess Chronicle:
Denken Sie nicht, dass dies der Grund ist, warum die meisten Spieler das K.O.-System nicht bevorzugen? Zum Beispiel, Karpov sagte, er sei nicht glücklich damit.
Hikaru Nakamura
Nun, ich denke, es gibt mehrere Probleme. Zuerst einmal ein 2-Spiele-Match zeigt nicht notwendigerweise wer der bessere Spieler ist; jeder kann in einem Spiel Glück haben. Dann im zweiten Spiel liegt eine Menge Druck auf denjenigen, der das erste Spiel verloren hat.
Ich erinnere mich, das Anand einmal sein erstes Spiel verlor gegen einen 2300er, glaube ich. Natürlich gewann er das zweite Spiel mit Schwarz, aber der Druck, der auf einen in dieser Situation liegt, ist sehr stark. Es ist sehr sehr schwierig, das zweite Spiel zu gewinnen, nachdem man das erste Spiel verloren hat. Die Spieler schaffen es bis in die „Tie Breaks“
, aber dann ist es auch nur Blitzkrieg und Schnellfeuer, und wer es schafft zu verpatzen und wer nicht verpatzt. Das ist einfach nicht gut für die Qualität des Schachs. Qualität, denke ich, ist wichtiger als Quantität.
Chess Chronicle:
Was sagen Sie zu Kasparovs Abschied vom Schach?
Hikaru Nakamura
Ich denke, es ist sehr interessant. Er möchte sicherlich etwas in der russischen Politik tun. Und wer kann ihm das schon verübeln, mit dem Putin-Regime in Russland. Offensichtlich gibt es etliche Leute die glauben, dass eine Veränderung notwendig ist. Ich denke, dass ist sehr lobenswert, und, dass es gut für Russland ist und er Freude daran hat, ich bin sehr dafür.
Chess Chronicle:
Können Sie ihn sich als Präsidenten Russlands vorstellen?
Hikaru Nakamura
Nein, eigentlich denke ich nicht, dass Kasparov Präsident Russlands wird. Es ist eine schwierige Situation, weil Putin Russland fest im Griff hat. Ich glaube,das Kasparov versucht die Situation zu verbessern und den Leuten zu helfen, ist sicherlich eine gute Sache und bewundernswert.
Chess Chronicle:
Die Schachwelt hat aber einen wirklich großartigen Spieler verloren.
Hikaru Nakamura
Das ist wahr, aber ich denke, dass es sehr leicht zu verstehen ist, warum Kasparov das Schach aufgegeben hast. Nach all dem; zuerst hat man das Match zwischen ihm und Kasimdzhanov, der zu diesem Zeitpunkt FIDE-Weltmeister war, verlegt, dann das Datum geändert und dann abgesagt. Natürlich, nach dem Kasparov jahrelang Weltmeister gewesen war und versucht hatte seinen Thron zurückzuerobern und dabei zurück geworfen wurde, muss der Punkt gekommen sein, an dem er entschied, das es nicht lohnen würde weiterzuspielen; nach so viel Jahren, in denen sich Nichts zu ändern schien.
Chess Chronicle:
Wer ist ihr Lieblingsspieler aus der Vergangenheit?
Hikaru Nakamura
Ich würde vermutlich Fischer sagen; sicher Fischer und Tahl, weil sie sehr starke Angriffsspieler waren.
Chess Chronicle:
Ich vermute, Topalov hat Tahls Stil.
Hikaru Nakamura
Etwas davon. Ich denke nicht dass irgendwer den Zauber kopieren kann, den Tahl hatte, weil seine Taktiken in den meisten Fällen wahrlich unbegründet waren, sie waren kreativ und erstaunlich. Noch einmal; beim heutigen Stand der Technik,so gut wie sie ist, denke ich, ist es viel schwerer in eine Position zu gelangen, die eine Menge taktischer Verwicklungen hervorbringt. Obwohl Topalov sehr gut ist, sind seine Taktiken nicht auf demselben Niveau. Ich würde sagen, die einzige Person, die vergleichbar viele komplizierte taktische Verwicklungen schaffen und die Dinge aufmischt kann – ist Shirov.
Chess Chronicle:
Wer ist im Moment ihr Favorit unter den jungen Spielern?
Hikaru Nakamura
Das ist eine schwierige Frage. Ich würde zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich Karjakin sagen. Er hat sich sehr verbessert, seitdem ich Ende letzten Jahres gegen ihn in Mexiko gespielt habe und seine Ergebnisse waren sehr beeindruckend. Dann hat er noch einmal die erste Runde des FIDE World Cups verloren. Da zeigt sich, was alles passieren kann.
Chess Chronicle:
Wie steht es mit Ihnen?
Hikaru Nakamura
(Lacht) Nun, ich bin sehr voreingenommen, was mich betrifft. Lassen Sie mich darüber nachdenken… Ich denke, mein Stil ist für die Fans sehr aufregend und eine Menge Leute mögen ihn. Die Spiele die ich mache ,sind für gewöhnlich sehr aufregend. Ob ich gewinne oder verliere; sie sind leicht sich zu begeistern, während sie beim Betrachten von langweiligen 20-Zügen-Remis, nicht unbedingt begeistert oder erfreut sind. Ich denke, die Fans genießen die Spiele sehr und die Tatsache, dass ich immer versuche zu gewinnen. Ich denke, die Leute genießen meinen Kampfgeist.
Chess Chronicle:
Haben Sie Trainer?
Hikaru Nakamura
Nein, habe ich nicht.
Chess Chronicle:
Sie üben also alleine?
Hikaru Nakamura
Ich benutze normalerweise viel den Computer und studiere das Spiel. Grundsätzlich studiere ich das Spiel und die Eröffnungen meines Kontrahenten. Dieses Schemas bedienen sich heutzutage scheinbar viele Spieler. Das funktioniert genauso gut.
Chess Chronicle:
Ich habe mit einigen starken Spielern gesprochen und sie ziehen es nicht vor, den Computer zur Analyse zu benutzen. Warum, denken Sie, ist das so?
Hikaru Nakamura
Nun, ich denke, da gibt es eine Trennung zwischen der jüngeren und der alten Generation. Und ich denke, das speziell in der jüngeren Generation, die meisten Leute praktisch die ganze Zeit den Computer nutzen, um zu üben. Die älteren Spieler sind nicht unbedingt so vertraut mit Computern. Trainingshilfen unterscheiden sich von denen, die sie benutzten, als sie aufwuchsen und trainierten. Ich denke, dass es eigentlich nur eine Sache der Vorliebe ist. Wirklich, es gibt die Technologie. Man kann die Maschinen benutzen. Warum sie nicht benutzen, wenn man es sich einfacher haben kann, weil Computer in bestimmten Situationen keine taktischen Fehler begehen.
Chess Chronicle:
Wären Sie daran interessiert, gegen Computer zu spielen?
Hikaru Nakamura
Wahrscheinlich nicht. Ich denke, dass es zu viele starke Großmeister gibt, die durch Computer fertig gemacht wurden. Ich möchte dieser Liste nicht beitreten. (Lacht.) Ich denke, ein Wendepunkt war, als Adams gegen Hydra verloren hat. Es war eine wirklich schmerzhafte Niederlage für Adams, so zerschmettert zu werden, 5½ zu ½; ich denke, das zeigt, wie sehr sich die Computer von den Anfangstagen an verbessert haben.
Chess Chronicle:
Wie schaffen Sie es, sich für starke Schachturniere fit zu halten?
Hikaru Nakamura
Es gibt 2 Gedanken zu diesem Thema. Ein Gedanke ist, dass es eigentlich unwichtig ist, ob sie in guter Form sind oder nicht und ich weiß, dass Tahl einigen Berichten zufolge oft sehr krank ausgesehen hat. Trotzdem hat er es immer noch geschafft, ein großartiger Spieler zu sein und auch im späten Alter war er noch ein großartiger Blitz-Spieler.
Ich kann nicht unbedingt zustimmen oder dem widersprechen, dass man in guter Form sein muß. Ich denke, wenn sie einigermaßen in guter Form sind, reicht das. Ich spiele Tennis, also würde ich sagen, ich bin einigermaßen in Form.
Chess Chronicle:
Ein Kommentar zu Kamskys Rückkehr?
Hikaru Nakamura
Nun, Kamsky war eine ganze Weile raus aus dem Spiel, daher war es sicherlich eine angenehme Überraschung, speziell für das US-Schach, als er sich entschied, zurückzukommen und erneut zu spielen. Bislang bin ich nicht sehr beeindruckt von seinem Spiel, aber natürlich, wenn er so lange weg war, muss er bestimmt etwas eingerostet sein. Beim FIDE World Cup zeigten seine Spiele deutlich, dass er sehr lange fort war. Es scheint mir, dass Kamsky in vielen Spielen große Probleme bekam. In der vierten Runde spielte er gegen Grischuk und es schien so, als ob ihn das Glück verlassen hätte.
Chess Chronicle:
Er hat das erste Spiel verloren
Hikaru Nakamura
Ja, er hatte das erste Spiel verloren. Daher war das zweite Spiel ein Pflichtsieg, und um ehrlich zu sein, ich denke wirklich nicht, dass er es schafft gegen Grischuk zu gewinnen, weil dieser ein sehr guter Spieler ist. Aber man weiß es nie. Im Allgemeinen ist es bestimmt gut, dass Kamsky zum Schach zurückgekommen ist.
Chess Chronicle:
Denken Sie, dass Kasparov eines Tages zurückkehren wird, so wie Kamsky?
Hikaru Nakamura
Das ist sehr schwer zu sagen, aber ich denke nicht. Ich denke, dass er sich auf die russische Politik konzentrieren und versuchen wird, die Situation in Russland zu verbessern.
Chess Chronicle:
Schach und Computer: Was denken Sie, über die Zukunft der Computer im Schach?
Hikaru Nakamura
Nun, ich glaube, dass an einen bestimmten Punkt Computer ein Niveau erreichen, auf denen es die Menschen nicht mehr interessiert gegen sie zu spielen. Aber noch einmal, sie sind zur Analyse da und es ist unwichtig, ob man sie schlagen kann. Sie können sie benutzen, um Eröffnungen und Spiele zu analysieren, was ihnen ein großes Stück dabei hilft, sich zu verbessern. Ich denke, es wird eine Zeit kommen, in der die Leute nicht einmal mehr erwägen gegen Computer zu spielen, aber sie werden immer zur Analyse von Eröffnungen und Spielen genutzt werden.
Chess Chronicle:
Ein Schachbuch, von dem sie denken, dass es jeder Schachspieler gelesen haben sollte?
Hikaru Nakamura
Ich denke, jeder Schachspieler sollte „My 60 Memorable Games“ von Fischer lesen.
Chess Chronicle:
Ein Ratschlag für junge Schachspieler?
Hikaru Nakamura
Nur das die Leute versuchen sollten Schach zu spielen und zu lernen. Lerne immer und versuche dich zu verbessern, das ist das, wonach du fragen solltest. Versuche dein Spiel zu verbessern und bleibe dabei, ein besserer Spieler zu werden.
Chess Chronicle:
Einen Gruße an die Leser des Chess Chronicle?
Hikaru Nakamura
Ich hoffe, das Interview hat ihnen Freude bereitet und sie interessiert. Ebenso wünsche ich ihnen ein frohes, neues Jahr.
Chess Chronicle:
Unseren speziellen Dank an GM Hikaru Nakamura für die Beantwortung unserer Fragen.
| The Chess Chronicle is an interesting and ambitious project, which describes itself as follows: It contains theoretical analysis, opening surveys, chess novelties, and well-annotated games, as well as instructive theoretical material from Grandmasters and International Masters. They even have Ivanchuk writing for them. A well respected publication, in both PDF and PGN format. |  |
Copyright © Chess Chronicle
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