|
|
Interview - Anzeigen
|
| |
Interview mit Frank Hoppe
|
| |
|
Wir sprachen mit Frank Hoppe;in Personalunion der Webmaster des Berliner Schachverbandes und Referent der Wertungszentrale des Deutschen Schachbundes.
|
| |
 |
| Name: |
Frank Hoppe |
| Wohnort: |
Berlin |
| Beruf: |
Parkgaragenwart |
| Verein: |
SV Berolina Mitte e.V |
|
|
| |
Herr Hoppe,Sie haben die Internetpräsenz des Berliner Schachverbandes Ende 1996 ins Leben gerufen und sind damit so etwas wie der „Internet-Guru“ des Schachsports in der Hauptstadt.
Frank Hoppe
Internet-Guru ? Wenn man die Verbandsseiten schon so lange betreut, muß man das wohl sein ... (lächelt) Mein Jagdrevier waren bis 1996 mehr die Downloadbereiche von CompuServe und privat und kommerziell betriebene Mailboxen. In einer dieser Mailboxen - PC's mit Modem und entsprechender DFÜ-Software - veröffentlichten Alexander Scholz (Turnierleiter der BMM) und ich die BMM-Ergebnisse und DWZ-Listen. Mit dem Internet - einem von unzähligen Netzwerken - hatte ich da noch nichts am Hut. Das änderte sich erst Ende 1996, als ich mich doch dazu entschloß eine Internetseite zu erstellen. Dort wollte ich die neuesten Informationen aus meinem DWZ-Referat beim Berliner Schachverband - ein Amt, das ich kurz zuvor übernommen hatte - veröffentlichen. Der damalige Vizepräsident unseres Verbandes, Martin Hamann, brachte meine Initiative auf einer Präsidiumssitzung zur Sprache und fortan war ich damit beschäftigt, für den gesamten Verband eine Homepage zu verwalten. Und das geschah durchaus freiwillig !
Seitdem ist viel Wasser die Spree heruntergeflossen und Licht und Schatten wechselten sich ab. Vor drei Jahren wollte ich schon mal kürzer treten, doch der geplante Nachfolger zeigte überhaupt kein Engagement. Seitdem arbeite ich mit neuem Eifer an den Verbandsseiten und möchte diese Aufgabe auch nicht mehr missen.
FS-GM Nickel hat hier im Interview beklagt, es gäbe in in vielen Forumsdiskussionen Schreihälse und Besserwisser auf der öffentlichen Bühne des Schachsports .Als Webmaster muß man demnach ein ganz schön dickes Fell haben oder ? Mal Hand aufs Herz; wie oft wollten Sie schon hinschmeißen?
Frank Hoppe
Mit dickem Fell bin ich in zweierlei Hinsicht ausgestattet (lächelt). Mich kann so schnell nichts erschüttern, was leider nicht auf soviele Mitmenschen zutrifft, die Humor oft mit Kritik verwechseln. Wenn im BSV-Forum mal wieder jemand kritische Beiträge geschrieben hat, dann hat mich der damalige Präsident Alfred Seppelt schon mal persönlich angerufen oder zur Präsidiumssitzung bestellt. Bemerkenswert ist, das Seppelt selbst mit Computern und Internet nichts am Hut hat und entsprechend mißgestimmt war, wenn ihm etwas von Dritten zugetragen wurde. Es wurde sogar mal die Forderung laut, ich möge doch alle Veröffentlichungen vorher vom Präsidium absegnen lassen !
Der neue Präsident Dr.Matthias Kribben hat mit dem Internet erfreulicherweise keine Berührungsängste und besuchte mich sogar auf Arbeit, um meine Entwürfe für den Relaunch Mitte 2004 zu begutachten. Auch wenn kritische Beiträge seit dem Rücktritt von Seppelt Mangelware geworden sind, so fühle ich mich doch erheblich freier in meiner Arbeit. Ich sehe mich schließlich nicht nur als Sprachrohr des Berliner Schachverbandes, sondern des gesamten Berliner Schach's.
Beeindruckend finde ich in dem Zusammenhang, das Dr.Kribben sehr gelassen auf die Vorwürfe von Eckehard Klugow im BSV-Forum reagierte. Klugow schimpft dort auf den Berliner Schachverband und die Pläne ,eine zentrale BMM-Endrunde im Hotel Estrel durchzuführen. Auch der Stammtisch der Vereinsvorsitzenden unter Leitung von Wolfgang Hartmann kriegt sein Fett weg. Unter Seppelt hätte ich die Beiträge längst entfernen müssen.
Aber man muß auch Verständnis für Klugow aufbringen. Seinen Verein "Schach in Spandau" mußte er nach nur vier Jahren vor einigen Monaten auflösen, da kann man schon mal sauer sein und das öffentlich kundtun. Solange nicht Mohammed karikiert wird ...(lächelt)
Welche lustigen Anekdoten fallen Ihnen ein, wenn Sie zurück blicken auf Ihre Zeit als Webmaster?
Frank Hoppe
Eine echt schwierige Frage. Was soll schon groß passieren, wenn man im heimischen Kämmerlein sitzt und auf der Tastatur rumhackt. Computerabstürze und vorher nicht gesicherte Texte können wohl kaum als Anekdote herhalten.
Aber vielleicht gibts ja doch was. So war ich 1997 eher belustigt von einer Mail, in der der Absender die Verbandsseiten madig machte und seine professionelle Hilfe anbot. Als ich ihm antwortete, das ich die Seiten zu meinem Vergnügen mache und kein Geld dafür bekomme, hat er sich nie mehr gemeldet.
Lustig sind auch die Fälle, wenn man auf Turnieren von Leuten angesprochen wird, wo man dann während des Gesprächs hin- und herrätselt, wer das Gegenüber ist. Oder wenn man seinen Namen auf Turnieren nennt und sich die Mienen der Umstehenden erhellen: "der Frank Hoppe, der die DWZ verwaltet ?!" - wie es mir im letzten Jahr in Hamburg passiert ist.
Man sagt, seit Herr Dr. Kribben Präsident des BSV ist, sei der Verband dem Medium
Internet deutlich zugewandter. Können Sie das bestätigen ?
Frank Hoppe
Matthias ist ein Präsident neuen Typus. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger hat er sich sofort für die Homepage interessiert und war an meinen geplanten Entwicklungen interessiert. Das merkt man auch immer wieder auf Sitzungen, wenn ich beide Präsidenten miteinander vergleiche. Ich bin vielleicht nicht der beste Redner, aber Seppelt wirkte bei meinen Kurzberichten immer demonstrativ abwesend. Auch in persönlichen Gesprächen winkte er ab, wenn die Rede auf Computer und Internet kam. Alfred Seppelt ist mehr ein Präsident zum Präsentieren gewesen - immer mit einem Draht zur Macht, was ihm auch viele Sponsorentüren öffnete. Matthias dagegen hat frischen Wind in den Spielbetrieb und die Geschäftsstelle - der Umzug nach Kreuzberg - gebracht und ist Neuem gegenüber sehr aufgeschlossen. Die Zügel sind also etwas lockerer geworden. (lacht)
Man darf Sie wohl für einen profunden Kenner der Berliner Schachszene halten. Würden Sie auch sagen, das es in Berlin einen regelrechten Schachenthusiasmus gibt und wenn ja, woran liegt das nach Ihrer Auffassung ?
Frank Hoppe
Wenn man Enthusiasmus über die Mitgliederzahlen definiert, dann müßte ich die Frage mit Nein beantworten. Die liegen nämlich mit 2621 per 15.Januar deutlich unter der magischen Marke von 3000. Enthusiasmus macht sich aber breit, wenn man die Veranstaltungen betrachtet, die Matthias Kribben aus dem Boden gestampft hat: Chess960-Einzel und Mannschaftsmeisterschaft, das Schachfestival im Jüdischen Museum, die Feierabend-Liga und am 30.April das wohl größte Schachturnier in der über 100jährigen Geschichte des Berliner Schachverbandes - die zentrale BMM-Endrunde mit rund 1500 Spielern im Hotel Estrel. Zudem hat sich das Verhältnis zum Berliner Betriebsschachverband deutlich verbessert. Beide Verbände kooperieren bei bestimmten Veranstaltungen, wie z.B. der Blitz-Einzel- und Mannschaftsmeisterschaft. Unter Alfred Seppelt war das undenkbar. Der sah die Betriebssportler nur als Verantwortliche für den Mitgliederschwund im BSV.
Und auch zum Landesschachbund Brandenburg hat Matthias Kribben seine Fühler ausgestreckt. Dort sind gemeinsame Turnierangebote geplant, die sich nicht nur auf die alljährlichen Seniorenvergleiche beschränken. Aller Anfang ist aber schwer, wenn man sieht, das bei der als Berlin-Brandenburger ausgeschriebenen Chess960-Meisterschaft nur zwei Brandenburger Teilnehmer dabei waren.
Noch mal zurück zur Homepage des BSV. Es gibt dort eine ungeheuerliche Anzahl von Features , deren ständige Aktualisierung doch sicher ungeheuerlich viel Zeit erfordert. Wer oder was motiviert Sie dazu, sich so viel ehrenamtliche Arbeit aufzubürden ?
Frank Hoppe
Das liegt mir wahrscheinlich im Blut. Schon als Jugendlicher habe ich von allem Möglichen Statistiken angelegt. Meine schachlichen Ergebnisse habe ich über Jahre hinweg handschriftlich erfaßt, ebenso komplette Tabellen von Turnieren an denen ich teilnahm. Von Fußball-Bundesliga, der DDR-Fußball-Oberliga und von der Leichtathletik habe ich Tabellen angelegt und Ranglisten geführt. Als ich 1982 in einen Schachverein eingetreten bin, ging es weiter - und bald war ich dort Spielleiter. Der Weg in den Verband war da nicht weit und eine Funktion wie Klassifizierungsbearbeiter - ab 1988 - und später DWZ-Referent - ab 1996 - kam meiner statistischen Ader sehr entgegen. Ebenso ist es bei der Homepage. Da kommen zusätzlich zu den Daten noch programmiertechnische Aufgaben. Das kommt mir alles entgegen, da ich ein ruhiger und zurückhaltender Zeitgenosse bin. Ich muß mich nicht vor versammelter Mannschaft hinstellen und Aufgaben verteilen und organisieren. Als ich 1993 meinen ersten PC bei einem Versandhaus bestellte - ein 386er mit 20 Mhz und 80 MB Festplatte ... -, war meine Frau zuerst sehr erbost über dieses "Spielzeug". Ich aber entdeckte bald mein Faible für Programmiersprachen wie ITG-Pascal und QBasic, später dann HTML, C, Perl und PHP. Wenn ich gewußt hätte, wie faszinierend das ist, hätte ich mich in der Schule mehr angestrengt um irgendwann Informatik studieren zu können ... Programmieren und Daten"sammelwut" - das ist also die ganze Motivation. Müßig zu erwähnen, das meine Ehe auch daran zu Bruch ging.
Als Single und durch meinen Beruf, habe ich natürlich viel Zeit für mein Hobby. An der Homepage arbeite ich fast täglich. Aktuell laufende Projekte sind der Ausbau und die Programmierung des Vereinsregisters - mittlerweile habe ich schon Daten zu fast 300 Schachvereinen zusammengetragen, die es in Berlin mal gab oder noch gibt -, dann ein Artikel zu den Erfolgen des kürzlich verstorbenen Günther Möhring und ein Artikel über die erste Geschäftsstelle des Verbandes in Mariendorf.
Wenn man die Webseiten der verschiedenen Landesverbände vergleicht, fällt auf, dass insbesondere die BSV-Homepage etliche Sponsoren beherbergt. Warum ist diese Art der Finanzierung noch so wenig verbreitet ?Wird Ihrer Ansicht nach die Chance der Vermarktung
auf Schach-Webseiten noch zu wenig wahrgenommen ?
Frank Hoppe
Irgendwann vor vielen, vielen Jahren hat das Präsidium festgelegt, keine Werbung mehr im Mitteilungsblatt zu veröffentlichen. Das galt natürlich auch später für andere Medien. Trotzdem hatte ich einige Zeit die Werbung diverser Bannertauschdienste auf der Homepage - natürlich nur Werbung von nichtkommerziellen Seiten. Das fand nicht den Beifall im Präsidium. Erst mit dem Führungswechsel im März 2004 wurden die Regelungen weiter gelockert und Dr.Kribben bemühte sich um Sponsoren, denen er im Gegenzug Werbeplätze auf der Homepage versprach. Damit arbeitet die Homepage kostendeckend und ist darüberhinaus ein Geldbringer für den Verband.
Warum andere Verbände diese Werbeform noch nicht entdeckt haben ? Vielleicht gibt's dort Werbeverbote oder dem Internet abgeneigte Präsidenten ?!
Sie sind zudem auch Referent der Wertungszentrale des Deutschen Schachbundes und verwalten als solcher die DWZ-Datenbank des Deutschen Schachbundes. Wie genau müssen wir uns Ihre Arbeit in dieser Funktion vorstellen ?
Frank Hoppe
Zu dieser Funktion kam ich im Januar 2003 mehr durch Zufall. Anton Hilpoltsteiner war kurz vor der Fuldaer Tagung der DSB-Wertungskommission zurückgetreten und ich ahnte schon Schlimmes. So kam es dann auch. Als über einen Nachfolger diskutiert wurde, schossen sich die Delegierten schnell auf mich ein. Obwohl ich den Posten eigentlich nicht wollte, war ich mir schon vor der Tagung bewußt, das ich als Einziger dafür in Frage komme. Das war auch die Meinung der Anwesenden. Ich war schon lange im Amt als Landesreferent und habe mich offensichtlich auch durch einige Programmierungen für die DWZ-Arbeit ins Gespräch gebracht. Erste Aufgabe für mich war es, von dezentraler auf zentrale Berechnung umzustellen. Mein Vorgänger bekam bis dahin nur Turniere mit überregionaler Beteiligung. Er ergänzte fehlende Daten, berechnete die Turniere und verteilte sie an die Landesverbände. Jeder Landesverband führte seine eigene DWZ-Datenbank und speicherte die hilpoltsteinerschen Turniere in seiner Datenbank. Bei verbandsübergreifenden Vereinswechseln wurden die Spieler von einem Landesverband zum anderen transferiert. Aber nicht alle Referenten hielten sich an bestehende Verfahrensweisen und bei den vielen Transfers zwischen den Landesverbänden und Archivierungen im eigenen Verband gingen auch viele Daten verloren. Um endlich Ordnung reinzubringen, blieb nur die Zentralisierung - und das fand nicht allerorten Zustimmung. Die "eigene" DWZ-Datenbank war vielen "ans Herz gewachsen" und sie glaubten, sich ihrer Hoheitsgewalt beraubt, zu schnöden Datenerfassern degradiert. Besonders stark wehrte sich Hessen. Trotzig bekam ich von dort noch Landesdatenbanken geschickt, obwohl ich bereits längst alles zentral verwaltete. Irgendwann wurde auch dort der Widerstand eingestellt - nicht ohne noch darauf hinzuweisen, künftig nicht mehr den Verbandsreferenten als Ansprechpartner anzusehen. Meine Arbeit besteht - an den vorher veröffentlichten Terminen - darin, zuerst alle Mails abzuarbeiten, in denen Korrekturwünsche an der DWZ-Datenbank geäußert werden. Das können Namensänderungen, Spielerzusammenlegungen, Karteiergänzungen, Turnierkorrekturen o.ä. sein und nimmt schon mal 2-3 Stunden in Anspruch. Über alle diese Änderungen führe ich ein Protokoll, das ich anschließend per Email verschicke.
Nach dieser Prozedur starte ich den Wertungslauf ab einer bestimmten Woche, am 17.Januar war das z.B. die 1.Woche 2005. Mit den über 4000 Turnieren war mein Rechner dann 8-9 Stunden beschäftigt. Gegen Mitternacht habe ich die Datenbank nochmal automatisch auf Fehler kontrollieren lassen, dann gezippt und auf den DSB-Server geladen - zusammen mit allen geänderten Turnieren samt Speicherprotokollen. Auf dem Server starte ich jetzt noch ein Shell-Skript, das die ZIP-Archive verarbeitet - fertig !
Uns ist aufgefallen, das Sie sich immer wieder geduldig den kritischen Fragen der Schachfreunde im Forum der DSB-Homepage stellen.
In welcher Weise sind Sie denn „handwerklich“ an der Homepage des DSB beteiligt. Woher haben Sie all Ihr Wissen über html, php u.s.w.?
Frank Hoppe
An der DSB-Homepage werkele ich seit Juli/August 2003, d.h. eigentlich eher an den DWZ-Seiten. Die erschienen mir zu lieblos und ich habe gleich noch ein Turnierarchiv eingebaut, für das ich bereits vorher Skripte programmiert hatte. Gleichzeitig habe ich die DWZ-Seiten auf phpCMS umgestellt und wenig später DSB-Webmaster Alexander Boldt gebeten, es mir gleich zu tun. Seitdem laufen die Hauptseiten des DSB ebenfalls über phpCMS. Als der DSB später einen neuen Webmaster suchte, dachte ich auch erst an eine Bewerbung, doch wegen der schon vorhandenen Belastungen nahm ich Abstand davon. Alexander Boldt brachte mich als Nachfolger zwar auch ins Spiel, aber im DSB wußte man wohl schon um meine zahlreichen Aufgaben. So kam Michael Gründer alternierend mit Boldt zu dem Posten und seit 1.Januar ist nun Frank Große alleiniger Chef. Mit ihm stand ich schon Monate vorher in Kontakt - auf Empfehlung von Alexander Boldt, weil ich das meiste Wissen zu phpCMS und auch den Serverumzug mit vorangetrieben habe. Dem neuen DSB-Webmaster konnte ich schon einige Male hilfreich unter die Arme greifen und werde das auch weiterhin tun. Gegenwärtig arbeite ich an drei Sachen an der DSB-Homepage: Programmierung einer Vereinssuche anhand von Geokoordinaten zusammen mit Holger Kubiak, Anpassung der Termindatenbank an phpCMS und Entwurf eines neuen Layouts samt Umstrukturierung. Im Umgang mit den ganzen Skriptsprachen bin ich eher Amateur. Mit HTML habe ich mich gleich 1996 beschäftigt, in dem ich Stefan Münz' Selfhtml-Buch von vorn bis hinten verschlungen habe. Mit dem Umzug der BSV-Homepage 1999 zu Strato, kam ich auch erstmals mit CGI-Skripten in Kontakt und begann mich für Perl zu interessieren. 2001 habe ich das geniale phpCMS entdeckt und meine Seiten darauf umgestellt. Da aber die Perlskripte nicht wie gewünscht liefen, begann ich irgendwann mit PHP ...
Herr Hoppe, für jemanden, der kaum Zeit haben dürfte, das eigene Spiel noch wesentlich zu verbessern, spielen Sie ja doch ganz passabel .Eine Elo von derzeit über 2000 finden wir jedenfalls beachtlich.An welche Erfolge möglicherweise auch Partien erinnern Sie sich gern ?
Frank Hoppe
Als ich im Alter von 10 Jahren 1975 das Schachspiel von meinem Vater erlernte, ahnte ich noch nicht, wieviel Freizeit ich dem einmal widmen würde. Doch das Spiel fesselte mich bald und ich spielte mit einem Schulkameraden während der Unterrichtspausen, manchmal auch während des Unterrichts oder nach der Schule. Da trafen wir uns oft zu dritt oder viert und blitzten miteinander. Auch daheim versuchte ich oft, Gegner zu finden, was nicht immer einfach war. Meine Schwester konnte ich z.B. nur zu einem Match überreden, als ich eines meiner Bücher als Preis aussetzte. Hält sie länger als 30 Züge durch (bis zum Matt) bekommt sie das Buch. 13:0 gewann ich am Ende - und war das Buch los.
Von 1978 bis 81 sammelte ich meine ersten Erfahrungen in einem Verein in meinem Heimatort Hönow - oder sagen wir mal Schachgruppe, denn gemeldet war der Klub nirgends. Mehr als hintere Plätze sprangen in den drei Klubjahresturnieren aber nicht heraus, dabei lag schon damals meine "gefühlte" Spielstärke deutlich über der realen (lächelt).
1982 fand ich den Weg in einen richtigen Verein - Medizin Lichtenberg, die heute als SC Eintracht bekannt sind. Dadurch und durch meine Beschäftigung mit Fernschach - seit 1979 - ging es rasch vorwärts. Die erste Saison bei Medizin schloß ich mit einer Elo-Leistung von 1381 ab, eine Saison später waren es schon über 1500 und während der Armee von 1984 bis 87 pendelte ich mich bei über 1800 ein. So gesehen war die von mir vorgenommene Einstufung der Erst-DWZ - ich war als Klassifizierungsbearbeiter für die Ostberliner zuständig - im Jahr 1991 mit 1765 etwas tiefgestapelt. 1991 wechselte ich zu Berolina Mitte und machte noch einmal einen Leistungssprung. Seit 1998 habe ich mich mehr oder weniger über DWZ 2000 etabliert. Für den Sprung über 2100 fehlt mir das eröffnungstheoretische Wissen und außerdem habe ich ein schlechtes Gedächtnis.
Sie sind Initiator der Berliner Internetmeisterschaft. Welches Resümee können Sie nach einem Jahr ziehen ?
Frank Hoppe
Den Turnierraum auf schach.de hatte ich schon vor drei, vier Jahren einrichten lassen. Die Idee für ein Internetturnier kam dann zuerst aus meinem Verein. Von einer Vereinsmeisterschaft war die Rede. Daraus ist bisher nichts geworden. Dafür habe ich die Idee endlich auf Berliner Ebene ausgedehnt. Beim BSV-Präsidium sprach ich wegen Preisgeldern vor, doch mein Verlangen wurde mit großer Mehrheit abgeschmettert. Hauptargument war, das Internetschach dem Vereinsschach potentielle Mitglieder kostet und das möchte man nicht noch mit Geld unterstützen. Eine Meinung, die ich natürlich überhaupt nicht teile. Ich habe mich schließlich dazu entschlossen, selbst 10 Euro je Monatsturnier für einen Berliner Sieger zu berappen. Erfreulicherweise mußte ich nicht bis zum Boden in die Tasche fassen (lächelt) - dreimal siegten auswärtige Spieler und einmal ich selbst. Und auch wenn die Mitgliederzahl im BSV im Jahr 2005 gesunken ist, kann man wohl kaum die Schuld auf mich schieben. Es ist mir jedenfalls nicht bekannt, das Teilnehmer aufgrund meines Preisgeldes aus dem BSV ausgeschieden sind (lacht). Das Jahr 2006 hat - auch ohne Preisgelder - sehr gut begonnen. Zusätzlich zum normalen Blitz führe ich jetzt auch ein Bulletturnier durch. Für die bisher vier Turniere fanden sich jeweils immer um die 30 Teilnehmer ein. Mitspielen kann jeder, egal ob Gast oder König, Berliner oder Nichtberliner. Die Termine sind auf der BSV-Homepage unter "Internetschach" zu finden.
Wie kaum ein zweiter Webmaster einer Verbandshomepage geben Sie auch der „960“er Variante des Schachs ("Fischer-Random" ) Raum und Bedeutung.Sehen Sie sich hier als Avantgardist in der Internetszene ? Welche Bedeutung prognostizieren Sie fürs 960er Schach in Zukunft ?
Frank Hoppe
Ach ja ? Vielleicht sieht das auch nur so aus, denn unser Präsident Dr.Matthias Kribben ist die treibende Kraft und ein glühender Anhänger dieser Schachvariante. Ich stehe eher neutral zum Chess960 und sehe das wie Tandem- oder Räuberschach - also keine Konkurrenz und auch keine Alternative zum klassischen Schach. Das hat aber nichts damit zu tun, das ich diese Nebenvarianten nicht auch gern spiele. Meine Teilnahme an der Berlin-Brandenburger Meisterschaft am 20.November war aber definitiv mein erstes Chess960-Turnier. Ich hatte an dem Wochenende gerade Zeit, dazu startgeldfrei - was will man mehr ? Das ich am Ende Fünfter wurde, hat mich sehr gefreut, obwohl ich mir kurz nach Turnierende etwas schäbig vorkam, weil ich gegen den Führenden Jan Wendt gewonnen hatte. Glücklicherweise hat es für ihn trotzdem zum Titel gereicht.
Wenn Frank Hoppe durchs Internet surft;welche Schach-Webseiten werden angesteuert ?Welche Vereinswebseiten möchten Sie unseren Usern als besonders wertvoll weiter empfehlen ?
Frank Hoppe
Täglicher Anlaufpunkt und das auch mehrmals sind natürlich berlinerschachverband.de und schachbund.de - allein aus technischen Gründen - funktioniert noch alles ? hat jemand Müll hinterlassen ? Mehrmals in der Woche besuche ich beroschach.de bzw. svberolinamitte.de, weil es mein eigener Verein ist und ich diese Website ebenfalls betreue. Oftmaliger Anlaufpunkt ist auch chessbase.de, weil es dort immer wieder interessante Artikel gibt und fvschach.de. Die Verbandsseiten von Mecklenburg-Vorpommern zählen auch zu meinen Reisezielen. Mit dem dortigen Webmaster Gerd Zentgraf stehe ich in lockerem Kontakt und bin immer wieder beeindruckt, wieviel Nachrichten er so auf die Seiten stellt und sich dazu tolle Grafiken einfallen läßt. Ich sollte ihn für die BSV-Seiten engagieren (lacht). Andere Schachseiten zählen weniger zu meinen Zielen, das betrifft auch die Berliner Vereinsseiten. Höchstens wenn ich gezielt nach Informationen aus dem jeweiligen Verein suche. Deshalb möchte ich hier auch keine Vereinsseiten besonders hervorheben.
Meine nicht schachbezogenen Lieblingsseiten sind übrigens die der Wikipedia, von eBay, den Berliner Adressbüchern und phpcms.de.
Blicken Sie doch bitte für uns in die Zukunft. Welche Visionen haben Sie bezüglich zukünftiger Entwicklungen von Schach-Webseiten. Mit welchen neuartigen Features dürfen die Besucher der BSV-Homepage bzw. der DSB-Homepage mittel oder langfristig rechnen ?
Frank Hoppe
Die Vision mit meiner Arbeit als BSV-Webmaster den Lebensunterhalt zu bestreiten, wird sich wohl nie erfüllen. Also eine Redaktion mit Webmaster und zwei bis drei Redakteuren, die in Berlin als Reporter unterwegs sind und damit auch Geld verdienen können.
Da sich aber sicher niemand finden wird, der die technische Grundausstattung und monatlich 5-6000 Euro sponsort, muß ich halt kleinere Brötchen backen.
Beim BSV steht eine Datenbank mit online nachspielbaren Partien kurz vor der Vollendung. Dafür verantwortlich ist Marco Wolschke, der mal Webmaster der inzwischen aufgelösten Schachfreunde Friedrichshain war. Den Grundstock der Datenbank bilden z.Z. fast ausschließlich Partien von mir - so etwa 800.
Ich selbst arbeite hauptsächlich an der Vervollständigung des historischen Bereiches, mein Hauptaugenmerk liegt z.Z. auf dem Vereinsregister, in dem ich schon fast 300 erloschene und aktive Vereine erfaßt habe. Darüberhinaus schreibe ich den ein oder anderen Artikel. Geplant ist da ein kleiner Rückblick auf die alte Geschäftsstelle des BSV in Mariendorf - aber dort muß ich noch ein wenig recherchieren.
Beim DSB steht, wie schon gesagt, ein Relaunch an. Dabei wollen wir das Angebot auch in die Tiefe ausbauen, z.B. die Ergebnisse deutscher Meisterschaften integrieren - also nicht nur die bekannten (schwer zu findenden) Meistertafeln, sondern auch Turnierberichte, Ergebnisse und Fotos. Ob ich das soweit treiben kann wie beim BSV, scheint aber sehr fraglich. Der Tag müßte 48 Stunden haben ..
schachlinks.com bedankt sich für das Gespräch !
|
|
| |
|
|
|
|
|