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Interview - Anzeigen
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Interview mit Rustam Kasimdzhanov
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Abdul Karim vom "Chess Chronicle"sprach mit GM Rustam
ins Deutsche übersetzt von Jörg Elter
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| Name: |
Rustam Kasimdzhanov |
| Wohnort: |
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| Beruf: |
Schachprofi |
| Verein: |
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Er war erster bei den Asienmeisterschaften 1998;zweiter bei den Juniorenweltmeisterschaften 1999,erster in Essen 2001,erster in Pamplona 2002,erster beim Open in Vlissingen 2003,erster in Pune 2005.
Rustam Kasimdzhanov besiegte bei den FIDE Weltmeisterschaften 2004 Alejandro Ramirez, Ehsan Ghaem Maghami, Vassily Ivanchuk, Zoltan Almasi, Alexander Grischuk und Veselin Topalov.Er besiegte Michael Adams im Finale und qualifizierte sich damit für ein Match um den einzig wahren Weltmeister gegen den ersten der Weltrangliste Kasparov. Ein Match das niemals statt fand.
Chess Chronicle:
Erzählen sie uns von ihrem Schachleben und von der Reaktion der Usbeken, nachdem Sie die Weltmeisterschaft gewonnen haben !
Rustam Kasimdzhanov
Wie Sie sich sicher vorstellen können, war Usbekistan in einem sehr erregten Zustand nach der Weltmeisterschaft und wahrscheinlich hat man dort den ganzen Monat mein Spiel sehr genau beobachtet. Das habe ich erst danach erfahren. Ich war mir der Tatsache, dass man diesem Ereignis so viel Beachtung schenkte, zu dieser Zeit nicht bewusst, aber das war, wie sie sich vorstellen können, ein sehr wichtiges Sportereignis für ein Land wie Usbekistan.
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Chess Chronicle:
Dies war ebenso eine gute Werbung für das usbekische Schach.
Rustam Kasimdzhanov
Das war eine gute Werbung für mich; in Usbekistan war zu fühlen, dass die Menschen es für eine ebenso gute Werbung für das Land ansahen.
Chess Chronicle:
Hat Usbekistan eine Schachschule?
Rustam Kasimdzhanov
Die Sache ist die, man könnte sagen, dass Usbekistan die meisten Vorteile der sowjetischen Schachschule geerbt hat. Es gibt eine sehr frühe Ausbildung der Kinder, manchmal in normalen Schulen, manchmal in spezialisierten Schachschulen. Kinder werden trainiert,um professionelle Schachspieler zu werden, auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass sie sehr stark werden. Die Schulen und Trainer haben eine sehr professionelle Herangehensweise;das unterscheidet sie wahrscheinlich von vergleichbaren Schulen im Westen. Wenn sie im Westen ein Kind im Schach unterrichten, denken sie normalerweise, dass dies zu dessem eigenen Vergnügen geschieht.

Chess Chronicle:
Was ist die Zukunft des usbekischen Schachs? Ich frage, weil ich außer ihnen keinen anderen sehen kann.
Rustam Kasimdzhanov
Tatsache ist, das Usbekistan einige Großmeister hat, die es aber bis jetzt nicht an die Spitze geschafft haben. Wir haben eine Menge solider Spieler und sie sollten sich daran erinnern, dass Usbekistan in der Vergangenheit Erfolge hatte. 1992, eine Tatsache die in der Schachwelt total vergessen wurde, war Usbekistan zweiter in der Olympiade. Es wächst außerdem eine jüngere Generation heran, einige Jugendliche die um die 15-16 Jahre alt sind und Ratings um die 2550 oder so haben, und die sich mit der Zeit verbessern werden. Ich denke, es gibt eine anständige Zukunft für das Schach in diesem Land.
Chess Chronicle:
Bevor Sie in San Luis spielten, waren Sie Weltmeister. Wen halten Sie für den wahren Weltmeister? Sich selbst, Kasparov oder Kramnik?
Rustam Kasimdzhanov
Die Sache ist die, es hängt von Blickpunkt ab. Grundsätzlich ist es so, Weltmeister ist die Person, welche die Weltmeisterschaft gewonnen hat.
Chess Chronicle:
Kramnik war ein weiterer Weltmeister zu dieser Zeit.
Kramnik schlug Kasparov in einem Match, was natürlich eine großartige Leistung war.
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Eigentlich habe ich diesen Punkt nicht bedacht im Vergleich zwischen mir, Kramnik und Kasparov, weil es sinnlos gewesen wäre. Ich glaube noch immer, dass Kramnik und Kasparov weit bessere Spieler sind als ich. Das machte mich meiner Meinung nach nicht weniger zum Weltmeister damals, denn ich sagte bereits, dass der Weltmeister derjenige ist, der die Weltmeisterschaft gewinnt.
Chess Chronicle:
Sie waren 2005 erfolgreich.
Rustam Kasimdzhanov
Nun;ich war 2004 noch erfolgreicher als im Jahr 2005.
Chess Chronicle:
Was sagen Sie zu Ihrer Leistung in San Luis? 3 Siege, 4 Niederlagen und 6 Unentschieden.
Rustam Kasimdzhanov
Ich denke, dass meine Leistung in San Luis grundsätzlich von vielen Fehlern bestimmt war.
Ich denke, dass ich schlechter spielte, als ich erwartet hatte und sehr, sehr viel schlechter als ich es verdient hätte. Grundsätzlich hat mich die Art wie ich Schach spielte, die Qualität einiger Spiele, der Schachgehalt, nicht ganz unglücklich zurückgelassen. Tatsächliche habe ich etliche Beispiele in diesem Turnier ausgemacht, die versprachen gute Spiele zu werden. Ich habe gemischte Gefühle; aber trotz der Ergebnisse, war das Schach vielleicht für mich und die Schachfans vergnüglich.
Chess Chronicle:
Sie schlugen Anand in der 4. Runde mit Weiß und verloren in der 11. Runde mit Schwarz, ein Kommentar dazu?
Rustam Kasimdzhanov
Nun, eigentlich habe ich das Spiel das ich gegen Anand verloren haben nie richtig analysiert, aber während des Spiels hatte ich das Gefühl, dass ich bis zu diesem Punkt ganz gut gewesen wäre. An einem Punkt hatte ich einen Aussetzer und übersah den Läufer auf c5, danach war das Spiel so gut wie vorbei.Vor dem Fehler war ich sehr gut, aber wer weis, das Spiel muss noch im Detail analysiert werden. Ich bin nicht sicher, ob Anand das Spiel analysiert hat, aber ich habe das Spiel noch nicht ausgiebig analysiert.

Chess Chronicle:
War die San Luis Weltmeisterschaft ein perfektes Beispiel für die nächste Meisterschaft oder muss sie verändert werden, verglichen mit dem K.O.- System?
Rustam Kasimdzhanov
Ich glaube noch immer, dass ein K.O.-Turnier interessanter ist. Es enthält mehr Spiele und zieht mehr Aufmerksamkeit auf sich, aber auf der anderen Seite sagt man, dass das Turnier in San Luis sehr populär bei den Schachfans, der Schachpresse und so weiter gewesen wäre, was ich mir sehr gut vorstellen kann, denn das Turnier in San Luis war sehr interessant. Ich frage mich nur, ob dies immer so sein wird, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass das K.O.-System jemals langweilig sein wird.
Die Weltmeisterschaft könnte anders sein, ich meine wir hatten das Beispiel schon 1948. Diese Weltmeisterschaft hatte fast das gleiche System, sie hatte 5 statt 8 Spielern; vielleicht waren es 1948 auch 6 Spieler, ich kann mich nicht genau daran erinnern.
(Anmerkung des Herausgebers: An der Weltmeisterschaft 1948 nahmen 5 Spieler teil: Botwinnik, 14.0; Smyslov, 11.0; Reshevsky 10.5; Keres 10.5; und Euwe 4.0. Botvinnik schlug ebenso die 4 anderen Teilnehmer in den Einzelmatches -- vs. Smyslov (+1-0=4), vs. Reshevsky (+3-1=1), vs. Keres (+4-1=0), und vs. Euwe (+2-0=3) um neuer Weltmeister zu werden. Reuben Fine war ebenso eingeladen, weigerte sich aber teilzunehmen. Die Weltmeisterschaft fand statt in Den Haag und in Moskau, sie hatte 25 Runden und sie spielten 5 Spiel gegen jeden Gegner.)
Botwinnik gewann diese Meisterschaft und ich denke, dass dieses Turnier nichts Besonderes hatte. Ein Spieler gewann ein Spiel nach dem anderen und war außer Reichweite nach der Hälfte der Veranstaltung. Bei der K.O.-Meisterschaft gibt es immer etwas Interesse, Spannung und Druck bis zur letzten Runde, was natürlich die Schönheit des Turniers ausmacht.
Chess Chronicle:
Hätten Sie Topalov ausgeschaltet, wenn die San Luis Weltmeisterschaft ein K.O.-Turnier gewesen wäre?
Rustam Kasimdzhanov
Ich denke, meine Chancen wären größer gewesen in einem K.O.-Turnier; ich bin nicht sehr erfolgreich in Runden-Turnieren verglichen mit anderen Veranstaltungen. Meine Stärke in Tripolis war das Schnellschach, in San Luis gab es überhaupt kein Schnellchach.Das hätte man theoretisch bekommen, wenn man um Platz 1 der Hauptveranstaltung gespielt hätte. Das ist schwer zu erreichen und senkt natürlich meine Chancen erheblich. Aber ich sage nicht, dass etwas, das dieses Format hat, wie 2 Spiele oder 4 Spiele oder schnelle Spiele, meine Chancen drastisch verbessert hätten.
Chess Chronicle:
Was ist ihre Meinung zu Topalov und dass er Hilfe von außen gehabt hat?
Rustam Kasimdzhanov
Ich habe nicht genügend Informationen, um mir ein Urteil zu erlauben. Ich weis es nicht.
Chess Chronicle:
Ist es möglich, das so etwas geschieht?
Rustam Kasmidzhanov
Theoretisch ja. Warum nicht?
Chess Chronicle:
Was geschah mit dem Wiedervereinigungs-Match? Es hat nie stattgefunden?
Mein Match gegen Kasparov hat niemals stattgefunden und ich habe jedem, der es hören wollte gesagt, dass es aus bestimmten Gründen nicht stattfand; das man über den genauen Grund spekulieren könne und so weiter. Kasparov wollte dieses Match nicht spielen.
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Chess Chronicle:
Kennen Sie die Gründe?
Rustam Kasimdzhanov
Die Sache ist die, abgesehen von allem anderen, das er mit dem Schach umgehend aufgehört hat.Ich kann sagen,das er auch andere Pläne gehabt haben könnte.Meiner Meinung nach befürchtete er, seine Reputation könnte Schaden nehmen wegen eventueller Schwierigkeiten im Match, oder die Möglichkeit das Match zu verlieren, was vielleicht seinem Image enormen Schaden zugefügt hätte.
Chess Chronicle:
Sie waren also für ein Wiedervereinungs-Match?
Rustam Kasimdzhanov
Natürlich, natürlich! Ich tat alles in meiner Macht stehende – und das war viel – um es möglich zu machen. Ich war sehr kooperativ zu den möglichen Organisatoren und der FIDE; und ich hoffte natürlich, dass das Match stattfinden würde. Schließlich wurde mir dann irgendwann bewusst, dass Kasporov alles tun würde, um dieses Match zu vermeiden.
Chess Chronicle:
Schach und Computer,was ist interessant daran außer dem Geld ?
Rustam Kasimdzhanov
Ich dachte immer es gäbe nichts im Computerschach, nichts wofür man spielen müßte, aber tatsächlich hatte ich 2005 einige Veranstaltungen gegen Computer. Ich habe das Accoona Toolbar in New York und außerdem gegen Computer in Bilbao gespielt. Was mich überrascht hat war,das wenn sie gegen den Computer spielen, wirklich sehr interessante hart gekämpfte Spiele von sehr hoher Qualität entstehen, denn Computer machen keine Fehler.
Zum Beispiel mein Spiel gegen Fritz in Bilbao und das Spiel in New York waren hart umkämpfte Spiele, die mich diese tiefe Schacherregung hart umkämpfter Spiele fühlen ließen.
Wenn ich gegen Menschen spiele, nicht gegen Computer, habe ich nicht die gleichen Gefühle und Emotionen.
Gegen Computer zu spielen kann sehr interessant sein und natürlich mag ich es, eine Menge Geld bezahlt zu bekommen; warum nicht ?
Chess Chronicle:
Würden Sie in Betracht ziehen,wieder ein Match wie in New York gegen den Computer zu spielen, wenn Sie ein gutes Angebot erhielten?
Rustam Kasimdzhanov
Sicher! Warum nicht! Ich war sehr glücklich in New York und ich spielte sehr angenehme Spiele; die Ergebnisse waren sehr angenehm.. So weit es mich betrifft, war ich sehr kreativ. Ich mag die Gastfreundlichkeit von Accoona. Das war eine der besten Veranstaltungen meines Lebens. Natürlich, möchte ich dies wiederholen!
Chess Chronicle:
Benutzen Sie Computer zur Analyse?
Rustam Kasimdzhanov
Nicht ausschließlich und nicht immer. Ich analysiere nicht ausschließlich mit dem Computer, aber in Situationen wo man annehmen kann der Computer weiß es besser, dann sicherlich!
Chess Chronicle:
Denken Sie,die FIDE und ihr Präsident leisten ihre Verpflichtungen wie sie sollten?
Rustam Kasimdzhanov
Nun, ich sehe diesen Punkt im folgenden Licht:
Sicherlich gibt es Probleme in der FIDE, Probleme bei der Organisation bestimmter Veranstaltungen, teilweise bei der Organisation von wichtigen Veranstaltungen, aber im Ganzen ist sie viel besser als ihr Image in den Medien. Wie auch immer, das eine oder andere passiert nicht.Zum Beispiel, als mein Match gegen Kasparov nicht stattfand, kritisierten die Leute die FIDE, aber so weit ich es sehe;ich habe die Situation sehr genau beobachtet, denn ich war ja davon betroffen – hat die FIDE alles mögliche getan, um das Match möglich zu machen und tatsächlich war es Kasparov, der niemals die Chance gab das Match abzuhalten. Das ist der Grund warum das Match niemals stattfand.
Außerdem tat die FIDE in anderen Fällen viel mehr, besonders Ilyumzhinov persönlich. Er brachte eine Menge Geld aus seiner eigenen Tasche in das Schach und das ist mehr als die meisten Kritiker taten, selbst wenn man sie alle zusammen zählt. Es gibt viele Meinungen gegen ihn. Eine besagt, das er aus Kalmückien komme und die FIDE aus einem unbekannten Land heraus vertrete. Aber, wie ich bereits sagte, haben die FIDE und Ilyumzhinov viel mehr für das Schach getan, als alle anderen Kräfte die sie in der heutigen Schachwelt nennen könnten.
Chess Chronicle:
Jeder weiß, dass die FIDE Privilegien an Kasparov vergeben hat. Was sagen Sie dazu? War das im besten Interesse des Schachs oder um eine Person glücklich zu machen?
Rustam Kasimdzhanov
Nun, zum Beispiel während des Wiedervereinigungsprozesses, der Prager Vereinbarung, vergaben sie Privilegien an Kasparov, was jedoch fehlschlug, da der Junge einfach nicht spielte. Ich kann sagen, dass die Position der FIDE, so weit wie ich sie verstehe, die ist,jemandem Privilegien zu geben,der etwas bestimmtes dafür leistet. Das mag nicht ganz logisch sein und nicht zum Ideal des Schachs passen, aber es hilft den Spielern, etwas Geld zu verdienen und das Schach weltweit zu vermarkten.
Außerdem planen sie jetzt,ein Weltmeisterschaftsmatch auch außerhalb des Weltmeisterschaftszyklus zu veranstalten. Wenn jemand viel Geld aufbringt und ein Weltmeisterschaftsmatch gegen den amtierenden Weltmeister spielen möchte, sagt die FIDE, dass sie die Idee begrüßen würde. Selbst heute steht dies im Gegensatz zu allem was wir tun. Aber wenn es eine Möglichkeit gibt, dieses Geld im Schach aufzubringen und die Spieler die Möglichkeit hätten, denke ich, das es etwas ist, was man wirklich tun sollte und wogegen man nicht ankämpfen sollte.
Chess Chronicle:
Sehen Sie die FIDE oder die ACP als die führende Organisation in der Welt?
Rustam Kasimdzhanov
Soweit ich es beurteilen kann, bekam die ACP erst Beachtung in der Schachwelt , ich meine als Organisation, nachdem sie begann, mit der FIDE zusammenzuarbeiten. Das bedeutet meiner Meinung nach, das die FIDE die hauptsächliche Kraft ist und die ACP nur eine Gruppe aktiver Leute – die vielleicht teilweise die Schachwelt vertreten -- , die versuchen zu helfen. Soweit ich die Situation verstehe, sind diese beiden keine Rivalen, sondern versuchen nur zusammenzuarbeiten.
Chess Chronicle:
Was ist ihre Meinung zur Kandidatur von Bessel Kok um die FIDE-Präsidentschaft?
Rustam Kasmidzhanov
Tatsache ist, ich kenne ihn nicht sehr gut; ich habe ihn nur einmal dieses Jahr in Tallin getroffen; ich weiß es einfach nicht. Spieler aus der Vergangenheit könnten vielleicht mehr sagen, denn zurück in den 80ziger schien er ziemlichen Einfluss auf die Schachwelt und die Organisation einiger wichtiger Veranstaltungen zu haben. Ich weiß nicht, wie wichtig er für das Schach sein wird, denn er ist seit vielen, vielen Jahren raus aus der Schachszene. Außerdem weiß ich nicht, wie seine Chancen stehen.
Chess Chronicle:
Sie sind verheiratet. Glauben Sie,das sie in jedem Spiel „eine Dame voraus“ sind?
Rustam Kasimdzhanov
Tatsächlich hat meine Heirat und meine Bodenständigkeit meinem Schach sehr geholfen. Tatsächlich sind viele professionelle Spieler verheiratet und ich denke nicht, dass es etwas schadet, nicht im Geringsten. Es hilft ihnen vielleicht – vielleicht einen Bauern voraus, aber keine Dame, denn eine Dame voraus ist sehr viel.
Chess Chronicle:
Als Sie Weltmeister wurden, wie viele Turniereinladungen erhielten Sie im Monat darauf?
Rustam Kasimdzhanov
Anfänglich waren es nicht viel, denn soweit ich es versehe, waren die Organisatoren, die mich einladen wollten, sehr zurückhaltend aufgrund des angekündigten Matches gegen Kasparov. Bedenkt man, dass das Datum für dieses Match ständig verschoben wurde – man wusste es einfach nicht – im ganzen gesehen habe ich eine ganze Anzahl von Einladungen erhalten, mehr als ich spielen konnte. Ich musste etliche aus verschiedenen Gründen ablehnen.Einige Einladungen habe ich abgesagt, denn ich dachte, das Datum würde mir wegen des Matches gegen Kasparov nicht passen. Das waren Veranstaltungen, die zu nahe am oder überschneidend mit dem damals festgesetzten Termin waren. Es gab Veranstaltungen,auf denen man mich sehen wollte,ohne mir ein seriösen Verdienst anzubieten oder aber man bot mir Geldsummen, die ich nicht für hinreichend interessant hielt bezogen auf die Veranstaltung.Aber im Ganzen gab es eine Anzahl von Angeboten. Ich spielte bei einigen Veranstaltungen,zu denen man mich - so denke ich- ohne meinen Titel sicher nicht eingeladen hätte. Beispielsweise war Accoona daran interessiert einen Weltmeister zu haben;das war eine großartige Veranstaltung.
Chess Chronicle:
Das Wiedervereinigungsmatch hat nicht stattgefunden. Hat Ihnen der Ausfall finanziell geschadet?
Rustam Kasimdzhanov
Natürlich. Erst mal musste ich einige Einladungen deswegen absagen und konnte nicht bei einigen Turnieren spielen. Natürlich habe ich auch mit dem Geld aus diesem Match gerechnet Es war angekündigt, das der Verlierer des Matches 450.000 $ erhalten würde,das ist sicherlich eine Menge Geld für mich, mehr als ich jemals verdient habe. Außerdem ist das ein Grund, warum man ein Match wie dieses spielen möchte. Es ist nicht nur der Verlust des Geldes durch den Ausfall des Matches, sondern ich habe auch nicht das Geld verdient, das ich zu verdienen hoffte.
Chess Chronicle:
Sind Sie ein Meister der Eröffnung, der Spielmitte oder des Endkampfes? Was ist das Wichtigste davon?
Rustam Kasimdzhanov]
Das ist schwer zu sagen, was das Wichtigstes ist. Ich denke alle Abschnitte sind gleich wichtig. Sie können keine schwerwiegenden Defizite in einem der 3 haben, wenn sie erfolgreich sein wollen im Schach. So weit es mich angeht ist es ganz klar, dass ich bei Eröffnungen am Besten bin. Meine Endkampftechnik ist nicht ganz einwandfrei, was daraufhin deutet, dass mein Spiel in der Mitte etwas ausgeglichener ist.
Chess Chronicle:
Was tun Sie in Ihrer Freizeit, wenn Sie nicht Schach spielen? Ich habe bemerkt, das Sie in San Luis etwas Fußball gespielt haben.
Rustam Kasimdzhanov
Fußball ist eines meiner Hobbies; ich mag es hin und wieder zu spielen, wenn sich eine Gelegenheit bietet. Normalerweise lese ich, schaue Fernsehen höre Musik, lerne Fremdsprachen; grundsätzlich führe ich ein ganz gewöhnliches Leben.
Chess Chronicle:
Ein Buch, das Sie empfehlen würden?
Rustam Kasimdzhanov
Ich habe eine ganze Anzahl von Büchern in meinen Leben gelesen, eigentlich würde ich eine Geschichte von Kawabata, einem japanischen Schriftsteller ,der den Nobel-Preis gewonnen hat, empfehlen. Das Buch heißt „Master of Go”. Meiner Meinung nach ist es ein sehr wichtiges Buch für Schachspieler.
Chess Chronicle:
Chess Chronicle:
Was ist die Zukunft des Schachs als Beruf?
Rustam Kasimdzhanov
Ich denke, dass ist eine sehr wichtige Frage für das Schach, für die Schachspieler und für mich persönlich, denn ich bin gezwungen in die Zukunft zu schauen und die Aussichten zu beurteilen. Ich denke, es könnte eine recht anständige Zukunft sein. Ich werde nicht sagen, dass Schach jemals so erfolgreich wie andere Sportarten, wie Tennis oder Fußball sein wird, aber ich halte es nicht für unwahrscheinlich, dass in einigen Jahren vielleicht die Top 100 Spieler in Lage sein werden, davon anständig zu leben.
Chess Chronicle:
Haben Sie eine Botschaft für neue Schachspieler?
Rustam Kasimdzhanov
Ich denke, dass Schach ein Spiel ist, das sie glücklich macht, wenn sie es hart genug versuchen und ich denke, dass Schach auch ein Spiel ist ,das beharrliche Spieler braucht. Wenn ich einen Rat an junge Spieler, die gerade angefangen haben oder die schon eine Weile spielen geben sollte, würde ich sagen: „Arbeitet gut weiter und der Erfolg wird kommen”. Ich konnte es in meinen Fall sehen; ich konnte es in der Geschichte anderer Spieler sehen. Nach einiger Zeit – vielleicht nach Jahren und Jahren harten Trainings – selbst wenn nichts geschieht um sie zu ermutigen, geschieht zu einem Zeitpunkt etwas Großartiges. Das ist mir passiert und ich glaube, dass es jedem passieren wird, der es versucht. Versuche weiter, arbeite weiter und der Erfolg wird deiner sein.
Chess Chronicle:
Haben Sie eine Botschaft an die Leser des Chess Chronicle?
Rustam Kasimdzhanov
Ich weiß nicht viel über diese Zeitschrift. Ich weiß ebenso nicht viel über die Leser, aber grundsätzlich kann, was ich zu allen Spielern sage, genauso auch für Ihre Leser gelten. Ich kann anfügen, dass, als ich viel jünger war- 1988-89, als ich 8 oder 9 Jahre alt war - ich eine Menge Informationen aus Schachzeitschriften erhalten habe. Das ist vielleicht eine wichtige Quelle für junge Spieler, um Informationen und Anregungen zu erhalten.
Chess Chronicle:
Haben Sie einen Kommentar zur Leistung von Alexi Shirov beim Paul Keres Memorial. Er hat fast alle seiner Spiele verloren, eines unentschieden. Wissen Sie was passiert ist?
Chess Chronicle:
Rustam Kasimdzhanov
Ich war dort, aber ich hatte genug mit mir selber zu tun, so dass ich sein Verhalten nicht richtig beobachtet habe. Wir haben ein Spiel gespielt und überraschenderweise habe ich nicht den Eindruck bekommen, das mit ihm etwas nicht stimmt. Ich habe nicht den Eindruck erhalten, dass ihn etwas sehr stört. Er schien auch gesund zu sein. Daher habe ich keine Erklärung. Es ist mir ein komplettes Rätsel. Es ist etwas, wo ich keine Idee habe, es zu erklären.
Chess Chronicle:
Das war nicht der Shirov, den wir alle kennen.
Rustam Kasimdzhanov
Natürlich nicht. Er hat einiges verpatzt und so weiter.Aber man hat, wenn man ihn ansah, nicht den Eindruck bekommen, dass es ihn nicht mehr kümmerte. Ich meine, er hat es versucht, er hat am Brett gearbeitet, er versuchte etwas zu finden. Er war in schlechter Form bei dem letzten Spiel und ich dachte, dass er es zu sehr versucht, zu verbissen; ich weiß dass dies einen schlechten Einfluss auf den natürlichen Spielfluss haben kann, besonders tödlich beim schnellen Schach.
Chess Chronicle:
Was sind Ihre Vorbereitungen für 2006?
Rustam Kasimdzhanov
Für mich wird 2006 hauptsächlich eine Vorbereitung für das angekündigte Match gegen Gelfand sein, welches Teil eines neuen Weltmeisterschaftszyklus für 2007 ist. Dazwischen wird es einige Turniere geben, ich kann aber jetzt noch nicht sagen welche. Ich habe bis jetzt noch keine ernsthaften Einladungen erhalten, aber diese werden kommen.
| The Chess Chronicle is an interesting and ambitious project, which describes itself as follows: It contains theoretical analysis, opening surveys, chess novelties, and well-annotated games, as well as instructive theoretical material from Grandmasters and International Masters. They even have Ivanchuk writing for them. A well respected publication, in both PDF and PGN format. |  |
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