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Interview - Anzeigen
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Interview mit Klaus-Jörg Lais
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Jörg Sommer vom Kinderschachportal
KiSch sprach mit Klaus-Jörg Lais , dem Referenten für Öffentlichkeitsarbeit des Schachbundes
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| Name: |
Klaus-Jörg Lais |
| Wohnort: |
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| Beruf: |
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| Verein: |
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Seit rund einem Jahr ist der Saarländer Klaus-Jörg Lais Referent für Öffentlichkeitsarbeit des Schachbundes.Auch wenn über ihn nur wenig zu lesen ist - von ihm dafür um so mehr. Nicht nur der KiSch Redaktion ist aufgefallen, dass sich die Internetpräsenz des Schachbundes in den letzten Monaten ausgesprochen spannend entwickelt hat.
Grund genug für KiSch
, einmal den Menschen zu interviewen, der das ansonsten fast täglich mit anderen macht.
KiSch
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Herr Lais, wir kennen uns ja schon einige Zeit und haben im letzten Herbst ja die nach Ihren eigenen Worten die auf der DSB-Homepage bisher erfolgreichste Artikelserie ‚Impulse’ auf den Weg gebracht. Das war eine angenehme Zeit der Zusammenarbeit. |
Lais
Ja, das war eine angenehme Zeit. Und ich bedauere noch heute, dass wir diese innovative Idee irgendwann begraben haben. Gerade auf der Seite des unabhängigen Dachverbandes neue Lehr- und Schulmaterialien vorzustellen, war einfach genial. Ich wusste seinerzeit selbst nicht, wie viel tolle Ideen in diesem Bereich bereits umgesetzt wurden. Ich war selbst auf jeden neuen Beitrag gespannt und habe der wöchentlichen Lieferung stets mit Spannung entgegen gesehen.
KiSch
Nun führen wir diese Serie ja hier bei www.kinderschach.net weiter. Auch hier ist die Nachfrage groß. Das liegt wohl vor allem auch daran, dass wir strikt anbieterunabhängig bleiben und nicht nur die Produkte der „Big Player“ vorstellen. Der Schachbund hat da ja aufgrund langfristiger Sponsorenverträge so seine „Sachzwänge“. Können Sie da überhaupt unabhängig arbeiten?
Lais
Das mit den Sachzwängen haben Sie gesagt. Schließlich ist der Schachbund - und sein Pressereferent in erster Linie dazu da, die Schachspieler und den Schachsport zu unterstützen. Sie wissen ja selbst, dass man in diesem Job ständig Kompromisse eingehen muss. Die Frage ist, wie weit man bereit ist, diese Übereinkünfte zu akzeptieren. Wenn Sie das nicht mehr vor sich selbst verantworten können, ziehen Sie besser einen Strich darunter.
KiSch
So sieht es aber aktuell nicht aus, oder? Sie haben erst kürzlich eine neue Serie gestartet. „Schach aus den Tiefen des WWW“ beleuchtet die verschiedensten Ideen, Schach im Netz zu präsentieren. Man merkt richtig, mit welch detektivischem Engagement und Leidenschaft Sie da recherchieren.
Lais
Ich mache diesen Job schon gerne, das stimmt.
KiSch
Trotz dieser Arbeitsbelastung? Im aktuellen Schach-Magazin steht, Sie investieren bis zu 30 Stunden pro Woche -und das alles ehrenamtlich?
Lais
Wobei „bis zu“ wirklich sehr dehnbar ist. Sehen Sie, Schriftverkehr und Artikel ins Internet stellen ist eine sehr zeitintensive Arbeit. Aber es ist bei weitem nicht alles. Ich war in den letzten 12 Monaten an über 20 Wochenenden für den DSB unterwegs. Das bedeutet über 20 Mal vorbereiten, auftreten, nachbereiten. Und an jedem dieser Wochenendtage läuft die tägliche Pressearbeit einfach weiter. Das arbeitet einem niemand weg. Dann kommen da Projektarbeiten, Sonderaufgaben dazu – das ist einfach kein Job, den man ehrenamtlich bewältigen kann.
KiSch
Das heißt, Sie legen den Griffel bald schon wieder hin.
Lais
Nein, das bedeutet es natürlich nicht. Aber stellen Sie sich nur mal vor, jemand würde bei gleichem Engagement doppelt so viel Zeit investieren. Das geht nur hauptamtlich. Ich bin ja nicht der Erste, der unter der Arbeitsbelastung klagt. Meine vorherigen drei Vorgänger – die anderen kenne ich nicht – die haben in früheren Protokollen fast genau das Gleiche gesagt. Trotzdem wälzt man das immer noch aufs Ehrenamt ab und wartet, was die Einzelnen mal so leisten können.
KiSch
Das Problem ist bekannt. Unser Redaktionsteam arbeitet ja auch komplett ehrenamtlich. Und das soll auch so bleiben - deshalb bleibt eben auch immer wieder etwas liegen. Aber wir sind nur ein kleines Projekt und können uns auch mal ein paar Wochen „Sparflamme“ leisten. Der Schachbund kann das eigentlich nicht. Das ist vermutlich das Dilemma: Ein ehrenamtlicher Job - der aber professionell betreut werden soll. Hat da noch niemand über Hauptamtlichkeit nachgedacht?
Lais
Da gibt es schon Überlegungen. Es geht überhaupt nicht darum, ein eigentliches Ehrenamt zu bezahlen. Das Problem ist ein Anderes: Wir haben einfach niemanden, der sich die Zeit leisten kann, um Schach professionell zu verkaufen. Wir sollten eigentlich jede Woche irgendwo zu lesen sein. Mit unserer Schacholympiade, mit all ihren begleitenden Ereignissen, aber auch mit breitenschachlichen Aspekten – mit den Geschichten der Menschen, die hinter den Figuren sitzen. Wir bilden Kader, rechnen Wertungszahlen aus, organisieren Turniere, aber wir schaffen es einfach nicht, unser Spiel dem nicht organisierten Spieler schmackhaft zu machen. Selbst ein eigentlich Außenstehender wie Karpow hat neulich erkannt, dass der DSB 90% Potential brach liegen lässt.
KiSch
Ihnen schwebt so eine Art Schach-PR-Initiative vor? Das kling spannend. Und da gäbe es sicher viel zu tun. Wir hatten erst kürzlich ein Interview mit Ali Nihat Yazici. Der hat in der Türkei eine ähnliche Idee erfolgreich umgesetzt - und zwar mit dem Fokus Schulschach. Dort wurde die Zahl junger Schachspieler binnen weniger Jahre vervielfacht!
Lais
Eines meiner Hauptargumente. Der DSB sollte sich wesentlich stärker im Schulschach engagieren. Ich leite selber eine Schulschach-AG und kann aus meiner eigenen Erfahrung heraus sagen: Jeder zehnte Grundschüler besucht die Schulschach-AG, wenn sie angeboten wird.
KiSch
Das ist noch eine vorsichtige Schätzung! Ich selbst habe eine Teilnehmerquote von 80%. Und viele Kollegen berichten Ähnliches.
Lais
Gehen wir einfach mal von dieser vorsichtigen Schätzung aus. Jeder Zehnte! Das entspricht einem Potential von 370.000 Grundschülern! Das muss man sich mal vorstellen, wie lange hier verschlafen wurde. Es dürfte doch in der ganzen Republik keine Schule ohne Schulschach-AG mehr geben. Das sind Aufgaben der Öffentlichkeitsarbeit! Sich mit Ämtern, Ministerien, Schulen auseinander setzen und vor allem den Schulschachleitern und Schulleitern einen roten Teppich ausrollen, die Schulschachreferenten unterstützen, Informationsmaterial, Werbematerial produzieren ...
KiSch
... und Mitglieder gewinnen.
Lais
Genau.
KiSch
Warum sagen Sie dann im Schach-Magazin, Sie glauben nicht daran, dass die Schacholympiade auch nur ein Mitglied hinzu gewinnt?
Lais
Sie haben das Interview aufmerksam gelesen.
KiSch
Nicht nur wir. Es wird in vielen Vereinen intensiv diskutiert.
Lais
Dazu stehe ich. Die Schacholympiade allein schafft das auch nicht. Aber man muss das im Zusammenhang lesen. Die reine Existenz, also nur, dass wir die Schacholympiade ausrichten dürfen, bringt uns kein einziges neues Mitglied. Das ist völlig illusorisch, da lassen sich manche Leute ein Märchen erzählen und glauben daran. Aber natürlich ist es eine hervorragende Idee, im Gegenzug zur italienischen Variante 2006, schon im Vorfeld vielfältige Marketingaktionen zu schaffen wie die Simultantournee, die Fahrradsternfahrt und vieles andere mehr. Das sensibilisiert die Mitglieder auf das große Ereignis hin, aber wer, bitte schön, kann das nach außen transportieren und entsprechend verkaufen? Doch bitte nicht der gleiche Pressereferent, der nach 30 Stunden Ehrenamt pro Woche seine Pflichtaufgaben hinter sich hat.
KiSch
Da ist es dann auch mit ein bisschen „Aufwandsentschädigung“ nicht getan.
Lais
Darum geht es auch gar nicht. Ich möchte und kann dem DSB augenblicklich helfen und auch einen konkreten Vorschlag machen, wie wir effizient werden. Allerdings nicht in diesen Strukturen. Da müssen wir grundlegend etwas umstrukturieren und Freiräume schaffen, um aus dem wunderbaren Event Schacholympiade wirklich das Maximum für unseren Sport herauszuholen - und dabei führt der Weg über das Schulschach - in einer ganz anderen, völlig neuen Dimension. Was in der Türkei funktioniert hat, kann - auf deutsche Verhältnisse zugeschnitten - auch bei uns funktionieren.
KiSch
Na, die Unterstützung von KiSch für so ein ehrgeiziges Projekt haben Sie - und sicher auch vieler Aktiven der Schulschachszene. Hoffentlich auch die des Schachbund-Präsidiums und der Landesverbände?
Lais
Das wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Der Schachbund könnte die Chance nutzen, den augenblicklichen Schwung mitzunehmen und sich auf die Aufgaben konzentrieren, die uns spürbaren Mitgliederzuwachs bringen. Man kann aber auch sagen: Wir machen so weiter wie bisher und vertrauen auf Gott. Dann allerdings sehe ich auch keine Motivation darin, mehr zu arbeiten als ehrenamtlich vertretbar ist.
KiSch
Wir drücken Ihnen die Daumen - und danken für das Gespräch!
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"Das Interview erschien auf KiSch.
Nachdruck ohne schriftliche Genehmigung untersagt". |
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