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Interview mit Frank Holzke
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Frank Große sprach am Rande der Euro2007 nach der 9. Runde mit IM Frank Holzke
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Frank Holzke |
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Das Interview führte Frank Große
Glückwunsch zum soeben erspielten Remis! Nach den bisherigen Ergebnissen müssten Sie doch direkt auf Kurs einer Großmeisternorm sein ... ?
Frank Holzke
Danke schön. Ja, ich gehe davon aus, dass ich jetzt eine Großmeisternorm habe. Selbst wenn ich heute verloren hätte, müßte es gereicht haben.
Super! Ist das die erste Norm?
Frank Holzke
Das ist die erste, welche anerkannt wird. Ich habe bereits 1998 bei einem Turnier in Senden eine GM-Performance erspielt. Da hatte ich allerdings zu wenige ausländische Spieler unter den Gegnern. Man benötigt bei einem 9 Runden Turnier 4 Gegner aus dem Ausland. Ich hatte zwar 6 Spieler aus der ehemaligen Sowjetunion als Gegner, aber davon segelten drei schon wieder unter deutscher Flagge, sodass diese nicht zählten. Es ist fraglich, ob diese Leistung als Norm anerkannt werden kann.
Das kann man ja ermitteln?
Frank Holzke
Nein es ist völlig klar, die Norm entspricht nicht ganz dem Reglement, aber eventuell bekomme ich sie dennoch anerkannt, je nachdem wie die FIDE das entscheidet ...
Ich gratuliere in jedem Fall zu der hier erspielten Norm. Frank Holzke dürften den wenigsten deutschen Schachfans ein Begriff sein ...
Frank Holzke
... zu Recht!
Das sei einmal dahingestellt. Aber dieses Turnier verlief bis jetzt ja besonders erfolgreich. Was sind die Gründe? Gut vorbereitet, Glück gehabt?
Frank Holzke
Ich denke, dass da verschiedene Dinge zusammenkommen, sicherlich auch etwas Glück. Bei den zwei Siegen kann man von etwas Glück reden, denn Georgiev hat gleich eine Figur eingestellt in der Eröffnung, was er normalerweise nicht macht. Gegen Tigran Kotanjian aus Armenien, den ich in Runde 6 geschlagen habe war es so, dass eine theoretische Variante auf dem Brett landete, die meistens Remis endet. Er ist aber abgewichen, entweder aus Unkenntnis oder er wollte das Remis in jedem Fall vermeiden und danach hatte ich einen Bauern mehr und eine angenehme Stellung. Es war zwar immer noch nicht ganz klar, letztendlich gewann ich. Gleichwohl bin ich mit der Qualität meiner Partien sehr zufrieden, denn die Remis sind alle "normal" zustande gekommen. Ich stand nirgends auf Verlust, möglicherweise heute, was ich noch analysieren muß. Ich habe ganz ordentlich gespielt.
Wie lang ist die individuelle Vorbereitungszeit auf die Partien gewesen?
Frank Holzke
Durchschnittlich 2 Stunden morgens mit der Datenbank. Eine spezielle Vorbereitung vor dem Turnier macht bei 400 Teilnehmern m.E. wenig Sinn. Ich habe ein Laptop dabei, wie wahrscheinlich die meisten Spieler. Die Profis, so denke ich, haben alle ein Laptop dabei.
D.h. Dresden ansonsten ein wenig erkundet?
Frank Holzke
Ja ich habe mir in der Tat vieles angesehen und war fast überall wo man mal sein muß: Frauenkirche, Zwinger, Gemäldegalerie und ein Besuch auf einem Konzert. Am Ruhetag war ich in der sächsischen Schweiz. Ich bin ja bereits zum dritten Mal in Dresden, da ich bereits 1997 das Dresdner Open mitgespielt habe - ich glaube das war auf Schloß Albrechtsberg. Dann war ich nochmals einen Tag beruflich hier, weil ich ein Vorstellungsgespräch hatte, aus der Stelle ist aber nichts geworden ...
Was sind Sie von Beruf?
Frank Holzke
Ich bin von Beruf Verwaltungsrichter und arbeite jetzt am Verwaltungsgericht Düsseldorf. Ich habe während der EM Urlaub und habe auch dankenswerter Weise von meinem Arbeitgeber 5 Tage Sonderurlaub bekommen. Ich bin derzeit 35 Jahre alt.
Das heißt innerhalb der nächsten Jahre stehen die noch fehlenden Normen für den Großmeistertitel an?
Frank Holzke
Ja, aber noch höhere Ziele gibt es nicht. Ich spiele eher mit dem Gedanken mit dem Schach aufzuhören, da es doch sehr stressig ist. Ich spiele seit 20 Jahren in der Bundesliga, wenn man die zweite Bundesliga mitrechnet. In den letzten Jahren habe ich schon gemerkt, dass es mit zunehmendem Alter nicht leichter wird, da die Bundesliga ein sehr hartes Brot ist. Es wird ja immer doppelrundig am Samstag und Sonntag gespielt und die Samstagpartie geht bis in den späten Abend hinein, während die Sonntag-Runde am frühen Morgen beginnt. Da überlegt man sich schon, ob man sich das weiter antun muß. Aber jetzt habe ich natürlich ein Ziel, denn nach dem ich die GM-Norm erkämpft habe, möchte ich nun versuchen, Großmeister zu werden.
Ich drücke die Daumen, in der Bundesliga spielen Sie ja für Wattenscheid?
Frank Holzke
Ja, ich spiele für Wattenscheid 1930 in der höchsten Spielklasse, was nicht mit dem Fußballverein Wattenscheid 09 zu verwechseln ist. Wir kämpfen im Normalfall gegen den Abstieg und wenn es gut läuft, landen wir im Mittelfeld. Bislang sind wir nicht abgestiegen und ich hätte auch nichts dagegen, eine Überraschungssaison wie der Hamburger SK hinzulegen, der in diesem Jahr den zweiten Platz belegt hat.
Bei der Vorbereitung auf dieses Interview war das Internet gar nicht so ergiebig ...
Frank Holzke
Meine Doktorarbeit steht im Volltext im Internet. Ich habe über den Begriff "Sport" promoviert, was natürlich auch einen gewissen Bezug zum Schach hatte, da immer wieder die Frage gestellt wird, ob Schach Sport ist. Wenn Sie das wissen wollen, können Sie dies im Internet nachlesen.
Die Konklusion in 3 Sätzen?
Frank Holzke
Ich habe erkannt, dass es eigentlich zwei Sportbegriffe gibt: der eine zielt auf der körperliche ab (Körpersport) und der andere fokussiert den Begriff Wettkampf (Wettkampfsport). Wie wird nun der Begriff "Sport" verwendet? Man kann sich auf den Standpunkt stellen, dass man darunter nur Arten verstehen kann, welche beides sind: Körper- und Wettkampfsport. Da wäre Schach nicht dabei. Ich habe allerdings anhand der Gesetzestexte die ich untersucht habe für juristische Zusammenhänge die These aufgestellt, dass es genügt, wenn eines von beiden zutrifft. Dann fällt Schach auch darunter, weil es eben Wettkampfsport ist.
Schach gilt aber im allgemeinen auch als anstrengend ...
Frank Holzke
Aber anstrengend ist vieles und unter Körpersport verstehe ich Sportarten, die eine körperliche Kraftentfaltung oder eine besondere körperliche Koordination erfordern.
In den meisten Partien während dieser EM waren Sie nominell Außenseiter, also keine leichte Sache.
Frank Holzke
Ich war sogar in allen Partien Außenseiter. Mein schlechtester Gegner hatte bisher 2560 und ich bin mit 2467 quasi 100 Punkte unterlegen.
Haben Sie da für die Gegner neue Eröffnungen "mitgebracht"?
Frank Holzke
Nein, ich habe die Eröffnungen gespielt, die ich sonst auch spiele und mein Eröffnungswissen vor den Partien aufgefrischt als ich gesehen habe, welche Variante wahrscheinlich aufs Brett kommt. Dabei bin ich in der Hälfte der Partien völlig von dem Ergebnis auf dem Brett überrascht gewesen. Die achte Partie hatte ich bis zum letzten Zug vorbereitet, dann habe ich Remis angeboten, weil ich noch den halben Punkt für die GM-Norm benötigte und mein Gegner hat nach einigem Nachdenken angenommen. Ich denke, man hat keine Chance wenn man morgens vor der Partie anfängt, sich erstmalig eine Eröffnung anzusehen. Man muß die Eröffnung schon recht gut kennen, damit wenn der Gegner etwas spielt, was man nicht erwartet hat, man auf sein Standardrepertoire zurückgreifen kann.
Wie empfinden Sie die Spielbedingungen?
Frank Holzke
Diese sind im Allgemeinen sehr angenehm. Mir ist allerdings aufgefallen, dass einige Zuschauer auf der Tribüne sich leider unterhalten ohne die Stimme zu dämpfen, was ich als sehr störend empfinde. Da hatte ich den Eindruck, dass die Schiedsrichter vielleicht noch hätten stärker eingreifen müssen, denn wenn die Spieler sich nach einer Partie unterhalten haben, dann wurde direkt eingegriffen. Also sollte der gleiche Maßstab auch für Zuschauer gelten!
Danke für das Interview und noch maximale Erfolge für die verbleibenden Runden!
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