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Kommentare / Kolumnen
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| „Stecker ziehen“ |
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| | Der Weltmeister hat das Duell gegen „Deep Fritz“ verloren, doch neue Erkenntnisse hat das Schachvolk nicht gewonnen. Allenfalls die Programmierer erhielten vielleicht den einen oder anderen Hinweis für das Feintuning der Schachsoftware.
Ansonsten wurde bestätigt, was alle schon ahnten. Das Duell zwischen Mensch und Computer wurde längst zu Gunsten der Maschinen entschieden.
„Deep Chess“ & Co spielen Schach auf höchstem Niveau und machen keine Fehler.
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Menschen machen Fehler und mit zunehmender Wettkampfdauer wird die Wahrscheinlichkeit für solche Fehler größer. Das nun dem Weltmeister ein ganz besonderes Mißgeschick geschah, ist gar nicht so erheblich. Jeden anderen weitaus geringer einzuschätzenden Patzer hätte die Maschine vermutlich ebenso umgehend bestraft.
Folgerichtig feierten die Kommentatoren jedes Remis wie einen menschlichen Sieg.
Dies mag vielleicht auch damit zusammenhängen, daß man nach Kramniks Blackout in Partie 2 dessen schnellen Untergang in den darauf folgenden Partien fürchten mußte.
Das es dazu nicht kam, ist dem Umstand geschuldet, das Kramnik zu den Besten seiner Zunft gehört. Von einem Matchsieg war er freilich meilenweit entfernt.
Einmal abgesehen von der grundsätzlichen Einschätzung des Duells Mensch gegen Maschine,
war dieses spezielle Duell von Kramnik und „Deep Fitz“ für meinen Geschmack etwas zu „trocken“. Kramniks Stil war zu sehr darauf ausgerichtet, Risiko und Niederlage zu vermeiden. Erst als die Siegprämie für den Weltmeister nicht mehr zu holen war, zeigte er den unbedingten Siegeswillen mit der Wahl einer scharfen Eröffnungsvariante.
Auf diese Art konnte er ein ums andere mal Remis erreichen, doch begeistert waren außer den Veranstaltern nur jene wenigen Schachfreunde, denen die Tiefgründigkeit der gespielten Partien nicht verborgen blieb.
Es gab keine gewagten Opfer, keine mutigen Neuerungen und irgendwie auch keine richtige Spannung. Es fehlte sozusagen das Salz in der Suppe.
Mein Vorschlag an die Veranstalter für die Zukunft wäre folgender:
Man könnte sich (z.B. mit Topalov) einen weitaus bissigeren Homo sapiens einladen und dem das Antrittsgeld auf ein Minimum reduzieren. Das eingesparte Antrittsgeld wird dann auf die ohnehin schon üppige Siegprämie aufgeschlagen und dann für den Gewinn von nur einer von insgesamt 10 Partien ausgelobt.
Das wäre aufregend und vielleicht gelänge es wenigstens in einer einzigen Partie, das der Mensch zu einem glanzvollen Sieg gelangt.Wenn gar nichts mehr geht, kann man immer noch den „Stecker ziehen“
| | | | Autor: Heiko Seiling |
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