Fort an propagierte er, gute Schachspieler seien auch für erfolgreiches Pokern prädestiniert und man könne das erfolgreiche Pokern durchaus auch lernen. Das Thema fand dennoch zunächst kaum große Beachtung und erregte die Gemüter nur unwesentlich.
FM Hartmut Metz kommentierte in seiner wöchentlichen Kolumne
MEKO vom Februar2006 unter dem Titel
"Poker für Schachprofis deutlich lukrativer" eher sachlich nüchtern, das einige Großmeister nun zum Pokern abgedriftet seien.
Andere Kommentare waren da schon eindeutiger.So sagt bspw. der österreichische
IM Egon Brestian zu uns im
Interview , das Ganze erinnere ihn sehr an ein Pyramidenspiel. Weiter sagt er
„Auf jeden Erfolgreichen kommen viele Verlierer, um die sich keiner kümmert. Ich glaube auch, dass es in Zukunft für alle schwieriger werden könnte, denn der Boom führt unweigerlich zum Bankrott einzelner Spieler und Spielerinnen.“
Vornehmlich aus pädagogischer Sicht näherte sich Kolumnist
Axel Dohms dem Thema auf der Webseite des Deutschen Schachbundes unter dem Titel
Schach und Poker.
Der Berliner
Olaf Teschke schlägt in seinem Web-Blog schon schärfere Töne an und in seinem Beitrag
The End of an Affair begründet er, weshalb er sich nun endgültig vom Abo der
“Zeitschrift Schach” verabschiedet habe.Die Zeitschrift habe dem Großmeister Wahls zu viel Raum gegeben, ein zwielichtiges Geschäft zu propagieren, was für eine Zeitschrift mit nur einem Mindestmaß an Qualitätsanspruch nicht tragbar sei. Aber der Autor beläßt es nicht dabei.Knallhart und treffsicher analysiert er:
„...Das Argumentationsmuster ist relativ simpel gestrickt: Beim Poker wäre mehr Geld zu verdienen als beim Schach, die analytischen Fähigkeiten der Schachspieler würden ihnen einen Startvorteil verschaffen - zumindest mit der richtigen “Schulung” könnte man die “80% dummen Spieler” abziehen und schnell reich werden.“
Zudem sagt er:
„...die simple Frage, warum die “Schulbetreiber” nicht einfach selbst die Millionen machen und statt dessen ihr Geld mit “Unterricht” verdienen, müßte eigentlich die Sache zusammenbrechen lassen.“
Nun hat auch das Nachrichtenmagazin " Der Spiegel" sich des Themas angenommen und u.a berichtet,der deutsche Schachbund hätte zwei seiner Schachgroßmeister verklagt, weil die mit unlauterer Werbung für ein Glücksspiel deutsches Recht gebrochen hätten. Nach allem, was man bisher lesen konnte, hat es eine solche Klage nie gegeben. Dennoch sah sich der DSB auf seiner Webseite nun zu einer Stellungnahme veranlaßt, die an Deutlichkeit nichts mehr vermissen läßt.
Das Thema war dem Schachbund nicht zuletzt durch den Spiegel-Artikel aufgezwungen worden und so brauchte man zunächst fachmännische Beratung , ehe man sich dazu offiziell positionieren konnte. Das unser Dachverband sich überhaupt dazu äußern mußte, ist an sich schon ein Erfolg der Großmeisterlichen Zocker und wanderpredigenden Pokerprofis in Personalunion. Denn der Zusammenhang zwischen dem Schachsport und dem Glücksspiel Poker existiert genau genommen gar nicht, oder sagen wir mal, er ist kaum größer als der Zusammenhang zwischen Poker und dem Kugelstoßen.
Das nun einige Großmeister ihr Renommee nutzen,um zunächst gegenteiliges zu predigen, um dann anschließend Kapital daraus zu schlagen, ist der eigentliche Skandal. Beim Pokern gibt es nur einen klaren Zusammenhang und das ist der zwischen Verlierern und Gewinnern. Damit einer ordentlich Geld verdienen kann, müssen verdammt viele ordentlich bezahlen. Das ist beim Lotto auch so.Nur da käme auch niemand auf die Schnapsidee, eine Lottoschule zu gründen.