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Warum gründet niemand eine Lottoschule ?
 
    Schon häufiger war das Pokerspiel auch ein Thema hier auf Schachlinks.com. Spätestens nachdem GM Matthias Wahls, ehemaliger Deutscher Meister im Schach, sich des Themas annahm. Der Großmeister befand, das Pokerspiel sei als Broterwerb hervorragend geeignet, gab seine Schachseminare vorübergehend ?! auf und gründete eine Pokerschule.
    Fort an propagierte er, gute Schachspieler seien auch für erfolgreiches Pokern prädestiniert und man könne das erfolgreiche Pokern durchaus auch lernen. Das Thema fand dennoch zunächst kaum große Beachtung und erregte die Gemüter nur unwesentlich. FM Hartmut Metz kommentierte in seiner wöchentlichen Kolumne MEKO vom Februar2006 unter dem Titel "Poker für Schachprofis deutlich lukrativer" eher sachlich nüchtern, das einige Großmeister nun zum Pokern abgedriftet seien.
    Andere Kommentare waren da schon eindeutiger.So sagt bspw. der österreichische IM Egon Brestian zu uns im Interview , das Ganze erinnere ihn sehr an ein Pyramidenspiel. Weiter sagt er

    „Auf jeden Erfolgreichen kommen viele Verlierer, um die sich keiner kümmert. Ich glaube auch, dass es in Zukunft für alle schwieriger werden könnte, denn der Boom führt unweigerlich zum Bankrott einzelner Spieler und Spielerinnen.“

    Vornehmlich aus pädagogischer Sicht näherte sich Kolumnist Axel Dohms dem Thema auf der Webseite des Deutschen Schachbundes unter dem Titel Schach und Poker.
    Der Berliner Olaf Teschke schlägt in seinem Web-Blog schon schärfere Töne an und in seinem Beitrag The End of an Affair begründet er, weshalb er sich nun endgültig vom Abo der “Zeitschrift Schach” verabschiedet habe.Die Zeitschrift habe dem Großmeister Wahls zu viel Raum gegeben, ein zwielichtiges Geschäft zu propagieren, was für eine Zeitschrift mit nur einem Mindestmaß an Qualitätsanspruch nicht tragbar sei. Aber der Autor beläßt es nicht dabei.Knallhart und treffsicher analysiert er:

    „...Das Argumentationsmuster ist relativ simpel gestrickt: Beim Poker wäre mehr Geld zu verdienen als beim Schach, die analytischen Fähigkeiten der Schachspieler würden ihnen einen Startvorteil verschaffen - zumindest mit der richtigen “Schulung” könnte man die “80% dummen Spieler” abziehen und schnell reich werden.“

    Zudem sagt er:
    „...die simple Frage, warum die “Schulbetreiber” nicht einfach selbst die Millionen machen und statt dessen ihr Geld mit “Unterricht” verdienen, müßte eigentlich die Sache zusammenbrechen lassen.“

    Nun hat auch das Nachrichtenmagazin " Der Spiegel" sich des Themas angenommen und u.a berichtet,der deutsche Schachbund hätte zwei seiner Schachgroßmeister verklagt, weil die mit unlauterer Werbung für ein Glücksspiel deutsches Recht gebrochen hätten. Nach allem, was man bisher lesen konnte, hat es eine solche Klage nie gegeben. Dennoch sah sich der DSB auf seiner Webseite nun zu einer Stellungnahme veranlaßt, die an Deutlichkeit nichts mehr vermissen läßt.
    Das Thema war dem Schachbund nicht zuletzt durch den Spiegel-Artikel aufgezwungen worden und so brauchte man zunächst fachmännische Beratung , ehe man sich dazu offiziell positionieren konnte. Das unser Dachverband sich überhaupt dazu äußern mußte, ist an sich schon ein Erfolg der Großmeisterlichen Zocker und wanderpredigenden Pokerprofis in Personalunion. Denn der Zusammenhang zwischen dem Schachsport und dem Glücksspiel Poker existiert genau genommen gar nicht, oder sagen wir mal, er ist kaum größer als der Zusammenhang zwischen Poker und dem Kugelstoßen.
    Das nun einige Großmeister ihr Renommee nutzen,um zunächst gegenteiliges zu predigen, um dann anschließend Kapital daraus zu schlagen, ist der eigentliche Skandal. Beim Pokern gibt es nur einen klaren Zusammenhang und das ist der zwischen Verlierern und Gewinnern. Damit einer ordentlich Geld verdienen kann, müssen verdammt viele ordentlich bezahlen. Das ist beim Lotto auch so.Nur da käme auch niemand auf die Schnapsidee, eine Lottoschule zu gründen.

    Einmal unterstellt, Wahls und & Co seien erntshaft von dem was sie sagen überzeugt,so muß man Ihnen eine, für großmeisterliche Maßstäbe ungewöhnliche Naivität vorhalten.
    Wenn jemand behauptet, er könne lehren, wie man reich wird, ist er unglaubwürdig.
    Schon bedeutend cleverer war der Versuch, die Schachspieler in das Haifischbecken zu locken. Grade diese Clientel neigt womöglich zur Selbstüberschätzung.

    Was nun die kritik an Schachzeitschriften angeht, die Werbung für das Pokerspiel geschalten haben, so will ich mich etwas zurückhalten, denn die Zeitungsmacher müssen Premiuminhalte teuer bezahlen und müssen dies auch re-finanzieren.All zu viele moralische Skrupel kann man sich da gar nicht leisten. Der Leser muss am Ende selbst entscheiden, ob er sich die Zeitung noch leisten will.
 
Autor: Heiko Seiling
 
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