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Kommentare / Kolumnen
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| Mit Schach aufhören? |
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| | Boris Gelfand ist nicht Weltmeister geworden und hat aber dennoch nicht entäuscht! Ein Grund mit dem Schach aufzuhören? Steffen Hoffmann vom SK Fortuna Leipzig reflektiert interessant in seinen Kolumnen über das große und kleine Schach.
Von Zeit zu Zeit geht es ans Grundsätzliche. Kurz, manchmal beschäftigt mich, ob es nicht eine gute Idee wäre, mit dem Schach aufzuhören. Und zu den bisher zwei Argumenten gegen das Schach ist nun gerade beim Lesen in einem Schachbuch noch ein schwerwiegendes drittes gekommen.
1. Erfolglosigkeit. Manchmal mehrere Niederlagen hintereinander und die Einsicht, dass eine Verbesserung meines Spiels gegen alle Hoffnung eher unwahrscheinlich ist – das ist noch das schwächste Argument. Der Philosoph Günther Anders schreibt irgendwo sinngemäß (ich schlage lieber nicht genau nach), man solle gerade das tun, wofür man nicht besonders begabt sei.
2. Zeitaufwand. Goethe am 21. August 1822 im Gespräch mit Joseph Sebastian Grüner (Woldemar Freiherr von Biedermann: Goethes Gespräche, Bd. 4, Nr. 814): „Man sagt immer, die Lebenszeit ist kurz, allein der Mensch kann viel leisten, wenn er sie recht zu benützen weiß. Ich habe keinen Tabak geraucht, nicht Schach gespielt, kurz nichts betrieben, was die Zeit rauben könnte.“
3. Nimzowitschs „Leitmotiv der wahren Strategie“ - auf das Leben übertragen. In „Mein System“ fordert Aaron Nimzowitsch das konsequente „Überdecken“ (sprich: ein wichtiges Feld einmal mehr Verteidigen als es angegriffen ist, damit jede Verteidigungsfigur auch für eine andere Aufgabe frei bleibt) des Zentrums und warnt vor der verlockenden, aber strategisch zweifelhaften „Schwenkung“ oder „Diversion“ von der Mitte nach den Flügeln hin. Beruf, Familie, Politik bilden die Mitte des Lebens – oder etwa das Schach?
In folgender, Nimzowitschs „schlimmster Partie meiner 22-jährigen Schachkarriere“, bestraft Weiß durch sein Zentrumsspiel, für „Mein System“ mustergültig, den zur Seite hin gehenden Angriff und die „Unterdeckung“ des Zentrums durch Schwarz. Akiba Rubinstein – Aaron Nimzowitsch, San Sebastian 1912:
1.d4 Sf6 2.c4 d6 3.Sf3 Sbd7 4.Sc3 e5 5.e4 Le7 6.Le2 0–0 7.0–0 Te8 8.Dc2 Lf8 9.b3 c6 10.Lb2
 10.... Sh5 „?“ „Die ‚Diversion’, die mich bloß 2500 Francs kostete und den ersten Preis!“, so Nimzowitsch. Die Partie wurde in der 22. und letzten Runde des Turniers gespielt, wovor er aussichtsreich im Rennen lag. 11.g3 Sb8 12.Tad1 Df6 13.Sb1 Lh3 14.Tfe1 Sf4 15.dxe5 dxe5 16.Sxe5!? Txe5 Möglich war 16....Sxe2+ 17.Txe2 Txe5 18.f4 Sd7 19.Ted2 Lc5+ 20.Kh1 Tae8 21.Txd7 Lxd7 22.Lxe5 De7, wonach Schwarz für den Bauern das Läuferpaar und den besser geschützten König hat. 17.Lf1! Sd7 Auf 17.... Lxf1 käme 18.gxf4 Dg6+ 19.Kxf1. 18.Dd2 „Nun hängen die schwarzen ‚Diversionisten’ alle in der Luft.“ 18.... Lxf1 19.Txf1 Sh3+ 20.Kg2 Sg5 21.f4 Dg6 22.fxg5 Txe4 Nach 22....Dxe4+ 23.Kh3 bleiben zwei schwarze Figuren angegriffen (23.... Te7 24.Tde1), aber auch bei dem besseren 22....Te7 steht Weiß laut Nimzo nach 23.La3 c5 24.Sc3 auf Gewinn. 23.Dxd7 Te2+ 24.Tf2 De4+ 25.Kg1 Lc5 26.Ld4 Lxd4 27.Dxd4 Te1+ 28.Tf1 Txf1+ 29.Kxf1 Dh1+ 30.Kf2 Dxh2+ 31.Kf3 f6 32.Dd2 Dh3 33.Dd7 f5 34.Sc3 Dh5+ 35.Kg2 Dxg5 36.De6+ Kh8 37.Se2 Dh5 38.Td7 Te8 39.Sf4 Txe6 40.Sxh5 und Schwarz gab auf.
Steffen Hoffmann, Leipzig | | | | Autor: Steffen Hoffmann |
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