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Denkmethode Felderstrategie
 
    Es ist kein Geheimnis, auf Vereinsebene findet heutzutage mit einzelnen Ausnahmen kein regelmäßiges Schachtraining statt, und dies lässt sich in absehbarer Zeit nicht ändern. Die Gründe dafür sind die mageren Vereinskassen. Die fehlende Motivation für Trainer spielt dabei auch eine wichtige Rolle. Er ist vor allem ein Stück schwerer Arbeit bei schlechter Bezahlung. Alles im allem, es bleibt dem interessierten, aufstrebenden Spieler nur die Möglichkeit, seine Schachausbildung durch das Lesen von Schachbüchern, kommentierten Schachpartien zu fördern.

    Genau dieses Thema, konkret - wie arbeitet man mit kommentierten Schachpartien, steht nun im Mittelpunkt dieser Ausführungen. Das Thema hat drei Aspekte, die wenig Gemeinsames zu haben scheinen: Der Meister, der Amateur und das Problem der Verständigung.

    Der Meister
    Der Meister verfügt über eine für die anderen Spieler „unerklärbare" Fähigkeit den "richtigen Zug" zu sehen. Beim Versuch, die bestimmten Züge zu erklären, konzentriert er sich auf die Vorteilen, die durch einen für ihn klaren Zug zu erreichen sind und begründet damit seine Entscheidung. Alles klar. Der Zug ist gut, er hat ganz bestimmte Vorteile. Eine Frage bleibt aber ungeklärt, nämlich warum sieht der Meister ausgerechnet diesen Zug und nicht einen anderen. Hat er mehrere Züge durchgerechnet und verglichen? Die Antwort ist längst bekannt. Die Profis sehen die für Angriff und Verteidigung wichtigen Felder und Figuren und versuchen möglich rasch und korrekt diese Felder zu verteidigen bzw. anzugreifen.

    Der Meister analysiert die Stellung, indem er die Felderlage unbewusst aber sorgfältig studiert. Als Folge dieser Felderbetrachtung erkennt er die Züge. Diese Felderbetrachtung erfolgt dank ständiges Trainings sekundenschnell, sodass der Meister dass Gefühl hat, er sehe die Felder nicht, sondern gleich die Züge. Er sieht die Züge und analysiert diese unter dem Aspekt der unbewussten Felderbetrachtung. Die Felderanalyse drückt sich immer in Form der Züge aus. Und die gesehenen Zügen werden zur Geltung kommen und weiter gegeben z.B. in Form von Kommentaren. Die Frage, warum er den Zug sieht, konnte er meistens nicht verständlich beantworten. Er sieht ihn einfach. Und zwar gleich beim ersten Blick auf die Stellung. Nur so ist zu erklären, wie hochwertig selbst die meistens 3-Minuten-Partien sind, die von den Meistern auf den Schachservern gespielt werden, oder warum es dem Weltmeister gelang, im Simultanspiel die gesamte Deutsche Nationalmannschaft ungeschlagen zu besiegen! Es bleibt, nachdem der Zug "gesehen" wurde, nur noch den Zug zu überprüfen, um eine feste Entscheidung zu treffen.

    Der Amateur
    Einen Amateur nennt man den Spieler mit wenig Spielerfahrung bzw. Lernpraxis. Ein Amateur hat deswegen fast keine eigenen Spielideen. Er möchte die Züge, die er sieht, einfach ausprobieren. Ihm fehlen die Grundlagen, die Felderanalyse. Das hat zu Folge, dass ein Amateur nicht in der Lage ist, die vorliegende Stellung als Ganzes zu erfassen und muss deswegen zunehmend auf die Steine achten. Aus diesem Grund sind die Amateur-Schachfreunde sehr froh darüber, wenn ein Spitzenkönner ein Buch schreibt und Schachzüge erklärt.

    Das Problem der Verständigung Die Schachprofis vermögen ihre Partien zu zeigen, ihre Ideen zu erklären. Sie verstehen es die Schachbücher zu schreiben, Schachseminare zu leiten. Sie kommentieren am liebsten die eigenen Partien. Hier spielen sie ein Heimspiel. Die Partien sind gut bekannt, alle Züge gründlich überlegt. Es bleibt nur, die Züge, die Überlegungen weiter zu geben bzw. zu Papier zu bringen.

    Die Schachfreude mögen es, die von Experten kommentierten Partien nachzuspielen. Solche Übungen haben einen besonderen Ruf. Man bekommt die besten Tipps und Informationen vom Meister direkt.

    Kann man denken, alles ist in Ordnung. Die Spitzenspieler trainieren sich hart. Die Amateuren sind von ihren Leistungen begeistern, spielen ihre Partien nach, studieren die Schachbücher von Experten und werden dadurch besser. Es herrscht im Verhältnissen zwischen Schachelite und unzähligen Schachamateuren eine „schönes Klima beidseitiger Anerkennung“. Wer so denkt, irrt sich. Ein unbemerktes, kleines Problem stört aber diese Träume. Der Meister und der Amateur verfügen über verschiedene Sichtweisen.

    Während der Meister seine Überlegungen auf die Felder stützt, achtet der Amateur zunehmend auf die Steine. Dazu fällt mir eine Analogie ein, nämlich die Verhältnissen zwischen Eltern und ihren Kinder.
    Die Eltern möchten das Beste für ihre Kinder, z.B. das gesunde Essen. Die Kinder möchten das angebotene Essen aber nicht. Die Eltern versuchen, die Kinder zu überzeugen. "Das Essen ist gesund", sagen sie. Die Kinder verstehen das Wort "gesund" aber nicht. Das Essen muss schmecken, alles andere sind nur leere Worte. Die Eltern und die Kinder sprechen verschiedene Sprachen.

    So ist es auch im Schach. Die Profis und die Amateure sehen jene Stellung von verschiedenen Sichtpositionen und verstehen einander deswegen nicht.
    Wenn ein Amateur die vom Meister angegeben Züge sieht, z.B. beim Buchlesen oder beim Nachspielen einer kommentierten Partie, sieht er die Grundlage, die Felder, nicht. Er traut natürlich dem Meister, er fragt nicht "wirklich?", sondern sagt "toll!". Da er aber die Felder (Grundlage!) nicht sieht, bzw. nicht sehen kann, bleibt ihm nur der Versuch, sich den Zug zu merken.
    Die guten Züge bleiben ohne Grundlagen "in der Luft hängen" und ohne echtes Verstehen.
    Die Arbeit mit kommentierten Partien von Spitzenspielern ist wirklich sehr wichtig. Wenn man die Partien nachspielt, werden die Blicke auf die Züge und unwillkürlich auf die mit den Zügen verbundenen wichtigen Felder gerichtet.
    Wenn man immer öfter solche Partien nachspielt, wird man daran gewöhnt, sich unwillkürlich die wichtigen Felder zu merken.

    Diesen Weg gehen viele jungen talentierten Spieler, die viel Zeit in die Analyse der Theorievarianten und kommentierten Partien von Spitzenspielern investieren. Sie haben nur dann eine Chance das Schachspiel zu meistern, wenn sie immer mehr Verständnis für die Felderanalyse gewinnen können.

    Fazit: Die Verständigung zwischen Meister /Trainer/ und Amateur /Schüler/ und daher die Schulung im Schach ist durch die fehlende Schachterminologie (Grundlage) sehr erschwert. Die Experten und die Amateure sprechen verschiedene Sprachen. Die Experten möchten das Beste geben, werden aber nicht verstanden, da dem Amateur die Grundlage, das Verstehen der Feldertheorie fehlt. Es bieten sich zwei Möglichkeiten, dieses Problem zu vermindern. Zum einen eine allgemeine Schulung für die Felderstrategie (Feldertheorie), zum anderem die Selbstverpflichtung von Experten, bei jeder Felderbetrachtung die wichtigen Felder zu nennen. Wie es so oft im Leben ist, sollte am besten beides gegeben sein.

    Die im Artikel angesprochenen Thesen werden an Hand von Beispielen erläutert.

    1. Dus Chotimirsky,F - Capablanca,JRSt Petersburg, 1913

    1.d4 d5 2.Sf3 Sf6 3.Lf4 c5 4.c3
    Capablanca kommentiert: "Weiß sollte c3 vor dem Lf4 spielen". Warum? Keine Erklärung.


    Betrachten wir die Stellung nach 3.Lf4 (1.d4 d5 2.Sf3 Sf6 3.Lf4)


    Weiß (d4-Raum, d4-Strategie) schwächt mit 3.Lf4 die Kontrolle über das Feld b2. Schwarz (d5-Strategie, c4-Richtung) kann (muss aber nicht) auf die Idee kommen das Feld b2 anzugreifen. Das Feld b2 gehört zur Kontrollzone b2. Ausgehend davon soll Schwarz (d5S>c4, schwarzfeldrig) versuchen, die Steine, die die Kontrollzone b2 kontrollieren, anzugreifen. Dann werden Bd4, Bb2 für Schwarz die Zielsteine. Man soll dann den Zug 3...c5 Bd4 angegriffen) mit der Idee Db6 (Bb2 angegriffen) sehen.
    3...c5 4. c3 Db6Schwarz verfolgt nun die d5-Strategie, c4-Richtung, schwarzfeldrig.

    Betrachten wir die Stellung nach 3.c3 (1.d4 d5 2.Sf3 Sf6 3.c3)


    Weiß (d4-Raum, d4-Strategie) stärkt damit die Kontrolle über das Feld d4. Der d4-Raum ist sicher. Schwarz hat keinen Grund für 3...c5. Man beachte z.B. 4.dc5

    2. Dus Chotimirsky,F - Capablanca,JRSt Petersburg, 1913

    Betrachten wir die Stellung nach 1.d4 d5 2.Sf3 Sf6 3.Lf4 c5 4.c3 Db6 5.Dc2 cxd4 6.cxd4 Sc6 7.Sc3 Ld7 8.e3 Tc8 9.Tc1 e6 10.Le2 Le7 11.0–0 0–0 12.Db1


    12... Da5
    Capablanca: "Ich habe nun eine halbe Stunde lang nachgedacht. Ich wollte vor allem das Manöver Sb3 und Sc5 verhindern". Ein knapper Kommentar. Welche Information bekommt man dadurch? Gar keine. Ohne Felderlage zu betrachten, kann der Plan vom Meister nicht verstanden werden.
    Schwarz (d5-Bauernstrategie, c4-Richtung, schwarzfeldrig) soll versuchen, die Felder d5, c4, e4 zu sichern, die Felder e5, d4 anzugreifen, das Bauernspiel zu stärken. Plan: a6 + b5 + b4 (Bauernspiel!) + Se4; Weiß (d4-Bauernstrategie, c5-Richtung, weißfeldrig) soll versuchen, die Felder d4, c5, e5 zu sichern, die d5, e4 anzugreifen. Plan: a3 + b4 + Sa4 + Sc5 oder Sd2 + Sb3 + Sc5. Das Feld b4 ist das Schlüsselfeld. Wenn man die genannten Felder und Pläne berücksichtigt, scheint Da5 keine Alternative zu haben.
    12...Da5!? Idee a6 + b5 + b4, verhindert Sa4, aber auch a3 + b413.Sd2 a6 14.Sb3 Db4!


    Verhindert a3, Idee Sa5... 0-1 (34)

    3. Nimzowitsch,A - Tarrasch,S DSB-24.Kongress Breslau (9), 1925


    13...Lc5

    Nimzowitsch kommentiert. („Mein System„ S.83). „Um den Springer aus dem Zentrum zu entfernen, da derselbe aber nach b3 wandert, um c5 zu einem Vorpostenpunkt zu „krönen“, so erweist sich Lc5 als angenehm für Weiß. Am besten erscheint 13...Le7 mit der Absicht Lf6“.
    Warum sieht der Meister den Lf6? Betrachten wir die Stellung unter dem Aspekt der B-Methode aus Sicht des Schwarz-Spielenden. Schwarz verfolgt die d5-Strategie in c4-Richtung, soll die Felder d5, c4, e5, d4 kontrollieren; FF? schwarzfeldrig; Man beachte, Sd5 greift Be3 an; Die Folge für Schwarz: Felder e5, d4 wichtig! Schwarz soll versuchen nach Koordinierungsprinzip den Sd4 zu tauschen, (Beachte, Sd4 kontrolliert die weißen Felder). Die Idee wäre Lf6. Der Plan also Le7 gefolgt von Lf6.

    Warum sieht der Meister, dass Weiß auf dem Feld c5 einen Vorposten aufbauen soll? Weil die Felder d4, c5 für Weiß von strategischer Bedeutung sind. Weiß verfolgt die d4-Strategie in c5-Richtung, soll die Felder d4, c5, e4, d5 kontrollieren; FF? schwarzfeldrig; Man beachte, Lc5 ist der Zielstein. Weiß soll versuchen Lc5 zu tauschen und in der Folge die schwarzen Felder besetzen zu können. Die Folge für Weiß: Felder d4, c5 wichtig! Weiß soll versuchen die Felder d4, c5 zu kontrollieren, zu sichern, auch zu besetzen.

    14.Sb3! Die wichtigen Felder d4, c5 werden unter Tempogewinn kontrolliert;

    3. Shirov,A - Reinderman,D Wijk aan Zee (11), 1999

    1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Sc3 e6 4.d4 cxd4 5.Sxd4 a6 6.Le2 Sge7 7.f4 Sxd4 8.Dxd4 b5 9.0–0 Dc7 10.Df2 Sc6 11.Le3 Le7


    12.a4
    GM J. Nunn kommentiert (Buch “Understanding Chess”): "Natürlich hätte sich Shirov mit 12.Tad1 weiter entwickeln können, aber Weiß sollte überlegen, welchen Plan er verfolgen will, nachdem alle Figuren ins Spiel gebracht sind. Ein direkter Königsangriff hat wenig Aussicht auf Erfolg, da die weißen Figuren nicht gegen den schwarzen Königsflügel gerichtet sind. Die Hauptidee des Weißen muss sein, die Voraussetzungen für einen Königsangriff zu verbessern. Ein Plan besteht in 12.e5, mit der Absicht Züge wie Se4, Tad1, Ld3 usw. folgen zu lassen. Allerdings bringt dies wohl recht wenig, wenn Schwarz 12...d6 oder 12....d5 antwortet. Shirov entscheidet sich stattdessen für ein langsameres Vorgehen. Der Textzug erzwingt praktisch ...b4, wonach Weiß seinen Springer mittels Sb1-d2 umgruppieren kann. Jetzt ist Weiß in der Lage seinen Läufer mit Ld3 gegen den schwarzen König in Stellung bringen, da Sb4 nicht mehr geht. Den Umständen entsprechend kann der Springer entweder nach f3 gehen, um den Angriff zu unterstützen, oder auf c4 Druck auf den schwarzen Damenflügel, insbesondere auf das Feld b6, ausüben. Wenn sich Weiß für diesen Plan entscheidet, dann sollte er das tun, solange der Turm noch auf a1 steht, da Schwarz sonst nicht zu ...b4 gezwungen ist."

    Aus dem Kommentar Nunns geht es klar hervor, dass Weiß Le2 nach d3 und Sc3 nach f3 umgruppieren möchte. Warum sieht Nunn so?? Keine Antwort. Ohne Felderanalyse können die Zugvorschläge nicht verstanden werden. Die Felderanalyse, bzw. die Stellungsanalyse nach der B-Methode vor dem 12.Zug Weiß sieht so aus.


    Die Strategie-Frage (Felderkontrolle)? e4-Raum, die e4-Strategie; Die Richtungs-Frage (Kräfte-Bewegung)? Weiß kontrolliert die Felder e4, d5, f5, g4, h5 (Kontrollzone f7 und h7), und die Felder d4, c5, e5; Die weißen Steine sind am Königsflügel aktiv, dazu kommen die Stellungsschwäche f7, g7, h7 von taktischer Bedeutung. Weiß soll die e4-Strategie in f5-Richtung verfolgen.
    Die Verfolgung der e4-Strategie erfordert es, das Feld e4 zu sichern, d.h. hier den Vorstoß d5 zu verhindern. Dies scheint auf lange Sicht nicht möglich zu sein. Weiß soll in diesem Fall mit e5, die d4-Strategie in e5-Richtung festlegen und sichern. Aus diesem Grund sind die Felder d4, e5 für Weiß auch von strategischer Bedeutung.
    Die Farb-Frage? Nach der Strategie-Farbe (weiß) wäre für Weiß die weißfeldrige Initiative von strategischer Bedeutung, also wichtig. Man beachte das Koordinierungsprinzip: Die Initiative-Farbe soll der Strategie-Farbe entsprechen. Angesichts der Passivität des strategischen Läufer c8, sind die Felder f7 und h7 die willkommenen Zielfelder. Die Antwort ist weißfeldrig.
    Weiß soll auf lange Sicht die e4-Strategie in f5-Richtung verfolgen, d.h. die Felder e4 und f5 kontrollieren, sichern, besetzen, die Felder d4 und e5 kontrollieren, angreifen, die Kontrollzone f7 erobern, die weißfeldrige Initiative gegen die Felder f7 bzw. h7 entfalten; Die Zielsteine sind Bf7, Bh7; Da Ke8 die Zielfelder verteidigt, wird er zum Angriffsziel. Weiß soll folglich den Königsangriff anstreben.

    Die Einschätzung der Stellung aus Schwarzer Sicht bringt folgende Ergebnisse:
    SF, RF: Die e5-Strategie in d4-Richtung (beachte den Zug d6), Felder e5, d4 (kontrollieren), Felder d5, c4 (angreifen) , Kontrollzone d2 wichtig; FF: Angriffsziele: Sc3 (beachte b4), Be4 = weißfeldrig; Die Felder d5, c4, +Kontrollzone c2, Zielfeld c2 wichtig. Das Spiel am Damenflügel erfordert es, das Endspiel anzustreben. Schwarz soll versuchen die gegnerischen weißfeldrigen Steine anzugreifen, u.a. den Vorstoß d5 zu fördern.

    Fazit: Angesichts der drohenden Initiative an Damenflügel soll Weiß das Feld c2 (Kontrollzone c2) verteidigen, die Felder e4, f5 sichern, besetzen können, die Felder d4, e5 angreifen, d.h. die gegnerischen Steine angreifen, die die Felder d4, e5 verteidigen, dabei versuchen das Feld f7 bzw. h7 anzugreifen, zu erobern. Sc3 soll nach f3 überführt werden, um die Felder d4 und e5 zu kontrollieren, Le2 soll nach d3 um die Felder c2, e4 und f5 zu kontrollieren. Sb4 soll verhindert werden. Die Kandidatenzüge sind: 12.a3, 12.a4. Nach der e4-Strategie (weiße Felder besetzen, schwarze - angreifen) ist 12.a4 besser. Dies leistet die Verstärkung der weißfeldrigen Initiative und Kontrolle.

    Der Meister sieht die ganze Felderlage blitzschnell, er sieht die Felder und die Zugmöglichkeiten gleich.

    12.a4!
    Bb5 ist angegriffen, die weißfeldrige Initiative ist damit verstärkt.
    12....b4 13. Sb1
    Ein weiterer Vorteil für Weiß stellt die Kontrolle über das Feld c4 dar, das Weiß nun besetzen kann, z.B. nach b3 und Sb1 -Sd2 - Sc4. Der Nachteil besteht darin, dass Schwarz mittels b3 das Feld c2 angreifen kann.
    13...Tb8 14.Sd2
    Der e4-Raum und damit die e4-Strategie ist nun verstärkt.
    14...0–0


    Das Feld h7 gehört zur Kontrollzone h7, stellt das Ziel für die Felderkontrolle dar, ist deswegen von strategischer Bedeutung. Durch die schwarze Rochade wird der Bh7 durch den König g8 verteidigt, das hat zur Folge, dass das Feld h7 das Ziel für die Initiative ist. Es ist deswegen für Weiß von taktischer Bedeutung. Das Feld h7 ist für Weiß doppelt bewertet, bzw. wichtig. Aus diesem Grund stellt der Angriff auf das Feld h7 für Weiß eine erfolgversprechende Zielsetzung. Das Zielfeld h7: +e4-Strategie, +f5-Richtung, Kontrollzone h7; +Felder e4, f5 (besetzen), +Felder d4, e5 (angreifen); +weißfeldrige Initiative; Zielsteine sind: Bh7, Bf7, Kg8. Weiß soll versuchen, die Kontrollzone h7 zu kontrollieren, die Zielsteine ins Spiel zu verwickeln.

    15.Ld3!
    Die Felder e4, f5 sind für Weiß wichtig!
    15...d6
    Weiß soll überlegen, wie die Kontrolle über die Felder d5, e4, f5 zu halten ist. Es droht 16...f5. Der Vorstoß f4-f5 ermöglicht Se5.
    16.Tad1
    Dieser Zug ist gegen 16...f5 gerichtet. Danach folgt 17.ef5 ef5 18.Lc4+ Kh8 19.Sf3 und Weiß kontrolliert das Feld d5.
    16...b3
    Die Kandidatenzüge: 17.cb3, 18.c3, 18.Sb3;18.Sb3 unzureichend; Der Sd2 soll nach f3 (Felder d4,e5); 18.c3 harmlos; 18.cb3? Richtig! Die Idee ist mittels 18.Tc1 den Sc6 (verteidigt Felder e5,d4) angreifen.
    17.cb3! Lf6
    Schwarz kontrolliert Felder e5,d4. Bb2 ist angegriffen; Weiß soll versuchen die Felder e4, f5 sichern, besetzen, die Felder d4, e5 angreifen, d.h. die Steine angreifen, die die Felder d4, e5 verteidigen.
    18.Tc1!
    Sc6 verteidigt Felder e5,d4 ist angegriffen, Kurz: +Sc6, +Felder d4,e5
    18...Lxb2? 19.Tc2 La3


    Weiß: De4 e4-Raum (Feld c2!) ist gesichert. Lb2 vertrieben, Kontrolle über die Felder d4, e5 verloren. Die Felder d4,e5 wichtig (e4S>f5, schwarzfeldrig), (Tc1 > Sc6), +Felder d4, e5, Zf.g7, Zielsteine: Bd6 Bg7, Sc6
    20.e5! d5
    20...dxe5 21.Sc4; 20...Dd7 21.Sc4; d4S>e5; +Kontrollzone g7; Felder d4,e5 sichern, besetzen; Felder e4, f5 angreifen, Zielfeld h7; Idee: Sg5
    21.Sf3


    Die Felder d4, e5 werden kontrolliert (d4-Strategie). Idee: Sd4; Sg5. Weiß hat die angestrebte Felderkontrolle (Felder d4,e5,e4,f5) erreicht. Die Stellungsschwächen g7, h7 sind unzureichend kontrolliert. Der Angriff folgt. ..1-0

    Die Kenntnisse der Felderstrategie helfen, nicht nur die Eröffnungsbücher, Mittelspiel- und Endspielbücher besser zu verstehen, sondern auch die durchaus hervorragenden „Schachklassiker“. Als ein Beispiel dazu möchte ich hier das Buch „Mein System” von Nimzowitsch nennen.

    Diagramm III (Seite 189)


    Diagramm IV (Seite 190)


    Nimzowitsch: „Diese zwei angeführte Fälle zeigen uns eine Blockierung„.

    Nach der Terminologie der B-Methode verfolgt Weiß auf Diagramm III die d4-Figurenstrategie in e5-Richtung. Weiß soll versuchen, die Felder d4, e5, c5 (Felder von strategischer Bedeutung) b4, f4 mit Figuren zu kontrollieren bzw. besetzen zu können. Weiß soll versuchen, den schwarzfeldrigen Läufer zu tauschen, um die Kontrolle über die schwarzen Felder zu sichern. Auf Diagramm IV verfolgt Weiß die d4-Figurenstrategie in c5-Richtung, weißfeldrig. Die Felder d4, e5, c5, a5, b4, f4 sind für Weiß von strategischer Bedeutung.

    Alexander Bangiev
 
Autor: Alexander Bangiev
 
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