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Schachseminar- guter Läufer - schlechter Läufer
 
    Der Schachtherapeut | E-Mail

    Schachseminar 1


    © Copyright 2007 by Schachtherapeut Manfred Herbold, Stauf


    Man bezeichnet einen Läufer als schlecht, wenn er auf der Farbe seiner eigenen Bauern steht. Ein Läufer ist dementsprechend "gut" wenn er auf der Gegenfarbe steht.

    Die Beachtung von "guter Läufer - schlechter Läufer" ist von größter Bedeutung!
    Ansonsten spielt die Partei mit dem "schlechten Läufer" mit einer Figur weniger und wundert sich hinterher, warum er nie richtig aufspielen konnte. Tja – ihm fehlte auch eine Figur!

    Die Thematik des guten + schlechten Läufers spielt vor allem in geschlossenen Stellungstypen eine große Rolle.
    Allgemein gilt: Je mehr Bauern getauscht werden, desto besser die Läufer!

    1) Eröffnung

    Zur Verdeutlichung ein Negativ-Beispiel.
    Nach den Zügen 1.e4, e5 2.d4, d5 3.e5, c5 entsteht die Vorstoßvariante der Französischen Verteidigung.





    Der "gute" Läufer von Weiß ist der auf f1, denn seine Bauern stehen auf schwarz. Der "schlechte" Läufer von Schwarz steht auf c8, denn seine Zentrums-Bauern besitzen die selbe Farbe. Nun wäre es positionell schlecht, wenn Weiß 4.Lb5+? spielt, denn Schwarz antwortet logischerweise 4..., Ld7!. Wenn Weiß nun diesen Abtausch zulässt z.B. 5.Lxd7+?, Sxd7, ist die schwarze Stellung bereits vorzuziehen, denn Weiß hat seinen guten Läufer gegen den schlechten Schwarzen abgetauscht. Zudem ist die Bauernstruktur im Zentrum nicht mehr korrigierbar.





    Weiß wird sich im Verlauf der Partie wundern, warum sein Angriff am Königsflügel nicht durchschlägt (es fehlt ihm sein guter Angriffsläufer!), während Schwarz problemlos am Damenflügel, im Spiel gegen die weißen Zentrumsbauern und teilweise sogar im Angriff in Vorteil kommt.
    Zur Veranschaulichung: Pogorelow – Schweigert, U15 Württemberg 1997
    1.e4, e6 2.d4, d5 3.e5, c5 4.Lb5+?, Ld7! 5.Lxd7+?, Sxd7 6.c3, Db6 7.Sf3, Se7 8.0-0, Sc6 9.Sa3, cxd4 10.cxd4, Le7 11.Sc2, 0-0 12.b3, f6!


    (Man stelle sich die selbe Stellung mit einem weißen Läufer auf d3 und einem schwarzen Läufer auf c8 vor! Dann wird deutlich, wie gut / schlecht die jeweiligen Läufer wären!)

    13.Lb2, fxe5 14.Sxe5, Sdxe5 15.dxe5, Lc5 16.Dd2, Tf7 17.Se3, Taf8 18.Tac1?, Txf2! 19.Txf2, Lxe3 20.Dc3, Txf2 21.Kh1, Lxc1 22.Dxc1, Db5 0:1
    In einigen Eröffnungen wird deshalb das Fehlen des guten Läufers durch Veränderung der Bauernstruktur sofort wieder korrigiert.

    Nach den Zügen 1.d4, Sf6 2.c4, e6 3.Sf3, Lb4+ entsteht die Bogo-Indische Verteidigung.

    In der Folge 4.Ld2, De7 5.g3, Sc6 6.Lg2, Lxd2+ tauscht Schwarz seinen "guten" Läufer ab.

    Deshalb muss er nach 7.Sbxd2 ...



    ... unbedingt mit 7..., d6! und baldigem e5! fortfahren, um seinen ehemals "schlechten" Läufer auf c8 wieder "gut" zu machen. Danach erreicht Schwarz Ausgleich.

    Falls Schwarz gedankenlos 7...,d5? zieht, wird er in der Folge eine gedrückte und unbefriedigende Stellung erlangen, da er auf seinem schlechten Läufer sitzen bleibt.

    Dagegen tauscht er in der folgenden Bogo-Indischen Variante seinen guten Läufer nicht gegen den Sd2 ab, da die Bauernstruktur im Zentrum nicht so leicht zu verändern wäre.

    1.d4, Sf6 2.c4, e6 3.Sf3, Lb4+ 4.Sbd2, d5 5.e3, 0-0 6.a3


    6…, Le7! mit Ausgleich


    (Denkbar wäre allerdings 6…, Lxd2+?! 7.Lxd2, b6 nebst Lb7.)

    Eine andere Möglichkeit ist den schlechten Läufer unter Zeitaufwand doch noch los zu werden. Typisch ist hierfür der Stonewall in der Holländischen Verteidigung.

    Nach 1.d4, f5 (Holländisch) 2.g3, Sf6 3.Lg2, e6 4.Sf3, Le7 5.0-0, 0-0 6.c4, d5 7.b3, c6 (Stonewall) 8.La3 um den guten Läufer von Schwarz abzutauschen. 8..., Ld7!? Schwarz will das schwierigste Problem des Stonewalls, die Entwicklung des weißfeldrigen Läufers, vorrangig lösen. 9.Dc1, Le8 Der Läufer soll möglichst nach h5 um dort einigermaßen aktiv zu stehen, bzw. sich gegen den Sf3 zu tauschen. 10.Sg5, Lf7 Okay, dann findet der Tausch statt auf f3 auf f7 statt.



    Egal - auch kein Problem! 11.Sd2, Sbd7 12.Sxf7 Ansonsten spielt Schwarz wie angekündigt h6 nebst Lh5. (Reschewski – Gligoric, 1952)

    2) Mittelspiel

    Herbold – Murseli, Bezirkspokal Ludwigshafen, 21.11.2000

    1.e4, c5 2.Sf3, Sc6 3.d4, cxd4 4.c3, dxc3 5.Sxc3, g6 6.h4!?, Lg7 7.h5, Lxc3? Schwarz tauscht seinen "guten" Läufer ab und hinterlässt "schwarze Löcher" am Königsflügel.

    Es wird zwar die Bauernstruktur des Weißen geschädigt, dies kompensiert aber nicht das Fehlen diesen wichtigen Läufers.

    8.bxc3, Da5 9.hxg6??, fxg6?(hxg6! 10.Txh8, Dxc3+ 11.Ld2, Dxh8 =+)

    10.Db3 (droht bereits 11.Txh7!), e6

    Die schwarzen Löcher vermehren sich und der Lc8 wird immer "schlechter".

    11.Lb5, Sge7 12.Lh6 (droht 13.Lg7 nebst 14.Txh7), Tg8 13.Td1, a6



    Rekord! Schwarz besitzt 6 Bauern – alle stehen auf Weiß – ’schlechter’ kann der Lc8 nicht mehr werden! Wen wundert es, dass er nie in der Partie mitspielen wird?!

    14.Lxc6, bxc6 15.Lf4, h5 16.Ld6 Ein guter Läufer findet immer schöne Felder! 16...Ta7

    17.Lb4, Dc7 18.Da3, d5 19.Ld6, Db7 20.Se5 Auch logisch, dass die weißen Figuren über die schwarzen Löcher in die gegnerische Hälfte eindringen. 20....Db5

    21.c4!, dxc4 22.0-0, Tb7 23.Df3, Tg7? (aber auch das bessere Tf8 ist hoffnungslos. Nach 24.Dc3! droht sowohl Lxe7, wie auch Sxc4. Danach dringt der weiße Springer über g6 oder d6 vernichtend in die schwarze Stellung ein.)

    24.Df6, Th7 25.Lxe7, Tbxe7 26.Sxg6 1:0



    3) Endspiel

    Nicht nur in der Eröffnung und im Mittelspiel ist das Thema vom "guten" und "schlechten" Läufer von Bedeutung, sondern auch im Endspiel. Die folgende Diagrammstellung entstand in der Partie Zwetkow – Smyslow, Moskau 1947 nach dem 42. Zug. Gerade wurden die Damen auf c3 getauscht – eine Fehlentscheidung von Weiß, weil das Läuferendspiel verloren ist.




    42..., g5! Fixiert die weißen Bauern am Königsflügel und beschränkt auf diese Weise endgültig die Beweglichkeit des ’schlechten’ Läufers. Nun muss man noch die festgelegten Schwächen (4 Bauern sind auf den weißen Feldern blockiert) ernten.

    43.Kf2, Kf6 44.Ke3, Ke5 45.Le2, Lc2 (Lg2 46.Kf2, Lxh3? 47.Kg3) 46.Kd2, Lb1 47.Ke3, h6 48.Lf3, Lc2 49.Le2, a6 50.Kd2, La4 51.Ke3, b5! 52.cxb5 (es drohte bxc4 53.Lxc4, Lb5!), axb5 53.Lf3, Lb3 54.Le2, Lc4!

    Mit Übergang in ein gewonnenes Bauernendspiel.

    55.Lxc4, bxc4 56.a4, Kxd5 57.a5, Kc6 58.Ke4, d5+ 59.Ke5, d4 60.cxd4, c3 61.d5+, Kd7 62.a6, c2 63.a7, c1D 64.a8D, Df4 #


    In der Oberliga lehnte ich ein Remis in der folgenden Stellung ab. Die folgenden Abtäusche waren recht naheliegend, sodass ich mir Hoffnungen im Endspiel machte.



    Es folgte 26…, Kxf8 27.Df2+, Df7 28.Lxe5, Dxf2 29.Kxf2, dxe5




    Dieses gleichfarbige Läuferendspiel ist bei exaktem Spiel für Schwarz gewonnen!

    Der schwarze König wird bald aktiv auf c5 stehen und die auf weiß festgelegten und damit angreifbaren Bauern des Weißen sind große positionelle Nachteile.

    30.Ke3, Ke7 31.a3, Kd6 32.Kd2, Kc5 33.Kc3, Lf5 34.Lf3, h5 35.h3, h4 36.Lg4?, Lxg4 37.hxg4, e4 38.g5, a4 39.Kd2, Kxc4 40.Ke3, Kxd5 0:1 (Trumm – Herbold, OSW 2004)

 
Autor: Manfred Herbold
 
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