Anzeige
Schach - Schachturniere - Schachvereine
 
Links  Turniere  Vereine 
  Kommentare / Kolumnen
 
Guter Springer - schlechter Läufer
 
    Das positionelle Qualitätsopfer Teil 1 Der Schachtherapeut | E-Mail

    Schachseminar 2

    Guter Springer - schlechter Läufer

    © Copyright 2007 by Schachtherapeut Manfred Herbold, Stauf

    Ein weiterer typischer Kampf der Leichtfiguren ist zwischen Springer und Läufer. Manchmal ist der Springer stärker – manchmal der Läufer.

    Der Läufer hat Vorteile in seiner Schnelligkeit. Er kann das Brett in einem Zug durchschreiten und kann bis zu 13 Felder kontrollieren – ist allerdings dafür auf eine Farbe festgelegt.

    Der Springer ist zwar langsam, kontrolliert maximal nur 8 Felder, kann aber dafür durch Lavieren jedes Feld erreichen.

    Diese so verschiedenen Eigenschaften halten sich in etwa die Waage.

    Die reale Stärke dieser Leichtfiguren ist aber – sogar in größerem Maße als bei anderen Figuren – von der Bauernstruktur beeinflusst. Wie schwach ein schlechter Läufer im Kampf gegen einen guten Läufer ist, haben wir bereits betrachtet. Auch gegen einen gut postierten Springer ist er unterlegen.

    Deshalb ist bei Abtäuschen von Leichtfiguren nicht nur die Frage: „Welche der abzutauschenden Figuren ist stärker?“, sondern vor allem die Frage: „Welche Leichtfiguren bleiben dann noch auf dem Brett – und wie gut oder schlecht sind die?“ von Bedeutung!

    Betrachten wir die Überlegenheit des Springers.

    Typisch hierfür ist der zentralisierte Springer (oft durch einen Bauern gedeckt) der von keinem feindlichen Bauer vertrieben werden kann. Auf der anderen Seite befindet sich ein schlechter Läufer, dessen eigene Bauern auf der Läuferfarbe stehen. Dadurch steht der Springer automatisch auch auf der Gegenfarbe des Läufers.

    Mittelspiel

    Im Bogo-Inder sind solche Motive üblich.

    In der Oberliga Südwest gelang mir 2005 ein ’Klassiker’ zu diesem Thema.

    Berresheim – Herbold, Oberliga Südwest Koblenz – Ludwigshafen 13.02.2005

    1.d4, e6 2.c4, Sf6 3.Sf3, Lb4+ 4.Ld2, De7 5.g3, Sc6 6.Lg2, Lxd2+ 7.Sbxd2, d6 8.0-0, a5 9.e4, e5 10.d5, Sb8 11.Se1, 0-0 12.Sd3, Lg4 13.f3, Ld7 14.b3, Sa6 15.a3, c6 16.f4, Sg4 17.De2, exf4 18.Txf4, Se5 19.Taf1, Tae8 20.h3, Sg6! 21.T4f2, cxd5 22.cxd5, Lb5 23.Sc4, a4 24.Db2, Tc8 25.Tc1

    Schwarz will die zwei Leichtfigurenpaare am Damenflügel abtauschen, damit der gute Springer auf g6 (mit Ziel e5) gegen den schlechten Läufer g2 übrig bleibt.

    25..., Sc5 26.Sxc5, Txc5 27.Tfc2, Lxc4 28.Txc4, Txc4 29.Txc4, axb3 30.Dxb3, Td8 (besser vielleicht 30..., Se5(!) 31.Tb4, Tb8 32.a4, Dc7 33.Tb5, Sd7 mit Ziel c5. Der leichte schwarze Vorteil liegt in der, bereits erwähnten, besseren Leichtfigur und der solideren Königsstellung.)

    31.Db6, h5 32.h4, Ta8 33.a4, Se5 Da ist er endlich der unvertreibbare Zentralspringer – der Stolz der schwarzen Stellung.

    34. Tb4 (34.Tc7, Df6 35.a5, Sg4 36.Tc1, Txa5!! 37.Dxa5, Df2+ 38.Kh1, Dxg3 39.Tc8+, Kh7 40.Kg1, Df2+ 41.Kh1, Dxh4+ 42.Kg1, Df2+ 43.Kh1, h4!! 44.Dc3, Se3 -+)

    34..., Tc8! 35.Tb1, Tc3 36.Dxb7, Df6 37.Tf1, Dg6 38.Db8+, Kh7 39.Db6, Txg3 40.Df2, Sf3+ 41.Kh1, Sxh4 42.Tg1, Dg4! 43.Lf1 (43.a5, Sf3! -+) Dxe4+ 44.Lg2 (44.Kh2, Sf3+! 45.Kxg3, Dg4#) 44..., Th3# (Mit 44..., Dg4?? konnte man die Partie noch verlieren! 45.Dxg3!, Dxg3 46.Le4+, f5 47.Txg3, fxe4 48.a5 +-) 0:1

    Man beachte wie stark der Springer den Angriff mitgestaltete und wie hilflos dagegen der Läufer war!

    Ähnlich verlief folgende Partie. Schwarz tauscht die Leichtfiguren so, dass sein guter Springer gegen den schlechten Läufer übrig bleibt.

    Böringer – Herbold, Hagenbach – Ludwigshafen 02.02.2003

    1.e4, c5 2.Sf3, Sc6 3.d4, cxd4 4.Sxd4, g6 Beschleunigter Drachen 5.c4 Maroczy-Aufbau Lg7 6.Le3, Sf6 7.Sc3, d6 8.Le2, 0-0 9.0-0, Ld7 10.Sxc6, Lxc6 11.f3, Sd7 12.Dd2, a5 13.Sd5, Sc5

    Nun begeht Weiß einen positionellen Fehler! Er spielt das naheliegende 14.Ld4?

    Schwarz antwortet Lxd4+! 15.Dxd4, e5! 16.De3, Lxd5! 17.exd5, f5

    Nach dieser Abtäuschen entsteht die folgende Position.

    Übrig bleibt ein guter, zentralisierter Springer gegen einen schlechten Läufer. Der Vorteil ist zwar sehr minimal, aber lieber einen kleinen Vorteil als einen kleinen Nachteil! J

    Weiß ist nun bemüht den Springer mit baldigem b4 zu vertreiben.

    18.Tab1, Dh4 19.b3 (19.a3? wird standesgemäß mit a4! =+ beantwortet. Dann wäre der Standpunkt des Springers auf c5 dauerhaft gefestigt.) 19..., Tfe8! Schwarz will die e-Linie öffnen und postiert deshalb seinen Turm dort. 20.Ld3, Dd4! Mutig gespielt. Der nun entstehende Freibauer auf der d-Linie hat Vor- und Nachteile. 21.Dxd4, exd4 22.Tbd1, Te3 23.Lb1, d3 24.Td2, Tae8 25. f4 (25.Tfd1, Te1+ 26.Kf2, T8e2+ 27.Txe2 (27.Kg3?, Txd1 28.Txd1, Kf7 29.Lxd3, Txa2 -+) 27..., Txd1 28.Te1, Td2+ 29.Kf1, Sa6 =+)

    25..., Kf7 26.g3, Kf6 27.Kg2, h6 28.Tf3? Verliert forciert. Te2+ 29.Tf2, Txf2+ 30.Txf2, Te1 31.Tf1, d2 32.Lc2, Se4 0:1 Gegen die Drohung Se4-c3 nebst d2-d1D ist kein Kraut gewachsen.

    In dieser Stellung machte Weiß in der Partie Zochowski – Herbold, Frydek-Mistek 2005

    eine positionelle Ungenauigkeit, nach der Schwarz leicht ausgleicht und das leichtere Spiel bekommt.

    Es spielte 18.f5?! Danach wird das Zentralfeld e5 geschwächt. Nach Abtausch der schwarzfeldrigen Läufer kann sich dort der schwarze Springer unangreifbar einnisten. Außerdem ist der weiße Lf3 schon recht schlecht.

    Es folgte konsequenterweise: 18..., Tac8 19.Tc1, Lxd4 20.Dxd4, Dc5 21.Dd3, Sf6 22.Tfe1, Te8 23.Te3, Sd7 24.Le4, Se5

    25.De2, f6 (Hier verzichtete ich auf den Bauernraub Sxg4?, da Weiß nach 26.Tg3, Se5 27.Dd2 gute Angriffschancen erhält.) 26.fxg6, hxg6 27.Th3, Kg7 28.Tg1, Th8 29.Txh8, Txh8 30.Tg3, b4 31.c4, Dd4 32.h3, a5 33.Kg2, a4 34.De3, Da1 35.Dd2, Ta8! 36.Kh2? (mit 36.Te3!, axb3 37.axb3, Ta2 38.Lc2, Db2 39.Te2 hätte Weiß die Stellung noch zusammenhalten können.) 36..., axb3 37.axb3, Ta2 38.Lc2, Db2 0:1

    Nun fällt es nicht mehr schwer den nächsten Zug von Fischer zu erraten.

    Fischer – Bolbachan, Stockholm 1962

    19.Lxb6!, Dxb6 20.Sd5 Der Springer dominiert die Stellung. Kein Wunder, dass Weiß bald gewinnt. 20..., Dd8 21.f4, exf4 22.Dxf4, Dd7 23.Df5, Tcd8 24.Ta3!, Da7 25.Tc3!, g6 26.Dg4, Dd7 27.Df3, De6 28.Tc7, Tde8 29.Sf4, De5 30.Td5, Dh8 31.a3, h6 32.gxh6, Dxh6 33.h5, Lg5 34.hxg6, fxg6 (34..., Lxf4 35.gxf7+, Txf7 36.Txf7, Kxf7 37.Th5, Dg6 38.Dxf4+ +-) 35.Db3!, Txf4 (35..., Kh8 36.Sxg6!, Dxg6 37.Txg5!, Tf1+ 38.Ka2, Dxg5 39.Dh3+, Kg8 40.Dxf1 +-) 36.Te5+, Kf8 37.Txe8+ 1:0

    Endspiel

    Auch in Endspielen kann der Springer einem Läufer überlegen sein. Das Diagramm zeigt so eine typische Stellung. Die gewünschten Merkmale sind erfüllt: Der weiße Springer ist zentral postiert und kann nicht vertrieben werden. Die schwarzen Zentrumsbauern stehen auf der Läuferfarbe. Nur die Überlegenheit des guten Springers gegen den schlechten Läufer verbürgt hier den Sieg. Ohne Leichtfiguren wäre die Partie für Weiß nicht zu gewinnen.

    1.g5!, Kg7 2.Kf3, Kf7 3.Kg4, Le7 4.Kf5, Lf8 5.Sf6, h6 6.gxh6 (Auch 6.g6 gewinnt. Z.B. Ke7 7.Se4, Lg7 8.Sg3!, Lf8 9.Ke4, Kf6 10.Sf5 +-) 6..., Lxh6 7.Se4, Lf8 8.h6, Lxh6 (8..., Le7 9.h7, Kg7 10.Ke6, Lf8 11.h8D+, Kxh8 12.Kf7, Lh6 13.Sxd6 +-) 9.Sxd6+, Ke7 10.Se4, Le3 11.d6+, Kd7 12.Kxe5 1:0

    Zusammenfassend kann man sagen, dass auch ein guter Springer gegenüber einem schlechten Läufer im Mittelspiel, wie auch im Endspiel spielentscheidend sein kann. Deshalb ist bei Abtäuschen von Leichtfiguren immer darauf zu achten, welche Leichtfiguren auf dem Brett verbleiben.

    Ein guter Springer ist ein Springer der auf einem zentralen Feld unangreifbar gedeckt postiert ist.



    Alice homeTV 468x60
 
Autor: Manfred Herbold
 
Login
Benutzername:
Passwort:
Newsletter
Anzeige

Sponsored Links:
Partnerlinks
Tischdekoration
Winhelpline
Bußgeldrechner
Zecke entfernen
BMI Kinder
DWZ Rechner

 

Sitemap |
© 2007 schachlinks.com