Das positionelle
Qualitätsopfer
Teil 2: Opfer auf "gut Glück"?!
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Manfred Herbold, Stauf
Das positionelle Qualitätsopfer
Teil 2: Opfer auf "gut Glück"?!
Bobras (2563) - Haldemann (2184), Bad
Wiessee 2005
15.Tf3!! Ein unglaubliches
Qualitätsopfer!
Nach der Annahme wird die g-Linie für Weiß
halb geöffnet - mit freier Fahrt Richtung schwarzem König. Reicht das als
Kompensation?!
Geht Weiß seinen geplanten Angriff zu
stürmisch an, läuft er Gefahr klassisch im Zentrum ausgekontert zu werden. Z.B.
15.g4!? d5! Flankenangriffe sollen (müssen) mit einer Attacke im Zentrum
beantwortet werden! (nicht 15...Sxd3?!
16.cxd3 e5 weil Weiß mit 17.Lh6!
schönen Angriff bekommt.) 16.g5 Sxe4
17.Sxe4 dxe4 18.Lxe4 exf5 19.Sxf5 Sg6 20.Df2 Lxe3 21.Dxe3 Lc6 und von dem
weißen Angriff ist nichts mehr zu sehen. Vermutlich ist nun die schwarze
Stellung schon leicht vorzuziehen, weil die weiße Königssicherheit
problematisch ist.
15...Sxf3 16.gxf3 Kh8 16...Db6
17.Tg1! Lxd4 (17...Se8 18.Txg7+!! Sxg7 (18...Kxg7 19.f6+! nebst Matt in
wenigen.) 19.f6 Lxd4 20.e5 Sf5 21.Lxf5 exf5 22.Dg5+ Kh8 23.Dg7#) 18.e5!!
Dc6 (18...Lxe3 19.Txg7+! Kxg7) 19.Txg7+!!+-; 16...e5 17.Tg1 Se8 18.Sd5
Dd8 19.f6 g6 20.Lh6 Lxd4 21.Se7+ Kh8 22.Lxf8+- Le3 (22...Lxg1 23.Dh6) 23.Txg6!
fxg6 24.Sxg6+ Kg8 25.Lc4+ nebst Matt.
17.Tg1 Tg8
Mitkov (2532) führte den 15. Zug (15.Tf3!!) im Europacup
2000 in seiner Partie gegen Rublewski (2670) ein. Es
folgte dort 17..., Dd8 18.e5 dxe5 19.Txg7 Tg8 20.Txg8+ Kxg8 21.Lg5
Le7 22.Se4 Sd5 23.f6 Db6 24.Sc5 Dxc5 25.Dxh7+ 1–0
18.fxe6 fxe6 19.e5! dxe5 20.Lg5 Lc8 21.Se4
Sxe4? 21...Lxd4 22.Sxf6 g6 23.Se8!! Txe8 24.Lf6+ Kg8 25.Txg6+
hxg6 26.Dh8+ Kf7 27.Dg7#
22.Lxe4
g6 23.Lf6+ Tg7 24.Txg6 1–0
Herbold
- FRITZ 2, 1995
1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Lb4 4.a3 Lxc3+ 5.bxc3
dxe4 6.f3 (Winckelmann-Reimer-Gambit) exf3
7.Dxf3 Sd7 8.Sh3 Sgf6 9.Sf2 0–0 10.Lg5 h6 11.Lh4 De8 12.Ld3 a6 13.0–0 Ta7
14.Tae1 b5
15.Te5!? dient dazu den Sf6 von der Verteidigung des Königsflügels abziehen zu
lassen. Sxe5 16.dxe5 Lb7 17.Dg3 Sd5? 17...Sh5!„ 18.Sg4! Kh8
19.Sxh6!? 19.Lf6! 19...c6 19...gxh6?? 20.Tf6 Sxf6 21.Lxf6# 20.Lf6!
Sxf6 21.exf6 g6 22.Dh3 Dd8 23.Sg4+ Kg8 24.Dh6 1–0
Herbold (2170) - Ritter (2105), SK LU 1912, Klubturnier A,
17.01.2003
1.e4 g6
2.d4 Lg7 3.Sc3 c5 4.dxc5 Da5 5.Le3 Lxc3+ 6.bxc3 Dxc3+ 7.Ke2 Sc6 8.f3 f5 9.exf5
Sf6 10.Kf2 Sd5
11.Dxd5
Dxa1 12.fxg6 hxg6 13.Ld3 Df6 14.Lg5 De6 15.Dxe6 dxe6 16.Lxg6+ Kd8 17.Le4 e5
18.Se2 Le6 19.Sc3 Tc8 20.Tb1 Txh2 21.Txb7 Th5 22.Le3 Sd4 23.g4 Th3 24.Lg5 Tc7
25.Txc7 Kxc7 26.Kg2 Th8 27.Lxe7 Kd7 28.Lf6 Tc8 29.Lxe5 Sc6 30.Ld6 Tg8 31.Sd5
1–0
Herbold
(2129) - FM Mudrak (2387), Litomysl,
28.12.2003
In diese Partie ging ich mit ca. 2-stündiger
Fritz-Analyse. Das interessante Damenopfer von Schwarz
hat FM Mudrak schon mal
gespielt und seine Partie überzeugend gewonnen. Mir gefiel die Variante so
sehr, dass ich zumindest auf eine spannende Partie hoffte. Die Analyse im
Vorfeld mit Fritz lud mich gerade zu (elektrisch) auf und sensibilisierte mich
für Angriffspläne und Opfer.
1.c4 Sf6 2.Sc3 g6 3.d4 Lg7 4.e4 d6 5.f3 0–0
6.Le3 e5 7.d5 Sh5 8.Dd2 Dh4+ 9.g3 Sxg3!? 10.Df2! Sxf1 11.Dxh4 Sxe3 12.Df2! Sxc4
13.De2! Sb6 14.Sb5! Sa6 15.Tc1! Ld7 16.h4! Lh6 17.Tc2 c6 18.dxc6 bxc6 19.Sxd6
Sb4
20.Td2!! animiert den Schwarzen seinen Lh6 abzugeben. Danach verwaist der schwarze
Königsflügel und Weiß kann problemlos im Angriff gewinnen. Sxa2 21.h5 Kg7
22.hxg6 Lxd2+ 23.Dxd2 hxg6 24.b3! 24.Da5!; 24.Dg5!! Tfe8 (24...f6??
25.Dh6+ Kg8 26.Dh7#) 25.Sf5+ Lxf5 26.exf5+- 24...a5 25.Dxa2 a4 26.Db2 f6
27.bxa4 Sxa4 28.Dd2 g5 29.Se2 Tab8 30.Dc2 Sb2 31.Sg3 c5 32.Sgf5+ Lxf5 33.Sxf5+
Kg8 34.Th6 Tf7 35.Tg6+ Kh8 36.Dh2+! Th7
37.Sh6!! 37.Th6?? Sd3+ 38.Kd2
Tb2+ 39.Kxd3 Txh2 40.Txf6 Td7+ –+ 37...Sd3+ 38.Kd2 Tf8 38...Tb2+ 39.Ke3!
(39.Kxd3?? Td7+ 40.Kc3 Txh2–+) 39...Txh2 40.Tg8# 39.Kxd3 Td7+ 40.Kc3
Kh7 41.Dh5 1–0
Herbold
(2129) - IM Priehoda (2372), Litomysl,
29.12.2003
Ein Tag nach der Mudrak-Partie
juckte es mich wieder in den Fingern.
Ich brachte ein sehr zweifelhaftes Qualitätsopfer,
welches meinen Gegnern verwirrte
und mir zum Schluss eine Remisposition verschaffte ...
hätte ich nicht gepatzt!
1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.c3 Sf6 5.e5 Sd5
6.cxd4 b6 7.Sc3 Sxc3 8.bxc3 Dc7 9.Lb2 Lb7 10.Ld3 d6 11.exd6 Lxd6 12.0–0 Sd7
13.Te1 0–0 14.c4 Tfe8 15.Tc1 Lxf3 16.Dxf3 Lxh2+ 17.Kh1 Lf4
18.Te4?! Dieses Qualitätsopfer beruht lediglich auf der Regel, dass das Läuferpaar
so stark ist wie Turm + Springer des Gegners. Lxc1 19.Lxc1 f5 20.Txe6 Txe6
21.Dxa8+ Sf8 22.Dd5 Df7 23.Kh2 Te1 24.Dxf7+ Kxf7 25.Le3 f4 26.Lxf4 Td1 27.Le4
Txd4 28.Ld5+ Ke7 29.Le3 Txd5!? 30.cxd5 Kd6 31.Ld4 g6 32.Lg7 Sd7 33.Kg3 Kxd5
34.Kf4 Sc5 35.Kg5 Se6+ 36.Kh6 Sxg7 37.Kxg7 b5 38.Kxh7 b4 39.Kxg6 a5 40.f4 a4
41.f5 b3 42.axb3 axb3 43.f6 b2 44.f7 b1D+ 45.Kg7 Db2+
46.Kh7?? Mit 46.Kg8! hätte ich
einfach Remis halten können! Mir war diese Remisstellung - f-Bauer gegen Dame -
bekannt. In der Zeitnot übersah ich aber die Partiefortsetzung und patzte.
46..., Dxg2+ 47.Kh7 De4+ 48.Kg7 De5+ 49.Kg8
Dg5+ 50.Kh8 Df6+ 51.Kg8 Dg6+ 52.Kh8=
46...Df6 47.g4 Dxf7+ 48.Kh6 Df6+ 49.Kh5 0–1
Zusammenfassend kann
man sagen, dass ein positionelles Qualitätsopfer auch gute Angriffschancen
birgt, wenn dadurch wichtige gegnerische Leichtfiguren von der Verteidigung
abgetauscht oder abgezogen werden.