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Auszüge aus dem Buch Der Schachtherapeut
 

    Vorwörter zum Buch


    Wir wollen heute ausnahmsweise mit dem Anfang beginnen, obwohl ein Anfang immer schrecklich ist. Schon die schnöseligen und sehr arroganten (aber dafür eleganten) französischen Höflinge aus dem 18. Jahrhundert sprachen ja en passant vom „Anfang terrible“.
    Aber schon die Bibel lehrt uns: Am Anfang war das Wort. Mit dem Ende anzufangen ist irgendwie blöd und auch wenn große Schatten ihre Ereignisse hinter sich werfen, hat es keinen Sinn, den Brunnen zuzuschütten, wenn das Kind verbrannt ist.
    Außerdem ist Schwatzen nicht immer ein Beweis mangelnder Kapazität und in eigner Sache hat man immer viel zu sagen.
    Im Schachsport gilt, wie überhaupt in der Kunst, dass, nur wer jeden Augenblick tief seine Unvollkommenheit empfindet, sich fortentwickeln kann und bin ich von etwas Fehlerhaftem in mir absolut durchdrungen, so habe ich die Pflicht, diesen Fehler abzulegen oder wenigstens beständig dagegen anzukämpfen.
    Bekanntlich ist nur der Irrtum das Leben und die Wahrheit ist der Tod und das Gute ist doch das Beste, wenn auch das Beste des Guten Feind ist. Ach, alle Kunst ist schwer und wer sie beurteilen will, muss durchaus die Teilnahme und den Respekt mitbringen, die aller ehrlichen Arbeit gebühren.
    Schließlich hoffen wir alle, und wissen insgeheim, dass lange Beschäftigung mit einer Sache abfärbt und dass, wo etwas, was wichtig ist, auf dem Spiel steht, man dabei sein muss, gleichwohl ob man’s kriegt oder nicht. Damit sind wir mit dem Anfang am Ende und bedanken uns beim Autor, der uns mit seinem Erstlingswerk humorvoll auf die Couch legt und wohlwollend therapiert, auf dass aus uns doch mal ein „geheilter“ Schachspieler wird.

    Ralf Kissel, 1. Vorsitzender SK Ludwigshafen 1912

    Der Schachtherapeut erweitert seine Praxisräume. Nach vielen Jahren in den Tiefen des Netzes und unzähligen Therapiesitzungen, insbesondere mit seinem Dauerpatienten Lobrehd, hat er seine Protokolle über die verwirrten Schachkrieger endlich geordnet und präsentiert sie in gedruckter Form.
    Mit dieser bahnbrechenden Ausrüstung gewappnet ist jeder Schachkämpfer, egal ob Rekrut oder Frontsau, psychologisch lückenlos ausgerüstet, um auf jedem Sch(l)ach(t)feld dieses Erdballs zu bestehen.
    Im Zuge seiner Erkundungen innerhalb der weltweiten Datenautobahn gab sich der Meister vor Fertigstellung seines Opus magnum aber nochmal die Ehre. Er besuchte einen seiner Schüler, der gar nicht wusste, dass er einen Lehrer hat, und tauschte zum Test die Rollen. Für dessen mäßige Kopie der wunderbaren „Hall of Shame“ schickte das Oberhaupt aller Schachpsychologen einen seiner gröbsten schachlichen Fehlschüsse.
    Diesen veröffentlichte der nichtsahnende Schüler unter seiner Rubrik „Die Gurke meiner Karriere“, was für viel Heiterkeit sorgte. Etwas erbost über des Schülers unbedachte Vorgehensweise schickte der Meister direkt danach eine seiner zahlreichen Glanzleistungen für die Rubrik „Die Perle meiner Karriere“, ebenfalls eine mäßige Kopie, dieses Mal der „Hall of Fame“, womit er deutlich machte, dass er sein in minutiöser Kleinarbeit und durch unzählige Sitzungen erschaffenes Werk bis ins letzte Detail schon längst verinnerlicht hatte.
    Dem reuigen Schüler ist sein Gebaren inzwischen ziemlich peinlich und er kann es kaum erwarten, des Meisters Werk endlich huldvoll in den Händen halten zu dürfen.

    IM Georgios Souleidis

    Dieses Buch habe ich zugegebenermaßen mit viel alkoholfreier Bierlaune verfasst. (Das mit dem alkoholfrei muss ich hier erwähnen, da es wahrscheinlich ist, dass es auch in die unschuldigen Hände von jugendlichen Patienten gelangt.)
    Für mich war das Schreiben dieses Bandes und die Analyse der angeführten Partien eine durchaus erfolgreiche Selbsttherapie, die mir geholfen hat, im realen Schachleben besser zurecht zu kommen.
    Es steht Dir (ich erlaube mir die persönliche Anrede denn es soll gelten: gens una sumus = Wir sind eine Familie) natürlich frei, meine Ratschläge und Anweisungen zu befolgen, aber denke daran: Nur wer sich helfen lässt, dem kann geholfen werden. Da du das Buch aber erworben hast, bist du vermutlich zur Therapie entschlossen. Bravo! Auf alle Fälle wünsche ich gute Unterhaltung, sowohl in meiner Praxis, als auch bei den die Behandlung begleitenden Partien und Studien.

    Es steht natürlich die Frage im Raum: „Schachtherapie, was soll das eigentlich??“ GM Matthias Wahls reißt dazu auf meiner Homepage (www.schachtherapeut.de) das Thema im ‚Patientenbuch’ (Gästebuch) treffend an:

    „Nur allzu oft wird Schach als rein kognitives Problem aufgefasst. Dabei basiert doch jede einzelne schachliche Entscheidung auch auf Gefühlen. Die bedeutende Rolle des Unterbewussten und die immense psychische Anspannung während einer Partie lassen darauf schließen. Gleich drei Kontrahenten gilt es in der Schachpartie zu besiegen: die feindlichen Figuren, die Psyche des Gegners und vor allen das eigene Ich. Dein psychologischer Zugang zum Schach findet bei mir deshalb große Zustimmung.“

    Manfred Herbold

    Frauenschach ; Plaudertasche
 
Autor: Manfred Herbold
 
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