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Kommentare / Kolumnen
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| An der Dame liegt's |
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| | Neulich beim Open von Großenseebach sah ich einmal hinüber aufs andere Brett. Mein junger Nachbar hatte Schwarz und verteidigte sich auf 1.e4 mit 1.... d6, 2.... Sf6, 3.... g6 und 4.... Lg7. Nach ein paar weiteren Zügen zog er, während sein Gegner überlegte, die Kappe vom Filzstift und schrieb ins Formular, das ja tatsächlich ein Feld für die Eintragung der Eröffnung hat: „Pirc-Ufimzew“. Glücklicher Junge, der offenbar einen Übungsleiter hat, der ihm mit viel Liebe das Spiel beibringt! Aber was soll werden? Nicht nur, dass man im Zug, im Café oder im Park selbstverständlich niemanden mehr beim Schachspielen sieht. Auch die Zahl der Vereinsspieler nimmt von Jahr zu Jahr ab. Woran liegt es, dass unser Spiel so wenig beliebt und kein Gesellschaftsspiel ist? Manche wollen es endlich professionell vermarkten und stellen, um die Nachfrage zu steigern und potentielle „Kunden“ zu stimulieren, niedliche Plüschtiere neben die kämpfenden Großmeister auf die Bühne oder lassen vom Turnierplakat eine hübsche Spielerin lächeln. Nützt alles nichts, denn der Mangel ihres „Produkts“ lässt sich nicht so leicht beheben. Stefan Kalhorns Artikel „Schach als Gesellschaftsspiel“ (schachblaetter.de, 10.9.2008) empfiehlt das Buch von Marilyn Yalom: „Birth of the chess queen“ (New York 2005). Nach Yalom hat die allmähliche Aufwertung der Rolle der Frau seit dem 12. Jahrhundert, die sich auch in der gesteigerten Marienverehrung ausdrückte, zur bekannten Veränderung der Schach-Spielregeln im 15. Jahrhundert geführt. (Ein Argument für Yaloms These wäre es, wenn man in der kleinen, im 14. Jahrhundert aus Elfenbein geschnitzten Figur der Mutter Maria mit dem Jesuskind im Gardner-Museum von Boston die Schachfigur mehr als nur vermuten könnte. „In my hand she felt like one“, schreibt Marilyn.) Bis dahin war die Dame eine schwache Figur, die nur ein Feld schräg zog. Mit der starken, die Gangart von Läufer und Turm vereinigenden Dame wurde aus dem gemütlichen Spiel ein brutaler Kampf. „Wenn man nicht die ganze Zeit hellwach war, konnte man unmittelbar verlieren ... Das Spiel verlor immer mehr seinen Charakter als Gesellschaftspiel“, fasst Kalhorn zusammen … Wie spielte Wasja Pirc (1907-1980) selbst seine Eröffnung?
Laszló Szábó - Wasja Pirc, Kecskemét 1962
1.d4 d6 2.e4 Sf6 3.Sc3 g6 4.Lg5 c6 5.f3 b5 6.Dd2 Sbd7 7.a4 b4 8.Sd1 a5 9.Se2 La6 10.Sg3 Lxf1 11.Sxf1 c5 12.d5 h6 13.Lh4 Lg7 14.Sfe3 Sb6 15.0-0 Dd7 16.Ta2 0-0 Pirc hat kein Vertrauen in den Bauerngewinn 16... Sxa4 17. Sc4 Db5 18. Sde3 Sb6 ... 17.b3 c4 ... sondern möchte eine Angriffsmarke auf der c-Linie haben. 18.Sxc4 Sxc4 19.bxc4 Dc7 20.Se3 Tfe8 21.Kh1 Sd7 22.f4 Sb6 23.Dd3 Tac8 24.e5 Sxc4 25.exd6 exd6 26.Sg4 f5 27.Sf6+ Lxf6 28.Lxf6 Te3 29.Dd1 Te4 Wegen der großen Aktivität der schwarzen Figuren kommt Weiß nicht dazu, auf den schwarzen Feldern Drohungen aufzustellen. 30.Ld4 Df7 Hier hätte 30... Sd2 mit Doppelangriff auf den Ld4 und den Tf1 sofort gewonnen, denn auf 31. Dxd2 Dc4 32. Ta1 Dxd4 steht Schwarz total überlegen. 31.Lg1 Se3 32.Lxe3 Txe3 33.Ta1 Tc5 34.Dd2 Tec3 35.Tad1 Txc2 36.Dd3 T5c4 37.Tfe1 T2c3 38.Dd2 Te4 39.Df2 Tc5 40.Dh4 Kg7 41.Txe4 fxe4 42.f5 Weiß versucht noch verzweifelt, Linien zu öffnen. 42...gxf5 43.g4 Txd5 44.Tg1 fxg4 45.Txg4+ Kh7 46.Tf4 Tf5 47.Txf5 Dxf5 48.De7+ Kg6 49.De8+ Kg5 50.Dd8+ Kh5 51.De8+ Kh4 52.Kg1 Dg4+ 53.Kf1 Df3+ 54.Ke1 e3 55.De7+ Kh3 56.De6+ Kg2 und Weiß gibt auf.
| | | | Autor: Steffen Hoffmann |
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