Dramatik bei der „Schlacht bei Dennewitz“ 2009 - Leipziger IM Gunter Spiess gewinnt das 9.
Schnellschachturnier des SV Marzahna 57 in Dennewitz.
Am 29.08.2009 war es wieder soweit. Der SV Marzahna 57 hatte
zu seinem jährlichen Schnellschachturnier ins Wirtshaus „Zum Grafen Bülow“ in Dennewitz
zum Kampf um Ruhm und Ehre sowie Preisgeld geladen. Insgesamt 70 Spieler,
darunter 13 Titelträger, aus vielen Bundesländern aber auch aus dem Ausland
machten sich auf den Weg zur „Schlacht bei Dennewitz 2009“.
Impressionen
Am 06.
September 1813 gewannen 40.000 Preussen gegen 70.000 Franzosen die
„Schlacht bei Dennewitz“. Die Preussen wurden damals angeführt von General Graf Bülow, nachdem das Spiellokal
benannt ist. Unter den Linden in Berlin erinnert ein grosses Denkmal an seine
Verdienste. Im Dorf Dennewitz und der Umgebung erinnern viele Denkmäler an
den damaligen Sieg der Preussen in den Befreiungskriegen, der für die
Verteidigung Berlin von grösster Bedeutung war. Die Völkerschlacht in Leipzig
brachte dann endgültigen Sieg der Preussen über Napoleons Armeen. In 2009
sollten dann bei der „Schlacht bei Dennewitz“ die Sachsen gewinnen ... aber
noch nie gab es bei diesem traditionellen Turnier eine solche knappe
Entscheidung. Insgesamt 10 Spieler waren nur durch einen halben Punkt getrennt.
Aber der Reihe nach.
1.Runde Brett 22
In der 1. Runde gelang lediglich 2 Spielern aus der unteren
Hälfte ein Remis, darunter Thomas Röder vom SV Marzahna 57 gegen Alexander
Izrailev vom PSV Hannover. Auch sich die ganz grossen Favoriten auch in der 2.
Runde keine Niederlage leisteten, waren die Remis von IM Ulf von Herman gegen
Manfred Jandke von der SSG Lübbenau und FM Karsten Schulz von VBSF Cottbus
gegen Konstantin Bubolz von SK König Tegel sicher nicht eingeplant. FM Manfred
Schöneberg von Lok Leipzig-Mitte unterlag sogar Carsten Hein von Empor Potsdam
1.Runde Eröffnung durch den Bürgermeister
In der 3. Runde gab es dann doch einige Überraschungen. So
konnte u. a. der erst 18 jährige Gabriel Petesch aus den USA (USCF Rating unter
2200) GM Lothar Vogt vom SC Eppingen besiegen.
2. Runde Brett 3
Als das amerikanische
Nachwuchstalent Gabriel Petesch dann in der 4. Runde auch noch GM
Viesturs Meijers von ESV Nickelhütte Aue besiegte, begann das grosse Staunen
und Rätselraten. Und da er dann gleich auch die 5. Runde gewann, führte er
schon fast sensationell mit der Maximalpunktzahl von 5 Punkten vor dem
Ranglistenersten IM Ilja Schneider von den SF Berlin und IM Gunter Spiess von
Lok Leipzig-Mitte, die beide 4,5 Punkte hatten. Gabriel Petesch, der zu Besuch
in Berlin war, hatte im Internet die Ausschreibung gelesen und wollte auch mal
die deutschen Titelträger testen ... was ihm ja auch gelang.
2.Runde
In der 6. Runde gelang es dann dem IM Gunter Spiess, den
Siegeszug den Amerikaners zu stoppen und ihm die erste Niederlage beizubringen.
IM Ralf Schöne lag als bester Spieler des Gastgebers SV Marzahna 57 zu diesem
Zeitpunkt auf Platz 8.
3. Runde Potsdamer Vereinsduell
In der 7. Runde spielten dann der zu diesem Zeitpunkt
führende IM Gunter Spiess gegen seinen Teamkollegen FM Manfred Böhnisch, der
sich zwischenzeitlich an die Führenden herangekämpft hatte, ebenso Remis, wie
IM Ilja Schneider gegen Gabriel Petesch. Vor den letzten beiden Runden führten
IM Gunter Spiess und IM Ilja Schneider mit 6,0 Punkten vor Gabriel Petesch und
weiteren 4 Spielern mit 5,5 Punkten.
3. Runde
IM Ilja Schneider trennte sich dann in der 8. Runde von GM
Viesturs Meijers remis, der damit
praktisch nicht mehr Turniersieger werden konnte. Auch der Amerikaner Petesch vergab
seine Siegchancen durch eine Niederlage gegen FM Manfred Böhnisch. IM Gunter
Spiess, der im Vorjahr
in Dennewitz Platz 2 belegte, gewann gegen FM Alexander Schenk von der USG
Chemnitz und übernahm die alleinige Führung.
4. Runde
Wegen seiner hohen Wertung hätte in der
letzen Runden IM Gunter Spiess ein Remis sicher gereicht ... doch dann unterlag
er in der letzten Runde noch GM Lothar Vogt, der damit ebenso wie IM Gunter
Spiess auf insgesamt 7 Punkte kam. Da aber auch IM Ilja Schneider und FM
Manfred Böhnisch remis spielten, hatten auch diese Beiden „nur“ 7 Punkte –
statt den Turniersieg. Mit einem Sieg hätten dann auch
noch der GM Viesturs Meijers oder FM Klaus-Dieter Kesik vom SC Hoyerswerda auf
7 Punkte kommen können. Doch sie spielten Remis und erreichten beide 6,5
Punkte, ebenso wie der Sieger
aus 2007, IM Ulf von Herrmann, diesmal für SK Gillette startend und der
Amerikaner Gabriel Petesch, der in der letzten Runde FM Karsten Schulz aus
Cottbus besiegte. Ebenfalls auf 6,5 Punkte kamen FM Alexander Schenk, FM
Klaus-Dieter Kesik und Alexander Izrailev.
4. Runde Marzahner Vereinsduell
Über Sieg und die Plätze musste die Wertung entscheiden.
Leider wurde die Wertung durch eine vorzeitige Abreise eines vermeintlichen
Spitzenspielers beeinflusst. Schade! Gründe dafür sind nicht bekannt.
4. Runde
Auf den Sieger hatte das Thema aber keinen Einfluss. Trotz
Schlussrundenniederlage gewann IM Gunter Spiess von Lok Leipzig-Mitte die
„Schlacht bei Dennewitz 2009“ und damit
auch das Preisgeld von 500 EUR. Dahinter teilten sich die Plätze 2 und 3 mit
absolut identischer Wertung GM Lothar Vogt und FM Manfred Böhnisch.
Leidtragender des Wertungsthemas war IM Ilja Schneider von den SF Berlin. Er
hätte wahrscheinlich den 2. Platz erreicht, wenn der vorzeitig abgereiste
Spieler noch gepunktet hätte. Aber da das final natürlich auch nur reine
Spekulation ist, belegte er Platz 4 mit der minimal schlechteren Wertung.
Ausgezeichneter Fünfter wurde der amerikanische Nachwuchsspieler Gabriel
Petesch mit 6,5 Punkten noch vor GM Viesturs Meijers.
5. Runde Heinrich vs. Muse
Bester Brandenburger in diesem wieder sehr stark besetzen
Turnier wurde IM Ralf Schöne aus Beelitz vom gastgebenden SV Marzahna 57 auf
Platz 11 mit 6 Punkten. Er ist auch der einzige Spieler, der an allen 9
Turnieren teilgenommen hat, wodurch er nun die Ewige Bestenliste der „Schlacht
bei Dennewitz“ noch deutlicher anführt.
5. Runde Spitzenbretter
Die Mannschaftswertung gewann SV Lok Leipzig-Mitte klar vor
SK Gillette aus Berlin. Den DWZ Preis 1801 bis 2100 gewann Hans-Jürgen Piersig
von Empor Potsdam vor der einzigen Frau im Feld, Sandra Ulms vom SC
Leipzig-Gohlis, mit je 6 Punkten. Auch hier spielte die Wertung eine
entscheidende Rolle. Vor wenigen Wochen ist sie übrigens im 6 km entfernten
Jüterbog deutsche Schnellschachmeisterin der Frauen geworden. Die Luft im
Fläming scheint ihr besonders gut zu bekommen. In der Kategorie 1501 bis 1800
siegte Martin Göpel aus Falkenberg mit 5 Punkten vor Carsten Kühne aus Niemegk
mit 4,5 Punkten. Die Kategorie 1 bis 1500 gewann Klaus Köhler vom Pegasus
Jüterbog mit 3,5 Punkten vor Fred Metzdorf aus Trebbin mit 3 Punkten. Als
bester Senior wurde Erhard Bernhöft von Potsdam SV Mitte mit 5 Punkten
ausgezeichnet. Den Preis für den besten Junior ging an Felix Meissner vom SC
Leipzig-Gohlis mit 5 Punkten. Bester Schüler wurde Adrian Faust von Potsdam SV
Mitte mit 3 Punkten.
5. Runde
1813 spielte Leipzig mit der Völkerschlacht eine ganz
wichtige Rolle – dieses hat sich nun bei der „Schlacht bei Dennewitz 2009“
nicht nur durch den Sieger, sondern durch die weiteren sehr guten Platzierung
der aktuellen und ehemaligen Leipziger Spieler wiederholt.
6. Runde Brett 12
Ingesamt verlief das Turnier im historisch gestalten Saal
des „Wirtshaus zum Grafen Bülow“, in angenehmer Atmosphäre ohne Streitfälle.
Vielen Dank auch dem Team des Wirtshauses!
Besonderer Dank gilt den Organisatoren vom SV Marzahna 57,
insbesondere Roland Schimmel und Siegfried Wieland sowie den Sponsoren, ohne
die ein solch grosses Turnier nicht möglich ist.
Mal sehen, was sich die Organisatoren für das Jubiläum
einfallen lassen ...
René Liese, SV
Marzahna 57 e.V.