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Rezensionen
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| Jewgeni Sweschnikow - Französisch Vorstossvariante Band 1+2 |
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| | Wenn man den Namen Jewgeni Sweschnikow hört, denkt man automatisch sofort an die Sweschnikow-Variante der Sizilianischen Verteidigung. Der russische Großmeister (der für Lettland spielt) und Theoretiker kann aber einen viel größeren Horizont aufweisen und veröffentlicht in der Reihe "Weissrepertoire für Praktiker" eine Französisch-Monographie zur Vorstoßvariante in 2 Bänden.
Autor: Jewgeni Schwesnikow Titel: Französisch Vorstossvariante Band 1 ISBN-13: 978-3-283-00512-2; ISBN-10: 3-283-00512-5 Edition OLMS, 175 Seiten deutsch, kartoniert |  | Autor: Jewgeni Schwesnikow Titel: Französisch Vorstossvariante Band 2 ISBN-13: 978-3-283-00513-9; ISBN-10: 3-283-00513-3 Edition OLMS, 135 Seiten deutsch, kartoniert |  |
 | Sweschnikow, welcher immer wieder als Schreiberling in der Zeitschrift Schach (zuletzt Ausgabe 5 diesen Jahres: "Sizilianisch mit 2. c3 - Eine Waffe gegen Sizilianisch für alle und jeden!") auftaucht ist bisher als Autor für Monographien zu 'seinem' Eröffnungssystem in Erscheinung getreten, taucht aber namentlich in Bezug auf gewissenhafte theoretische Untersuchungen in vielen Gebieten des Schachspiels auf. Schaut man in die Zitate-Datenbank auf schachlinks findet man folgenden Ausspruch von ihm: "Der Grund, warum Supergroßmeister keine eröffnungstheroretischen Beiträge schreiben: Ein einziger mit einer Neuerung errungener Sieg kann sich finanziell weit besser auszahlen als das Honorar für einen langen Artikel." Diesen hat er in Ausgabe 01/2004 von "Schach" getätigt und dort dargelegt, warum er selbiger Zeitschrift einen versprochenen Artikel nie lieferte. (Be)merkenswerter sind aber seine dort niedergeschriebenen 'Schachgedanken', bei welchen er definiert über seine "Vier (allgemeinen) Prinzipien der Eröffnung" die Populariät des Schwesnikow-Systems erläutert ... |
BAND 1
Der als "Grundkurs" betitulierte Band kann arbeitet sich über den historischen Überblick, der Erläuterung der beiderseitigen Pläne zur Lektion der Blockade. Insbesondere das einleitende Kapitel "Pro und Contra 3.e5" ist für den Lernenden von hoher Wichtigkeit, werden hier doch, die in der Überschrift versprochenen Charakteristika untersucht und auch genannt. Historisch hangelt sich der Autor von Greco, über Louis Paulsen, Nimzowitsch bis in die Neuzeit zu Saizew. Eines vorweg: Von Saizew und Kuprejtschik Partien zu lernen heißt für Sweschnikow "Siegen lernen!" Tiefen Eindruck hat die Partie Saizew - Pokojowczyk, Sotschi 1976 hinterlassen. Meister Nimzowitsch wird mit einer 11-seitigen Behandlung der Blockade im Prinzip ein eigenes Kapitel gewidmet, aber auch in einigen Kommentaren und Ideen findet man seine Beiträge zur Vorstossvariante. Die Idee im Vorstossfranzosen: Blockade des schwarzen Zentrums und Spiel auf den schwarzen Feldern. Natürlich findet man dort auch Partien von Nimzowitsch, so auch folgende (unter der Überschrift "Für und Wider der Blockade" welche Nimzowitsch in seinem Buch "Die Praxis meines Systems" kommentiert hat: Nimzowitsch - Leonhardt, San Sebastian 1912. Außer der Blockade-Thematik werden die Themen nach Plänen, welche auf der Bauernstruktur basieren aufgebaut - ein guter Ansatz, wie ich finde. 70 Übungsbeispiele und deren Lösung (hier immer mit Angabe des Partieverlaufs bis zum Partieende) festigen die Kenntnisse. |  |
BAND 2
 | Band 2 ( "Meisterkurs") dient zur Vertiefung und ist laut Karpow für die "angehenden Meister und sogar Großmeister". Diese werden anhand des Materials laut Verfasser zu Eigenanalyse motiviert, wobei moderne kritische Stellungen als Objekt dienen. Dazu wurden im ersten Kapitel 61 komplette Partien aus über 25.000 als die nach Meinung des Autors wichtigsten theoretischen Partien zum Selbststudium abgedruckt, wobei das Augenmerk auf den Partien der Weltmeister und Meister liegt. Ganz allein wird der Studierende aber nicht gelassen, Kommentare im Informatorstil sollen das Studium anregen und erleichtern. Der Zeitraum reicht von 1620 - 2004. Die darauffolgende 55-seitige Enzyklopädie stellt in althergebrachter Tabellenform mit Fussnoten und Partien das gedruckte Nachschlagewerk zur Vorstossvariante dar. Im Zeitalter der Datenbanken hat der Autor hier eine selektierte Auswahl zum raschen Auffinden innerhalb der heutigen Informationsflut geschaffen. Ob selbiges in digitaler Variante nicht zeitgemässer wäre, ist aber wahrscheinlich Geschmackssache. Einen sehr reizvollen Namen kann das Kapitel "Entwicklungstendenzen des e5-Systems" aufweisen. Sweschnikow als Sekundat Karpows während dessen WM-Kämpfen gegen Kasparow dürfte auf jeden Fall der richtige Spieler/Trainer sein, welcher derartige Einschätzungen vornehmen kann. Wer nun noch nicht genug hat findet noch 8 weitere Partien zum Studium. |
Gelangen wir noch einmal zurück zum besagten Artikel der Zeitschrift "Schach", indem Sweschnikow folgende Aussagen als Axiom darlegt und als sein System für die Eröffnungsbehandlung deklariert:
| Weiß | Schwarz | |
| 1) Besetzung des Zentrums | 1) Kampf um das Zentrum | | 2) Figurenentwicklung | 2) Herstellen der Sicherheit | | 3) Herstellen der Sicherheit | 3) Figurenentwicklung | 4) Aufdecken und Attackieren gegnerischer Schwächen | 4) Verteidigung der Schwächen |
Verinnerlicht man diese Denkweise des Autors, so wird seine Herangehensweise an das Werk offensichtlich.
"Das zweibändige Lehrbuch ist für einen breiten Kreis von Schachfreunden bestimmt. Wer das vorliegende Material gründlich durcharbeitet, dem garantiert der Autor eine Erhöhung seines Spielniveaus in diesem System um rund 200 ELO-Punkte.", ist auf dem Cover der Bücher zu lesen. Reißerische Aussagen dieser Art schaden einem Schachbuch aus meiner Sicht mehr, als dass diese dem Verkauf dienlich sind, zumal das zweibändige Werk, auch für Titelträger Hilfestellung und Referenzwerk sein soll. Schachliche Einsteiger werden zudem nach Studium einer Eröffnungs-Monographie kaum Punktgewinne in dieser Größenordnung erzielen!
Errata: Im zweiten Band ist bis Seite 80 alles in Ordnung. Danach erfolgt ein Sprung (auch inhaltlich) bis auf Seite 97, sodass 17 Seiten fehlen. Als Folge dessen sind die Seiten 97-112 doppelt! Der Verlag hat auf diesen Fehlerhinweis prompt reagiert und mitgeteilt, dass es sich hier um ein verheftetes Ausnahmeexemplar handelt. Stichproben haben keine weiteren Mängelexemplare ergeben, sodass von einer Ausnahme bei meiner Ausgabe auszugehen ist.
FAZIT
Die französische Vorstossvariante ist seit rund 30 Jahren im Repertoire des Autors. In der Megabase 2006 werden 97 Partien gelistet, wovon 47 gewonnen wurden - was bei 12 Niederlagen eine Erfolgsquote von 68 % ergibt! Sweschnikow, welcher den gleichen Kinder-Trainer wie Karpow hatte, erscheint also prädestiniert für eine derartige Monographie. Dabei gibt er im eigenen Vorwort zu erkennen, "dass der Zug 33. e5 objektiv nicht der stärkste war" und erklärt, dass er dem System aus praktischen Erwägungen den Vorzug gegeben hat. Aber wie der Autor selbst schreibt: "Folgen Sie auf keinem Fall gedankenlos, den Ratschlägen irgendwelcher 'Autoritäten'". ;)
Jeder Plan ist mit Partien und ausführlichen Kommentaren beleuchtet (Band 1). Aufzählungen von Pro&Contra erleichtern das Erinnern. Dies für Spieler, die sich mit der Vorstossvariante beschäftigen wollen von hohem Stellenwert, zumal die historischen (Fehl-)versuche nicht vergessen worden sind. Sweschnikow gibt an, dass die meisten Kommentare ohne PC verfasst worden (eine Variantenprüfung zur Vermeidung offensichtlicher Fehler wurde aber durchgeführt!). Band 2 empfiehlt sich primär aus Nachschlagewerk bzw. Ideengeber! Der Anhang mit Stichwort, Personen- und Partienverzeichnis lässt keine Wünsche offen. Einzig eine Biographie hätte ich mir noch gewünscht, so ist nicht bekannt, ob dem Autor die aktuellen englischen Vergleichswerke von Steffen Pederson und Sam Collins während seiner Arbeit vorlagen. In meinem Besitz befinden sich beide nicht, sodass ich keinen Vergleich anstellen, das Sweschnikow-Buch aber sicherlich als deutschsprachiges Referenzwerk zur Vorstossvariante gekürt werden kann.
(C) 2006, Frank Große redaktion@schachlinks.com | | | | Autor: Frank Große |
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