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Rezensionen
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| Junior vs. Shredder |
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| | Früher war alles anders! Unzählige Schachspieler und Meister analysierten wochen-, monate- oder gar jahrelang Systeme und Stellungen, um diese dann in Turnierpartien mit unterschiedlichem Erfolg auszuprobieren ... die besten Spieler wurden in langwierigen Matchphasen ermittelt. Vor 75 Jahren wurde die erste Langspielplatte der Öffentlichkeit vorgestellt und das Abendland ist wahrscheinlich ein paarmal weniger untergegangen, als es bisher der Fall war! Damit ich mit dieser Einleitung nicht zu einem verglückten Zeitreisenden mutiere, fange ich noch mal an ... Jahrelang heimste das Programm SHREDDER von Stefan Meyer-Kahlen Weltmeistertitel um Weltmeistertitel ein. Doch die Konkurrenz macht bekanntlich keine Sonnenbäder und so gelang in diesem Jahr JUNIOR der große Coup (Chessbase "Wie Junior Turin eroberte"). SHREDDER holte sich aber immerhin den Weltmeistertitel im CHESS 960 (Bericht der Chesstigers) beim Mainzer Turniersommer. Beide Programme sind dem Alter (sprich der Versionszahl) nach dem Krabbel- und Vorschulalter entsprungen, was ein Grund mehr ist, selbige im Vergleich zu testen!
Schachprogramme sind in ihrer Leistungsstärke mittlerweile für den Großteil aller Spieler zu stark und werden primär zur Analyse, zum Spielen (auf heruntergeschraubtem Level) und Datenbankspeicherung genutzt. In diesem Testbericht möchte ich weniger auf Computerschach-Spezifika eingehen (einen Engine-Zweikampf habe ich aber dennoch durchgeführt, siehe weiter unten) - dazu gibt es die einschlägigen Computerschach-Foren -, sondern mich primär auf die wichtigsten Features für den Nutzer konzentrieren. |  |
INSTALLATION +SYSTEMVORAUSSETZUNGENChessbase empfiehlt für JUNIOR 10 folgende Konfiguration: Pentium III mit 128 MB RAM MHz, Windows 98 SE, ME, 2000, XP, DVD-ROM und Soundkarte. Unter einem derartigen System macht das "Schachen" sicher wenig Spass, so dass die empfohlene Konfiguration eher heranzuziehen ist: 2,2 GHz oder besser, 256 MB RAM, Windows XP, GeForce5 oder vergleichbare Grafikkarte mit 128 MB Speicher oder besser, 100% DirectX-kompatible Soundkarte. SHREDDER 10 ist laut Homepage ab einem Windows-98-OS lauffähig, die restlichen Anforderungen dürften analog deren von JUNIOR sein. Ich habe beide Programme bei diesem Vergleich auf einem leistungschwächeren System mit Windows 2000/SP4 und einem hardwaretechnisch zeitgemäßen (aber nicht topaktuellen) System mit WinXP/SP2 getestet.
Shredder 10 UCI kann man sofort nutzen, Demo-Version auf der Homepage herunterladen und testen! Aber auch die Vollversion kommt per Download auf den heimischen Rechner, der Freischaltercode per Mail und schon kann die problemlose Installation durchgeführt werden. Eröffnungsbuch und ausführliche Anleitung (90 Seiten) gibt es (auch in englisch und französisch) ebenfalls auf der Homepage der Software und kann bei schneller Verbindung innerhalb weniger Minuten auf dem heimischen Rechner gesichert sein. JUNIOR 10 gibt es auf dem herkömmlichen Wege der DVD-Box mit einem kleinen (aber für den Start ausreichenden Handbuch) in englischer und deutscher Sprache. Bei der Installation hat man die Möglichkeit, das Programm in 11 (!) Sprachen zu installieren. Das die Software angibt, bei installiertem DirectX 9.0c die Vorgängerversion (DirectX9.0b) zu installieren irritiert etwas, doch trotz des geforderten Neustarts verkneift sie sich selbiges dann glücklicherweise.
BENUTZEROBERFLÄCHE (LOOK&FEEL)
Der Zusatz UCI (Universal Chess Interface) bei Shredder bedeutet, dass die Engine auch in anderen grafischen Oberflächen, wie z.B. Fritz oder ChessBase genutzt werden kann.Die Implementierung erfolgt einfach und problemlos. Ich habe zu Testzwecken beide Engines einmal unter der jeweils anderen Oberfläche genutzt und keine Abstürze oder Störungen zu verzeichnen gehabt.
Die Sprachumgebung der Benutzeroberfläche kann bei SHREDDER während des laufenden Betriebes in 7 Sprachen gewechselt werden. Wer wünscht, kann beide Programme mit Sprachausgabe nutzen, so dass die Züge angesagt werden (bei SHREDDER müssen dafür die Sprachdateien heruntergeladen werden, was direkt über das Optionsmenü des Programms erfolgt). Es gibt keinen Zweifel: im Vergleich zur alterwürdigen Softwareprodukten haben sowohl die "Fritz"-Oberfläche von JUNIOR, als auch der SHREDDER-"Desktop" ein recht intuitives Look-&-Feel im Angebot, welches ein sofortiges Einsteigen ermöglicht, wobei mir die SHREDDER-Oberfläche einen kleinen Tick besser gefällt. Alles was man nicht über die Menüs oder die in beiden Programmen intensiv verwendeten Rechte-Maustaste-Funktionen findet, läßt sich im Handbuch oder in der Online-Hilfe (klassisches Windows-Help-File-Format) nachschlagen und man wird zumeist fündig! Ansonsten bleibt der Verweis auf die Support-Sektionen der jeweiligen Homepages bzw. eine kurze Mail an den Hersteller.
FEATURESFür die meisten Computerschachnutzer von großem Interesse sind die Möglichkeiten das eigene Spiel zu analysieren und zu verbessern. Folgende Tabelle soll die vorhandenen, durchweg positiv zu bewertenden Möglichkeiten aufzeigen:
| SHREDDER 10 UCI | JUNIOR 10 |
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| Pfeile für Drohungen, Zugvorschlag, bester Enginezug, letzter Zug | Pfeile für bedrohte Felder + deren potentielle Überdeckung, Drohungsanzeige, Zugvorschlag | | farbige Anzeige für legale Züge,bedrohte Figuren | Coach (meldet sich bei einem selbstdefinierten Schwellwert)
| | Partieprofil: grafischer Verlauf der Partie | Stellungserklärer (für Anfänger) | | Coach, welcher auf grobe Versehen reagiert | |
Beide Programme können das Spiel mit dem menschlichen Gegner aufnehmen und erlauben hier Manipulationen seitens der Stärke des PC-Systems. Shredder bietet sogar Wertungspartien gegen verschiedene Gegner, sowie eine Spielstufe, welches sich den eigenen Fähigkeiten an passt. Dies sollte man nicht überbewerten, trägt aber für die Vermeidung von allzu großem Frust aufgrund unzähliger Niederlagen sicherlich bei.
Shredder 9 neuestes Feature war die Online-Abfrage der Tablebase-Endspieldatenbanken von Robert Hyatt. Dieses Feature hat natürlich weiterhin Bestand und für die Zeiten, wo kein Internetanschluss zur Verfügung steht, werden neuerdings die sogenannten "Shredderbases" angeboten. Die 3- und 4-Steiner werden im komprimierten Format direkt mitgeliefert. Die 5-Steiner können separat heruntergeladen werden, was bei einem Breitband-Internetanschluss mit 165 MB nicht übermäßig zu Buche schlägt (die Nalimov-Datenbanken schlagen hier mit mehreren GB zu Buche!). Der Unterschied besteht darin, dass die Shredder-Datenbanken ausschließlich Informationen über den Ausgang besitzen und im Gegensatz zu den Nalimov-Datenbanken keine konkreten Zugfolgen. Die Shredderbases arbeiten natürlich mit den Nalimov-Datenbanken ergänzend zusammen! So kann Festplattenplatz gespart werden, aber auch der Zugriff auf die vorhandenen Endspiele erfolgt viel schneller - dies setzt aber auch entsprechenden freien Arbeitsspeicher voraus. Einzige Ungereimtheit hier: Trotz Deaktivierung von "all34.tbe" in der bases.ini wurde diese Base-Datenbank neben den aktivierten Fünfsteinern ("all345.tbe") geladen.

Onlinespielen ist ja nicht erst seit Schachservern wie "schach.de" ein heißes Dauerthema. Mit dem Erwerb von JUNIOR ist gleichzeitig ein einjähriger Zugang zu eben genannten Spiele-, Trainings- und Übertragungsserver möglich. Die 3-D-Funktionalität beider Programme habe ich aufgrund fehlender Hardwarevoraussetzungen nicht testen können und fließen demzufolge nicht in die Bewertung ein. Aber die Datenbankfunktionen sind nicht zu unterschätzen und JUNIOR kann hier Vorteile gegenüber SHREDDER erzielen, da es über das nötige Rüstzeug für den standardisierten Umgang mit Datenbanken verfügt. Bevorzugt arbeitet JUNIOR mit CBH-Dateien arbeitet, kann aber auch mit CBF, PGN und CTG umgehen. Die Suchfunktionen innerhalb der Datenbanken wissen zu gefallen und bieten neben Standard-Abfragen in Bezug auf Partiendaten auch die Möglichkeit nach Stellungen oder Opfer zu suchen. Auf der JUNIOR-DVD ist eine Datenbank mit über 1 Million Partien (1625 - August 2005). SHREDDER 10 liefert ein spezielles Eröffungsbuch für die Engine mit und eine kleine WM-Datenbank. Ein nicht uninteressantes Feature dürfte aber der einjährige Zugriff auf die Online-Eröffnungsdatenbank (und Endspieldatenbank) sein, welches Online-Zugang und entsprechende Bandbreite voraus setzt. Inwieweit das Online-Eröffnungsbuch gepflegt wird konnte ich nicht herausfinden.
Beide Programme sind in der Lage Schach-960 zu spielen, so dass Interessenten dieser Spielweise hier einen starken Partner erhalten. JUNIOR 10 bietet sich zudem noch als Räuberschach-Partner an.
ENGINEZWEIKAMPF
Spielstark sind beide Programme ohne Zweifel und bei Teilnahme an diversen Schachprogramm-Turnieren werden oft vordere - wenn nicht gar erste - Plätze belegt. Die Einstellmöglichkeiten der Anwender an der jeweiligen Engine sind insbesondere bei SHREDDER sehr vielfältig wie die Grafiken demonstrieren.


Für den Enginezweikampf habe ich keine Manipulationen dieser Art vorgenommen und folgende weitere Einstellungen verwendet:

Um das Ergebnis nicht unnötig in die Länge zu ziehen, habe ich beide Programme im Enginezweikampf hintereinander 5 Partien mit je 30 Minuten Bedenkzeit zuzüglich 30-Sekunden-Bonus pro Zug spielen lassen. Jedes Programm hat 159 MB RAM erhalten und der Fairness halber ein nicht optimiertes Eröffnungsbuch: Powerbook 2006.

Es war ein kurzes Turnier über 5 Runden, wobei alle Partien hier nachspiel- und downloadbar sind. Diesmal hat Shredder die Nase gegenüber dem zweiten Platz in Turin knapp vorn gehabt und mit 2 Siegen, 2 Unentschieden und 1 Niederlage einen knappen Sieg davongetragen! Klar werben die Programmierer damit, dass die Programme noch etwas stärker geworden sind, aber das dürfte sich in Dimensionen jenseits des Interesses der Hobbyspieler bewegen. Nachweisbar ist das durch langfristige und umfangreiche Vergleichswettkämpfe, siehe SSDF - aber bis zu aussagefähigen Ergebnissen wird die Nachfolgeversion fast wieder angekündigt ;) Das Enginezweikampf-Endergebnis sollte nicht überbewertet werden und demonstriert aus meiner Sicht nur, dass beide Programme gleichwertig agieren und aktiv um den vollen Punkt spielen können. Engine-Tüftler sind durch geschickte Manipulation der Ergebnisse sicherlich in der Lage entsprechende Verbesserungen zu erzielen.
FAZIT
Beide Programme haben weder auf einem aktuellen Windows XP mit Service Pack 2, noch auf einem updateaktuellen Windows 2000 Service Pack 4 Probleme bereitet. Installationsschwierigkeiten oder Abstürze waren keine zu verzeichnen. Während JUNIOR 10 am ehesten einem allumfassenden Anwender-Paket mit Datenbankmöglichkeiten darstellt, konzentriert sich SHREDDER 10 UCI primär auf den effektiven Einsatz seiner Schach-Engine und nahezu optimales Programmhandling. In unserem kleinen Vergleichskampf hat SHREDDER dem "Weltmeister" Paroli geboten. Clavicula Salomonis dürfte demzufolge in den persönlichen Vorlieben des Anwenders liegen.Nach meinem Eindruck haben beide Programme die schönste aller Remisvarianten erreicht: Patt!
© 2006, Frank Große redaktion@schachlinks.com
| | | | Autor: Frank Große |
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