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Rezensionen
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| Bettina Henrichs - Die Schachspielerin |
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| |  | Schach und Belletristik ist eine Kombination welche nicht selten und ohne Reiz - auch und gerade - für alle Lesebegeisterten scheint. Bettina Henrichs erzählt in ihrem Roman "Die Schachspielerin" die Auseinandersetzung mit dem Spiel, welche eine griechische Ehefrau außerhalb der beruflichen und privaten Verpflichtungen geht.
Autor: Bettina Henrichs
Titel: Die Schachspielerin
ISBN 3-445-03165-X
Hoffmann und Campe
143 Seiten deutsch, gebunden mit Schutzumschlag |
Die griechische Insel Naxos ist Heimat von Eleni, ihrem Mann und ihrer zwei Kinder. In deren Leben verläuft alles nach simplem Muster, wobei die Rollenverteilung klar und etwas modrig wirkt. Eleni, vom Grunde ausgestattet mit großem Respekt vor ihrem Gatten und ein bisschen zu wenig Selbstvertrauen - welches sie primär auf ihren Berufsstand Zimmermädchen zurückführt - hat durch Zufall die Idee für den demnächst anstehenden Geburtstag ihres Mannes: ein Schachspiel, besser gesagt einen Schachcomputer. Im Land der Tavernen, des Backgammon beziehungsweise Tavlas findet das euphorisch dem Liebsten verschenkte Schachspiel wenig Anklang und verschwindet vorerst ungenutzt im Schrank. Die Geradlinigkeit und Monotonie des Inselalltags bringen Eleni auf die Idee sich selbst mit den für sie faszinierenden Figuren zu beschäftigen und die Regeln zu erlernen ...
Ein Outing sonderbarer Art erlebt die Insel, als publik wird, dass Eleni dem Schachspiel frönt, was dem Rollenverhältnis und gesellschaftlichen Stand gar nicht gerecht werde. In der darauffolgenden Zeit setzt sie Arbeit, Familie und Ehe aufs Spiel, um sich auf den 64 Feldern zu verbessern und überwindet dabei Ihre Angst von Ihrem ehemaligen Lehrer, welcher sie in Zukunft in die Geheimnisse der Strategie und Taktik einweiht. Ist das die Emanzipation auf Griechisch? Die Lage spitzt sich zu - wenngleich bei mir keine Spannung oder Euphorie aufkam - als der Lehrer beschließt Eleni gegen seinen Jugendkumpan spielen zu lassen und sie somit auf ein Turnier in Athen vorbeizubereiten ... Ehe oder Ehre, Familie, Job, Griechenland oder Emanzipation - das (nicht überraschende) Ende lasse ich für den eventuell interessierten Leser offen.
Aus schachbegrifflicher Sicht sollte man die Lektüre nicht allzu verbissen sehen, da viele kleine Fehler oder Ungenauigkeiten den Leseverlauf säumen, was aber den allgemeinen Leser aufgrund mangelnder Kenntnis nicht stören dürfte. Der "Schächer" fühlt sich aufgrund mangelhafter Recherche eventuell gekränkt. Ob die einfach gewählte Sprache, das einfache Leben auf den traditionsschwangeren griechischen Inseln besser präsentieren sollen mag ich nicht zu beurteilen.
Bettina Henrichs erhielt den Rolf-Heyne-Buchpreis (Rolf Heyne war der Sohn des Verlegers Wilhelm Heyne, dessen Taschenbuchverlag in Deutschland eine Größe darstellt) für dieses Werk. Sehr leichte, für mich fade Kost, was aber daran liegen mag, dass ich kein Fan moderner simpel-gestrickter Märchen bin. Aus Interesse habe ich das Buch einem Nichtschachspieler zum Lesen gegeben, welcher gern mehr über das Spiel und die Erlebnisse erfahren hätte. Für einige Leser könnten die sonnengetränkten Umschreibungen des Insel-Alltags gerade in dieser Jahreszeit die Gelegenheit zum Wegträumen bieten ...
(C) 2006, Frank Große
redaktion@schachlinks.com
| | | | Autor: Frank Große |
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