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Rezensionen
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| Alexander Bangiev - Felderstrategie für Morra-Gambit |
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| | IM Alexander Bangiev ist in der ehemaligen UdSSR aufgewachsen und 1992 nach Deutschland gekommen, wo er auch sein schachliches Glück noch mal versuchte - mit Erfolg! Seit 1994 trägt er den Titel des Internationalen Meisters und hat sich über die Jahre auf diversen nationalen Turnieren oder dem Parkett der 2. Bundesliga oder Oberliga bewegt. Des Weiteren veröffentlichte Alexander Bangiev Chessbase-CDs zur Thematik Felderstrategie, sowie zum Königsgambit und verlegt seit diesem Jahr nach der Gründung des Silbersaiten-Verlags Publikationen in Buchform. Der Titel Felderstrategie für Morra-Gambit ist Objekt dieser Rezension.
Autor: Alexander BangievTitel: Felderstrategie für Morra-GambitISBN 3-939345-04-0 Silbersaiten Verlag, 156 Seiten deutsch, kartoniert und gebunden |  |
Bangiev-Methode
Vorworte und Einleitungen sind meistens appetitanregend und auch die einführenden Zeilen zu diesem Buch regten beim ersten Anlesen sofort zur Vertiefung an, so werden z.B. die Ausmerzung der schachlichen Schwächen der Amateure (zu welchen ich ganz klar zähle) als Ziel durch "Anwendung einer bestimmten Such- oder Denkmethode" angestrebt und (natürlich) neue Wege beschritten. Da ich bislang keine Kenntnis der früheren Veröffentlichungen hatte, konnte ich mich unvoreingenommen auf das Abenteuer einlassen ... Nach der kurzen Einleitung werde ich sofort (und ungewöhnlicherweise) mit dem 11-seitigen Glossar der B-Methode (Bangiev-Methode) konfrontiert. Trockene Definitionstheorie, welche in der Tat gehirnliche Aktivitäten erfordert, wie das Beispiel der Definition "Raum" verdeutlichen soll: Ein Raum ist ein gleichschenkliges Dreieck unter einem Zentralfeld. Die beiden gleich langen Seiten eines Dreiecks sind immer einfarbig, die dritte Seite, die Basis, besteht immer aus Feldern der zweiten bzw. der siebten Reihe. Jeder Raum hat ein Strategiefeld, 2 Eckfelder und ein Basisfeld. Alter Wein in neuen Fässern? Ich bin mir darüber nicht im klaren, denn das Verständnis des größtenteils neu eingeführten Vokabulars ist wesentlicher Bestandteil der Kommentierung der Partien und Fragmente in diesem Buch, wie folgende Leseprobe aus dem Abschnitt "Eröffnung" belegt. Erste Konfusion nach dem Studium dieser Thematik war für mich ein Grund das Buch erstmal zur Seite zu legen und das Gelesene wirken zu lassen. Mit einigem zeitlichen Abstand habe ich mich Buch und Thematik erneut gewidmet, doch aufgrund der für mich verwirrenden Begriffsdefinitionen leider keinen Zugang zur Materie finden können. Um mich dem ganzen doch zu nähern habe ich Positionsdiagramme aus anderen Publikationen vergleichend zu Rate gezogen und versucht die Denkansätze hierauf anzuwenden, was mir nicht in dem erhofften Maße gelungen ist. Die Devise "Felder vor Zug" soll den Leser in die Lage versetzen "Varianten auszuwählen, welche feldmäßig korrekt sind", wobei ich mir hier nicht im klaren bin, ob die Methode letztenendes nur dahingehend zielt, sich taktisch zu verbessern?
Lesern welche nun irritiert sind empfehle ich die Leseproben innerhalb dieser Rezension zu studieren, da bei Zugang zur Denkweise das Material eventuell mit Mehrwert aufgenommen werden kann. Mir bleibt dann wohl nur die Einsicht, dass ich zum Amateurdasein verdammt bin ;) Die Leseprobe zu den Partien sind hier und zur Taktik hier zu finden.
Das Morra-Gambit
 | Das Morra-Gambit entsteht normalerweise nach den Zügen 1. e4 c5 2. d4 cxd4 3. c3 und kann von dem schwarzen Spieler in andere Eröffnungen nach 3... Sf6 4. e5 Sd5, 3... d5 4. cxd5 Dxd5 (Alapin-System) und 3... e6 4. cxd4 d5 5. e5 (Französiche Vorstossvariante) gelenkt werden, welche nicht Bestandteil dieser Publikation sind. Das Buch ist prinzipiell in 2 Teile geteilt: Eröffnung und Mittelspiel. Im ersten Teil werden innerhalb zwei ausführlicher Kapitel die Schwächen des Schwarzspielers (4 Seiten), das angenommene Morra-Gambit (39 Seiten) und das abgelehnte Morra-Gambit (12 Seiten) untersucht. Der zweite Teil und Rest des Buches befasst sich ergänzend zum Eröffnungsstudium mit Partien, Angriff und Taktik zur Thematik. |
Grundtenor der Eröffnung besteht darin, dass der Weißspieler im frühen Partiestadium einen Bauern für lang anhaltende positionelle Kompensation opfert. Aus der B-Methode herrührend werden gewisse Nebenvarianten ignoriert, wenngleich man berücksichtigen muss, dass das Buch primär für ein Konzept des Weißspielers geschrieben wurde. Im ersten Kapitel des Eröffnungsteils wird das angenommene Morra-Gambit grundlegend untersucht. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Abspielen 4... Sc6 und 4... e6. Leider wird die Variante 1. e4 c5 2. d4 cxd4 3. c3 dxc3 4. Sxc3 Sc6 5. Sf3 d6 6. Lc4 a6 (empfohlen von Gallagher in "Beating the Anti-Sicilians") gar nicht berücksichtigt, sondern nur auf 6... Sf6 eingegangen, wobei das Abspiel 5... d6 insgesamt auf nur 2 Seiten behandelt wird. Bei der Erwiderung mit 4... e6 wird nach 5. Sf3 nur der Zug 5... a6 untersucht und damit das meistgespielte 5... Sc6 ignoriert. Da der Weißspieler keinen Einfluss auf die schwarzen Antwortzüge hat können hier bei ausschließlicher Stützung auf das vorliegende Buch Repertoire-Lücken entstehen.
Im zweiten und wesentlich kürzeren Eröffnungskapitel bietet der Autor Alternativen bei Ablehnung des Morra-Gambits an, ohne den Übergang zu anderen Eröffnungssystemen zu erlauben. Hier wird gegen 3... Sf6 im Gambitstil 4. Lc4 vorgeschlagen, welches auf jeden Fall Experimentierspielraum erlaubt, wenngleich die Datenbanken hier Schwarz klar im Vorteil sehen. Auf die Erwiderung 3... d5 4. cxd4 dxe4 5. Sc3 Sf6 findet der Weißspieler 4 Angebote (6. Lc4, 6. Sge2, 6. f3, 6. Lg5), welche ebenfalls wenig erforscht sind. 3... e6 möchte der Autor mit 4. cxd4 d5 5. Sc3 dxe4 6. f3 / 6. Sxe4 beantwortet wissen. Bei 3... d3 wird zu dem seltener gespielten 4. c4 geraten.
Fast ebensoviel Platz wie auf das Studium der Eröffnungsvarianten verwendet wird, werden Partien, Angriff und Taktik untersucht. Während erstere im B-Methoden-Stil kommentiert sind, ist die Unterscheidung zwischen Angriff und Taktik eher marginaler Natur, da beide Themen taktische Motive - einmal aus Partien heraus und zum anderen in Aufgabenform (42 Aufgaben) - als Tenor haben.
Online-Update
Ein sehr positives Feature - und im Rahmen wissenschaftlicher Publikationen seit Jahren bekannt - ist das Online-Update, welches nach Kauf des Buches und der Registrierung auf der Verlagswebseite (welche hier problemlos funktionierte) Zugriff auf einen separaten Bereich gewährt. Der Verlag nutzt diese Möglichkeit sehr intensiv und bietet im Prinzip das komplette Buch zum Onlinedurcharbeiten an: so ist es möglich die Theorievarianten ausgehend vom Inhaltsverzeichnis und mit identischer Nummerierung am Online-Brett durchzuspielen, aber auch alle Partien, Taktikaufgaben und Angriffsmethodiken können hier nachvollzogen werden. Zusätzlich gibt es noch 13 in Buchcharakteristik kommentierte Bonuspartien. Die Veröffentlichung von Buchupdates ist geplant. Einziges Manko, die Registriernummer ist auf der Rückseite abgedruckt und somit auch für den potentiellen Käufer im Buchhandel sichtbar. |  |
FAZIT
Mit dem Verständnis der Methodik der Felderstrategie hatte ich kein Schlüsselerlebnis, da mir der erfolgversprechende Zugang verwährt blieb. Der Übergang vom Glossar - welches den Hauptkern der Erläuterungen bildet - zum Buchinhalt ist aus meiner Sicht nicht gelungen. Da die Kommentare innerhalb des Buches weitestgehend darauf beruhen, konnte ich dem Inhalt wenig Mehrwert abgewinnen. Das angenommene Morra-Gambit ist Hauptbestandteil der Untersuchungen, wenngleich ich den Eindruck habe, dass nicht alle kritischen Schwarz-Varianten gründlich untersucht worden. Bei den abgelehnten Spielweisen des Morragambits rät der Autor zu Nebenvarianten und umgeht somit die umfangreichere Alapin- oder Französisch-Theorie.
Während das Online-Update strukturierten Zugriff auf den Buchinhalt gewährt vermisst man in der gedruckten Version Variantenindex (das Inhaltsverzeichnis lässt sich hier als solches aber verwenden), Spielerverzeichnis und eventuelle Personen- oder Partienverzeichnisse. Die Bindung lässt keine Mängel offen, einzig weiße Flecken im Textfluss (Seite 7, 25) sind aufgefallen. Der König in Taktikaufgabe 25 steht auf g7 und demzufolge ist der Zielstein auch Kg7. Das Inhaltsverzeichnis kann hier eingesehen werden.
(C) 2006, Frank Große redaktion@schachlinks.com
| | | | Autor: Frank Große |
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