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Shredder Mobile
 
    Schach auf dem Handy

    Alles wird immer kleiner, leistungsfähiger, schneller usw. usf., aber eben auch mobiler und so war es wohl nur eine Frage der Zeit bis die kleinen elektronischen Alltagsgegenstände das Schach entdeckten. Zugegebenermaßen bin ich weder sonderlich geschickt noch besonders am Umgang mit Handy&Co. interessiert. Ein neues Handy war fällig und die Funktions- und Artenvielfalt ist kaum überschaubar, sodass man mittlerweile eher aufpassen muß, was man alles nicht möchte. Okay, Java-Schnittstelle vorhanden, also mal probieren, ob das Handy (und meinereiner) auch in der Lage sind, Shredder Mobile zu installieren. Ich habe mich für die Variante der Installation über den PC entschieden, was im nachhinein betrachtet sekundenschnell und zu einfach ging (wohl das erste Mal, dass ich von Java-Technologie beeindruckt war) :) Die Liste der funktionstüchtigen Handys ist hier zu finden. Da sich bei mir alles reibungslos installieren ließ (Installationsalternativen sind WAP-Push SMS und Direktinstallation auf das Handy) gehe ich von analogem Verhalten bei anderen Handys aus. Ansonsten reagiert Stefan Meyer-Kahlen gewöhnlicherweise meist relativ schnell auf Problemanfragen.

    Für alle die, die gerne mit dem kleinen Gerät spielen wollen bietet die Software vielfältige Einstellungen, sodass von 1s/Zug bis zur Daueranalyse (Analyse einsehbar durch Druck der Taste "0" während der Analyse) alles möglich ist. Aber auch verschiedene Blitzmodi (bis zu 60 Minuten) und Meisterschaft (beim Sieg gegen das Programm darf man gegen eine höhere Stufe spielen) sind möglich, wenngleich beim Blitz die Steuerung in der Zeitnotphase nicht meinem Geschmack entspricht ... Die Spielstärke steigert sich - analog dem Computerschach - natürlich mit Erhöhung der Bedenkzeit. In der derzeit wohl aussagekräftigsten Schachprogrammliste CEGT ist die Software noch nicht vertreten (wird selbige das jemals?), sodass keine ELO-Angaben möglich sind. Features wie die Stellungseingabe und Analysemodi fehlen nicht, wenngleich man zur Analyse sicherlich den Komfort von Tastatur und Maus bevorzugen wird, da die Bedienung eines Handys ja mehr oder weniger Fingerfertigkeiten abverlangt. Über den Batterieverbrauch bei extensiver Nutzung habe ich keine Beobachtungen angestellt. Die Menüführung ist einfach und logisch aufgebaut, als Menüsprachen sind Deutsch und Englisch verfügbar. Einstellbar sind neben der Lautstärke, Brettfarbe und der Wahl zwischen zwei Figurensätzen, Optionen wie die Schnelleingabe, Koordinaten und die Anzeige legaler Züge. Gerade die Schnelleingabe lässt die Figuren schneller zum Zielfeld gelangen, was ich als positiv registriert habe.

    Am meisten Spaß gemacht haben mir die Taktikaufgaben, sodass man statt mit Zeitung oder Buch auf Reisen schnell und bequem ein paar Aufgaben lösen kann. Die Level "Leicht" und "Mittel" stellen für die geübten Durchschnittsspieler kein Problem dar, bei "Schwer" kann man dann schon mal knobeln. Unendliche viele Aufgaben sind nicht vorgespeichert (120 Stück), aber dank Online-Zugriff kann man sich derzeit ca. 23.000 Stellungen im 10-er-Pack herunterladen!

    Was bei schach.de Dukaten sind findet, sich bei Shredder Mobile als Coins wieder. 500 Stück werden beim Start mitgeliefert und mit jedem Zugriff auf Online(!)-Funktionen wird ein entsprechender Betrag von dem Guthaben abgezogen. Mit dem Startguthaben reicht man schon relativ weit, außer man nutzt die Funktionen extensiv. Vor Zugriffen auf das Internet, welche ja mit Kosten auf der Handyrechnung verbunden sind, wird ordnungsgemäß um Erlaubnis gefragt. So finden sich die nachfolgend beschriebenen Optionen auch auf dem Handy wieder und zuzüglich gibt es noch die Möglichkeit, die mit dem Handy gespielten "Perlen" an [s]eine E-Mail-Adresse zu senden. Erfreulicherweise wird bei dieser Funktion die E-Mail vom Provider nicht als Spam deklariert!

    Shredder im Internet

    Aber auch ohne Handy kann man bei "Shredder Online" derzeit viel erleben und den Webbrowser als Programmersatz gebrauchen. Dazu werden im Prinzip alle Möglichkeiten in 3 Stufen angeboten: DWZ ca. 1000, 1600 und 2200. Spieler finden die Gelegenheit Blitzschach gegen Shredder 10 zu spielen und die tägliche Taktikaufgabe dürfte genau das richtige für die Mittagspause sein (oder von mir aus Ersatz für die Morgengymnastik). Die Online-Eröffnungsdatenbank und die Online-Endspieldatenbank komplettieren das Angebot. Die Eröffnungsdatenbank ist dabei mit ca. 1 GB und 16,3 Millionen Zügen recht umfangreich, während die Endspieldatenbank alle (!) 3,4,5 und 6-Steiner zur Verfügung stellt. Der Browser als Programmersatz oder -ergänzung? Wie in vielen Softwarebereichen: AJAX macht es möglich, mal schauen was hier die Zukunft bringt ...

    Die Toilette als mediales Ereignis - Griff ins Klo?

    Launisch könnte man meinen: Die möglichen Reaktionen der kürzlich vergangenen Sch[l]ach[t]-WM in Elista, bei welcher Wladimir Kramnik als Sieger und Weltmeister hervorgegangen ist wurden im Prinzip bereits am 27.08.2006 erfragt, als in einem bekannten deutschen Schachforum sich nach dem Verhalten/Regeln erkundigt wurde, wenn der Gegner während der Partie auf der Toilette verschwindet ...


    Ohne noch weiteres Öl in die Diskussion gießen zu wollen habe ich einmal die Stellung der 3. Partie nach dem 15. Zug (siehe Grafik) von Weiß analysieren lassen. 13 Minuten hatte - laut Pressemitteilung des Teams Topalow - Kramnik Zeit gehabt die Software analysieren zu lassen. Zieht man die Zeit für die Stellungseingabe und Schwierigkeiten bei schwitzigen Fingern und dem kleinen Gerät ab, so dürfte man bei ungefähr 10 Minuten liegen.Das Ergebnis der Online-Abfrage ergab folgendes Ergebnis:

    Online-Level 3 SekundenOnline-Level 30 Sekunden
    Bewertung: +0.32 Tiefe: 10/21Bewertung: +0.20 Tiefe: 12/31
    0-0 Lf4 Sf6 Tac1 Tc8Sf6 Lf4 0-0 Tac1 Tac8
    Bewertung: +0.32 Tiefe: 10/22Bewertung: +0.70 Tiefe: 12/33
    Sf6 Lf4 0-0 Tac1 Tc8Sb6 De4

    Der gespielte Zug Tc8 wurde aber auch hier nicht gefunden und ohne mir die paranoide Mühe zu machen die Partien Zug für Zug zu vergleichen gibt es von mir einen Freispruch für Shredder und Kramnik! ;) Unabhängig davon glaube ich nicht daran, dass Kramnik oder Topalow bei den letzten beiden WM-Kämpfen (San Luis 2005 und Elista 2006) Computerhilfe zu Rate gezogen haben!

    Sollte es wirklich Manipulation auf der Toilette gegeben haben, dann wurde diese bereits im Jahre 2003 veröffentlichte Anleitung von ChessBase offensichtlich gut einstudiert. Die Aussage "Beim Schach gilt übrigens wie in der Schule: Wer betrügt, sollte sich nicht erwischen lassen!" kann ich nicht teilen und modifiziere: "Wer im Schach betrügt wird alsbald die Freu(n)de am Spiel verlieren". Also gar nicht erst dran denken!

    (C) 2006, Frank Große
    redaktion@schachlinks.com
 
Autor: Frank Große
 
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