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Rezensionen
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| A. Nimzowitsch - Die Praxis meines Systems |
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| | Der Monat November bringt den 120. Geburtstag von A. Nimzowitsch (7.11.1886 in Riga) zum Vorschein. Wahrscheinlich aus Ehrerbietung an den anerkannten "System"-Denker hat Matthias Vettel Die Praxis meines Systems neu aufgelegt. Meinen Teil der Anerkennung an beide leiste ich zum heutigen Geburtstag in Form der Nachbetrachtung. Autor: A. Nimzowitsch
Titel: Die Praxis meines Systems
ISBN 3-88086-074-2
Schachzentrale Rattmann, 466 Seiten
deutsch, kartoniert und gebunden |  |
Nachdem Matthias Vettel "Mein System" im vergangen Jahr erfolgreich und mit positivem Echo überarbeitet hatte, bot sich die Aufarbeitung des Nachfolgers Die Praxis meines Systems für den akribischen Freund der Typographie regelrecht an. Sofort fällt wieder die neue Dimension des Buches auf, welches im Vergleich zum Vorgänger aufgrund erhöhter Diagrammanzahl anzurechnen ist: 132 waren es in der mir vorliegenden "grünen" Ausgabe, 513 sind es in der aktuellen Version, was zum besseren Lesefluss beiträgt. Man darf davon ausgehen, dass Vettel den 1928 im Vorwort geäußerten Wunsch Nimzowitschs Ernst genommen hat: "Ich hätte es gern gesehen, wenn wir zwecks Erleichterung des Nachspielens der nicht selten recht verzweigten Varianten jede Partie mit vier bis fünf Diagrammen hätten versehen können." Was damals als unmodern galt ("Schlank ist die Parole") ist heutzutage ins Gegenteil umgekehrt: aus 190 Seiten wurden 466! Man darf aber nun nicht denken, dass es neue Inhalte von Herrn Nimzowitsch selbst gibt! Nein das Buch ist - nach Meinung von Matthias Vettel der originalen Vorlage (1931) sehr nah gekommen. Einige Analysen wurden ergänzt, was aber erfreulicherweise nicht im Originaltext, sondern durch dezente Fußnoten geschehen ist. So sind auch Partieregister, Register der Stratageme, sowie der Eröffnungen 1:1 übernommen worden. Das Inhaltsverzeichnis ist hier einsehbar. Ein Spielerverzeichnis ist neu hinzugekommen.
 Wie kommt aber der 2,5-fache Seitenzuwachs zustande? Der "Anhang" (welcher in der Originalausgabe nicht vorhanden ist) wurde mit 130 Seiten gestaltet, wobei die 52-seitige Eigenbiographie "Wie ich Großmeister wurde" heraussticht. Aber auch die 5-teilige Artikelserie der Zeitschrift "Denken und Raten" aus den Jahren 1929-1930, welche den Turniersieg aus Karlsbad 1929 - Nimzowitschs größten Erfolg - behandelt, hat seinen Weg in das Buch gefunden. Für Statistiker besonders interessant dürften die umfangreichen Turniertabellen von Coburg 1904 bis Kopenhagen 1934 sein. Den Abschluss bilden ein Nachwort des Herausgebers und die Parodie von Hans Kmoch der Wiener Schachzeitung Februar 1928. Im Gesamtbild ein "runder Eindruck"!
Der Verlag Rattmann spart bei verlagseigenen Artikeln nicht damit seine Werke kritisch zu beäugen und lässt den Leser die Errata-Liste nachvollziehen. Größter Kritiker hier auch der akribische Herausgeber, davon dürfen sich andere Verlage eine Scheibe abschneiden.
Besonders empfehlen möchte ich auch die aktuelle Ausgabe des kulturellen Schachmagazins KARL, welches ich zumeist mit Mehrwert und Genuss lese. In dieser Ausgabe ist - wie kann es beim Inhalt dieser Rezension anders sein - A. Nimzowitsch das Kernthema. Eigentlich müsste ich ja ein klein wenig traurig sein, darüber, dass mir Herausgeber Harry Schaack meinem potentiellen Interview mit Matthias Vettel ein paar Tage zuvorgekommen ist ... Aber der Umstand, dass das Interview hier nachlesbar ist tröstet darüber hinweg. Ausnahmsweise gibt es sogar mal theoretische Betrachtungen im KARL-Heft: GM Lew Gutman betrachtet auf 5 Seiten die Variante 4. Ld2 in der Nimzowitschindischen Verteidigung (1. d4 e6 2. c4 Sf6 3. Sc3 Lb4 4. Ld2).
FAZIT
Ich darf zugeben, dass sich das vorliegende Buch schon einen gewissen Zeitraum in meinem Besitz befindet und die Verwunderung, dass die Stadt das Weihnachtsgewand anzieht war groß, wollte ich doch zu Nimzowitschs Geburtstag dieses Buch rezensieren. Zeit verschlafen? Nein, zum Glück alles noch rechtzeitig geklappt, aber Weihnacht ist dennoch bald ...
"Die Praxis meines Systems" ist unabhängig vom Vorgänger lesbar. Beide ergänzen sich aber gut, sind aber auch keine Taschenbücher mehr ;)
(C) 2006, Frank Große redaktion@schachlinks.com
| | | | Autor: Frank Große |
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