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Rezensionen
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| Sam Collins - Schacheröffnungen richtig verstehen |
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| | Ein "umfassenden Ratgeber", welcher erläutert wie moderne Eröffnungen gespielt werden auf 223 Seiten!? Der junge irische Nationalspieler Sam Collins möchte einen handbaren Überblick geben ...
 | Autor: Sam Collins Titel: Schacheröffnungen richtig verstehen
ISBN-13: 978-1-904600-54-1
ISBN-10: 1-904600-54-9 Gambit Publications, 223 Seiten deutsch
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 Quelle: http://www.gmsquare.com/ | |
Das Inhaltsverzeichnis zeigt dann logischerweise die Aufteilung in die Haupteröffnungskriterien: Offene Spiele (42 Seiten), Halboffene Spiele (63 Seiten), Damengambit (28 Seiten), Indische Verteidigungen (57 Seiten), Flankeneröffnung (17 Seiten). Die Unterteilung in Damengambit und Indische Verteidigungen mag ungewöhnlich erscheinen, umfasst aber den d4-Komplex nicht einfach nur als "Geschlossene Spiele" und kategorisiert die d4-Abspiele nach Damengambit und "dem Rest", weswegen aber auch z.B. Colle-System oder Torre-Angriff in der Rubrik "Indische Verteidigung" landen. In der Einleitung trifft Collins eine bemerkenswerte Feststellung: "Was ich 'Grundkenntnisse' nenne, ist das Verständnis, wohin die Figuren gehen, und warum sie dahin gehen, eine grundsätzliche Idee, was beide Seiten von einer bestimmten Stellung wollen, und wie sie versuchen können, es zu erreichen. Diese Art von Information war früher in Büchern enthalten, die als Einführung in die Eröffnung konzipiert waren und die aus irgendeinem Grund ausgestorben sind." Daraus resultierend leitet sich Collins Anspruch an dieses Buch ab: "eine einfache verbale Einleitung in jede Eröffnung, gekoppelt mit den wichtigsten Hauptabspielen und beispielhaften Varianten".
Die 5 Teile des Buches werden jeweils mit kurzen Erläuterung zur allgemeinen Charakteristik formuliert. Die Betrachtung der einzelnen Eröffnungen endet im Schnitt zwischen dem 8. und 12. Zug, aber Collins läßt den Leser auch dann noch nicht alleine, sondern skizziert kurz, was (und warum) er weiterspielen würde. Die einzelnen Züge werden kurz erklärt und ellenlange Alternativvarianten im Informatorstil sucht man vergebens. Interessant sind die Vergleiche mit seinem Weiß-Repertoirebuch. So vergibt er in "Schacheröffnungen richtig verstehen" dem Zug 9... g5 (siehe Diagramm 1) entstehend aus der Schottischen Partie ein Ausrufezeichen, während er in "Attacking for White" 'nur' ein!? übrig hatte. Aus diesem Winkel betrachtet kann man Collins Erkenntnisse aus beiden Büchern chronologisch verfolgen und verschmelzen.
 Diagramm 1 So kann man zum Beispiel auch feststellen, dass er das in "Attacking for White" empfohlene 5. Sc3 in der Russischen Verteidigung (1. e4 e5 2. Sf3 Sf6 3. Sxe5 d6 4. Sf3 Sxe4) hier als populäre Nebenvariante zu 5. d4 betitelt. Eine Eröffnung, wie das variantenlastige Königsgambit wird auf knapp 2 Seiten abgehandelt, bei Philidor wird 4... Sbd7 als solideste Methode für Schwarz angegeben (4... exd4 wird kurz erwähnt, sodass Christian Seels Meinung von der wenig beachteten "Geheimwaffe" Bestand hat), beim Vierspringerspiel wird 4. Lb5 höherwertiger als 4. d4 eingestuft, wenngleich beide Stellungstypen als ausgewogen beschrieben werden. Spanisch nimmt mit 20 Seiten erwartungsgemäß den größten Teil der Betrachtungen ein. Beim dortigen Abschnitt "Manöver am Königsflügel" wird beim Erläuterungsdiagramm intensiv mit grafischen Symbolen (Pfeile, Sterne) gearbeitet. Darüber hätten sich aus meiner Sicht noch mehr Diagramme "gefreut"!
Was Spanisch für die offenen Spiele darstellt, ist Sizilianisch für die Halboffenen. Mit 32 Seiten wird diesen Stellungen der größte Teil gewidmet, wobei es sich lohnt den kurzen Abriss über den Maroczy-Aufbau genauer zu betrachten, da selbiger innerhalb des Buches immer wieder vorkommt (z.B. Englisch). Auch in diesem Teil des Buches ist der Inhalt der einzelnen Systeme durch den größeren Anteil an Beschreibungen anstatt längeren Variantenbäumen (Najdorf mit Lg5 bildet eine kleine, aber nicht übertriebene Ausnahme) gekennzeichnet. Letzenendes werden weder Kalaschnikow, noch Rossolimo oder Grand-Prix und Geschlossener Sizilianer vergessen. Während Französich und Caro-Kann in erwartetem Volumen abgehandelt werden, sind die 8 Seiten zu Pirc/Moderne Verteidigung eine kleine Überraschung und zum Schmunzeln hat der "1800er Angriff" (siehe Diagramm 2) angeregt, welcher nach 1. e4 d6 2. d4 Sf6 3. Sc3 g6 4. Le3 entsteht und so betitelt wird, weil "sogar ein Spieler mit einer Rating-Zahl von 1800 diese Stellung mit Weiß handhaben kann".
 Diagramm 2 Wenn man den Einleitungssatz "Das Damengambit ist der einzige Versuch nach 1. d4 d5, Vorteil zu erlangen" liest, wird einem auch klar, warum er diesem Stellungstypen einen separaten Teil im Buch widmet. Das komplette Damengambit-Repertoire wird aufgeführt, wobei auch Tschigorin (1. d4 d5 2. c4 Sc6) und das Blackmar-Diemer-Gambit nicht vergessen wurden. Bei letzterem wird das einzige Mal in einer verbalen Beschreibung der Fettdruck verwendet, was quasi ein Zitat provoziert: "Niemand, der gut Schach spielt, spielt diese Variante, und niemand, der gut Schach spielt, wird es jemals tun." Ob dies Gambit-Experten wie z.B. Stefan Bücker schon entdeckt haben? Die slawische Abtauschvariante (1. d4 d5 2. c4 c6 3. cxd5 cxd5) wird als "langweiliger Kram" bezeichnet, was eventuell dazu verleiten könnte, derartige Abspiele als Schwarzer zu unterschätzen, um in der Folge unangenehm überrascht zu werden.
Im Teil der Indischen Verteidigungen lohnt sich insbesondere der Blick auf den Nimzowitschindisch-Abschnitt, da hier auf 3 Seiten die Ideen zur Behandlung des Isolani geschildert werden. Auch diese finden sich in diversen anderen Abschnitten, respektive Eröffnungen (z.B. Caro-Kann Panow-Angriff) wieder. Nimzowitschindisch (10 Seiten), Grünfeld (9 Seiten) und Königsindisch (12 Seiten) nehmen erwartungsgemäß die meisten Seitenzahlen in Anspruch. Bei den Flankeneröffnungen nimmt Englisch mit 9 Seiten den Haupteil ein, "Exoten" wie Bird, Larsen oder Grob werden mit höchstens einer Seite abgespeist. Bei Van-Geet wird nur die Stellung resultierend aus 1. Sc3 d5 2. e4 dxe4 3. Sxe4 betrachtet (siehe Diagramm 3), auf die Thematik der Zugumstellung wird nicht eingegangen.
 Diagramm 3 Sam Collins wagt im ganzen Buch neben den Hauptvarianten - aus seiner Sicht - vielversprechende Nebenabspiele. Selbige findet man beim aufmerksamen Lesen innerhalb der Kommentare. Natürlich empfiehlt der Autor derartige Fundstücke auch auf den persönlichen Geschmack zu überprüfen.
FAZIT
Wem würde ich dieses Buch empfehlen? Dies anhand von irgendwelchen Wertzahlen festzumachen ist immer so eine zweischneidige Sache. GM Stefan Kindermann schreibt in seinem Buch "Leningrader System" zu der nach 1. c4 f5 2. Sc3 Sf6 3. g3 g6 4. Lg2 Lg7 5. d3 0-0 6. e4 entstandenen Stellung: "Das Botvinnik-System stellt gegen den geschlossenen Sizilianer mit vertauschten Farben eine gefährliche Waffe dar, von der ich zu diesem Zeitpunkt fast nicht wusste." Das zeigt, dass man nicht alles von der Eröffnungstheorie wissen muß um Großmeister zu werden (wie ermunternd!). ;) Prinzipiell denke ich, dass Spieler welche schon die Sphären von 2000+ erreicht haben sich primär mit Spezialeröffnungsliteratur befassen, um die ihrem Spielercharakter entsprechenden Stellungen zu erhalten. Alle anderen sind wohl noch vielmehr auf der Suche nach dem richtigen Verhältnis zwischen Partieanlage und den eigenen Vorlieben. Genau diese Spieler sind über einen Überblick (!) der Möglichkeiten á la "what else?" sicherlich dankbar (Collins selbst beschreibt den Inhalt seines Buches: "im weitesten Sinne stellte es eine Reihe von Eröffnungslektionen für Clubspieler dar".). Anfänger, welche praktisch keine Chance haben den Eröffnungsdschungel ohne Kompaß zu durchqueren, erhalten mit diesem Buch einen Wegweiser. Variantenballast oder Partieangaben findet man im ganzen Buch nicht.
Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden.
(C) 2007, Frank Große redaktion@schachlinks.com
| | | | Autor: Frank Große |
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