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Rezensionen
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| Schach im Kindergarten + Schach für Tiger |
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| | Schachliteratur für den Nachwuchs und für "Tiger".
 | Autor: Martina Beltz & Harald NieschTitle:" Schach im Kindergarten - Methodik für die Erzieher" Euroschach Verlag, 63 Seiten deutsch, DIN-A4, kartoniert Autor: Simon WebbTitel: Schach für Tiger3. aktualisierte und erweiterte Auflage ISBN – 3-924833-51-6 Edition-Marco, 156 Seiten deutsch, Taschenbuch, kartoniert |  |
Nachwuchsschach
Gerade mal 6 Jahre alt ist Bruno Kreyssig, aber dafür ist er schon mächtig bei der Sache! Beim 5. Nachwuchs-Weihnachtsturnier der „BSG Chemie Leipzig“ zur vergangenen Jahreswende konnte er – wie das Foto beweist – einen tollen 1. Platz in der U9 erspielen … Das dieser Erfolg keine Eintagsfliege darstellt, beweist der zuvor errungene zweite Platz in der Leipziger Stadtmeisterschaft U8!
 von links nach rechts: Hannes Jonischkies, Bruno Kreyssig, Robert Kreyssig
Bruno hat mit 4 Jahren das Schachspiel von seinem Vater und Bruder erlernt – einem Alter in dem die Einschulung noch bevorsteht. Jörg Sommer hat sich ausführlicher mit der Thematik befasst und dazu auch in Zusammenarbeit mit Bernd Rosen bereits ein Buch unter dem Titel „Hilfe, mein Kind spielt Schach!“ veröffentlicht. Sein Haupt-tenor: „Grundsätzlich erlebt das Schach zur Zeit eine ähnliche Entwicklung wie zahlreiche andere Sportarten auch: Das Einstiegsalter sinkt immer weiter. Und anders als bei gewissen Sportarten, die den Körper stark belasten, kann man beim Schach ohne Gewissensbisse sagen: je früher desto besser – je sanfter, desto vielversprechender.“ (Jugendschach 10/2005)
Schach im frühesten Kindesalter scheint populär zu werden! In Mannheim beteiligt sich die Stadt bereits das zweite Jahr am Projekt „Schach an Mannheimer Kindergärten“ mit einer Förderung. Seit Sommer 2005 werden hier – angeleitet von Übungsleiter Uwe Brandenburger – die Viereinhalb- bis Sechsjährigen in das Spiel eingeführt. Andere Städte folgen langsam diesem Beispiel, wie z.B. Hattingen.
Aber auch in Leipziger Kindergärten gab es in den vergangenen 4 Jahren Gruppen mit lang-fristigen Projekten, welche von Martina Beltz und Harald Niesch in der hier besprochenen Publikation „Schach im Kindergarten“ als Methodik veröffentlicht wurden.
Schach im Kindergarten – Methodik für die Erzieher
Dabei wurde das Material so konzipiert, dass Erzieher oder Eltern auch ohne Kenntnisse des Spiels mit den Kindern lernen können. Dazu werden nur noch ein Demonstrationsbrett (es geht aber auch ohne!), ein paar Schachsätze und die individuellen Hilfsmittel benötigt, mit denen man die Kinder begeistern möchte.
Die Meister von Morgen
Im großen DIN-A4-Format kommt die 63-seitige Broschüre und umfasst in 30 „Beschäftigungen“ die Grundlagen des Schachspiels. Unter einer „Beschäftigung“ wird eine Einheit von ca. 25-30 Minuten verstanden. Das komplette Material kann in einem Zeitraum von etwa 8 Monaten absolviert werden. Damit der/die potentielle ErzieherIn mit ihrer Aufgabe nicht al-leingelassen wird, kann sie auf den ersten 6 Seiten alles Rüstzeug erlesen und der Untertitel „Methodik für die Erzieher“ ist Kennzeichen für den Tenor.
 | In der Märchenform soll das Interesse für das Spiel geweckt werden, um danach einzeln die Bewegungen der Figuren zu erlernen. Die Reihenfolge hierbei: König, Dame, Turm, Läufer, Bauer. Bevor das Schachgebot Bedeutung erlangt wird das Spiel mit den Figuren geübt. Danach werden die Schachgebote jeder einzelnen Figur demonstriert und ebenfalls geübt. Dafür werden ca. 1/3 aller Einheiten benötigt. Nach dem „Matt“ soll dann erstmal gespielt werden, bevor die Rochade ins Geschehen ‚eingreift‘. Erst jetzt wird auf die Wertigkeit der Figuren eingegangen, was im Punktesystem ausgedrückt wird (1 Bauer = 1 Punkt, 1 Dame = 9 Punk-te). Ein kleiner Einblick in die Eröffnungsgrundsätze, sowie das Endspiel D+T gegen K beenden die Einführung für die Kleinsten. Festigende Übungen, Vorschlag für ein Löseturnier, sowie die Anregung zum Spielen durchkreuzen den Lehrplan positiv.
Insgesamt eine solide Publikation, die dem Erzieher/der Erzieherin auf den ersten Schritten einen Leitfaden vermittelt. Etwas mehr Übungsbeispiele wären für die ErzieherInnen sicherlich wünschenswert. Aber hier empfiehlt das Autorenteam in der Einleitung drei Bücher für weitere Anregungen, wobei mich „Schach für Igel“ (Magnus Georg Grabitz) – ein „Fabel“-Buch, welches sich mit dem Igel-System-Stellungen im Mittelspiel befasst – auf dieser kurzen Liste etwas überrascht hat. Für die kreative Gestaltung während der „Beschäftigungseinheiten“ werden konstruktive Vorschläge erbracht, sodass der individuelle Einfallsreichtum eingesetzt werden kann. Die „En Passant“-Regel wird bewusst nicht vermittelt. |
Simon Webb - Schach für Tiger
1990 erschien die zweite Auflage des schon damals als "hervorragend" eingestuften Lehrbuches: "Gehörte schon die 1. Auflage vor über zehn Jahren zu den Standardlehrbüchern, so sollte die zweite erst recht dazu gehören." Der IM und Fernschach-GM, der auch im Bridge zu Hause war, beendete Anfang der 80er seine aktive Schachlaufbahn, doch „Schach für Tiger“ – Simon Webbs einziges Buch - genießt Kultstatus!
 Bild-Archiv: Volker.-M. Anton
Das Büchlein, das fast in jede Hosen- oder Jackentasche passen könnte ist ein Bauchladen voller Ratschläge und Optimismus, gesalzen mit einer Prise englischem Humor. Was man wirklich tun muss sind zwei Dinge: „Du musst Dir eine praktische Einstellung zulegen und auf Gewinn spielen.“ und dabei ist es wichtig sich auf das Gewinnen als solches zu konzentrieren, auch auf Kosten der „besten Züge“. Dazu wünscht der Autor den Blick in den Spiegel und auch auf den potentiellen Gegner, es gilt in jeder Hinsicht Mut und die richtige Strategie zu finden. Ratschläge wie z.B. „Es bringt nicht viel zu wissen, dass man eine gute Stellung hat, wenn man mit ihr nichts anzufangen weiß!“ scheinen zwar banaler Natur, treffen aber quasi jeden Spieler und ermutigen dazu das Studium des eigenen Spiels nicht mit der Eröffnung enden zu lassen. Doch auch zur Eröffnungswahl weist das Büchlein einige nützliche Tipps zur Herangehensweise des Aufspürens der eigenen Schwachpunkte. Dazu soll unvoreingenommen statistisch und nach Eröffnungen sortiert notiert werden warum man Partien verlor oder gewann. Ebenso ist mit den Mittelspielen wie auch Endspielen zu verfahren. Die prozentual höchsten Schwachpunkte gilt es zu beseitigen. Gut gefallen hat mir das Kapitel „Wie man Karnickel fängt“. Hier lauert Webb mit dem Ratschlag auf schwächere Gegner durch eine „einfache“ Partiegestaltung zu überspielen und kein Risiko einzugehen bevor es notwendig ist. Entgegengesetzt verhält es demzufolge bei scheinbar übermächtigen Gegnern (Trampelfanten), wo es Ziel sein sollte eine unklare Stellung anzustreben. „Wie man gewonnene Stellungen gewinnt“ befasst sich mit dem ‚Killerinstinkt‘, welcher auch in Remisstellungen gefragt sein kann. Besonders auf den Zeitfaktor legt Webb besonderes Augenmerk und gibt Ratschläge, wie man sein eigenes Verhältnis zur Zeit finden kann. Bevor man bereit sein kann ein Tiger zu werden folgt das Kapitel „Fernschach“. Hier wirken einige Hinweise, wie z.B. das „richtige Aufbauen des Brettes“ wie aus einer längst verschollenen Zeit.
Die dritte, aktualisierte und hier vorliegende Ausgabe wird Simon Webbs Mut machender Fingerzeig in 15 Kapiteln auch für zukünftige Generationen sein! Der Autor ist im Frühjahr 2005 auf tragische Weise aus dem Leben geschieden.
Errata: Seite 31: Der 21. Zug von Schwarz muss Tg5xd5 heißen; Seite 65 sechste Zeile: Buchstabendreher in „Gewissensbisse“ |  |
© 2007, Frank Große redaktion@schachlinks.com | | | | Autor: Frank Große |
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