Anzeige
Schach - Schachturniere - Schachvereine
 
Links  Turniere  Vereine 
  Rezensionen
 
Bücherkiste Mai 2007
 

    Jeder kennt das: Ein Griff in die Bücherkiste - zwei, drei (aktuelle) Exemplare herausgezogen! Einem kurzen Fazit unterzogen wird sich zeigen, ob diese eine zusätzliche Bereichung auf dem "Speisezettel" des Schachbuchmarktes darstellen. In diesem Monat hielt ich die folgenden Titel in den Händen: Efstratios Grivas "Modern Chess Planning", ein englischsprachiges Buch mit einem vielversprechenden Titel - was sich wohl dahinter verbergen mag?! "Offene Linien" von Wolfgang Uhlmann und Gerhard Schmidt, was eine vollkommen überarbeitete Neuauflage eines vor ca. 25 Jahren erschienenen Buches bedeutet. Last but not least: "The Ruy Lopez: A Guide To Black" von Sverre Johnsen and Leif Johannessesn, wo der Titel Programm ist.


    Autor: Efstratios Grivas
    Titel: Modern Chess Planning

    ISBN-13: 978-1-904600-68-8, ISBN-10: 1-904600-68-9
    Gambit Publications, 143 Seiten
    englisch
    Der griechische Großmeister Efstratios Grivas dürfte in Deutschlang weniger bekannt sein, veröffentlichte aber mittlerweile sein 6. Buch für den Gambit Verlag. Diesmal handelt es sich um ein Testbuch mit insgesamt 75 Partien. Die ersten 50 Partien durchleuchten chronologisch das Werk von Grivas seit dem Erhalt des IM-Titels (1984) bis 2006. Die verbleibenden 25 Partien entstammen seinem Archiv und beinhalten Großmeisterpartien, welche ihm imponiert haben. Der Leser erhält zu jeder Aufgabe (die Notation der kompletten Partie zur kritischen Stellung wird abgedruckt) ein kurzes Urteil und soll nun aus drei möglichen Plänen den richtigen wählen. Dafür erhält er Punkte und nach dem Abschluss der Tests kann er seine hoffentlich gesammelten Scores addieren und so sein Lösungsniveaus bestimmen. Nach Aussage des Autors sind Spieler mit einem Rating von 1500 - 2200 Zielgruppe.
    Quelle: chessfed.gr

    23 Aufgaben sind zwischen dem 10. und 15. Zug angesiedelt, was heutzutage teilweise eher in den Passus Eröffnung fällt und aus meiner Sicht nicht immer glücklich gewählt wurde. Bei zwei Aufgaben bewegt sich die Stellung auf dem Brett gar unter dem Zug 10. Zug. Das Seitenverhältnis beträgt 74 Seiten für Aufgaben und 56 Seiten für die Lösungen. Im Sinne einer sehr ausführlichen Lösung ist das eher mager. Primär wird die richtige Lösung als kommentierte komplette Partie angegeben. Die zwei Fehlalternativen werden zumeist mit einer Variante abgespeist. Durchschnittliche Testbuchqualität! Soweit so gut, aber was hat das mit dem verlockenden Titel "Modern Chess Planning" gemeinsam - aus meiner Sicht eher wenig. Die zweiseitige (!) Einleitung zum Thema wird an wenigen Grundsätzen und der Partie Janowsky - Capablanca, New York 1916 festgemacht. Im Lösungsteil wird viel zu wenig auf die Pläne und deren Auswirkung eingegangen, was für den Großteil der anvisierten Zielgruppe zu wenig sein dürfte, zumal die Teststellungen erfreulicherweise anspruchsvolles Niveau aufweisen.


    Autoren: Wolfgang Uhlmann, Gerhard Schmidt
    Titel: Offene Linien

    978-3-283-00514-6
    Edition Olms, 164 Seiten
    deutsch

    Über den Dresdner Vorzeigespieler der ehemaligen DDR Wolfgang Uhlmann braucht man nichts zu schreiben, da er einen sehr großen Bekanntheitsgrad geniesst. Doch wer ist Gerhard Schmidt? Gerhard Schmidt war jahrelanger Mannschaftskollege von Uhlmann in der DDR-Sonderliga, aber aufgrund seiner Spielstärke auch 5 Jahre als hauptberuflicher Trainer tätig. 1984 reiste er aus der DDR in die damalige BRD aus und wurde somit - wie in der DDR üblich - zu Person "non grata". Das hatte aber auch Auswirkungen auf das hier vorliegende Buch, welches 1981 im Sportverlag Berlin (Ost) erstmalig aufgelegt wurde und nach der Ausreise von Schmidt auf dem Index landete. Gerhard Schmidt hat in der BRD in der ersten Bundesliga für SC Bamberg und SC 1836 München in der ersten Bundesliga gespielt und ist A-Trainer des Deutschen Schachbundes.

    Kann man ein ganzes Buch über die Bedeutung der "offenen Linien" schreiben? Schließlich wird schon jeder angehende Spieler mit dem Merksatz, dass Schwerfiguren auf selbige gehören konfrontiert ... Die Antwort ist simpel: Man kann und beim Studium der Literatur werden die Auswirkungen des Merksatzes deutlicher! Den Zugang zur Materie soll ein einführendes Kapitel schaffen, welches hier gut gelungen ist und durch 'klare', logische Beispiele gefällt. Das Buch ist in folgende sechs Kapitel gegliedert:

    • Erzeugung der offenen Linie
    • Der Kampf um die Beherrschung der offenen Linie
    • Dominierende offene Linie<(li>
    • Die Nutzung der offenen Linie
    • Die Verbindung der offenen Linie zur 7. und 8. Reihe
    Dabei werden 113 komplette Partien abgearbeitet und das Schema ist in jedem Beispiel identisch: die Partie wird bis zur kritischen Stelle abgedruckt, danach eine Einschätzung vorgenommen und unter Berücksichtigung des Artikelaspektes die technische Realisierung bis zum Partienende dargelegt. Ich picke ein Beispiel zur Demonstration heraus:

    Partie 68
    Aljechin - Bogoljubow, Budapest 1921


    Stellung nach dem 15. Zug von Weiß

    Einschätzung der Stellung:
    Mit der Verdoppelung auf der offenen d-Linie tauchen bereits die ersten Gefahren auf. Weiß droht 16. Sxc6. Die Entwicklung des Läufers c8, der über keine guten Felder verfügt, ist das Hauptproblem von Schwarz. In den folgenden Zügen besteht der Plan von Weiß aus mehreren Elementen: Nutzung der offenen Linie, Vorrücken der Bauern im Zentrum und am Königsflügel mit Raumgewinn, harmonischer Einsatz aller Leichtfiguren im Zentrum. Die weiße Dame wird auf der Diagonale a7-g1 für die Bedrohung der schwarzen Bauern am Damenflügel sorgen. Die gekoppelte Nutzung der offenen Linie mit den anderen Stellungsvorteilen ergibt nach wenigen Zügen klaren Vorteil.

    15. ... Lc8-g4
    16. f2-f3 Sc5-e6

    Damit wird für den Läufer das Feld e6 freigekämpft, jedoch sind damit keineswegs die Probleme gelöst.

    17. Dd2-f2 Se6xd4
    18. Td1xd4 Lg4-e6
    19. Tf1-d1 ...

    Mit einfachen Mitteln hat Weiß die vollständige Kontrolle über die d-Linie erreicht. Im folgenden Partieabschnitt vergrößert er seinen Raum am Königsflügel.

    19. ... b7-b6
    20. h2-h3 ...

    Bereitet den Vorstoß des f-Bauern vor, ohne durch Sg4 oder Lg4 gestört zu werden.

    20. ... c6-c5
    21. Td4-d2 Td8xd2
    22. Df2xd2 c5-c4

    Ein weiterer Zug, der nichts für die eigene Verteidigung leistet und zusätzlich für Weiß das Feld d4 frei macht. Am besten ist es, 22... Se8 und anschließend 23... f6 zu spielen. Nur so lässt sich noch Widerstand leisten.

    23. f3-f4 g7-g6

    Falls 23... Dc5+, so 24. Dd4, und nach dem Damentausch besitzt Weiß ebenfalls klaren Vorteil.

    24. Dd2-d4! Ta8-c8
    25. g2-g4 ...

    Der weiße Raumvorteil am Königsflügel ist imponierend. Gegen die Drohungen 26. e5 oder 26. f5 nebst e5 gibt es keine Verteidigung mehr. Schwarz fehlen die Felder auf der d-Linie zum Manövrieren. Das Zusammenwirken der Faktoren offene Linie - aktives Figurenspiel - Raumvorteil wird lehrbuchmäßig demonstriert. Schwarz entschließt sich zu einem Verzweiflungsopfer, das natürlich auch nicht mehr retten kann ...

    25. ... Le6xg4
    26. h3xg4 Sf6xg4
    27. Kg1-g2! h7-h5
    28. Sc3-d5 De7-h4
    29. Td1-h1 Dh4-d8
    30. Lc2-d1

    Schwarz gab auf. Nach 30... Dd7 gewinnt 31. f5.

    Mir liegt zwar keine Erstauflage von diesem Buch vor, aber es wurde überarbeitet (Auferstanden aus Ruinen!?), denn es finden sich Partien von Spielern (z.B. Anand), die damals noch keine Bedeutung hätten finden können. "Struktur und Systematik" sind laut Aussage der Autoren beibehalten worden, wobei gegenüber dem Original auf das Kapitel "Partien mit Punktebewertung" verzichtet wurde.


    Autoren: Sverre Johnsen, Leif Johannessen
    Titel: The Ruy Lopez: A Guide For Black

    ISBN-13: 978-1-904600-67-1, ISBN-10: 1-904600-67-0
    Gambit Publications, 207 Seiten
    englisch

    Die beiden Norweger Sverre Johnsen (ELO 2172) und Leif Johannessen (GM, 2537) scheinen aufgrund Ihrer ELO-Differenz ein ungleiches Paar abzugeben. Doch dabei ist es Johnsen, der bereits seine zweite Veröffentlichung nach "Win with the London System" aus dem Jahre 2005 publiziert. Sverre besitzt einen eigenen Blog, in welchem er zugibt, dass er sich derzeit vom aktiven Turniergeschehen sehr zurückhält. Natürlich möchte der Käufer die Aufgabenteilung wissen und im Vorwort wird hier auch kein Blatt vor dem Mund genommen: Sverre ist der Hauptautor und Leif agierte primär als Analysator. Nachdem das Grundkonzept stand hat Sverre relevantes Material zusammengetragen, welches von Leif in einer monatelangen Untersuchung überarbeitet wurde. Danach ging es zur letzten Revision zum Verlag. Das erklärt auch, warum in der Bibliography-Liste die aktuellsten Spanisch-Bücher aus dem Jahre 2005 stammen. Anzumerken ist wohl noch, dass Johannessen kein Spanisch-Experte mit den schwarzen Steinen ist und aus der Not eine Tugend macht, wenn er verkündet, dass er mit der Arbeit des Buches dem Leser auch einen Einblick gewährt wie er sich mit der Eröffnung auseinandersetzt während er an dem Buch arbeitet.

    Die Einleitung von Leif fällt demzufolge etwas umfangreicher aus und auf 14 Seiten schildert er seine 12 Schritte, die er zum Zugang zur Eröffnung bis zur Anwendung benötigt. Auf der doppelten Seitenanzahl (24) gibt es eine kleine Einführung in die wichtigsten weißen und schwarzen Konzepte, wobei auch immer wieder ein Querverweis zum Standardspruch aus Douglas Adams "Anhalter durch die Galaxie" zu finden ist: DON'T PANIC! :) Aber auch andere Größen der Geisteswissenschaften werden geflissentlich zitiert. Derart gewappnet findet man auf den folgenden 80 Seiten die von den Autoren ausgesuchte Hauptvariante des Buches wieder: Zaitsev! (1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. La4 Sf6 5. 0-0 Le7 6. Te1 b5 7. Lb3 d6 8. c3 0-0 9. h3 Lb7 10. d4 Te8 11. Sbd2 Lf8 12. a4, siehe Diagramm) Viele untersuchte Analysen sollen die Wahl dieses Systems bestärken. Wie man aber schnell feststellen kann, werden mit diesem Buch nicht unbedingt die Spanisch-Neulinge angesprochen, wenngleich Abweichungen im 5./6. bzw. 8./9. Zug in separaten Abschnitten untersucht werden, wobei Freunde des Geschlossenen Spanier auf ihre Kosten kommen dürften. Die Abtauschvariante bzw. verzögerte Abtauschvariante komplettieren das vorgeschlagene Repertoire. Für Fans der aggressiven Zaitsev-Variante (und solche die es werden wollen) mit Sicherheit kein Fehlgriff - Spanisch-Einsteiger greifen wohl besser zu einem anderen Buch. Wer ein wenig im o.g. Blog stöbert findet aber auch Anmerkungen zum vorliegenden Buch.

    (C) 2007, Frank Große
    redaktion@schachlinks.com

 
Autor: Frank Große
 
Login
Benutzername:
Passwort:
Newsletter
Anzeige

Sponsored Links:
Partnerlinks
Tischdekoration
Winhelpline
Bußgeldrechner
Zecke entfernen
BMI Kinder
DWZ Rechner

 

Sitemap |
© 2007 schachlinks.com