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Rezensionen
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| Die stärkste Liga der Welt |
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| | Deutschland hat eine Schachbundesliga und die hat es bekanntermaßen in sich, aber die Bundesliga hatte in den vergangenen Jahren kein Jahrbuch! Diesem Umstand ist nun ein Ende bereitet worden ... | | Autoren: Bernard Verfürden, Geogios Souleidis, Sebastian SiebrechtTitel: Die stärkste Liga der Welt978-3-00-021220-8 Deep Chess!!!, 120 Seiten deutsch, broschiert |
Eigentlich gehört in eine Rezensionen wohl keine 'Vergangenheitsbewältigung', aber als ich von der Veröffentlichung eines Buches zur soeben beendeten Bundesligasaison hörte erinnerte ich mich daran, dass ich vor ca. 2 Jahren die Idee hatte, ein Schachjahrbuch aufzubereiten, wie man es von anderen "großen" Sportarten (z.B. Fußball) kennt. Vorsichtige Anfragen an Verlage meinerseits ergaben die Erkenntnis, dass SchachSPIELER manchmal auch FußballFANS sind, aber deswegen nicht automatisch zu den SchachFANS zählen. Da bis heute keine Jahreschronik existiert, ist aus der Idee nichts geworden. Um so mehr freut es mich, das jemand mit dem mir nun vorliegenden Buch Mut bewiesen hat.
 | |  | | |  | | Bernard Verfürden | | Sebastian Siebrecht | | | Georgious Souleidis | "Die stärkste Liga der Welt" !? Bei dem Titel fragt der kritische Leser natürlich sofort nach, ob das denn - wenn man insbesondere die ehemalige Sowjetunion und ihre noch immer hervorragend funktionierende Schachschmiede sieht - stimmt. schachbundesliga.de hat die bestätigende Antwort, welche ich hier nicht vorenthalten möchte: "Keine andere Liga der Welt kann mit 125 Großmeistern aufwarten. Die gemittelte Elozahl der jeweils ersten acht lag in der Saison 2006/7 bei annähernd 2550. Der Mittelwert der tatsächlich eingesetzten Spieler lag bei 2530 Elo. Nominell stärker besetzt ist nur die Russische Mannschaftsmeisterschaft, in der mehr als ein halbes Dutzend Mannschaften gemittelt über 2600 Elo an die sechs Bretter bringen. Doch dabei handelt es sich nicht um eine Liga mit einer Saison und mehreren Terminen, sondern um ein in einem Rutsch ausgetragenes Rundenturnier." Das Buch sollte vormals "Hinter den Kulissen" heißen, was aber nach Aussage von Mastermind und Initial-Ideengeber zum Buch Bernard Verfürden nicht passend gewesen wäre. Bereits Anfang 2006 kam Verfürden die Idee und nachdem IM Georgios Souleidis, welcher in der abgelaufenen Saison 6,5 Punkte aus 13 Partien erspielte, sowie IM Sebastian Siebrecht, der 5,5 aus 12 erwirtschaftete (beide SF Katernberg) ins Boot geholt wurden stand der Umsetzung nichts mehr im Wege. Die Aufgabenverteilung ist dabei strikt und logisch vorgenommen worden: Verfürden schreibt und die beiden IMs durften Varianten und Analysen beisteuern.
"Es ist nicht einfach nur eine Ansammlung von nett analysierten Partien, Bildern und Tabellen", wie im Vorwort versprochen wird, sondern der Versuch die Saison im gewohnt lockeren Stil von Deep Chess!!! Revue passieren zu lassen. Dabei wird ausgehend von den Anfängen auch die eine oder andere Spekulation zur Finanzierung der Bundesliga beziehungsweise ihrer Vereine präsentiert. In diesem Zusammenhang wird - aus meiner Sicht zu kurz - auf die neue Eigenständigkeit der Bundesliga eingegangen. Auch die "10 Thesen" eines Gerald Hertneck, die ein mögliches Scheitern der Bundesliga proklamierten, sollten aus meiner Sicht mehr als nur erwähnt werden - wer kann sich in 5 Jahren schon noch daran erinnern? Für zukünftige Jahrbücher wäre auf jeden Fall noch genug Rand-Material aus der Vergangenheit der Bundesliga vorhanden. Wettkampftag für Wettkampftag passiert die Liga die Augen des Lesers und bis auf das vorgezogenen Zickelbein-Interview, dass bereits vor der letzten Spielrunde das Ergebnis des Hamburger SK preisgibt, ist die chronologische Reihenfolge und Kommentierung so gewählt, dass so etwas wie "Spannung" aufkeimt. Dazwischen natürlich Partien und Interviews! Leider ist mit nur drei Interview-Partnern (Dr. Schelz-Brandenburg, Christian Zickelbein und Robert Rabiega) die Anzahl nicht gerade üppig ausgefallen. Die Auflistung der "Gurken der Saison" lassen den Amateur dem Profi wenigstens für ein Diagramm sehr nahe stehen - aber wo sind z.B. die 'Perlen'? Abgeschlossen wird das Buch durch diverse Statistik-Tabellen, welche ich keiner Inhaltsüberprüfung unterzogen habe.
Wermutstropfen
 | Bei den ersten Gehversuchen läuft selten alles glatt und genau daraus wird ja die Motivation für Verbesserungen gezogen. Genauso ist es beim vorliegenden Buch - zwischen dem letzten Bundesligaspieltag und dem Redaktionsschluss ( 15. Mai 2007) lag {zu Recht} nicht viel Zeit, sodass die Aktualität noch gewahrt wurde. Leider sind dadurch aus meiner Sicht zu viele Rechtsschreibfehler oder Flüchtigkeitsfehler entstanden. Aufgrund des Termindrucks und des erreichten günstigen Verkaufspreises ist davon auszugehen, dass man keinen Lektor engagierte, der hierauf besonderes Augenmerk gelegt hätte. Ein paar Fehler möchte ich als Errata-Liste aufzählen: Seite 5: Remagen in Tabelle dickgedruckt (warum?), Seite 8 und 10: fehlende Leerzeichen oder große Lücken zwischen Worten, Seite 10: falsches Ausführungszeichen, Seite 13: Reisepartner statt Reispartner, Seite 14: Nach 14... Kh8 wird der Alternativzug zweimal in der Analyse angegeben, Seite 15: Schachbundes statt Schachsbundes, Seite 16: Variantenbrett 47... Lxf4 48. Kg2 statt 47... lxf4 58. Kg2, Seite 49: zährt statt zerrt, Seite 67: 35. Dg5+ statt 35. Dg5, Seite 83: Text und Diagramm unten nicht in Einklang bezüglich Position. Die meisten Fotos sind kleiner als die Diagramme, wie nebenstehende Grafik einer Seite verdeutlichen soll. Das empfinde ich eher unglücklich und prinzipiell hätten es wohl ein paar Fotos mehr sehr dürfen. Die hier erwähnten Aufzählungen sollen keineswegs den positiven Gesamteindruck schmälern, sondern vielmehr ein Wink für die nächste Auflage sein! Da die Partien der Bundesliga als Datenbank bereits zum Download angeboten werden, wäre es lobenswert, hier auch eine Errataliste zu veröffentlichen, wie es einige Verlage bereits vormachen. |
Fazit
Seit den Büchern aus dem ehemaligen Bamberger Schachverlag hat die Bundesliga bis auf die Berichte aus den aktuellen Schachprintmedien keine eigenständige Publikation. Diesem Umstand galt es ein Ende zu bereiten! Trotz der oben genannten Schwächen ist dem Projekt ein gelungener Auftakt geglückt. Wenn die Autoren die folgende Zuversicht auch in Bezug auf das Bundesliga-Buch umsetzen können, sollte es nicht die letzte Liganachschau sein: "Daher kann man zuversichtlich sein, dass in den nächsten Jahren eine Liga entstehen wird, worauf wir Schachspieler in Deutschland stolz sein können." Über alles mögliche im Schach gibt es Literatur, warum sollte ein Bundesliga-Buch keine Daseinsberechtigung besitzen?! In die Leseprobe kann hier ein Blick geworfen werden.
(C) 2006, Frank Große redaktion@schachlinks.com
| | | | Autor: Frank Große |
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