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Rezensionen
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| Bücherkiste Juli 2007 |
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| | In unserer zweiten 'Bücherkiste' haben sich zwei Eröffnungsbücher (Sam Collins - The c3 Sicilian, Thomas Johansson - The Fascinating Reti Gambit), ein weiteres Fischer-Buch (Wolfgang Daniel - Ich wollte unbedingt gewinnen) und eine DVD (Gisbert Jacoby - Gewinnen in der Eröffnung: Eröffnungsstrategie) gefunden.
 | | Autor: Wolfgang DanielTitel: Robert James Fischer: "Ich wollte unbedingt gewinnen!"ISBN-13: 978-3-939040-16-3
Schneidewind Verlag, 136 Seiten deutsch |
Wolfgang Daniel ist von der Broschüre "Zum taktischen Sehvermögen" bekannt und hat mit dieser Publikation das Dauerthema Fischer aufgegriffen. Dabei möchte der Autor keineswegs den Anspruch einer vollständigen Biographie oder Partienpublikation erwecken. Überhaupt sind in der kompletten Publikation nur 7 Partien und 8 Partiefragmente enthalten. Der Untertitel 'Zitate, Notizen, Stationen und Partien aus dem Leben eines Schachprofis' zeigt die Richtung an. Der einfachen Chronologie folgend, wird von seiner Kindheit nebst Eltern (hier kein Verweis auf das von Edmonds und Eidinow gefundene FBI-Dossier -> siehe Kasparow-Buch) auch ein sehr kurzer Abriss der Schachgeschichte präsentiert. Flugs werden die ersten Geh- oder sollte man besser Ziehversuche auf dem Schachbrett gestreift und sein Durchbruch als Großmeister beschrieben. An allen weiteren relevanten Stationen seines Lebens - und nicht nur des schachlichen - lässt der Autor den Leser teilhaben. Entgegen einiger anderer Publikationen endet dies aber nicht mit dem 1972 gewonnenen WM-Kampf in Reykjavik gegen Boris Spasski. Nein, die Gründe warum es nicht zum WM-Match gegen Anatoli Karpow kam werden ebenso angerissen, wie auch sein Rückzug aus der Öffentlichkeit. Dem Revanchekampf 1992, sowie seine Flucht und Verhaftung wird der restliche Teil des Buches gewidmet, bis hin zu seiner Freilassung nach Island. Ein Nachwort von Lothar Schmid rundet die Publikation ab.
Wer Partien von Fischer will, sollte entweder hier vorbeischauen oder Kasparows Vorkämpfer 6 zu Rate ziehen. 32 Fotos (die meisten zeigen Fischer) lockern neben Tabellen oder Diagrammen die Texte auf. Für mich war eine Vielzahl unbekannter Fotografien dabei, wenngleich ich wenig Material von/über Fischer habe. Das sorgfältige Literatur- und Fotoverzeichnis dürfte für Fischerspezialisten interessant sein. In dem übrigen Material dürften die Spezialisten unter den Fischerfans nichts Neues entdecken. Alle anderen interessierten Schachfreunde können dem Inhalt des Buches bequem folgen.In der Pressemitteilung zum Buch war zu lesen, dass das vorliegende Buch " das erste Buch über den Amerikaner eines Autors aus Ostdeutschland" ist. Der Hintergrund dieser Besonderheit hat sich mir nicht erschlossen - aber ich bin mir sicher, dass das vorliegende Werk nicht die letzten Untersuchungen zum elften Schachweltmeister sein wird. Errata: Seite 73, erste Zeile: "Läufer wird wenig beweglich" |  | | Quelle: echecsmarcqetlys.free.fr |
 | | Autor: Sam CollinsTitel: The c3 SicilianISBN-13: 978-1-904600-71-8 ISBN-10: 1-904600-71-9 Gambit Publications, 111 Seiten englisch |
Der irische IM Sam Collins, welcher 2002 die irischen Meisterschaften gewann, veröffentlicht ein Buch über die "immeraktuelle" c3-Variante gegen Sizilianisch. Dazu werden 25 Partien aus den Jahren 2003-2006 verwendet. Dabei kehrt er dem herkömmlichen Verfahren, ausgehend von einem Variantenindex mit fortlaufender Seitenanzahl tiefer in die Materie einzudringen, den Rücken und präsentiert die Partien themengebunden am Stück:
| 2... Sf6: Lines with cxd4 | | (5 Partien) | | 2... Sf6: Main Line with 6. Lc4 | | (4 Partien) | | 2... Sf6: White Avoids an Early d4 | | (3 Partien) | | 2... d5: Black Plays ... Sf6 and ... e6 | | (3 Partien) | | 2... d5: with 4... Sf6 5. Sf3 Lg4 (or 5... Sc6) | | (3 Partien) | | 2... d5: Alternatives to 4... Sf6 | | (3 Partien) | | 2... Second-Move Alternatives for Black | | (3 Partien) |
Natürlich hilft ein Variantenindex im Anhang beim Auffinden der gewünschten Variante. Morozevich hat nach Veröffentlichung seines Buches "Chigorin Defence" geäussert, dass er vorerst von dieser Eröffnung keinen Gebrauch machen wird. Collins hat zwar leider keine eigenen Partien zum c3-Sizilianer im Buch verarbeitet, kennt sich aber mit der Materie aus, wie zuletzt gespielte Partien beweisen. Da Collins in seinem Repertoire-Buch "An Attacking Repertoire for White" bereits den c3-Sizilianer empfohlen hatte, kann diese Publikation getrost als Update des dortigen Kapitels verstanden werden, ohne dass man das Gefühl hat, Collins möchte hier einer Farbe den Vorzug geben. Auch sonst kann man ihm Objektivität bescheinigen, wenn er verkündet, dass der c3-Sizilianer keine erhöhten Gewinnchancen gegenüber den offenen Spielweisen vorweist. Auf die Nebenvarianten, wie z.B. 2... b6 - worüber Frank Zeller ein komplettes Buch geschrieben hat - kann er natürlich nur beispielhaft eingehen und räumt dem Schwarzen auch gutes Gegenspiel ein. Das Zeller-Buch war dem Autor laut Bibliographie nicht bekannt! In einer Partie (Goloshchapov - Nevednichy, Miskolc 2004) untersucht er auch den Tipp von Yermolinsky's "Der Weg zur Verbesserung im Schach". In 25 Partien ist zwar für die eine oder andere Nebenvariante Platz, aber jede kann natürlich nicht abgehandelt werden. Das war wohl auch nicht das Anliegen des Autors/Verlags, sodass ein sorgfältig gewählter Einblick entstanden ist. Für die Möglichkeiten des c3-Sizilianers sehr instruktiv scheinen mir die Tiviakov-Partien (4 Stück) zu sein - auf diese sollte zuerst ein Blick geworfen werden.
 | | Autor: Thomas JohanssonTitel: The Fascinating Reti GambitISBN: 978-1-4116-9240-4 Eigenverlag Lulu, 228 Seiten englisch |
Um eine Publikation unter die Massen bringen zu können, braucht es nicht immer einen Verlag, denn seit Mitte der 90er ist Book-on-Demand ein Verfahren, das es praktisch jedem ermöglicht, just-in-time zu publizieren. Ähnliches wird sich wohl auch Thomas Johansson gedacht haben, dessen Buch "The Fascinating Reti Gambit" - das die Zugfolge 1. e4 e6 2. b3 !? untersucht und bei Lulu erhältlich ist. Moment mal, mit dem Namen Rèti verbindet man 1. Sf3 und nun ein Französisches Gambit auf den Spuren des ehrwürdigen Meisters?!
 Beispielpartie Reti - Filep, 1920
Damit stösst der Autor vielleicht genau in die Lücke der Weißspieler, die gegen den französischen Aufbau noch nicht die Überraschungswaffe gefunden haben? Denn weicht man von der Schablone ab landet man entweder in scharfen Stellungsbildern, die der Schwarze zumeist häufiger auf dem Brett haben dürfte (ergo: er kennt sich vermutlich besser aus) oder versucht sein Glück in wilden Unterfangen wie dem Flügelgambit (1. e4 e6 2. b4 - siehe auch S.O.S. Volume 1). Will man mehr über den Autor erfahren, schlägt man zuerst wohl immer bei den FIDE-ELO-Listen nach. Im Jahr 2004 gab es vom selben Autor bereits eine bemerkenswerte Publikation: "The Fascinating King’s Gambit", welche Robert Miklos von Rochade Kuppenheim wie folgt einschätzte: "... für jeden Schachspieler eine Freude, der es schätzt, wenn das Brett bereits nach wenigen Zügen in Flammen steht". Zuvor veröffentlichte er "The King's Gambit for the Creative Aggressor". Was erwartet den Leser also hier?
Zunächst einmal darf man fast davon ausgehen, dass der Schwarzspieler - sofern er den Aufbau nicht kennt - wohl prinzipiell mit 2... d5 fortsetzen wird, da dies praktisch in allen französischen Hauptvarianten gut ist. Dies ist auch eine Tatsache, die z.B. bei Caro-Kann-Spielern zutrifft, sodass man eventuell eine Überraschung vorbereiten kann. Nach der fast logisch erzwungenen Zugfolge im Falle einer Ablehnung des Gambits 2... d5 3. Lb2 Sf6 4. e5 Sfd7 5. Dg4 stellt sich die Frage, ob dies den Weißen zum Tango oder doch eher zum Walzer verleiten wird?!
Aber beim Gambit wird doch normalerweise ein Bauer für Entwicklung geopfert, könnte der aufmerksame Leser jetzt einwenden! Richtig, schauen wir uns diese Variante an (Annahme des Gambits): 1. e4 e6 2. b3 d5 3.Bb2 dxe4 4. Nc3 Nf6 und Weiß kann zwischen Reti's 5. De2 und 5. g4 (eine Idee von Mike Papa Jr.) wählen. Weiß kann in den für die französische Verteidigung untypischen offenen Stellungen um die Initiative und Königsangriff kämpfen. Demzufolge ergibt sich eine primäre Zweiteilung des Hauptinhaltes: 100 Seiten für das angenommene Gambit, 66 Seiten für das abgelehnte Gambit. Auf 40 Seiten kommt die Umstellung in Sizilianische Gefilde (1. e4 e6 2. b3 c5) zum Zuge, bei welchen der Autor das Fianchetto nach b2 mit Zurückhalten von d4 bevorzugt. Wer es nun genauer wissen will, dem kann ich die Homepage des Autors ans Herz legen, wo in sechs (!) Videolektionen die Hauptideen (in englischer Sprache) vorgestellt werden.
Insgesamt bietet sich hier eine Fülle an aufbereitetem Material, mit dessen Hilfe grundsätzlichen Fragen der Figurenaufstellungen beantwortet werden (so. z.B. 119-120). Für die ungewöhnlichen Stellungsbilder hätte ich mir noch ein zusammenfassendes Kapitel "Hauptideen und -pläne" gewünscht, wie es z.B. Kindermann in seinem Leningrad-Buch oder Pinski im Benkö-Gambit vormachen. Wer derartiges spielt/spielen kann? Im Prinzip dürfte es in jedem Spiellevel anwendbar sein, eine Überraschungswaffe ist es aber allemal. Ach ja, die ganz Großen mischen auch schon mal mit: Aronian - van Wely (Seite 165). Wenig erfreut war ich bei der mir vorliegenden Paperback-Variante an der Bindung. Das Buch lässt sich nicht ohne Schaden zu nehmen aufgeklappt neben sich liegen, sodass man geöffnete Seiten mit anderen Büchern beschweren muss. Der für diese Kategorie von Buch obligatorische Eröffnungsindex ist vorhanden, ebenso wie ein Literaturverzeichnis.
Verdirbt sich Weiß mit 2. b3 etwas? Wohl kaum, die Theorie ist im Gegensatz zu den Hauptvarianten bedeutend weniger entwickelt und eventuell gelingt es Weiß den Schwarzspieler frühzeitig in unbekanntes Terrain zu locken. Schaut man sich obige Reti-Partie und die Ausarbeitungen in diesem Buch an, so findet man in der Interpretationsmöglichkeit des Zuges 2. b3 viele neue Ideen und Dynamik: Johansson's "fun Anti-French" ist einen Blick oder mehr wert ... was wird Thomas und uns als nächstes "fascinate"? Die Hardcover-Variante des Buches gibt es hier und im Paperback hier. Mittlerweile wird das Buch auch bei Amazon gelistet.
In jeder Bücherkiste findet sich etwas 'Artfremdes', wie z.B. Datenträger oder dergleichen, so auch in der unserer von diesem Monat:
 | | Autor: Gisbert Jacoby
Titel: Gewinnen in der Eröffnung Teil 2: Eröffnungsstrategie 1ISBN-13: 978-3-86681-018-1 ISBN-10: 3-86681-018-0 ChessBase, DVD deutsch |
 Gisbert Jacoby hat eine Vielzahl von Kindern und Jugendlichen in Hamburg ausgebildet und so u.a. die GM Matthias Wahls und Karsten Müller geformt. Auch Robert Hübner wußte seine Fähigkeiten zu schätzen und nahm Jacoby als Sekundant zu seinen Kandidatenmatches gegen Kortschnoi und Smyslow mit. Jetzt bringt der Erfolgscoach seine Erkenntnisse zumindest deutschlandweit auf den Bildschirm und er tut gut daran. Thema dieser DVD ist die Eröffnungsstrategie, die gegen das Auswendigpauken von Varianten gerichtet ist. Hierbei greift Jacoby nicht auf schablonenhafte Weisheiten zurück, sondern wendet sich an den Jünger, der die elementaren Grundsätze der Eröffnungsbehandlung bereits kennt und versucht detailliertes - der Stellung angepassteres Wissen - zu erläutern. Ausgehend von den klassischen offenen Systemen und einem sehr umfangreichen Komplex zu Italienisch (alleine 10 Videos zu dieser Thematik) werden auch andere Systeme gestreift: Philidor, Königsgambit und Schottisch. Ganz nebenbei werden die Altmeister des 18./19. Jahrhunderts vorgestellt. Bauernstrukturen und die damit verbundenen Auswirkungen auf das Zentrum, sowie deren Bedeutung für das Mittelspiel werden zwischen den Videos als separate Lektion gestreut. Die verbleibenden Partien verlaufen sich von Französisch bis Damengambit querbeet durch die Eröffnungstheorie, werden aber durch die zuvor besprochenen strategischen Motive gekennzeichnet und behandelt. Die Auswahl der Beispiele ist in den meisten Fällen didaktisch sehr gelungen, da die erläuternden Motive deutlich hervortreten, was m.E. für eine Zielgruppe bis DWZ 1800 Gewinn bringen kann. Das Material auf der DVD eignet sich teilweise hervorragend für das Nachwuchstraining und weist mit über 7 Stunden Videomaterial genug Potential auf.
(C) 2007, Frank Große redaktion@schachlinks.com
| | | | Autor: Frank Große |
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