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Mediensplitter September 2007
 
    Es ist wieder Zeit für einen Überblick über neuere und nennenswerte Erscheinungen im Medienwald ...



    Autor: Diverse
    Titel: ChessBase Magazin 118

    ChessBase, DVD
    deutsch + englisch

    Das digitale ChessBase Magazin erscheint sechs Mal im Jahr und liefert Partien der soeben erst zu Ende gegangenen Turniere, Analysen, Trainingsaufgaben und Eröffnungsbetrachtungen. So auch Ausgabe 118 (Juni 2007), die sich die im April in Dresden stattgefundene Europameisterschaft u.a. zum Hauptthema gestellt hat. Eva Moser aus Österreich (video)-kommentiert hier ihren Sieg gegen Elina Danielian (10. Runde). Der Holländer Sergei Tiviakov zieht dem nach und bringt seinen Sieg gegen Vlastimil Babula, der ihm die Qualifikation für den WM-Zyklus sicherte. Insgesamt 70 kommentierte Partien von der EM sind auf der DVD zu finden! Noch eine weitere Partie hat Tiviakov (video)-kommentiert: die letzte Runde der Russischen Team-Meisterschaft. Er traf auf den Ukrainer Andrei Volokitin, der bei der Euro 2007 lange aus der Pole Position agierte, und zeigt als ausgewiesener Kenner eine Drachen-Partie im Maroczy-System. Des weiteren wurde das Finale der Bundesliga unter die Lupe genommen. Hierzu gibt es ein Video von Alexei Shirov (ELO-Performance von knapp 3000 in der Bundesliga!): er kommentiert seinen Spanisch-Sieg mit Weiß gegen Evgeny Postnyaus dem Kampf in der 9. Runde gegen Tegernsee. Eine weitere Analyse von Fabian Döttling kann hier nachgelesen und mit der von Shirov verglichen werden. Sofia (diesmal mit Kategorie 19 das höchste Turnier dieser Auflage), das erneut von Topalow trotz des schlechten Starts gewonnen werden konnte, ist ein weiterer Bestandteil. Hier hat sich Ex-Europameister Nisipeanu (Rumänien) die Mühe gemacht und seinen Skandinavisch-Schwarz-Auftaktsieg gegen Topalow kommentiert. Ebenso Sasikiran aus Indien, der zwei Schwarzsiege (gegen Kamsky und Mamedyarov) erläutert.

    Was wird hinsichtlich der Eröffnungen geboten? Einiges! Hannes Langrock stellt einen sizilianischen Aufbau gegen den Königsindischen Angriff vor, der Grieche Grivas präsentiert Anti-Königsindisch (1. d4 Sf6 2. Sf3 g6 3. g3 Lg7 4. Lg2 0-0 5. 0-0 d6 6. a4). Auf einen nicht erwarteten Randbauernzug hat sich auch Emanuel Berg konzentriert, der nach 1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 h6 die bereits in "Schach ohne Scheuklappen, Band 2" begonnene Diskussion fortsetzt. Aber auch sonst bewegt sich das Magazin in den weiteren Eröffnungsartikeln zumeist in frühen Stadien der Partie, wobei insgesamt 15 Eröffnungen behandelt werden. Rainer Knaak hat die EM nach Eröffnungsfallen abgesucht und bietet diesmal derer gleich 8 Stück an. Des weiteren sind auf der DVD noch folgende Themen enthalten: Move by Move (Daniel King), Taktik (Oliver Reeh), Strategie (Peter Wells), Endspiele (Karsten Müller), knapp 3000 Partien von der ICCF (Fernschach). Das ChessBase Magazin bietet - wie immer - eine große Fülle an Material, mehr als man in 2 Monaten durcharbeiten kann ...



    Autor: Reinhold Ripperger
    Titel: Das Zweispringerspiel

    Verlag Chesscoach
    CD, deutsch

    Zweispringerspiel - das klingt nach 'Schach-Romantik' ;) Schließlich wußte bereits Kallai zu äußern: "Das Zweispringerspiel ist keine Eröffnung für Furchtsame"! Und ähnlich sieht es auch Reinhold Ripperger, der sich für diese CD verantwortlich fühlt: "Mit der vorliegenden Arbeit über Theorie und Praxis des Zweispringerspiels wende ich mich an alle Schachenthusiasten, die auf der Suche nach einer dynamischen Eröffnung sind oder ihre Kenntnisse in dieser Eröffnung vertiefen wollen." Nach den Zügen 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lc4 Sf6 ist die auf diesem Datenträger untersuchte Eröffnung entstanden. Doch die Theorie reicht weit in die Vergangenheit zurück: so analysierte bereits Guilio Cesare Polerio aus Italien im Jahre 1560 dieses System und gab 4. Sg5 als Empfehlung ab. Seit dem wurde es u. a. durch Ponziani, Bilguer, Lange, Steinitz, Zukertort, Tschigorin oder Traxler weiter erforscht und entwickelt. Die daraus resultierenden taktischen Verwicklungen kombiniert mit den strategischen Plänen wurden im vergangenen Jahrhundert durch Fine, Bogoljubow, Estrin, Euwe oder Fischer verfeinert.


    Grundstellung des Zweispringerspiels

    Drei Hauptsysteme - ausgehend von der Diagrammstellung - kennzeichnen die CD:

    A)4. Sc3, 4. d3 und andere Fortsetzungen(90 kommentierte Partien)
    B)4. d4(65 kommentierte Partien)
    C)4. Sg5(204 kommentierte Partien)

    Letztere Variante dient als Herzstück der Publikation, schließlich wird selbige schon seit über 400 Jahren 'diskutiert'. Aber zuerst zu den anderen Fortsetzungen, die nicht stiefmütterlich behandelt wurden. 4. d3 rät der Autor dem positionellen Spieler, da Weiß hier einen flexiblen Aufbau ohne direkt forcierte Zugfolgen anstreben kann. Kniffliger geht es in den mit 4. d4 beginnenden Abspielen zu, die in weit analysierte Varianten münden können, da nach 4... exd4 drei Hauptsysteme entstehen können: 5. Sg5, 5. e5 und 5. 0-0. Für letzteren Zug wird der Max-Lange-Angriff (5... Lc5), der auch in Kaissiber Ausgabe 22 ausführliche Be(tr)achtung fand, sowie 5... Sxe4, was in Kaissiber 28 durch GM Lew Gutman untersucht wurde, analysiert. Mit dem von Tarrasch als "Stümperzeit" betitulierten Zug 4. Sg5 beginnt der Hauptteil der kommentierten Partien. Dass sich die damaligen Spitzenspieler über die Bedeutung dieses Zuges stritten beweist, dass Steinitz diesen Zug gar als Widerlegung des kompletten Zweispringerspiels angesehen hat ... Auch hier gibt es drei untersuchte Fortsetzungen, die rasch in einem Variantenknäuel enden: 4... Sxe4, 4... Lc5 (Traxler-Gegenangriff) und 4... d5. Apropo Kaissiber, der Redakteur Stefan Bücker hat in seiner Kolumne "Over the Horizons" auf ChessCafé sieben Wege, die den Traxler widerlegen sollen beschrieben, was hier nachzulesen ist. Wie im Vorwort angekündigt, scheut Ripperger sich nicht, auch mal renommierten älteren Veröffentlichungen zu widersprechen, da er eben zu anderen Einschätzungen gelangt. Wer am Ende den längeren Atem hat, wird wohl die Zeit zeigen. Theorie? Was bereits Max Euwe in seinen beliebten Bänden "Theorie der Schacheröffnungen" auf nur 24 Seiten zusammenzufassen wußte, ist heute komplexes Variantenwerk, dass mehr als nur einen Blick lohnt. Hier noch eine Beispielpartie von der CD:

    Kulev,Asen - Klimov [C57]
    corr, 1989 [Kommentare: Ripperger]

    1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Sf6 4.Sg5 Lc5 5.Sxf7 Lxf2+ 6.Kf1 De7 7.Sxh8 d5 8.exd5 Sd4 9.d6 Dxd6 10.Sf7 Dc5 Die Dame muß e5 decken. 11.d3!?


    Stellung nach 11. d3!?

    Schwächer ist 11.b3?! e4 12.Sc3 Df5!; Nach 11.Sxe5?! Dxe5 12.c3 Lg4 (12...Sc6? 13.d4+-) 13.cxd4 Df5 14.Le2 Lh4+ hat Schwarz Kompensation für die Figur.)11...Lg4 12.b4 [12.Dd2 Lh4 13.Sc3]12...De7 13.Dd2 Le2+ 14.Kxf2 Sg4+ 15.Kg1?? Aus der Traum! 15.Ke1 ist notwendig. 15...Df6 (15...Dh4+? 16.g3 Dh3 17.Ld5+-) 16.Dxe2 Sxe2 17.Tf1=] 15...Dh4 16.g3 Dh3 0-1

    Partie downladen

    Die vorliegende CD enthält 2 Datenbanken jeweils im ChessBase, wie auch im PGN-Format: über 350 kommentierte Partien + erläuternde Texte, sowie über 40.000 unkommentierte Partien. Aber auch das Browsen mit dem Explorer lohnt sich, denn der Ordner "PDF-Deutsch" beinhaltet PDF-Dokumente, die ohne Schachprogramm gelesen werden können. Die Ausführungen gibt es auch in der englischen Sprache. Analog dem Königsgambit entwickelt sich die Theorie dieser Eröffnung in den heutigen Tagen langsamer, sodass das Quellstudium überschaubarer bleibt, da die verwendeten Quellen in das Jahr 2005 zurückreichen (die CD ist ja auch schon länger auf dem Markt verfügbar). Da das Zweispringerspiel - wenngleich derzeit vielleicht nicht so häufig auf den Brettern anzutreffen - eine lange, verwickelte Tradition aufweisen kann, lohnt sich das Studium nicht nur aus Gründen einer Eröffnungsüberraschung.



    Autor: John Watson
    Titel: Mastering the Chess Openings, Volume 2

    ISBN-13: 978-1-904600-69-5
    ISBN-10: 1-904600-69-7
    Gambit Publications, 2007, 318 Seiten
    englisch

    Der erste Teil des vom Amerikaner John Watson herausgegebenen Buches liegt mir nicht vor, behandelte aber die Offenen und Halboffenen Spiele. Watson, der sich seine Anerkennung als Schachschriftsteller längst verdient hat, widmet in diesem Band (320 Seiten) das Augenmerk auf die Geschlossenen Spiele. Natürlich kann bei der Abhandlung eines derart umfangreichen Komplexes keine (scheinbar) unendliche Variantentiefe entstehen, aber dafür hat der Autor ja selektiert. Was ist nach der Selektion noch übrig geblieben? Sofort auffällig ist ein sehr umfangreiches Kapitel zum abgelehnten Damengambit. In der Einleitung dazu wird ganz kurz auf die alternativen Ablehnungen im zweiten Zug eingegangen, die da wären Marshall Defence (1. d4 d5 2. c4 Sf6), Baltic Defence (1. d4 d5 2. c4 Lf5), Albin Counter-Gambit (1. d4 d5 2. c4 e5) und Chigorin Defence (1. d4 d5 2. c4 Sc6). Von den d4-d5-Systemen findet sich noch 30-seitiges Kapitel zur Slawischen und Halbslawischen Verteidigung. Wer zwischen den Anmerkungen aufmerksam ist, findet auch den oder anderen Bezug zu anderen Systemen, wie z.B. Colle (Seite 101). Mit knapp 200 Seiten machen aber die indischen Systeme den Großteil des Buches aus! Nimzowitsch-Indisch (48 Seiten), Damenindisch (19 Seiten), Königsindisch (65 Seiten), Grünfeldindisch (42 Seiten) und Modernes Benoni (25 Seiten) werden behandelt. Das letzte Kapitel kann dabei als kleines Update zu vom gleichen Autor erschienenen "Guide to the Modern Benoni" aus dem Jahre 2001 interpretiert werden.

    Wie im Vorwort angekündigt, erhebt der Autor nicht den Anspruch alle Antworten auf d4 zu untersuchen, sodass zum Beispiel Holländisch oder Katalanisch komplett fehlen. Mir kommt es aber dennoch vor, als ob auf den Seiten mehr gedruckter Inhalt ist, als bei anderen Büchern, was einerseits am gediegenen Layout, andererseits aber auch an dem zu verarbeitenden Material liegt. Während zum Beispiel Sam Collins in "Schacheröffnungen richtig verstehen" einen Grobüberblick über die Theorie gibt, versucht Watson die von ihm ausgewählten Systeme gründlich zu untersuchen - keine "Durchblätter-Kost"! Das Buch ist für den Jahresanfang 2008 in deutscher Sprache angekündigt. Leseprobe der englischen Ausgabe gibt es hier.



    Autor: Reinaldo Vera
    Titel: The Meran Semi-Slav

    ISBN-13: 978-1-904600-81-7
    ISBN-10: 1-904600-81-6
    Gambit Publications, 2007, 111 Seiten
    englisch


    In der Reihe "Chess Explained" versucht der Gambit Verlag Eröffnungstheorie "not in the traditional sense" zu vermitteln, wie auf der Homepage zu lesen ist. Ziel ist es, spezielle Eröffnungssysteme, von einem Experten vom Verständnis der individuellen Grundlagen zu den Mittelspielstrukturen zu führen. Dabei wird nicht der Wert auf monographischen Umfang, sondern die Sicht auf die Erläuterungen des Experten gelenkt. Ganz so "revolutionär", wie vom Verlag angekündigt ist die Idee dann zwar nicht, aber auch kein Schritt in die falsche Richtung. So erschienen bereits einige Betrachtungen zu Eröffnungssystemen, so auch "The c3 Sicilian" von Sam Collins, dass wir bereits einer näheren Betrachtung unterzogen haben. Reinaldo Vera ist kubanischer Großmeister seit 1988. Er war vielfach Mitglied der kubanischen Nationalmannschaft, die er jetzt trainiert und konnte die kubanische Meisterschaft zweimal gewinnen.


    Stellung nach 1. d4 d5 2. c4 c6 3. Sf3 Sf6 4. Sc3 e6 5.e3

    In dem vorliegenden Werk, möchte Vera die Strukturen des Meraner Halbslawen (siehe obenstehendes Diagramm) untersuchen, die von vielen Weltmeistern gespielt wurde, so z.B. Steinitz, Kasparow, Topalow oder Kramnik. Die beiden Letzteren wenden das System mit beiden Farben an, was in dem eröffnungstheoretischen Duell um die Weltmeisterschaft 2006 in Elista präsentiert wurde. Demzufolge ist von beiden auch je eine Partie mit vertauschten Seiten in dem Buch zu finden. Das Buch lässt sich in drei strategische Hauptthemen eingrenzen, die sich wie folgt darstellen:

    - Weiß verhindert nicht die schwarze Hauptidee: 6. Ld3 dxc4 7. Lxc4 b5;
    - Weiß verzögert die Entwicklung des weißfeldrigen Läufers und spielt 6. Dc2;
    - Die moderne schwarze Fortsetzung: 5... a6

    25 ausführlich kommentierte und beschriebene Partien, sowie eine Bemerkung zur Zugreihenfolge sollen dem Leser den Pfad weisen. Dabei kann Vera auf langjährige eigene 'Routenkenntnis' mit der Entwicklung dieses Eröffnungssystems verweisen, wie er im Vorwort bemerkt und steuert zwei eigene Partien bei. Unkommentiert möchte ich sein Schwarz-Remis gegen Michail Marin aus dem Jahre 2002 hier veröffentlichen:


    Marin,Mihail - Vera,Reinaldo
    [D45], 2002

    1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 c6 4.e3 Sf6 5.Sf3 Sbd7 6.Dc2 Ld6
    7.b3 0-0 8.Le2 a6 9.Lb2 e5 10.cxd5 cxd5 11.dxe5 Sxe5
    12.0-0
    12... Le6 13.Tfc1 Tc8 14.Dd1 De7 15.Sa4 Sxf3+
    16.Lxf3 La3 17.Txc8 Txc8 18.Tc1 Txc1 19.Dxc1 Lxb2
    20.Dxb2 b5 21.Sc3


    ½-½

    Partie als PGN downloaden

    Inhaltsverzeichnis und 3-seitige Leseprobe gibt es hier.

    (C) 2007, Frank Große
    redaktion@schachlinks.com

 
Autor: Frank Große
 
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