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Alexander Bangiev - Felderstrategie Denkmethode
 
    Die in dem vergangenem Jahr am meisten in Diskussionen geratenen Bücher waren jene von IM Alexander Bangiev, die die von ihm entwickelte "Bangiev-Methode" - auch bekannt als "Felderstrategie" - näher bringen sollen. Auch ich hatte bereits im vergangenen Jahr eines der Bücher in der Hand und konnte in der Publikation für das Morra-Gambit keinen Zugang zur von ihm vorgeschlagenen Denkweise erlangen. Insbesondere die fehlende Erläuterung bezüglich dieser Methodik habe ich kritisiert, woraufhin der Autor Kontakt zu mir aufgenommen hat und mir das vorliegende Buch, dass mir den Zugang vermitteln soll, zusendete. Frei nach dem Motto: "Was nicht gekonnt wird, muß geübt werden" habe ich versucht über dem vorliegenden Buch "Die Felderstrategie" für mich zu erfassen ...



    Autor: Alexander Bangiev
    Titel: Felderstrategie Denkmethode

    ISBN: 3-939345-06-7
    ISBN: 978-3-3939345-06-0
    Silbersaiten Verlag, 282 Seiten

    deutsch, kartoniert und gebunden


    Gewöhnlicherweise arbeite ich mich in meinen Kritiken von der Einleitung über den Inhalt zum Fazit voran. Hier möchte ich ausgehend von den artikeleinführenden Sätzen das wichtigste Statement vorweg nehmen: Mir ist es nicht gelungen den Zugang mit Verständnisgewinn (auf das Schach bezogen) zu erhalten. Wenn man den Spielstärkeunterschied vom Profi zu meiner Person sieht, könnte man annehmen, dass das zu erwarten war. Ich sehe das aber anders, da es für mich genau darum dreht, den Amateuren den Zugang zur Denkweise der Profis er möglichen. Bangiev schreibt: "Die Felderstrategie ermöglicht die Einschätzung der Stellung bis zum einzelnen Feld. Durch die Einschätzung der Stellung werden die relevanten Felder festgestellt und die diese Felder verteidigenden Steine, die so genannten Zielsteine entdeckt und genannt. Dadurch wird die nötige Informationsbasis geschafft, die es dem Spieler ermöglicht, seine Planung darzustellen. Es ist aber so, dass nicht jeder Spieler, sondern nur die Spitzenspieler dazu fähig sind, die Sprache der Stellung zu verstehen." Klingt fast wie nach einem Rezept in einem Kochbuch, oder?! Da stellt sich mir ad hoc die Frage, warum sich noch kein Computerprogramm Bangievs Methode angenommen hat?! Da der Algorithmus klar strukturierbar ist, sollte eine digitale Umsetzung kein ernsthaftes Problem im digitalen Zeitalter darstellen. Ich bin aber davon überzeugt, dass Schach als sehr komplexe Formel verstanden nicht mittels Kochbuch gelöst werden kann ...

    Nachdem ich mir mühselig und zeitaufwendig den Grundstein des Verständnisses der Strategie erarbeitet habe, probierte ich die Anwendung an Kombinationen aus der Großmeisterpraxis, die meinen bisherigen Horizont überstiegen haben. Leider ohne Erfolg! Bei Aufgaben, die ich aufgrund der mir bekannten Motive mehr oder weniger zügig lösen konnte, griff die Methode nicht, da ich bereits über die entsprechenden "Pattern Muster" verfüge und unbewußt auf selbige Zugriffe. Das war für mich auch eine wichtige Erkenntnis, dass ich aufgrund der vorhandenen Stereotypen an Motiven bedeutend schneller Zugang zum Lösungszug finden konnte, als über umständlichere Begriffsdefinitionen. Natürlich ist die Felderstrategie kein Methode, die sich ausschließlich dem taktischen Bereich widmet! Nach obiger Aussage von Bangiev fehlt es "nur" an dem Spitzenspieler, der mal den Blick "in die Karten" ermöglicht und verrät, wie man spielen muß. Bangiev ist dies für mein Verständnis leider nicht gelungen, weswegen ich auf ein von der Grundidee analoges Buch hinweisen möchte, dass mir als Abendlektüre sofortigen Zugang zu den dort angesprochenen Themen vermittelte: Jeremy Silman "Schach aber richtig! - Die Überwindung des amateurhaften Denkens".

    Danach stellte sich mir die Frage, wie man die Terminologie der Felderstrategie (im Buch immerhin 13 Seiten!) an die zahlenmässig meisten Anfänger im Schach, sprich die Kinder, bringen kann. Mir ist keine kindgerechte Vereinfachung eingefallen, sodass ich von einem Experiment im Nachwuchstraining abgesehen habe. Ob ein sehr langwieriges und intensives Befassen mit der Methode Erfolg verspricht kann ich nicht beurteilen, doch alle anderen bekannten Trainingswege (Nachspielen von Partien, Analysieren mit stärkeren Spielern, Lösen von Aufgaben, Lernen von Endspielen usw. usf.) erfordern Zeit und Kraft, sodass ich keinen konkreten Vorteil in der Auseinandersetzung mit der Felderstrategie sehen kann. Allerdings habe ich auch gelernt daß es sich eigentlich immer lohnt überall ein wenig reinzuschnuppern. Jeder Coach hat in irgendeiner Art und Weise etwas neues zu sagen und lernen wird man dabei immer. Entscheidend ist in letzter Konsequenz aber der Spieler: Jeder hat irgendwie seinen eigenen Weg wie er die besseren Züge in einer Partie findet (Erinnerung an Partien, Intuition, auswendig gelerntes anwenden, etc.). Herr IM Bangiev hat für sich diese Methode gefunden und preist sie jetzt an - das ist prinzipiell in Ordnung. Strategie-, Richtungs- und Farbfrage ist für mich zu abstrakt. Ich ziehe den Unterhaltungsfaktor, das Ausleben meiner Kreativität und „Freuen“ und „Enttäuscht sein“ beim Schach vor.
    Quelle: bbspot.com

    Noch ein Wort zu den Kritiken beziehungsweise Diskussionen: In teilweise ausufernden offenen Briefen reagiert Alexander Bangiev und versucht selbige zurückzuweisen, wie z.B. gegenüber der Kritik in Computer, Schach & Spiele oder KARL. In den Foren kocht das Wasser schon mal ganz schön heiß, wie z.B. hier und hier nachgelesen werden kann. Die Leseprobe gibt es hier.

    FAZIT

    Schach, so denke ich, kann man nicht in Allgemeinheiten erfassen. Der nutzbringende Zugang zur Felderstrategie blieb mir verwehrt. Dennoch möchte ich mich von den teilweise reißerischen Kritiken distanzieren! Eine (Denk)Methode, die für den einen Spieler nicht funktioniert, muß nicht zwangsläufig auch bei einem anderen Spieler versagen!

    Wenn man alle Lehr- und Wissensmethoden zusammen fasst, stellt man eventuell fast, dass vielleicht von allem ein wenig Wahres dabei ist und gut gerührt der richtige Mix entsteht (also doch ein Kochbuch?! ;)).

    "Wir fordern auch die Buchstaben zurück ins Alphabet, damit Unsereins im Babylon-Gestammel sich versteht" (Einstürzende Neubauten)

    (C) 2007, Frank Große
    redaktion@schachlinks.com

 
Autor: Frank Große
 
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