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Rezensionen
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| Mediensplitter Oktober 2007 |
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Das Jahresende rückt näher, deshalb im kürzeren Schnelldurchlauf der Blick auf einige Neuerscheinungen im Schachmedienwald ... John Watson's "Geheimnisse moderner Schacheröffnungen" nun auch in deutscher Sprache. Mit dem "Bauernsturm" von Daniel King dürfte so mancher König gestürzt werden und stellt eine Möglichkeit dar, "Perfect Your Chess" (Volokitin, Grabinsky) voranzutreiben. Sind dazu "Eröffnungsfallen nach 1. e4" notwendig - Rainer Knaak und Karsten Müller wissen darüber Bescheid. |
Autor: John WatsonTitel: Geheimnisse moderner Schacheröffnungen, Band 1ISBN-13: 978-1-904600-74-9 ISBN-10: 1-904600-74-3 Gambit Publications 2007, 366 Seiten deutsch | |  |
Habe ich erst kürzlich einen Blick auf den englischsprachigen zweiten Band geworfen und diesen als durchweg positiv bewerten können, so liegt mittlerweile die deutsche Übersetzung des ersten Teiles vor. Der englische Gambit-Verlag füttert den deutschen Markt mit Büchern in deutscher Sprache - Deutschland zumindest streckenweise doch ein Schachland?! Das es sich bei der vorliegenden Publikation nicht um billig hingekritzelte Ware handelt erfreut umso mehr, da der durchweg positive Eindruck des zweiten Bandes bestätigt werden kann. Besonders hervorheben möchte ich den ersten Teil des Buches (97 Seiten), bei dem sich John Watson intensiv mit der Eröffnungsbehandlung i. A. auseinandersetzt und dabei die wichtigen Faktoren für den Umgang während der Eröffnungsphase ausführlich erläutert. Darunter versteht er das Zusammenspiel zwischen Eröffnungsideen und positionellen Merkmalen, sowie die Wertigkeit der Struktur. Er versucht damit die Lücke der nicht so leicht zu erhaltenden Klassiker Reuben Fine "The Ideas Behind The Chess Openings" und Richard Réti "Die Meister des Schachbretts" zu schließen, was ihm aus meiner Sicht in großen Teilen gelingt. Neben den allgemeinen Grundsätzen befasst er sich mit Ideen in Zusammenhang mit positionellen Merkmalen, wo mir der Abschnitt über isolierte Bauern am besten gefallen hat. Bewußt wird im Hauptteil, der die offenen und halboffenen Eröffnungen beinhaltet nicht die Vollständigkeit der vorgestellten Systeme angestrebt, was wie bekannt ist, auch gar nicht möglich wäre. Klarer Schreibstil, ein Eröffnungsbuch, dass nicht im Regal Staub ansetzen wird. Inhaltsverzeichnis mit der Auflistung der besprochenen Eröffnungen, sowie eine Leseprobe bitte diesem Link entnehmen.
 | | Autor: Daniel KingTitel: Power Play 3: Bauernsturm/Pawn StormISBN: 4-027975-004716 ChessBaseDVD, deutsch, englisch |
Aus der Reihe " Power Play", in der GM Daniel King Taktik aus Primärmotiv verarbeitet, habe ich den dritten Teil " Bauernsturm" ausgewählt. Nach den ersten beiden Teilen " Mattmuster" und " Königsangriff" werden in dem vorliegenden Teil die Bauernformationen und Angriffe auf den König untersucht. Daniel King ist als Profi-Spieler, sowie auch als Trainer und Kommentator tätig, wobei er sich in letzter Zeit sehr viel um das Training und Trainingsmaterialien bemüht hat. King empfiehlt die Analyse auf dem Schachbrett und nicht am Bildschirm durchzuführen. 9 Videos, die sich mit der Öffnung der f-Linie und 8 Videos, die sich mit dem Angriff mit dem h-Bauern befassen, wurden erklärend in Videoform "verpackt" ( Im zweiten Teil der PowerPlay-Serie ist der g-Bauer bereits behandelt.). Dabei geht King zumeist von der Grundstellung aus und spielt die komplette Partie erläuternd nach. In den Beispielen mit dem f-Bauern werden primär diverse Sizilianische Partien vorgeführt und auf dem Grand Prix-Angriff eine spezielle Einheit verwendet. Er scheut sich aber auch nicht die Nachteile des vorpreschenden f-Bauern zu erläutern. Bei den Angriffen mit dem h-Bauer ist es keineswegs so, dass Weiß auf die eigene Rochade verzichtet und mit dem h-Bauern aus der Eröffnung heraus vorprescht. Auch hier sind sizilianische Stellungsbilder am häufigsten vertreten und King verschweigt die möglichen positionellen Nachteile des Vorrückens nicht. In den 17 Testvideos soll der aktive 'Zuschauer' einerseits selbstständig die Lösung finden (Pause-Taste verwenden), wird aber andererseits mit Daniel King zur Lösung geführt. Ganz wichtig: Partienotationsfenster schließen, sonst dürfte kein Trainingseffekt entstehen! Interessant ist, dass Daniel King die Lektionen (ja, auch die Videos) sowohl in deutscher, wie auch in englischer Sprache abhält und damit die Aufnahme des Inhalts der DVD nicht an möglichen Sprachbarrieren scheitern dürfte. Die DVD besteht aus 43 kommentierten Partien (10 Partien von Daniel King), sowie 36 Videos. Die DVD kann allen Spielern, die ihren Angriffsstil und hier insbesondere der Umgang mit den "stürmischen Bauern" verbessern wollen, empfohlen werden. King betrachtet die Partien ausgehend von der Eröffnung und legt Wert darauf, dass der Angreifende zuerst das Zentrum beherrschen soll. Mittlerweile sind in der "Power Play"-Reihe 5 Lektionen erschienen. |  |
Autor: Andrei Volokitin, Vladimir GrabinskyTitel: Perfect Your ChessISBN-13: 978-1-904600-82-4 ISBN-10: 1-904600-82-4 Gambit Publications2007, 159 Seiten, englisch | |  |
Fast wäre dem Gambit-Verlag ein großer (zufälliger) Wurf gelungen, denn kurz vor dem Erscheinen des vorgestellten Buches war Andrei Volokitin (Ukraine) dicht vor einem großen Erfolg bei der Einzel-Europameisterschaft in Dresden. Ob das Buch das Zeug zu ähnlichen Höhenflügen hat soll die folgende Betrachtung feststellen. Liest man die Anmerkungen zu den Autoren auf der Rückseite, erfährt man folgendes (freie Übersetzung): "Andrei Volokitin gehört zu einer seltenen Sorte von Spielern: er erlangte einen Platz in der Top 20 der Welt noch als Teenager und spielt ein brilliantes, dynamisches Schach ... wurde 1986 in Lvov geboren. In 2004, gewann er die Ukrainischen Meisterschaften und war Mitglied des Teams, dass die Schacholympiade in Calvia gewonnen hat ... er gewann viele Preise in Juniorenmeisterschaften und größere internationale Veranstaltungen. IM Vladimir Grabinsky ist der Trainer des ukrainischen Jugend-Team. Ergänzend zu Volokitin weisen verschiedene seiner Schüler das Erreichen eines Titels als Internationaler Meister oder Großmeister in jungen Jahren auf." Aber hier kann zumindest was Volokitin betrifft noch ein Punkt draufgelegt werden, denn Volokitin führte bei der diesjährigen EM in Dresden lange das große Feld an und überzeugte auch in seiner Spielweise, bevor er in der letzten Runde verlor und damit etwas unglücklich aus den finalen Tiebreaks ausschied. Seine derzeitige ELO beträgt 2678. Eine Beispielpartie von der EM gibt es hier:
Naumann - Volokitin, Einzel-EM Dresden 2007
Dass die Computer bewiesen haben, dass die taktische Komponente im Schach einen größeren Teil einnimmt, als man zuvor angenommen hatte ist längst bekannt. Demzufolge ist das intensive Befassen mit taktischen Stellungsbildern das A & O der Weiterentwicklung. Aus diesem Grund bietet wohl auch "Perfect Your Chess" mit 369 Positionen sehr anspruchsvolles Trainingsmaterial, dass im Buch in 3 Abschnitte untergliedert ist:
| - Make a Move (Positionen, bei denen der beste Zug gefunden werden muß) | | - Find the Win (Finden von forcierten Varianten, die - wie sollte es anders sein - zum Gewinn führen) | | - Answer a Question (Finden einer Antwort zu einem konkreten Problem) |
 |  | | Andrei Volokitin | Vladimir Grabinsky | | Quelle: Frank Jarchov | Quelle: echiquiergrandsud.blog.20minutes.fr |
Natürlich haben die vorgestellten Positionen nicht nur rein taktische Natur. Im dritten Abschnitt tauchen zum Beispiel auch Endspielstellungen auf. Das intensive Auseinandersetzen mit den kniffligen Stellungen schult das Auge und fördert Verständnis. Eine Kostprobe? Bitte:
Position 99
(aus dem Abschnitt "Make a Move")

20. ... Lxa3 Can it really be? It seems that the bishop on e7 is there to keep an eye on the queen on h4, not to grab an insignificant pawn on the other side of the board. But in reality, the queen is out of play, whilst with the bishop gone from e7, White does not even have the childish trick Lxh7+. Meanwhile, he loses all his queenside pawns, and the black pawn on a7 is ready to advance. 21. 0-0 (21. Txa3 Dxb2 22. Txa7 Db1+ 23. Kf2 Dxh1 -+)
21. ... Lxb2 22. Tad1 (22. Ta4 b5! 23. Tb4 Lc3 24. Tb3 b4 -+) 22. ... Txd1 23. Txd1 a5 24. Lc1 Ld4+ 25. Kh1 Sxe4 26. Dxe4 26. fxe4 b5 -+)26. ... Dxe4 27. fxe4 b5 28. g3 e5 29. Ld2 b4 30. Le1 Tc8 0-1
Die Auswahl der Aufgaben hat mir sehr gut gefallen, da selbige aus der Spitzenpraxis gewählt worden und demzufolge sehr anspruchsvoll sind. Hinzu kommt, dass hier keine 'ollen Kamellen' neu gedruckt wurden, sondern aktuelles, zumeist (in Aufgabenbüchern) eher unbekannteres Material (erfreulicherweise auch viele Beispiele aus Volokitins Praxis) verwendet wurde. Intuition und Vorstellungskraft sollen gefördert, Schwächen in der Variantenberechnung abgestellt werden. Für fortgeschrittene Spieler, die bereits die taktischen Grundelemente sicher beherrschen eine imposante Aufgabensammlung und für mich ein Buch, dass mich eine ganze Weile beschäftigen wird. Leseprobe vom Verlag hier.
 | | Autor: Karsten Müller, Rainer KnaakTitel: 222 Eröffnungsfallen nach 1. e4ISBN: 978-3-283-01000-3 Edition OLMS2007, 163 Seiten, deutsch |
Der Ausdruck Falle bezeichnet laut Wikipedia eine Vorrichtung zum Einfangen oder Töten. Ganz so drastisch würde ich die Wortwahl beim von den Großmeistern Karsten Müller und Rainer Knaak präsentierten Buch "222 Eröffungsfallen nach 1. e4" nicht interpretieren, aber eines ist klar: der König gehört gefangen und sei es durch einen Hinterhalt ... "Aus der Eröffnung auf Matt spielen" oder so ähnlich könnte man auch den Tenor des Titels interpretieren. Dabei ist die Idee nicht neu, denn bereits Dr. Emil Gelenczei hat mit seinen "200 neuen Eröffnungsfallen" mehrfache Auflagen erlangt - im Nichtcomputerzeitalter wohl bemerkt. Während Gelenczei noch keine Klassifizierung der Eröffnungssysteme vorgenommen hat, tun Müller und Knaak (der sich auch beim ChessBase Magazin für die Eröffnungsfallen verantwortlich fühlt) wohl daran: die Theorie ist gewaltig gewachsen! Leider verrät ein Blick in die Quellen aber auch, dass hier nicht mit aktuellstem Material gearbeitet wurde, denn die bereits zwei Jahre zurück liegende Megabase 2005 ist das Hauptreferenzwerk. Auf dem zweiten Blick stellt man fest, dass eine Großzahl bekannter Fallen dabei ist. Alter Wein in neuen Fässern? Nicht nur! Die nach e4 enstehenden Spiele, werden nochmal in Offene und Halboffene Spiele und dort in die jeweiligen Subkategorien aufgeteilt, wobei Sizilianisch, Französisch und Spanisch den größten Teil beanspruchen. Daß aber nicht nur die Hauptsysteme Einzug in das Buch soll das nachfolgende Beispiel belegen. Bereits die rührigen Blogger um die Schachblätter wussten der bekannten Falle einen Beitrag zu widmen. Hier nun als Vergleich die Präsentation der Falle aus dem vorliegenden Buch:
Beispielpartie aus 222 Eröffnungsfallen nach 1. e4
 |  | | Karsten Müller | Rainer KnaakQuelle: lasker-gesellschaft.de |
Ist im rasanten Datenbankalter ein derzeitiges Buch noch vonnöten? Jein, denn einerseits wußte bereits Andrew Soltis auf die Frage wieviel Theorie man können muss zu vermelden: "Das absolut mindeste ist: Sie müssen die Fallen kennen, die in Ihren Eröffnungen auftreten!", doch andererseits findet bereits auf Amateurebene eine Spezialisierung der behandelten Eröffnungstheorie statt, sodass dieses Sammelsurium sicherlich seine Ansprechpartner findet, mich aber nicht überzeugt hat. Desweiteren sind die Besitzer großer Datenbanken auch schon Besitzer der vorgestellten, eventuell wissen Sie es nur noch nicht ... Vom Verlag New In Chess gibt es eine Reihe "Tactics in the Opening", die spezieller und tiefgründig untersucht, denn letztenendes werden ja die (taktischen) Fallen hervorgehoben. Für den 30.11.2007 ist ein weiterer Band "222 Eröffnungsfallen nach 1.d4" angekündigt.
(C) 2007, Frank Große redaktion@schachlinks.com
| | | | Autor: Frank Große |
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