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Von den Feldern her denken ...
 


    Voreigenommenheit ist keine gute Voraussetzung für eine weitestmöglich objektive Herangehensweise. Da unser Redakteur Frank Große der Felderstrategie von Alexander Bangiev skeptisch gegenübersteht, hat er Steffen Hoffmann gebeten den Band "Felderstrategie: Taktik" zu beleuchten.



    Autor: Alexander Bangiev
    Titel: Felderstrategie: Taktik

    ISBN: 3-939345-06-0
    Silbersaiten Verlag
    2006, deutsch, kartoniert
    Im Sommer erlebte ich bei einem Open, wie ein Spieler – ein Großmeister – seinen Gegner „ausdrücken“ wollte. Mit nur noch König und Turm spielte er gegen König, Turm und einen Bauern des Gegners, hatte eben jedoch noch 45 Sekunden mehr auf seiner Uhr. Auf Antrag des Spielers mit dem Materialvorteil gab der Schiedsrichter die Partie remis. Alles o.k.? Nein, der Großmeister protestierte heftig und gab vor, seine Stellung auf Gewinn hätte spielen zu können.

    Was hat das mit Alexander Bangievs „Felderstrategie“ zu tun? – Ich bin auf elende Weise stets wohlwollend und verständnisvoll, aber da hörte bei mir das Verständnis und das Wohlwollen auf! Und wenn ich die „Bangiev-Methode“, einmal angenommen, für zweifelhaft hielte, würde dann bei mir am Ende nicht doch das Wohlwollen ihr immer noch viel Gutes abgewinnen? Aber glücklicherweise halte ich die „B-Methode“ nicht für zweifelhaft und komme so um den Gewissenskonflikt herum.

    Um sich auf dem Schachbrett zurechtzufinden, wusste ich schon, muss man sich, seltsam genug, an den verhältnismäßig statischen Elementen der Stellung, den Bauern, orientieren. Bangiev setzt noch tiefer, bei den Feldern an. Ja, wegen der Eigenart der Grundstellung sind die Felder nicht alle gleich, sondern unterschiedlich wertvoll. In der Partiephase, in der die Strategie bestimmt wird, werden die zentralen Felder in der Regel von Bauern besetzt oder kontrolliert. Dahinter sieht Bangiev einen stabilen und funktionsfähigen „Raum“, der wegen der Schlagweise der Bauern immer die Gestalt eines Dreiecks hat. Ein von der weißen Bauernspitze auf d4 (weiter ist der Bauer in der Regel ja nach der Eröffnung nicht vorangekommen) gebildeter Raum hat Eckfelder b2 und f2. Ist, so betrachtet, das Schachbrett nicht erstaunlich breit? Das Feld b7 etwa ist für Bangiev weniger wichtig als „die vier relevanten Felder“ c7, d7, e7 und f7. „Wenn es Weiß gelungen ist, das Feld b7 zu erobern, ist Schwarz noch immer in der Lage, ... den e5-Raum zu verteidigen, wenn es dagegen gelungen ist, c7 oder f7 unter Kontrolle zu bringen, dann hat der Schwarze keinen sicheren Raum mehr.“

    Seltsam, aber wahr beim Schach ist auch, dass, wie Bangiev herausstellt, eine Strategie immer eine Farbstrategie ist. Tatsächlich wirkt die Mehrzahl der Steine auf dem Brett in der Partiephase der strategischen Entscheidungsfindung einfarbig – selbst der Springer, der von einem jeweiligen Feld aus nur alles Felder einer Farbe kontrolliert. Eigentümlich ist auch, dass die Zielfelder einer Strategie immer auf der 7. Reihe (bzw. 2. Reihe) liegen – Bangiev macht es uns bewusst. Am tiefsten beeindruckt haben mich die ersten Teile des Bandes „Felderstrategie: Denkmethode“ – die Elementarlehre, worin der Verfasser seine Begriffe genau abgrenzt. „Befragung und Angriff sind die Werkzeuge der Initiative“ und: „Strategie hat keine Werkzeuge, sie ist der Motor für die Initiative und Taktik“. - Augenöffnende Sätze, Denkanstöße noch und noch.

    Als recht mühselig kann man die Felderstrategie dagegen manchmal bei den Beispielen im Band „Felderstrategie: Taktik“ empfinden. Oft hat man die Kombinationen – mit gleichwelcher Denktechnik - allzu schnell gefunden. Umso mehr wird es die Mühe lohnen, die Bangievsche Brille aufzusetzen und alles nach der Felder-Methode noch einmal nachzuvollziehen.

    Steffen Hoffmann, Leipzig
 
Autor: Steffen Hoffmann
 
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