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Bücherkiste Februar 2008
 


    Genauso wie der Hauptdarsteller in dem 1985 (noch auf Kassette!) erschienenen Spiel "Little Computer People" möchte ich jetzt virtuell an Ihren Bildschirm klopfen. Collapsing? No, collecting new books!



    Autor: James Rizzitano
    Titel: Chess Explained - The Queen's Gambit Declined

    ISBN-13: 978-1-904600-80-0
    ISBN-10: 1-904600-80-8
    Gambit Publications, 2007, 127 Seiten

    englisch

    Publikationen und Neuerscheinungen, die sich mit dem Damengambit befassen gab es in den letzten Jahren häufiger. Zuletzt ging der Trend hin zum angenommenen Damengambit, sodass eine Abhandlung zum Gegenstück - dem abgelehnten Damengambit – erfreut. James Rizzitano, der bereits als Autor der Bücher "How to Beat 1. d4", "Understanding Your Chess" und "The Taimanov Sicilian" in den letzten beiden Jahren auf sich aufmerksam machte, legt mit seiner vierten Veröffentlichung "The Queen's Gambit Declined" ein zweites Buch der Reihe "Chess Explained" vor. Das Konzept dieser 'Serie' ist schnell beschrieben: innerhalb von 25 Musterpartien versucht der Autor, der hoffentlich entsprechende Erfahrung in der Eröffnung nachweisen kann, dem Lernenden die Hauptsysteme näher zu bringen und anhand von aktuellem Partiematerial darzulegen. Letzteres kann beim Blick auf die Partienliste sofort bestätigt werden, da sich der Zeitraum der gespielten Partien von 2001 - 2006 komplett in diesem Jahrtausend befindet. In der soliden Erstveröffentlichung "How to beat 1. d4" baut Rizzitano auf das angenommene Damengambit ein Repertoire aus der Sicht des Schwarzspielers auf. Unter diesem Blickwinkel betrachtet, schneidet der Autor sich nicht ins eigene Fleisch und bietet mit dem vorliegenden Werk ein neutrales Werk an. Betrachtet man die Liste der Weltmeister (u.a. Smyslow und Karpow) die dieses Eröffnungssystem mit beiden Farben spielten, wird die positionelle "Gesundheit" dieses Systems deutlich. Rizzitanos Aufgabe ist es, innerhalb der 127 Seiten die wichtigsten strategischen Ideen und Motive zu erläutern. Dabei greift er auf die folgenden Strukturen zurück:

    1 - Alatortsev Variation (2 Partien) 1. d4 d5 2. c4 e6 3. Sc3 Le7

    2 - Tarrasch Defence (3 Partien) 1. d4 d5 2. c4 e6 3. Sc3 c5

    3 - Exchange and Blackburne Variations (4 Partien) 1. d4 d5 2. c4 e6 3. Sc3 Sf6 4. cxd5 exd5

    4 - Ragozin Defence and Vienna Variation (3 Partien) 1. d4 d5 2. c4 e6 3. Sc3 Sf6 4. Sf3 Lb4

    5 - Semi-Tarrasch Defence (3 Partien) 1. d4 d5 2. c4 e6 3. Sc3 Sf6 4. Sf3 c5

    6 - Cambridge Springs and Lasker Defences (3 Partien) 1. d4 d5 2. c4 e6 3. Sc3 Sf6 4. Lg5 Sbd7 5. Sf3 c6 6. e3 Da5

    7 - Tartakower Defence (3 Partien) 1. d4 d5 2. c4 e6 3. Sc3 Sf6 4. Lg5 Le7 5. e3 0-0 6. Sf3 h6 7. Lh4 b6

    8 - Classical Defence (4 Partien) 1. d4 d5 2. c4 e6 3. Sc3 Sf6 4. Lg5 Le7 5. e3 0-0 6. Sf3 Sbd7

    Natürlich sind bei diesem Umfang Lücken vorhanden, so sind zum Beispiel in der Blackburn-Variante mit 5. Lf4 nur einige Varianten aufgeführt oder in der Ragozin-Variante fehlt das als kritisch eingestufte 7. Tc1. Etwas schade ist, dass ich vom Autor weder in der MegaBase 2007 (hier nur zwei), noch im Buch zahlreiche Partien finden konnte. Eine starke Verknüpfung zum eigenen Repertoire hebt das Ansehen des Dargelegten meines Erachtens um ein Vielfaches. Eine Leseprobe gibt es hier.



    Autor: Peter Wells
    Titel: Grandmaster Secrets - The Caro-Kann

    ISBN-13: 978-1-904600-61-9
    ISBN-10: 1-904600-61-1
    Gambit Publications, 2007, 175 Seiten

    englisch


    Wie am Titel zu erkennen, begibt sich der Gambit-Verlag mit der Titelvergabe "Grandmaster Secrets" in eine neue Serie, die sich zwischen "Chess Explained", "How To ..." und "Secrets of ..." etablieren soll. Diese Subtitelvergabe wirkt auf mich teilweise verwirrend, da selbige meist ohne Aussage ist und primär wohl ausschließlich Marketingzwecken dienen soll. Wer ist nun der Großmeister, der hier seine Geheimnisse offenbart?

    Peter Wells ist kein Unbekannter, der zuletzt als Sekundant vom unglücklich agierenden Michael Adams bei der WM 2005 in San Luis in das Rampenlicht des "großen Schachs" getreten ist und im vergangenen Jahr zum dritten Mal den Titel des "Britischen Schnellschachmeisters" einsammeln konnte. In Sachen Publikationen ist er aber in den vergangenen Jahren als ehrbarer Vertreter hervorgetreten, der sich primär Eröffnungen widmet, so z.B. der Damenindischen Verteidigung oder Schottisch.
    Quelle: Chessbase.de
    In den letzten Jahren ist es verhältnismäßig ruhig um Publikationen bezüglich der 'Verteidigung der Weltmeister' gewesen, sodass die zweite erweiterte Auflage von "Caro-Kann Verteidigung - richtig gespielt" aus dem Jahre 1998 der Herren Anatoli Karpow und Alexander Beljawski insbesondere im deutschen Sprachraum das Standardeinstiegswerk darstellte, dass keineswegs alle Verzweigungen dieser Verteidigung umfasste. Von Khalifman sind im Verlag Chess Stars Openings die Bücher "Opening for White According to Anand 1. e4 (Band 3)" und "Opening for Black according to Karpov" herausgebracht worden, die sich aus meiner Sicht aber an den ambitionierten Experten der Eröffnung wenden und erstklassige Analysen vorweisen können. 2006 wurde das bereits 2002 in englisch erschiene Buch "Caro-Kann-Geheimnisse" von Joe Gallagher ins deutsche übersetzt und fand allgemein positiven Anklang. Das eigentliche "Schweigen" wurde aber im vergangenen Jahr von Javonka Houska und ihrem Debutwerk gebrochen. Sie wirbelte mit "Play The Caro-Kann" (Everyman Chess Verlag) die Fangemeinde dieser Eröffnung auf und bot ein komplettes Repertoire basierend auf Ihren Erfahrungen und der Lf5-Hauptvarainte an, dass dem Schwarzspieler die Möglichkeiten auf Sieg zu spielen geben soll!
    Quelle: bcf.org.uk

    Das vorliegende Buch von Peter Wells erinnert vom Aufbau an die Bücher der Chess-Explained-Reihe (aber mit deutlich größerem Umfang!), denn 25 ausführlich analysierte Partien bilden den Leitfaden. Dabei werden alle Systeme (also auch die Hauptvarianten nach 4... Sd7 und 4... Sf6 neben 4... Lf5) besprochen, sowie natürlich die Vorstossvariante, als auch der Panow-Angriff. Die verschiedenen weißen Abweichungen komplettieren die Behandlung der Eröffnung. Die Leseprobe beinhaltet auch gleich einen Überblick über den Inhalt, der erfreulicherweise durch einen Variantenindex im Anhang aufgeschlüsselt ist. Eine Aufschlüsselung über die verwendeten Quellen fehlt leider und vermisse ich prinzipiell bei einigen Eröffnungspublikationen! Peter Wells orientiert sich m. M. nach an dem Spieler, der bereits etwas Erfahrung mit Caro-Kann sammeln konnte und versucht auf den Erfahrungen basierend Pläne und Ideen, die den einzelnen Systemen zu Grund liegen zu erläutern. Von dieser Warte ist das Buch eine gute Ergänzung/Fortführung zum Gallagher-Buch. Mich hat primär der Vergleich mit dem Houska-Repertoire interessiert:

    AbspieleWellsHouska
    Hauptvariante mit ... Lf5Schwarz spielt den Aufbau mit 0-0-0Schwarz spielt den Aufbau mit 0-0
    Hauptvariante mit ... Sd7Weiß spielt den Aufbau mit 5. Sg5nicht enthalten
    Hauptvariante mit ... Sf6Schwarz spielt den Aufbau mit gxf6 und Lf5nicht enthalten
    Panov-Botvinnik-AttackSchwarz spielt 6... Lb4Schwarz spielt 6... Lg4
    VorstossvarianteSchwarz spielt 3... Lf5Schwarz spielt 3... c5

    Wie unschwer zu erkennen sind die behandelten Abspiele sehr differenziert, sodass man aus beiden Büchern entsprechend unterschiedliche Anregungen oder Analysen erhalten kann. Beide Bücher beinhalten kurze Anmerkungen zu den Seitenvarianten (wie z.B. die Apocalypse-Variante), ohne selbigen aber übermäßige Aufmerksamkeit zu widmen. Da das Wells-Buch kein Repertoire oder Referenz-Buch im herkömmlichen Sinne darstellt, sondern Caro-Kann aus einem objektiven Winkel betrachten soll, finde ich die Partienauswahl sehr gelungen. Die Publikationen zu Eröffnungssystemen unterliegen zyklischen Schwankungen und zu Caro-Kann ist den vergangenen 12 Monaten sowohl auf Papier, als auch auf Silberling einiges erschienen, sodass wohl in den nächsten Jahren wieder etwas Ruhe einkehren dürfte, bis neue Erkenntnisse auftauchen (oder die alten Auflagen vergriffen sind ;))



    Autor: Peter Köhler
    Titel: Legendäre Schachpartien

    ISBN: 978-3-89994-126-5
    Humboldt, 2007, 252 Seiten

    deutsch

    Ein neuer deutscher Verlag tummelt sich im Schachbüchermarkt! Der Humboldt Verlag, der in diesem Jahr sein 55. Jubiläum feiert , bedient nach eigener Aussage zu einem "umfassenden Ratgeberprogramm für unterschiedliche Themenbereiche" - warum nicht auch Schach, zumal doch die Olympiade und der WM-Kampf Anand - Kramnik vor der Haustür stehen?! Der Autor Dr. Peter Köhler dürfte wenigen Spielern ein geläufiger Begriff sein, aber ich erinnere mich sofort an die "Peter & Hardy"-Reihe in den 90ern in der Rochade - die einen hielten es für Nonsens, ich habe mich teilweise köstlich amüsiert ;)

    Mit "Legendäre Schachpartien" hat sich Herr Köhler einem ernsthaften Thema gewidmet und möchte 120 denkwürdige Partien aus den letzten 400 Jahren "Anfängern, Fortgeschrittenen, Liebhabern des königlichen Spiels und Vereinsspielern zum Nutzen und zur Freude" näher bringen.
    Begonnen wird die Partiensammlung mit der Partie Guilio Cesare Poleria versus Domenico die im Buch auf das Jahr 1602 datiert wird, aber bei ChessBase und Chessgames 1610 wiederzufinden ist. Außerdem scheint Domenico der Vorname zu sein, da sein kompletter Name Domenico D'Arminio (Megabase 2008) war. Da das Buch über keine Quellenangabe verfügt bleibt offen, woher der Autor seine Information bezog. Interessant aber auch, dass ChessBase die Partie bis zum Matt im 24. Zug angibt, wogegen Chessgames und Peter Köhler den Schwarzen nach dem 21. Zug von Weiß aufgeben lassen. Diese Unstimmigkeiten sind eventuell keine glückliche Wahl des Einführungsbespiels. Die zweite Partie konnte ich gleich gar nicht in der Megabase 2008 finden, sodass ich selbige hier als Beispiel für das Buch wiedergebe (siehe Link unter Diagramm). Das Nichtauffinden überrascht umso mehr, da sich die Partie im "ABC des Schachspiels" wieder findet. Daran konnte ich mich erinnern und habe es auch geprüft, da es sich bei diesem Buch um meinen Einstieg in den Schachkosmos handelt, sodass der 'Fehler' hier seitens der MegaBase zu liegen scheint. Hier zeigt sich wieder, wie wichtig ein Quellennachweis sein kann ...


    Greco - N.N., vor 1620


    In diesem Stil fliegt der Autor durch die Zeit der großen Schachturniere, Einzelkämpfe, Weltmeisterschaften und Olympiaden, bis er in der Neuzeit zu Kramniks Niederlage gegen Deep Fritz angekommen ist. Ähnliche Buchprojekte gab es bereits früher, auch auf dem deutschsprachigen Markt und trotz kleiner Mängel kann ich das Buch für Freunde von Partiensammlungen empfehlen, wenngleich ich mich über einen Hardcoverumschlag gefreut hätte und die Schachenthusiasten wohl den Großteil der Partien in anderen Publikationen vorliegend haben. Die (goldene?) Zeit in der sich große Sachbuchverlage dem Thema Schach widmeten schien längst Geschichte, doch hier wird ein neuerlicher Versuch unternommen (als Zielgruppe sind wohl [auch] "Frischlinge" anvisiert), der hoffentlich Früchte trägt.

    (C) 2008, Frank Große
    redaktion@schachlinks.com
 
Autor: Frank Große
 
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