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Rezensionen
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| Bücherkiste August 2009 |
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Die Muse ist immer auf der Suche - aber wird sie auch gefunden? Lesbares findet Leser! Leser wollen informiert, aber nicht gebildet werden - in der nachfolgenden Bücherkiste findet sich ein Streifzug durch die Veröffentlichungen der letzten Monate - hoffentlich informativ ...
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GESCHICHTE
| Autor: Richard ForsterTitel: Schachgesellschaft Zürich 1809 - 2009ISBN-13: 978-3-033-01917-1 Gambit Publications, 2009, 576 Seiten deutsch, gebunden, Leinen | |  |
Gerade erst verstrichen ist das Jubiläums-Open der SG Zürich, das von Alexander Areshchenko gewonnen wurde. Die Feierlichkeiten des ältesten noch existierenden Schachvereins sind in vollem Gange und werden am kommenden Wochenende durch ein Simultan- und Schnellschachturnier mit namhaften Vertretern der letzten 50 Jahre - u.a. Kasparow und Anand - gekrönt.
Zuvor hat die Schachgesellschaft sich als ältesteter noch existierender Verein mit der Herausgabe der monumentalen Jubiliäumsschrift anlässlich des 200. Geburtstag selbst gefeiert. Kein geringerer als IM Richard Forster, der vor wenigen Jahren mit seiner akribischen Biographie zu Amos Burn im Blätterwald auf sich aufmerksam machte hat sich der Aufarbeitung der Historie des Vereins angenommen. Herausgekommen ist ein 576-seitiger Band in großem Format, der nicht nur an Gewicht zählt, sondern auch (Ge)Wichtiges mitzuteilen hat. Das Buch lässt sich neben der Chronik in ein Turnier- und Personenlexikon unterteilen: 608 Kurzbiographien bereits gestorbener, aber auch noch lebender Vereinsmitglieder dürfte den Großteil der Leser nur bedingt interessieren (sieht man von den namhafteren wie z.B. Alois Nagler, Henry Grob, Florian Jenni oder Lothar Vogt ab), aber dieser Part ist für Historiker eine Fundgrube. Den "Rest" bestimmt die chronische Aufarbeitung der Geschichte und wird dabei mit außerordentlich viel Bildmaterial (über 300 Bilder) bestückt, das durch gut erhaltene Privat- und Vereinsarchive möglich wurde. Dabei ist neben einer sehr soliden und augenfreundlichen Blattgestaltung ein Unterhaltungswert nicht verkennbar, da Forster praktisch durch die zahlreichen Jahrzehnte auch streifend auf die gesellschaftliche Entwicklung Zürichs führt. Dabei wird dem Leser auch vor Auge geführt, dass ein Klub über diesen langen Zeitraum nicht ohne Hindernisse bestehen kann und unter dem gegebenen historischen Rahmen stets neue Lösungen für den Fortbestand und auch die Finanzierung gesucht werden mussten. Die Einflüsse von Politik, Gesellschaft und Zeitgeist lassen das Buch auch zu einem Leseerlebnis für Interessierte außerhalb der (schweizerischen) Schachszene werden.
Neben den schachhistorischen Aspekten befriedigt das "Turnierlexikon" mit ca. 150 Seiten die "Hardcore"-Fraktion, deren Augenmerk auf Partien und Stellungen liegt. Mit über 500 Diagrammen kommt auch die ausschließlich am Spiel interessierte Fraktion zum Zuge und darf sich über hochwertiges Partienmaterial freuen. Last but not least kommen auch die Problemfreunde auf ihre Kosten, da Problemisten mit ihrem Schaffen und Lebensbildern gezeichnet werden, was sich als überraschende Einsichten in die eher im Schatten stehende Szene entpuppt.
Wer vom legendären Buch "Zürich 1953" von David Bronstein begeistert ist, kann mit diesem Band seine anspruchsvolle Bibliothek erweitern. Festschriften vermitteln rasch einen biederen Touch und verstauben mehr oder weniger gelesen in irgendwelchen Archiven oder schwer erreichbaren Regalen. Dieser ist jenes Schicksal nicht zu wünschen, da die Vergangenheit frisch aufbearbeitet der gebührende Platz außerhalb der Archive zu wünschen ist. Lohnenswert, nicht nur historisch interessierte Schachspieler! Das sauber geführte Register erlaubt es zu einem späteren Zeitpunkt die notwendigen Passagen zu ermitteln. Einen "Blick" hinein gibt es hier.
| Autor: Bent LarsenTitel: Alle Figuren greifen an - Band 1ISBN: 9978-3-9812856-0-4 Schachdepot, 2009, 328 Seiten deutsch, gebunden | |  |
(Kommentierte) Partiensammlungen gibt es wie Sand am Meer! Ganz so hart wage ich nicht zu urteilen, aber viele verschwinden schneller im (heimischen) Regal als diese durchgespielt/-gelesen werden. Bei hier vorliegenden Buch ist es umgekehrt: viele Sammler und Liebhaber wären (bis jetzt) froh gewesen, das Buch (und damit die kommentierte Partiesammlung) überhaupt zu besitzen. Es handelt sich um die Neuauflage des gefragten Klassikers "Ich spiele auf Sieg", erweitert um zusätzliches Material. Das bedeutet, dass vierzehn weitere Partien zur Originalausgabe hinzugekommen sind.
Der dänische Großmeister, der schon seit geraumer Zeit in Buenos Aires lebt, hat in Deutschland seine Fangemeinde zuletzt durch seine Beiträge im Magazin "Kaissiber" verzückt. Seine Turniersiege, die auch im Anhang des Buches aufgelistet sind, sind vielzählig, wenngleich er vielen Schachspielern durch sein desaströses 0:6 gegen Fischer im Kandidatenmatch 1971 in Erinnerung geblieben ist. Doch Larsen wäre nicht Larsen, der analog dem Titel seines Klassikers immer die Herausforderung um den ganzen Punkt gesucht hat, schließlich hat er eine der geringsten Remisquoten im Spitzenschach. Autobiographisch führt er in seinem eigenen Schreibstil unterhaltsam und nicht ohne Witz, geprägt durch seine Karriere und beschreibt die unmittelbare Zeit vor der Computer-Ära. Mit seinen tiefgründigen Analysen beweist der Autodidakt seinen hohen schachlichen (Eigen)Anspruch und weiß für Spieler von Flankeneröffnungen viel Gehaltvolles mitzugeben. Das Zusatzmaterial ist in Bezug auf den erzählerischen Zusammenhang des Buches leider nicht so Recht integriert und wirkt ein wenig lieblos hinzugefügt, zumal auch die Kommentierung im Niveau sinkt.
Da der Verlag auf seiner Homepage keine Leseprobe anbietet, hier ein Ausschnitt aus der Partie Larsen - Pérez, Gijón 1956:
 Stellung nach 18. Tb2!! "Die zwei Ausrufezeichen stammen von Kmoch in Chess Review, während Euwes Schach-Archiv genau diesen Zug für etwas fragwürdig hält. Nach längerem Studium der Stellung komme ich zur gleichen Schlussfolgerung wie Kmoch. Ich bin stolz auf diesen Zug und halte ihn für stärker als 18. b4, die Empfehlung des holländischen Großmeisters. Übrigens halte ich auch 18. Sa4 für besser als 18. b4. Laut Schach-Archiv bekommt Schwarz nach 18. Tb2 Remischancen mit 18... Sd4, aber dem ist nicht so. Weiß spielt weder 19. Sxd4 exd4 20. Lxd4 (auch nicht 20. Ta2 Dxc5 21. Txa8 dxe3) 20... Lxd4 21. Txd4 Dxc5 noch 19... Lxd4 exd4 20. Ta2 Dxc3 21. Dxc3 dxc3 22. Txa8 Sxc5, sondern 19. Sxd4 exd4 20. b4 dxc3 21. bxa5 cxb2. Dazu bemerkt Schach-Archiv, die weiße Stellung sei nicht einfach, z.B. 22. Ld4 Lxd4 23. Txd4 Txa5 24. Dxb2 Sxc5. Aber der Weiße hat einen besseren Zug: 22. Ld2!, und der Gewinn ist relativ einfach.
Nachdem die Einwände gegen 18. Tb2 widerlegt sind, lassen sich die Vorzüge dieses Zugs wie folgt zusammenfassen:
- 1) Er stellt eine direkte Drohung auf, die einen Tempogewinn einbringt.
- 2) Er bereitet die Turmverdopplung in der d-Linie vor, z.B. 18... Dc7 19. Sa4, mit der Idee 20. Dc4 und 21. Tbd2.
- 3) Der b-Bauer wird unbedingt gebraucht, um den Springer nach a4 stellen und dort auch halten zu können. Ist nämlich der c-Bauer blockiert, kann Weiß die a-Linie sperren und bekommt so die Möglichkeit, seine Kräfte auf die Ausnutzung der offenen d-Linie zu konzentrieren. Aus all dem folgt, dass Weiß dazu kommen wird, seine Stellung mit Sd2 und Sc4, Lf1 und Lc4, oder h4 und Lh3 weiter zu verstärken.
Ich meine also, dass die zwei Ausrufezeichen gerechtfertigt sind. Die schwarze Stellung ist sehr schwierig."
Als ungünstig gelöst empfinde ich, dass die Diagramme nicht immer direkt nach dem entsprechenden Zug zu finden sind, so auf den Seiten 15, 18, 20, 31, 37, 67, 76, 82, 101, 111, 125, 129, 171, 189, 199, 208, 219, 227, 230, 233, 254, 260 und 304. Manchmal ist das Diagramm gar auf der umzublätternden Seite, was den Lesefluss unnötig mindert. Aufgrund von Diagrammsymbolen nach dem betreffenden Zug findet man dennoch die gesuchte Brettgrafik. Von diesem Manko abgesehen kann ich diese Partiesammlung wärmstens empfehlen und von dieser Art des Inhalts kann es aus meiner Sicht durchaus eine Aufholjagd zum "Sand am Meer" geben ...
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Autor: Robert Hübner Titel: Der Weltmeisterschaftskampf Lasker - Steinitz 1894
ISBN: 978-3-924833-56-5
Edition Marco, 2008, 236 Seiten deutsch, Hardcover
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Robert Hübner ist in der deutschen Schachlandschaft ein echtes Unikat! Seit Emanuel Lasker gilt er als der stärkste deutsche Spieler, der mehrere Anläufe zur Weltmeisterschaft nahm, letztlich aber den großen Erfolg nicht erringen konnte. Als promovierter Papyrologe legt er großen Wert auf die Philologie und weiß seine Arbeiten zumeist mit Beispielen aus längst vergangener Epochen und entsprechenden Quellen zu untermauern. Hübner bemüht sich um weitestgehende Objektivität, was aber in der Vergangenheit zum Teil auch in ausufernde Analysen oder Interpretationen gipfelte. Nun bearbeitet Hübner die Leistungen des einzigen deutschen Weltmeisters ...
Die Wettkämpfe 1889 - 1893 bilden den Einstieg, bevor der Wettkampf um den WM-Titel 1894 mit Titelverteidiger Steinitz den Hauptteil des Buches kennzeichnet. Abgerundet, aber nicht aufgefüllt, wird das Buch um den Wettkampf gegen Schlechter aus dem Jahre 1910. Wie Hübner im Vorwort anmerkt, nahm Lasker 1894 an sechs Turnieren, aber 27 Wettkämpfen teil. Hier zeigt sich auch der Unterschied der heutigen Zeit in der Zweikämpfen geringere Bedeutung geschenkt wird oder diese zu Trainingsveranstaltungen verkommen. Wie unschwer zu erkennen, ist der Titel des Buches ein 'understatement', da sich ca. die Hälfte des Inhalts nicht darin widerspiegelt.
Der Aufbau ist chronologisch gewählt und die einzelnen Wettkämpfe werden von lesenswerten Kurzbiographien gesäumt, die auch mit Fotos der Protagonisten nicht geizen. Der Schreibstil erlaubt einen Lesefluss ohne Umschweife und würdigt die individuellen Leistungen dem historischen Kontext entsprechend. Jedem großartigen Spieler (in jeder Sportart) werden klischeeartige Züge zugeordnet. Hübner hält davon wenig und versucht diese mit dieser Publikation auch zu entkräften und hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Mehr Diagramme (311) als Seiten sprechen auf jeden Fall für sehr viel Potential des "direkten Lesens". Hinzu kommen noch 15 Abbildungen. Das Literaturverzeichnis ist kennzeichnend für Hübners Akribie. Wer tiefgründige Partiekommentare (zum Nacharbeiten) im (legendären) Stile Hübners bevorzugt - der den Computeranalysen keineswegs blind traut oder gar ein Buch auf dieser Basis publizieren würde, kann aus dieser Sicht keinen Fehlgriff mit dem Werk tätigen. Für die historisch interessierten Leser ist der Band praktisch ein Muss, auch wenn einige Passagen bereits als Artikel publiziert worden!
Ein Beispielfragment:
 19... Ta8-a7 (?) "In derartigen Stellungen spielt Steinitz stets mit beneidenswerter Bedächtigkeit: er unternimmt zunächst etwas zur Sicherung des Königsflügels. Da er aber wenig später noch Db6-c7 spielt, ist diese Maßnahme vielleicht überflüssig. "Falls sofort 19...a4, so könnte Weiß gut mit 20. Ta1 entgegnen und damit die Kraft des Angriffs brechen", meint Lasker. Das ist aber nicht so recht einsichtig; Schwarz antwortet 20... Le6. 21. Sh5 kann nun auf verschiedene Arten pariert werden, am besten wohl mit 21... Dc7 22. Dg3 Sh6 nebst Kg8-h8 zur Sicherung des Punktes f6. Schwarz behält das bequemere Spiel."
| Autor: Emanuel LaskerTitel: Der internationale Schachkongress zu St. Petersburg 1909ISBN: 978-3-283-01010-2 http://www.olms.de, 2009, 199 Seiten deutsch, Hardcover | |  |
Kein geringerer als Lasker selbst ist der Autor des vorliegenden Buches. Natürlich handelt es sich demzufolge um einen Nachdruck und zwar um den der sieben Monate nach Turnierende erschienenen Ausgabe von Berlin 1909, die noch im Selbstverlag erschienen ist. Genau 100 Jahre ist dies nun vergangen und dem OLMS-Verlag ein würdiger Anlass dieses Buch nach 1989 einem erneuten Reprint zu unterziehen. Das sieht der Rezensent ebenso und bemerkt, dass sich das Buch um einen echten Reprint, d.h. mit Original-Schriftsatz und Diagrammen handelt. Ergänzt wurde der Inhalt um eine Einführung des fleißigen Historikers Issak Linder und Kurzbiographien der Teilnehmer von Raymund Stolze. Letztere sind in der Tat nur als solche zu bezeichnen und leider ohne Foto der Protagonisten. Weiter ist ein Bericht des Komitees - verfasst von E.A. Snosko-Boroski - dem Original hinzugefügt worden. Für alle, die neben den neuesten Eröffnungstrends Freude am Schach empfinden, kann dieses Buch vorbehaltlos empfohlen werden.
ERÖFFNUNG
| Autor: Dr. Láslzló OrbánTitel: Schach-EröffnungenISBN: 978-3-86910-152-1 humboldt, 2009, 384 Seiten deutsch, Broschur | |  |
Historisch beginnt die Besprechung der Eröffnungsbücher, denn "Schach-Eröffnungen" mit dem Untertitel "Das Königsbauernspiel als Schlüssel zu erfolgreichen Eröffnungssystemen" von Láslzló Orbán ist die Neuauflage seines unter gleichem Namen erschienen Titels. Gerade im Bereich der Eröffnungsbücher wird der Leser permanent mit Neuerscheinungen überflutet. Ist der Nachdruck dieses Buches also notwendig? Werfen wir zuerst auf einen Blick auf den Inhalt, der durch 149 bis zum Matt gespielte Partien geprägt ist und wie folgt aufgeteilt wurde:
Angriff gegen f7- Das Läuferspiel: 2. Lf1-c4
- Der Vorstoß: d2-d4
- Die Vorbereitung: c2-c3
- Italienische Gambitspiele
- Andere Verteidigungen im Königsspringerspiel
- Der Gegenangriff Sg8-f6
- Das Gambit f7-f5 und d7-d5
- Das Königsgambit 2. f2-f4
- Angenommenes Königsgambit: 2. e5xf4
- Das Springergambit: 3. Sg1-f3
- Klassisches Königsgambit mit g7-g5
- Läufergambit 3. Lf1-c4
- Wiener Gambit: 2. Sb1-c3, 3. f2-f4
- Übrige Eröffnungen
Angriff gegen e5- Spanische Eröffnung: 3. Lf1-b5
- Verteidigung ohne 3... a7-a6
- Verteidigung mit 3... a7-a6
Wie rasch ersichtlich spielen die taktischen Eröffnungen abseits langwieriger positioneller Stellungskämpfe eine dominierende Rolle. Das Material ist dabei vom 16. Jahrhundert bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts vielseitig. Es fand kein Abgleich zur aktuell gültigen Theorie statt, sodass die Kommentare auf entsprechend historischem Stand sind. Summa bleibt leider nur eine kommentierte und nach Eröffnungen klassifizierte veraltete Partiensammlung übrig, die dem Zeitgeist bzw. dem Titel kaum gerecht werden kann.
| Autor: Simon WilliamsTitel: The new Sicilian DragonISBN: 978-1-85744-615-9 Everyman Chess, 2009, 224 Seiten englisch, Broschur Wir danken Schach E. Niggemann für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares! | |  |
Vergeht eigentlich ein Monat in dem KEIN Buch über Sizilianisch erscheint? Ich weiß es nicht, aber die Schlagzahl der Bücher, die sich mit der Sizilianischen Verteidigung befassen, dürfte deutlich höher als alle anderen Eröffnungssysteme sein. Was heißt hier "Verteidigung"? Sizilianisch hat nicht umsonst den Ruf einer aktiven Eröffnung für Schwarz! Und gerade mit Simon Williams fühlt sich ein Autor mit dynamischer und vor allem auf taktische Schläge ausgerichteter Spielweise ("Improve Your Attacking Chess", "How To Crush Your Chess Opponents") ermutigt, seine Lieblingsvariante vorzustellen: "Dragadorf". Dieser noch nicht so lange populäre Variantenname ist eine Symbiose aus der Drachen und Najdorf-Variante, die durch die Züge g6 und a6 gekennzeichnet sind. Bislang nur im ChessPublishing-Forum diskutiert und von Drachen-Spezialist Chris Ward in seiner Kolumne untersucht, ist dem Rezensent keine eigenständige Veröffentlichung zu diesem Komplex bekannt.
 Williams beginnt das Buch logisch, in dem er die grundlegenden Konzepte aufzählt und aus beider (Farb)-Sichten die Perspektiven skizziert. Danach werden ausgehend von folgendem Inhaltsverzeichnis
- 1. Hauptvariante: Frühes Lc4 (31 Seiten)
- 2. Hauptvariante: Damenseitige Rochade mit g4 und h4 (26 Seiten)
- 3. Hauptvariante: Damenseitige Rochade und schnelles Lh6 (25 Seiten)
- 4. Hauptvariante: Positionelle Versuche und Frühe Abweichungen (19 Seiten)
- 5. Beschleunigter Dragadorf (43 Seiten)
- 6. Klassische Varianten für Weiß (34 Seiten)
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7. Seltene Varianten für Weiß (29 Seiten)
die Varianten (durch 62 Partien) abgearbeitet. Eine mir persönlich zu knappe Zusammenfassung rundet die Kapitel ab. Bereits kein geringerer als Reshevsky experimentierte mit den entstehenden Varianten in den 50er und 60er Jahren. Das verarbeitete Partienmaterial ist - außer in den historischen Partien - fast ausschließlich nach 2005 gespielt worden, was für die Aktualität spricht. Für den Drachen typisch ist die Verschmelzung von Varianten und wie vom Autor auch dargelegt, ist eine Unterteilung nicht immer einfach. Leider versäumt der Variantenindex eine strukturiertere Auflistung, sodass die Verquickungen beim Nachschlagen sofort sichtbar werden.
Die Kapitel sind für den ambitionierten Anwender dieses Aufbaus sorgfältig durchzuarbeiten und es ist interessant, welche Ressourcen dem Schwarzen gegen schnelles g4+h4 zur Verfügung stehen, trotz den scheinbaren Tempoverlusts a6. Drachenanhänger, die in den Hauptvarianten mit Sc6 nicht mehr ausreichend Vertrauen empfinden, erhalten mit dem vorliegenden Material Probierfelder ohne eine komplette Umstellung des eigenen Repertoires.
Williams ist von der Lebensfähigkeit "seiner" Eröffnung überzeugt und macht dies in seiner Publikation deutlich, wenngleich er einräumt, dass die Zukunft abzuwarten gilt. Die Drachenfangemeinde hat seit "Play the Sicilian Dragon" von Edward Dearing aus dem Jahre 2004 aus meiner Sicht keine nennenswerte Publikation erhalten und kann mit dem vorliegenden Werk eine schlagkräftige und keineswegs giftlose Alternative anwenden, die dem Drachen noch längst nicht alle Zähne gezogen hat. Eine Leseprobe gibt es hier als Archiv, sprich nicht direkt im Browser betrachtbar.
| Autoren: John Emms, Richard Palliser, Peter WellsTitel: Dangerous Weapons: Anti- SiciliansISBN: 978-1-85744-585-5 Everyman Chess, 2009, 285 Seiten englisch, Broschur Wir danken Schach E. Niggemann für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares! | |  |
Vor drei Jahren erschien unter dem Namen "Dangerous Weapons: The Sicilian" praktisch das Gegenstück dieses Buch, dass mit den 'Waffen' warb. Leider liegt mir dieses Buch nicht vor, sodass kein Vergleich möglich ist, ob das Autorenteam dem Schwarzen ausweichende Antworten anbietet oder vielleicht sogar auf den Inhalt des damaligen Buches (umbewertend) eingeht. 'Dangerous Weapons' soll nicht nur eine Brandmarke sein, sondern sich durch die nachfolgenden Ausführungen auszeichnen:
- Züge, die neuartig sind oder selten gespielt werden, die zu komplexen, originellen und scharfen Stellungen führen und gute Angriffchancen bieten
- Züge, die sehr ambitioniert sind, aber auch riskant. Weiß strebt nach totaler Dominanz, Schwarz nach Initiative
- Züge, die bisher von der Theorie übersehen, unterschätzt oder missbilligt wurden
- Züge, die schockierend aussehen, möglicherweise den üblichen Eröffnungsregeln widersprechen
Das sind hochgesteckte Ansprüche und erinnert ein wenig an das Credo, der in der S.O.S.-Reihe besprochenen Eröffnungsvarianten. In selbigen ausgedrückt lässt sich das Inhaltsverzeichnis wie folgt lesen:
- 01 Aktion auf der h-Linie (14 Seiten)
(1. e4 c5 2. Sc3 Sc6 3. g3 g6 4. Lg2 Lg7 5. d3 d6 6. Le3 h5) - 02 Ein Twist im Sizilianer (29 Seiten)
(1. e4 c5 2. c3 Sf6 3. e5 Sbd5 4. d4 cxd4 5. Sf3 Sc6 6. cxd4 d6 7. Lc4 dxe5) - 03 Weder zu früh noch zu spät (31 Seiten)
(1. e4 c5 2. c3 d5 3. exd5 Dxd5 4. d4 Sc6 5. Sf3 e5) - 04 Gefahr mit dem d4-Gambit (42 Seiten)
(1. e4 c5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 g6 4. 0-0 Lg7 5. c3 Sf6 6. d4) - 05 Werde ein Chamäleon (17 Seiten)
(1. e4 c5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 e6 4. c3) - 06 Das Schweschnikow-Gambit (24 Seiten)
(1. e4 c5 2. Sf3 Sc6 3. Sc3 e5 4. Lc4 Le7 5. d3 Sf6 6. Sg5 0-0 7. f4 d5) - 07 Ist 4. e5 wirklich so schlecht? (28 Seiten)
(1. e4 c5 2. Sf3 Sc6 3. Sc3 Sf6 4. e5) - 08 Zwinge Schwarz zu verteidigen (18 Seiten)
(1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. Sc3 Sf6 4. e5) - 09 Durchkreuzung der weißen Pläne (14 Seiten)
(1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. d4 cxd4 4. Dxd4 Sc6 5. Lb5 Ld7 6. Lxc6 bxc6) - 10 Ein turbogeladener Königsindischer Angriff (22 Seiten)
(1. e4 c5 2. Sf3 e6 3. g3) - 11 Folge Stauntons Fußstapfen (15 Seiten)
(1. e4 c5 2. Sf3 e6 3. c4 Sc6 4. Sc3 Sge7) - 12 Ein Gegenmittel zu Nimzowitsch (16 Seiten)
(1. e4 c5 2. Sf3 Sf6 3. e5 Sd5 4. g3) Wie schnell ersichtlich wird, ist für eine Großzahl der sizilianischen Subsysteme ein Angebot vorhanden. Sowohl Zugumstellungen, die den Gegner aus seinem Repertoire drängen sollen, wie auch ruhigere (positionellere) Varianten werden 'angeboten'. Die Aufteilung unter den Schreibern fand wie folgt statt: Palliser schrieb die Kapitel 3, 6, 7, 8 und 9, Wells 2 und 4 und "Vielschreiber" Emms den Rest. Die verschiedene Autoren schadeten dem Inhalte nicht, eher im Gegenteil: die Vielseitigkeit der Betrachtungsweise wuchs. Zudem wird deutlich, dass das Buch nicht für eine Seite geschrieben wurde und der Fokus sowohl auf Varianten für Weiß als auch Schwarz gelegt wurde. Aber auch mit zum Teil früher publizierten Analysen der "Dangerous Weapons"-Reihe wird gearbeitet, wenn Wells in Kapitel 2 Bezug auf das c3-Buch der Reihe nimmt und zugibt, dass er die Varianten noch einmal kritisch prüfte und hofft, dass sein Vorschlag hier weniger vom Zahn der Zeit durch Computeranalyse zernagt wird.
 Wie schnell versucht wird, dem Gegenspieler schon während der ersten Züge den Automatismus der Eröffnung abzugewöhnen, zeigt obiges Diagramm. Nach den Zügen 1.e4 c5 2.Sc3 Sc6 3.g3 g6 4.Lg2 Lg7 5.d3 d6 6.Le3 h5 7.Sge2 h4 riskierte Weiß mit 8.Dd2 h3 die nachfolgenden Probleme in der weiteren Partiegestaltung: "Zum Beispiel nach 9. Lf3 (wenn 9. Lf1 sehen sowohl 9... Lg4 als auch 9... Sd4 vielversprechend aus) 9... Sd4 (9... Se5, dass die beschämende Antwort 10. Sg1 forciert ist ebenfalls gut) 10. Lxd4 cxd4 11. Sd5? (Weiß hat seine zugebaute Stellung zu akzeptieren und mit miserablen Leichtfiguren zu spielen: 11. Sb1) 11... e6 12. Sdf4 Sf6. In dieser Position kann der Drohung mit ...g5 eine Figur zu gewinnen kaum noch sinnvoll begegnet werden, da 13. Sxd4 e5 die zwei Springer aufgabelt und 13. Sc1 g5! 14. Sfe2 g4! eine ziemlich starke Rechtfertigung für das bisherige schwarze Spiel darstellt.
 Das außer dem Flügelgambit noch ein sizilianisches Bauernopfer in früher Eröffnungsphase möglich ist, beweist das Kapitel, das den nach 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 g6 4.0-0 Lg7 5.c3 Sf6 6.d4 entstehenden Stellungstyp betrachtet. Schwarz kann den Bauern nehmen, aber Wells zeigt einige wirksame Abspiele für Weiß auf.
Gewohnt viele Diagramme weisen auf die wichtigsten Stellungen hin, ebenso wie die Kanone auf Fokusthemen mit entsprechendem Kommentar Aufmerksamkeit erregt. Die Grafik mit den Würfeln bedeutet hingegen, dass hier "gambeln" angesagt ist und das Spielen der Variante als zweischneidiges Schwert interpretiert werden kann. In jedem Falle sehr viele (lohnenswerte) Anregungen und auf die Buchantwort aus Sicht des Weißspielers darf gewartet werden. Das Autorentrio steht für qualitative Arbeit und diese wurde hier abgeliefert. Warum Everyman seine Leseprobe nicht als Direktlink zur Verfügung stellt, bleibt mir schleierhaft, hier der Link zum Archiv.
| Autoren: Yury Lapshun, Nick ConticelloTitel: 7 Ways to smash the SicilianISBN: 978-1-85744-595-4 Everyman Chess, 2009, 190 Seiten englisch, Broschur Wir danken Schach E. Niggemann für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares! | |  |
Die Sizilianisch-Publikation, die in diesem Block meine größte Aufmerksamkeit erregt hat, ist das vorliegende Buch, das sich weniger am Rande des Eröffnungsdschungel bewegt, sondern mitten im Getümmel: den entstehenden Stellungen im Mittelspiel. Die beiden Autoren sind weitestgehend unbekannt, aber für ihren "wilden, verrückten und innovativen Stil" bekannt, sofern man der Webseite der New York Master glauben kann. IM Yury Lapshun (links) spielt regelmäßig b4 und schreckt bei dieser Eröffnung auch nicht vor Großmeistern zurück. Der gebürtige Russe, der mittlerweile in den Vereinigten Staaten lebt, zählt zu den unterbewerten IM's und ist für die Auswahl und Analyse des Großteil der Partien des Buches verantwortlich (Kapitel 1-6), während sich Conticello (rechts) für die Kapiteleinleitung und das Abschlusskapitel 'rechtfertigen' muss.
  Der Inhalt:
- 01 Springeropfer auf d5 (31 Seiten)
- 02 Springeropfer auf e6 (24 Seiten
- 03 Läuferopfer auf e6 (23 Seiten)
- 04 Springeropfer auf f5 (29 Seiten)
- 05 Springeropfer auf b5 (23 Seiten)
- 06 Läuferopfer auf b5 (20 Seiten)
- 07 Verschiedene Opfer (16 Seiten)
Die Klassifizierung auf die Charakteristik der Opfer ermöglicht eine sehr gute Arbeit mit den thematischen Einschlägen und ist auch für Recherche-, Trainings- oder gar Unterhaltungszwecke bestens geeignet. Überhaupt wird der Eindruck erweckt, dass hier eine Fleißarbeit der beiden Autoren abgeliefert wurde, die vor allem dem Klubspieler die systematischen Opfer näherbringt. Festzuhalten bleibt aber, dass das Partienmaterial primär für Najdorf-und Schweschnikow-Spieler interessant sind, was man dem Titel so nicht entnehmen kann. Leider sind die Einführungspassagen in jedem Kapitel etwas zu knapp geraten. Hier wurde didaktisches Potential verschenkt. Die Autoren behaupten aber nicht alle entstehenden Stellungen hunderprozentig einschätzen zu können, was die Glaubwürdigkeit erhöht und insgesamt angenehm wirkt. Fragment gefällig? Bitte sehr:
 12. Lxe6!! "After this move a deluge of white pieces descends on the black king's head. Also very promising was 12. Sdxb5! axb5 13. Sxb5 Dc6 14. Sxd6+ Ke7 15. Dg3 Sd7 16. f4 Sc5 (or 16... Kf8 17. e5 Le7 18. f5 Sc5 19. fxe6 Lxd6 20. exd6 fxe6 21. Lc4 Se4 22. Thf1+ Sf6 23. Dh4 with a killing attack after 23... Kf7 24. Dh5+ g6 25. De5) 17. e5 Sxb3+ 18. Dxb3 Thb8 19. exf6+ gxf6 20. Db4 La6 21. Sf5+ and Black was checkmated in A.Volokitin-P.Harikrishna, Cap d'Agde (rapid) 2006. Which is approach is the better of the two, tough? I'm afraid that the reader must decide - it's too hard for us!"
 11. Sdxb5! "For his knight White will get three passed pawns and an attack. 11. ... axb5 12. Sxb5 Da5 Instead 12... Dc4!? 13. Sxd6 Lxd6 14. b3 Dc3 15. Lxd6 Se5 16. Te3 Db2!? loads to an unclear position."
TAKTIK | Autor: John SpeelmanTitel: Buch der SchachaufgabenISBN: 978-1-906454-02-9 Gambit Publications, 2009, 159 Seiten englisch, Broschur | |  |
Wer kennt eigentlich noch "Zauberwelt der Kombination" von Jakow Neistadt? Kaum jemand, denn das Buch ist mittlerweile nur noch antiquarisch erhältlich. Es zählt aber dennoch zu einem der Taktikbücher für aufstrebende Spieler und weiß durch einen strukturierten Aufbau und durchdacht gewählte Aufgaben zu gefallen. Dabei wird aber ein gewisses taktisches Niveau vorausgesetzt und der wenig erfahrene Spieler kann in Versuchung kommen, dass Buch zu rasch frustriert wegzulegen.
Genau hier setzt das vorliegende Buch an, das eine Übersetzung der englischen Originalfassung "Chess Puzzle Book" aus dem vorigen Jahre ist, und schließt eine Lücke zwischen Einstiegsliteratur und Taktikbücher für Spieler mit ELO 1800+. Nach folgender Gliederung aufgeschlüsselt
- Springergabeln
- Ungedeckte Figuren
- Linienöffnung und -schließung
- Fesselungen
- Spieße
- Überlastete Figuren und Ablenkungen
- Mattangriffe
- Die Grundreihe
- Patt
- Bauernumwandlung
findet der Löser durchschnittlich 15 Aufgaben, die im Schwierigkeitsgrad ansteigen. Kurze Erläuterungen zum Artikelbeginn führen die wichtigsten Merkmale aus theoretischer Sicht zu Gemüte. Im zweiten Teil wird die teilweise kombinierte Anwendung anhand von Beispielen aus der Praxis propagiert und mit steigendem Schwierigkeitsgrad honoriert. Insgesamt finden sich ca. 300 Stellungsbilder wieder, deren Anzahl im Vergleich zur Originalausgabe etwas erhöht wurde. Die Auswahl der Aufgaben wird als gelungen empfunden und machen Appetit aufs Scharmützeln ...
| Herausgeber: Heinz BrunthalerTitel: Schach-Taktik mit Dr. TarraschISBN: 3-9809937-1-X Schachverlag Ullrich, 2005, 127 Seiten deutsch, Broschur | |  |
Nicht mehr ganz verlagsfrisch aber anknüpfend an die Thematik und praktisch als "Einstiegsliteratur" vor Speelmans "Buch der Schachaufgaben" kann dieses Buch, das den leicht überarbeiteten Inhalt des Taktik-Kurs aus dem Lehrbuch des Schachspiels von Dr. Siegbert Tarrasch enthält. Zwischen einer Vielzahl von nützlichen Hinweisen für das praktische Spiel eingebettet, arbeitet der Leser eine große Anzahl an taktischen Motiven durch, wie das nachfolgende Inhaltsverzeichnis belegt:
- Die Fesselung
- Doppelangriffe
- Ungedeckte Figuren
Beseitigung der Deckung- Scheindeckung
- Abzugs- und aufgedeckter Angriff
- Eroberung eines Läufers
- Damenfang und Hereinschlagen auf b2 (b7)
- Gewaltsame Entblößung des Königs
- Der Angriff mit dem f-Bauern
- Der Angriff auf der f-Linie
- Der Angriff auf den Punkt f7
- Aufgerissene Rochadestellung
- Der Angriff auf der g- (bzw. b-) Linie
- Der wichtigste Lehrsatz von Dr. Tarrasch
- Die Angriffsmarke h3 (h6)
Der Angriff auf der h- (bzw. a-) Linie
- Beide Läufer gegen die Rochade
- Gefahren der langen Rochade
- Das Erstickungsmatt
- Randmatt. Ungenügender Schutz der Basis
- Ewiges Schach
- Turm auf der offenen Linie und der vorletzten Reihe
- Wirkung einer Linienfigur über einen feindlichen Stein hinweg
Freibauern
- Vorgerückte Bauern
- Die Angriffsmarke c6 (c3)
- Die Angriffsmarke b6 (b3), Umgehung
- Allgemeine Hinweise für die Behandlung des Mittelspiels
Der Inhalt darf dabei nicht als reine Sammlung von Taktikaufgaben verstanden werden, sondern aufgrund der Erläuterungen als Material, das auch im Kinder- und Jugendtraining gut verwendbar ist. Damit diese möglicherweise auch im Eigenstudium an den Themen arbeiten können, wurden die Varianten gegenüber dem Original teilweise noch ausführlicher angegeben. Aus meiner Sicht ganz im Lehrsinne Tarraschs reproduziert und für fortgeschrittene Einsteiger bestens geeignet. Ein Übungstest rundet das Buch ab.
EXPERIMENTAL
| Autor: Bob LongTitel: The Chess Assassins Business ManualISBN: 1-888710-17-9 Thinkers Press, 2008, 294 Seiten englisch, Broschur | |  |
Kasparow hat es bereits getan: die Verschmelzung der Schach- und Geschäftswelt! Und mit Bob Long, dem Gründer und Chef des Thinkers Press-Verlag geht ein weiterer Profi diesen Schritt. Aber hingegen Kasparow, der versucht die Managerkreise für seine Strategien im Geschäftsleben zu begeistern und hierbei Analogien zur Schachwelt zieht, beschreitet Long einen anderen Weg. Es betrachtet Schach und die Geschäftswelt und gibt dabei auch einen Blick in seine kombinierten Erfahrungen, die er mit (Schach)-Geschichten garniert und dabei aus seinem Berufsleben als Schachhändler, Verlagsgründer und Herausgeber einer Zeitung schöpfen kann. Aber auch als Mathematik-Dozent war er tätig und die US-amerikanische Schachszene kennt er demzufolge wie seine Weste(r)ntasche. Unter Überschriften wie "Character is everything", "Easy does not do it" oder "Perpetual Motion Emotion" verbirgt sich ein persönliches Intermezzo von "Business" und "Chess" der vergangenen knapp 40 Jahre. Gute Englischkenntnisse sind außerhalb der Partiekommentare vonnöten um den typisch amerikanischen (Selbst)Präsentationsstil verfolgen zu können.
Den Abschluss der umfangreichen 'Bücherschau' bietet eine Leseprobe in Originalsprache aus dem soeben besprochenen Werk.
Character is everything
One month earlier than the Alburt game Sagalchik had played the R-V for his third recorded time. The opponent did not play the "best" move: 3... Nbd7. After his loss to Alburt, through inaccurate play near the end, Sagal played 4. Qd2 e6 5. e4 dxe4 6. 0-0-0 against Camilla Baginskaite and drew in 42. A man of character possesses belief and not fear. Often a setback, even though it was time pressure or some other "valid" reason that costs the game, causes even good players to abandon what they knew. Sagalchik is a fighter.
Gennady Sagalchik (2531) - Donny Ariel (2367)USA Championship Jan. 2002, D01
1. d4 Nf6 2. Nc3 d5 3. Bg5 c5 To punish Black for not playing the "refutation", Gennady goads Ariel.4. e4!? A two-edged sword. 4. ... Nxe4 5. Nxe4 dxe4 6. d5 The same fortitudinal move and probably better than the 6. dxc5 as given in our book from the game Wade-Palliser, 1998. 6. ... Qb6 7. Ne2 Giving up another pawn. 7. ... g6 Could Black have taken the pawn at b2? Some would. Others might figure they already have one pawn and go for development. Yet, if one plays ...Qb6, shouldn't one be ready to take that pawn? Like the King's Gambit, we are facing an "unknown" situation in which material is given up for some kind of compensation. Let's see if that compensation can be understood with a little analysis. A good example is 7... Qxb2 8. Bd2 Qf6 9. Nc3 e6 10. Bb5+ Bd7 11. 0-0! White's forces are activated and Black is under heavy pressure to protect everything, develop, and get castled. One idea is 11... Bd6. White must move quickly. 12. dxe6 Qxe6 13. Bxd7+ Sxd7 14. Nxe4 0-0. The next move for White seems critical. Yes, he is down a pawn but the one on c5 doesn't seem edible at the moment because of the split pawns on White's queenside. White wouldn't mind having Black's Bd6 off the board, but, he does have a good N/e4. 8. Rb1 Bg7 9. Nc3 f5 If a 2300+ can be concerned about losing ad advanced pawn, anyone can be concerned. 10. Be2 h6 It's interesting to note that Black will castle, and on the kingside. 11. Be3 Nd7 Who has the better organized game here? Does Black act like he is a 2367 player? I wonder if Black thinks the R-V is a weak system. 12. 0-0 0-0 13. Qd2 Kh7 14. f3 While Black's queenside remains undeveloped, White will begin probing in the center. 14... exf3 15. Bxf3 Qa5 This might be Black's best move, but now White is in hot pursuit. 16. Qe2 Bxc3!? Black sees the win of a pawn but can his kingside afford it? Doubtful. 17. bxc3 Qxc3 18. Bc1! The Bishop threatens to go to b2 while the Q is looking at the Pawn e7 with check.
18... Qe5 19. Qf2 Qd6 20. Qh4 A lapse? This "attack" on h6 looks a little cheap. 20. Re1 first seems better. It's hard to play perfect chess. I read that somewhere. 20. ... f4 21. Be4 A nice aggressive move. 21. ... Qf6 Black is cracking up. 22. Qxf4 Qd4+ Don't panic.
23. Qe3 Rxf1+ 24. Kxf1 Qxe3 25. Bxe3 b6 26. Re1 Nf6 Or, 26... Ba6+ 27. Kg1, but White has Bc1 followed Re3 and the Rh3. 27. Bf3 Ba6+ 28. Kf2 Rd8? 29. Bc1 Surprisingly, Sagalchik makes a slow move. Instead 29. Bxc5! bxc5 30. Rxe7+ Kg8 31. Re6 Bb7 32. Rxf6 Kg7 and after 33. Re6 White has the advantage. 29. ... Rd7 30. Bb2 Sg8?! Black had better, that is, 30... Bc4 31. d6 and now 31... Ng8! 31. a4 Bc4 32. Rd1 h5 33. h3 Nh6 34. g4 Tittoo for tattoo. 34. ... h4 35. Re1 Nf7 36. Bg2 Nd8 37. Re5 Nf7 One might think this game is too long for inclusion in a book to elevate one's rating to 2000 or more but it is this type of slogging which often does the job. If White, or Black, ins't willing to stop shooting and start maneuvering, his level of skill will be lopsided and ultimately unsuccessful. 38. Re1 Nd6 Black is losing the thread. 39. Re6 Ba2 39... Nf7 indicates a willingness to go for the draw, but it looks like Black believes he has the advantage against his higher rated opponent. 40. Bc1! Bb1 Crossroads? Should White save his pawn on c2 or, by going to g5, win the e7- or h4-pawn? White reckons that his King can hold off black pawn advances on the c-file. 41. Bg5 Bxc2 42. Bxe7 Nc8 There also was 42... Nc4 43. Bxh4 with the threat of ... Bxa4 or ... Kg7 to still make the game a scrappy contest. 43. Bxh4 Bxa4 44. Be4 Rg7 45. Bg3 Bd7 46. Rf6 a5 47. Kf3 Not an easy move to find, but there isn't anything Black can do. 47... a4 48. Be5 a3 49. Rf8 a2 50. Rd8 Another hard move to see because White must keep his mind on the a2-pawn unless he can mate the black King. 50... b5 51. h4! Nb6 Let's examine Black's alternatives: a) 51... Nd6. 52. Bxg6+ Kxg6 53. Bxg7 and until the Bg7 is captured, it still stops the a1-queening move.
b) 51... Rf7+. Then 52. Ke3 Kh6 53. Rh8+. An assassin's move! 53... Rh7 54. g5+. c) 51... b4. Now 52. h5. It's hopeless for Black.
52. h5 Kh6 53. hxg6 Rxg6 54. Rh8+, 1-0 Even a strong player such as Ariel forced White to play 54. Rh8+. After 54... Kg5 then 55. Rh5 is The End.
(C) 2009, Frank Große redaktion@schachlinks.com
| | | | Autor: Frank Große |
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