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Medienkiste November 2009
 




    Zwei ChessBase-DVDs und eine relativ neue Schach-Engine sind Bestandteil dieser Mediensplitter-Rezension ...




    Autor: Burkhard Starke
    Titel: Sächsiche Schachschule - Starke Bauernregeln


    ISBN: 978-3-86681-033-4

    ChessBase, 2008, DVD
    deutsch

    Was sich reimt, das prägt sich! So oder so ähnlich mag das Konzept des Leipzigers Burkhard Starke gelauten haben, als er Vorlagen für diese DVD sammelte. Herausgekommen sind 226 Bauernregeln (als Partien und Fragmente), von denen 143 im Videoformat veröffentlicht wurden. Schlichte Eselsbrücken helfen Kindern und nicht nur denen beim Erlernen von Neuem - ein bewährtes pädagogisches Rezept. Ein paar Beispiele gefällig? Hier: "Der Isolani sprüht vor Leben, wenn viele Freunde ihn umgeben, im allergrößten Kampfgetümmel fühlt sich wie im siebten Himmel." oder "Ein Springer wird gegen beide Läufer wird bald zum Fall für Pferdekäufer, denn einer wird das Pferd schon kriegen, das heißt, die Läufer werden siegen!"

    Die Sortierung in alphabetischer Form, als Spielerregister oder als Videoliste erlaubt das Auffinden des umfangreichen Materials in schneller Art und Weise. Die schachliche Gliederung erfolgte in vier Abschnitte: Eröffnung (73 Beiträge), Endspiel (81), Mittelspiel (61) und Humor (11). Aber egal ob in Video- oder Partieform, das Wesentliche wird prägnant herausgearbeitet und da die Videobeiträge in der Regel eine Länge von drei bis vier Minuten aufweisen kommt keine Kurzweil auf. Ein Beispielvideo gibt es hier. Das der Autor und Trainer dieser DVD über jahrelange Erfahrung verfügt, wird dem Betrachter schnell klar. Für mich ist der Datenträger ein kleiner Geheimtipp, der in der Vergangenheit zu wenig Aufmerksamkeit erreicht hat, da die Inhalte gut und gern als Eckpfeiler zum Kinder- und Jugendtraining eingesetzt werden können. Aber auch für den im Alter fortgeschrittenen Lernenden lässt sich noch vieles auffinden ... Kaufempfehlung!


    Autor: Nigel Davies
    Titel: 1. e4 for the creative attacker


    ISBN: 9978-3-86681-055-6

    ChessBase, 2008, DVD
    englisch

    Das es nicht immer die aktuellesten DVDs sein müssen, die hier vorgestellt werden, beweist auch die Betrachtung des nachfolgenden Silberlings, der immerhin schon zwei Jahr auf den Rillen hat. Aber Nigel Davies, der seit 1994 primär als Trainer und Autor arbeitet und dabei durchaus viel publiziert hat mit dieser Videopräsentation Anregungen für den "kreativen" Spieler oder besser "Angreifer" verfasst, die sich nicht primär an den aktuellen Trends der Eröffnungstheorie orientieren (müssen).

    Insgesamt 21 Partien (Gesamtspieldauer: ca. 4 Stunden) beziehungsweise Videos deren zeitlicher Schwerpunkt in den vergangenen 15 Jahre angesiedelt ist bekommt der Betrachter erläutert und vorgeführt. Nur eine Partie endet Remis, die anderen werden alle vom Anziehenden gewonnen, was für die Intention bezeichnend ist. Der Sizilianisch-Komplex wird mit dem Randspringerzug 2. Sa3 befürwortet. Dieser eher positionell angehauchte Zug, der von Wadim Swiaginzew in der Russischen Meisterschaft 2005 gegen Ex-FIDE-Weltmeister Alexander Chalifman eingeführt wurde, sorgte damals neben einem Kopfschütteln und Lacher seitens Chalifman auch für kurzzeitiges Interesse (Swiaginzew holte 2/3 mit dieser Variante in besagtem Turnier) und tauchte demzufolge auch in der beliebten Reihe "Schach ohne Scheuklappen" auf. Mit vier Partien zu diesem Thema (auch die besagte Swiaginzew-Partie wird beleuchtet) will Davies dem Weißen eine Überraschungswaffe in die Hand geben, die sich deutlich abseits der komplexen Theoriepfade wandelt. Schwarz hat verschiedene Möglichkeiten zur Beantwortung. Ein Hauptziel des Weißen ist sobald c3 gespielt wurde mittels Sc2 den Vorstoss d2-d4 zu unterstützen. Weiß soll aber nicht dogmatisch spielen und so wird gegen den Drachenaufbau das Gegenfianchetto mit g3 empfohlen. Gegen 2... Sc6 wird eine Rossolimo-Variante (3. Lb5) angestrebt, bei der f-Bauer noch nicht durch den Springerzug f3 "verbaut" ist und f2-f4 ermöglicht.

    Französisch und Pirc wird jeweils mit 2. f4 beantwortet, was gegenüber den Hauptvarianten als nicht optimaler Aufbau gilt. Weiß beabsichtigt vor der Entwicklung des Königsspringers den Gewinn von Raum. Der Grund, warum man diesen Zug heutzutage selten in der Turnierpraxis erlebt, ist, dass Schwarz mit c7-c5 in sizilianische Strukturen überlenken kann. Auf die Standarderwiderung d5 zieht der Bauer nach e5. Nach 3... c5 4. Sf3 Sc6 5. c3 präsentiert die DVD mit dem Randspringer 6. Sa3 nur eine Antwort auf 5... Ld7 und findet damit den Querverweis zum Sizianilisch-Abschnitt. Das Beispielvideo, das sich mit dem Pirc-Komplex befasst gibt es hier zu sehen.

    Caro-Kann wird mit der Fantasie-Variante 1. e4 c6 2. d4 d5 3. f3 empfohlen. Davies geht dabei auf die Abspiele 3... e6, 3... g6 und 3... dxe4 mit jeweils einer Partie ein und verpasst dabei der SOS-Empfehlung 3... e5!? Beachtung zu schenken. Bei 3... e6 werden die schwarzen Figuren nicht in ein Mittelspiel mit französischen Motiven überführt, sondern via 4. Sc3 Lb4 5. a3 Lxc3+ 6. bxc3 dxe4 7. De2 zu einem ideenreichen Aufbau. Mit 3... g6 erläutert Davies die Ideen um das mögliche Gegenspiel gegen e4. Die Hauptvariante 3... dxe4 4. fxe4 e5 5. Sf3 ergibt dem Weißspieler die Art Stellung, die der Anhänger dieser DVD möglicherweise erhofft und führt zu Stellungstypen, die für den Caro-Kann-Aufbau eher untypisch sind.

    Die Offenen Partien werden mit der Glek-Variante, die aus dem Vierspringerspiel entsteht behandelt (1. e4 e5 2. 2. Sf3 Sc6 3. Sc3 Sf6 4. g3), die durchaus scharfen Charakter trägt. Drei Partien die sich sowohl mit den Hauptantworten 4... d5 und 4... Lb4 als auch allen Alternativen befassen geben einen guten Einblick in die variantenreiche Vielfalt dieses Eröffnungssystems. Wie die ganze DVD als Anregung verstanden werden sollte, ist meiner Meinung nach das Studium von zusätzlichem Material in Bezug auf dieses System angeraten um entsprechende Sicherheit in der Praxis zu erlangen. Auf Aljechin (1. e4 Sf6) reagiert der Weiße mit 2. Sc3, was einerseits den Übergang zur Glek-Variante ermöglicht, oder aber im Falle von 2. d5 mit 3. e5 beantwortet wird. Neben einem kleinen Ausflug zur Jagdvariante bespricht Davies 'seriöse' schwarze Fortsetzungen. Den Abschluss bildet Skandinavisch, dass sowohl eine Partie mit dem Abspiel 2... Sf6 wie auch 2... Dxd5 beinhaltet. Bei letzerem wird dabei die Modevariante mit dem Rückzug nach d6 abgehandelt.

    Die DVD bietet ein breites Potpourri an Ideen für den einfallsreichen Spieler und geht dabei Wege abseits der vielfach betretenen Hauptvarianten, ohne sich gleich im Schlamassel zu befinden. Damit ist in jedem Fall der Spieler, der seine Kreativität vom ersten Zug an zur Geltung bringen möchte, bevorteilt. Für mich anregendes Material für den klassischen Klubspieler mit der Tendenz zur Überraschung.



    Titel: Onno

    Version: 1.1.1.

    nur Download

    OnnoChess, 2009
    multilingual

    Auf dem Softwaremarkt kommen und gehen neue Veröffentlichungen! Eine neue (kostenpflichtige) Engine, die sich in die Phalanx zwischen Rybka, Fritz und Shredder drängen möchte ist die hier vorgestellte Onno. Nur via Download zu erwerben und zu beziehen wird wie heute oft üblich der aufwendige Vertriebsweg gespart, was auch in Bezug auf potentielle Updates sinnvoll ist. Die Engine, die ohne eigene grafische Oberfläche daherkommt unterstützt den UCI-Standard, was eine problemlose Integration in die Oberflächen von Arena oder ChessBase bzw. Shredder ermöglicht. Aber auch die freie Datenbanksoftware SCID, die mittlerweile in einem neuen Major Release (Version 4) veröffentlicht wurde, wird unterstützt.

    Onno ist auf Systemen ab Windows XP sowohl auf 32-Bit als auch auf 64-Bit lauffähig. Eine Installation ist notwendig, sodass das reine Entpacken genügt und kaum Plattenplatz verwendet wird. Die Optionen der Engine stehen unabhängig vom gewählten GUI den herkömmlichen Engines in nichts nach. Neben informativen Log-Level, können die Größe der Hashtables auch Zufälligkeitsfaktoren die Suchtiefe beeinflussen. Des weiteren werden die Tablebases unterstützt, Multiprozessoren jedoch noch nicht. Die Engine wird von CEGT http://www.husvankempen.de/nunn/ mit einer ELO von 2890 eingestuft. Dabei wurden mindestens 300 Partien auf der Spielstufe 40 Züge/20 Minuten zu Rate gezogen. Damit liegt man zwar hinter Rybka & Co. die die Schallmauer von 3000 ELO längst durchschlagen haben. Dennoch ist der 'herkömmliche' Spieler mit dem Niveau dieser Spielstärke zur Analyse ausreichend versorgt. Beim Test arbeitete mit den oben genannten Oberflächen arbeitete die Software reibungslos.

    (C) 2009, Frank Große
    redaktion@schachlinks.com
 
Autor: Frank Große
 
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