Schachseminar 5

 

 

 

 

 

Mattangriff mit Turm + Springer

 

© Copyright 2007 by Schachtherapeut Manfred Herbold, Stauf

 

 

 

 

 

 

 

Jedlicka (2266) - Herbold (2140), Litomysl 2004

 

Mein letzter Zug war 29... Teb8 mit Remisangebot. Doch mein Gegner setzt nun alles auf eine Karte. 30.d6!? c6 31.e5!?

 

 

Nun scheitern 31... Sxe5?? an 32.Sxe5 +- und 31...fxe5? an 32.Df5! +-

Einziger Zug: 31... Txc4! 32.exf6?! (Nach 32.Dxc4 Dxc4 33.Txc4 Sxe5 34.Tfc3 hat Weiß noch Remischancen im Turmendspiel.)

32... Se5! 33.f7+ Kf8 34.Dxh7 Sxf3+ 35.Kh1 Kxf7 36.Df5+ Kg8 37.De6+ Kh8 38.Txc4

 

 

38... Dxc4!! 39.Dxc4 Txb2 und das Turmmatt auf h2 ist nicht mehr zu verhindern.  0:1

 

Im Meister A-Turnier der Rheinland-Pfalz-Meisterschaft 2006 hatte ich gleich dreimal hintereinander die Gelegenheit die Vorzüge der guten Zusammenarbeit von Turm + Springer zu genießen.

 

Herbold (2197) - Beller (2108), MTA Kaiserlautern 2006

 

Weiß hat in der Eröffnung einen Bauern geschenkt bekommen. Dafür besitzt Schwarz das Läuferpaar und die Bauernmajorität des Weißen lässt sich am Damenflügel nur schwer dynamisch einsetzen. Die Stellung ist ungefähr ausgeglichen.

25.Se3 Weiß will mit Sdc4, Sd6 + Sef5 seine Springer aktiv nach vorne bringen.

25... f5!? Schwarz setzt nun verständlicherweise auf Dynamik. Jeder Bauerntausch macht sein Läuferpaar besser. 26.exf5! Lxf5+ 27.Sxf5 Txd2+ 28.Kb3 Lf4 29.g3 Txh2 30.gxf4 exf4

 

 

Schwarz hat nun 3 verbundene Freibauern für den Springer, die in Kürze einzulaufen drohen.

Trotzdem steht Weiß auf Gewinn, weil er mit Turm + Springer + Bauer einen Mattangriff einleiten kann. Wie schnell so ein Angriff ablaufen kann, ist beeindruckend.

31.Te7+ Kc8 32.b5! cxb5 33.c6 f3 34.Sd6+  1:0

 

 

Eine Runde später steht meine Wenigkeit völlig auf Verlust gegen den spielstarken Jugendlichen Florian Armbrust. Mit 3 Bauern im Rückstand scheint der Partieschluss vorgezeichnet.

Doch Schwarz hat seinen Turm + Springer bereits in Stellung gebracht!  J

 

Armbrust (2278) - Herbold (2197), MTA Kaiserslautern 2006

 

31... Lxd4! 32.cxd4 Kd5! Der schwarze König will über e4 nach d3 um Mattideen aufkommen zu lassen. 33.f5 Tf2 34.f6 Ke4

 

 

Nun wird sich Weiß auch der Gefahr bewusst. Kommt Schwarz noch zu Kd3 ist der Partieverlust für Weiß praktisch nicht mehr zu verhindern.

35.Kc2 (35.a4? verliert schnell!) Sxd4+ 36.Kc3 Tc2+ 37.Kb4 Sc6+ 38.Ka3 Sxe5 39.Ta7 c3? 40.bxc3 Txc3+ 41.Kb4 Tc4+ 42.Ka3 Tc6 43.f7 Tf6  ½ : ½

 

 

 

 

Eine weitere Runde später kam es zu folgendem Endspiel.

 

 

Herbold (2197) - Barthel (2227), MTA Kaiserslautern 2006

 

38.Tf8+ Kb7 39.Te8 Te6 40.Tf8 Td6 41.Te8 Te6 Nun konnte Weiß problemlos mit Tf8 nebst Te8 in eine dreifache Zugwiederholung einlenken, da Schwarz keine sinnvollen Alternativen zu bieten hat. Schließlich will er den e-Bauern nicht kostenlos aufgeben.

Doch der Führer der weißen Steine war nach den angenehmen Erfahrungen an den beiden Vortagen scharf auf das Turm + Springer-Endspiel!

Sein Turm steht tatsächlich etwas aktiver, aber der Läufer ist in solchen Endspielen aufgrund seiner Langschrittigkeit dem Springer meist überlegen, da Bauern noch auf beiden Flügeln stehen.

Zudem sind die Bauern des Weißen am Damenflügel auf der weißen Farbe festgelegt und somit optimale Angriffsobjekte für den schwarzen weißfeldrigen Läufer.

42.Th8! Kampfansage! 42... Te7 43.Sd2 Le2 44.Kb2 a6 45.c4 Ld1 46.Sb3 Tf7 47.Td8 Le2 48.Kc3 a5 49.Te8 Lf1 50.Txe5 Lxg2 51.Sd2 Lh3 52.Te8 Ld7 53.Th8 Kc7 54.Kd3 Le6

55.Ke3 Td7 Schwarz fühlt sich mittlerweile bereits in Vorteil!?

 

 

Doch 56.Sf3! Kd6 57.Tc8! Lxc4 58.Tc6+ Ke7 59.Se5! Td4 60.Txb6 Kf8 61.Tb7!? Lf1?

62.Sd7!? Ke8 63.Sxc5 Tc4 64.Tc7 Kd8 65.b6 Tb4 66.Se6+ Ke8 67.b7 Lh3 68.Tc8+ Ke7 69. c8D Txb8 70.Txb8 Lxe6 71.Tb5  1:0

Aufgaben I - X

 

I) Weiß gewinnt. Pavlovic (2507) - Belov (2620), Hastings 2006

 

II) Schwarz spielte in Rublevsky (2670) - Hulak (2563), EU-ch Istanbul 2003

im letzten Zug das schwache 22... Txd4??

Nun kann Weiß forciert gewinnen.

 

 

III) In der Partie Kalbert - Balbe, Spanien 1971 setzte Weiß forciert Matt.

 

IV) In der Partie Heberla (2487) - Petr (2416), Marienbad 2006

setzte Schwarz schwach mit 34... Tf7? fort. Wie gewann Weiß nun forciert?

 

V) In der Partie Pavlov (2443) - Bakre (2434), Alushta 2003

spielte Schwarz in schwieriger Stellung 44... a4?

Dadurch erleichterte er den weißen Gewinnweg.

 

VI) In der Partie Miles - Schneider, Philadelphia 1980 machte Weiß kurzen Prozess.

 

VII) In der Partie Bellon - Garcia, Cienfuegos 1976

gewann Schwarz mit einem Killerzug.

 

VIII) In der Partie Neverov (2569) - Kristjansson (2467), Hastings 2005 folgte 36.Te8+?

Dies führte aber nur durch ungenaues Spiel des Schwarzen zum Erfolg.

Mit welchem Zug hätte Weiß den Gewinn sicher in der Tasche gehabt?

 

IX) In der Partie Kaabi - Lanka, Tunis 1988 kam Schwarz mit einem Kraftzug zum Erfolg.

 

X) In der Fernpartie Dyckhoff - Carlsson, 1935 gewann Weiß durch eine hübsche Mattidee.

 

 

Lösungen

 

I) 1.f5! Ld5 (1... La2 2.b3! +-) 2.c4! dxc3 3.bxc3 Tf8 4.Tg7 b5 5.c4 bxc4 6.dxc4 +-

 

II) 23.Lxf5! Txd1+ 24.Txd1 gxf5 25.Td8+ Kg7 26.Sc4! b6 27.Sd6 Lb7 28.Sxb7  1:0

 

III) 1.Db7+! Sxb7 2.Sc6+ Ka8 3.axb7+ Kxb7 4.Txa7#

 

IV) 35.Txf7! Kxf7 36.Tf3 Kg6 37.g4 Lc8 38.Tf8  +-

 

V) 45.bxa4 Ta7 46.Sd4 Txa4 47.Sb5 Txf4 48.Sd6+  +-

 

VI) 1.Dxf8+! Dxf8 2.Se7+ Kh7 3.Txf8 b2? 4.Sg6!  1:0

 

VII) 1… Tg2!! 2.Dd4 Sf4+ 3.Dxf4 gxf4 4.Kxg2 e5  -+

 

VIII) 36.Sxg6! h2 37.Se7+ Kh7 38.Th6+!! Die Pointe! Kxh6 39.Sf5+ Kg5 40.Sxg3 Kf4

41.Sh1 Kf3 42.e5 Kg2 43.Ke3 Kxh1 44.Kf2 a5 45.e6 a4 46.e7 a3 47.Kg3 Kg1 48.e8D +-

 

IX) 1… Da3!! 2.Dxa3 Tf1+ 3.Kh2 Sg4+ 4.Kh3 Th1+ 5.Lh2 Sf5!! 6.Dg3 Txh2+ 7.Dxh2 Sf2#

 

X) 1.Sf6+ Kh8 2.Dg5!! (droht Dxh6+ nebst Tg8#) Lc5+ 3.Kh1 Tg8 4.Th3! Lf8 5.Txh6+ gxh6 6.Dxg8#