Schachseminar 7
Das doppelte Turmopfer
(Qualitätsopfer)
Ausschrottung pur!

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Manfred Herbold, Stauf
Das doppelte Turmopfer / Qualitätsopfer
Aus der Schachgeschichte ist das doppelte Turmopfer durch die Partie Anderssen - Kieseritzky und Fleißig - Schlechter bekannt geworden. Dabei wird die gegnerische Dame ins Abseits gelockt, um einen Tempovorsprung zu erreichen. Die beiden Partien gelten trotz ihrer Fehler als die 'Unsterblichen' der beiden Schachmeister.
Fleißig - Schlechter, Wien 1893
1.b4 e6 2.Lb2 Sf6 3.a3 c5 4.b5 d5 5.d4 Da5+ 6.Sc3
Se4 7.Dd3 cxd4 8.Dxd4 Lc5 9.Dxg7 Lxf2+ 10.Kd1

10....d4!! 1. Turmopfer! 11.Dxh8+ Ke7 12.Dxc8 dxc3
13.Lc1 Sd7?! 2. Turmopfer! besser allerdings 13...Dxb5! 14.Dxa8?
Mit 14.Dxb7! Td8 15.Dxe4!? Sc5+ 16.Dd3 Sxd3 17.exd3 Dxb5 18.Sh3 könnte sich
Weiß noch in eine unklare Stellung retten. 14...Dxb5 15.Lf4 Dd5+ 16.Kc1
Le3+!! 17.Lxe3 Sf2! 0:1
Hier mal ein
harmloses Beispiel, bei dem man aber bedenken muss, dass für die ganze Partie
nur jeweils 3 Minuten Bedenkzeit zur Verfügung stand.
Herbold
- "Condoman" (2181)
Wertungspartie, 3m + 0s Schach.de, 25.09.2006
1.d4 Sf6 2.Sc3 d5 3.Lg5 Sbd7 4.f3 c6 5.e4 dxe4
6.fxe4 Da5 7.Dd2 e5 8.Sf3 Lb4 9.Ld3 exd4 10.Sxd4 Lxc3?! 11.bxc3 0–0 12.0–0 Te8
13.Tf5 Dc7 14.Taf1 b6
Nun folgt
eine typische Ausschrottung bei halboffener f-Linie.
Ein doppeltes
Qualitätsopfer beseitigt die letzten Verteidiger.

Nun folgt ein
doppeltes Qualitätsopfer: 15.Txf6! Sxf6 16.Txf6! gxf6 17.Lxf6 Te5

... und die
Ausschrottung! 18.Dh6 1–0
Das Motiv des doppelten Qualitätsopfer trifft man vor allem im Winckelmann-Reimer-Gambit an. Dabei werden die gegnerischen Verteidigungsfiguren (meist Springer auf f6 + Ersatzspringer) exekutiert, damit der Angriff durchschlägt.
Kroggel - Karl,
Fernpartie 1992
1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Lb4 4.a3 Lxc3+ 5.bxc3 dxe4
6.f3! Winckelmann-Reimer-Gambit

6...exf3? Die
Annahme des Gambits gilt als sehr vorteilhaft für Weiß. 7.Sxf3 Se7 8.Ld3 h6
9.0–0 Sd7 10.De1 0–0 11.Dg3 Kh8 12.Dh3 Sg8 13.Lg5 Sdf6 14.Se5 c5

Es ist bereits wieder alles für das doppelte
Qualitätsopfer angerichtet. Hier nimmt sich Weiß sogar die Zeit zum Nachladen
des 2.Opfers.
15.Txf6! Sxf6 16.Tf1! Kg8 17.Txf6! gxf6 18.Lxh6 fxe5
19.Dg4+ Kh8 20.Dg7#
Ein typisches Doppelturmopfer
kommt oft als Räumungsopfer bei einem Mattangriff vor,
um die Dame à tempo ins Spiel zu bringen.
Mannheim -
Regensburg, Fernpartie 1911 / 1912

Das forcierte Matt erfolgt auf einfachem Weg. 1.Th8+! Kxh8 2.Th1+ Kg8
3.Th8+! Kxh8
4.Dh1+ Kg8 5.Dh7#
Außerdem eignen sich Türme (wie auch Leichtfiguren) hervorragend zum Zertrümmern der gegnerischen Königsstellung.
Maróczy - Tartakower,
Teplitz-Schönau 1922

Schwarz steht hier klar besser, weil er am Königsflügel leicht zu einem Angriff kommt, während Weiß nur mit viel Zeitaufwand eine Linienöffnung am Damenflügel anstreben kann. Insofern bestand für das nun folgende Turmopfer keine Not, eine Mobilisierung hätte mit Sicherheit risikoärmer den Sieg gebracht.
Trotzdem zeigt die nun folgende Opferwendung instruktiv die Zerstörung des Königsflügels mit anhaltendem Angriff.
1...Txh2!? 2.Kxh2 Dxf2+ 3.Kh1 Sf6!! 4.Te2 Dxg3
5.Sb1 Sh5 6.Dd2 Ld7 7.Tf2 Dh4+ 8.Kg1 Lg3 9.Lc3?! Lxf2+ 10.Dxf2 g3 11.Dg2 Tf8
12.Le1

12....Txf1+! auch sofortiges 12...e5! war sehr stark 13.Kxf1 e5 14.Kg1 Lg4 15.Lxg3
Sxg3 16.Te1 Sf5 17.Df2 Dg5 18.dxe5? Lf3+ 19.Kf1 Sg3+ 0:1
Das
doppelte Turmopfer / Qualitätsopfer (Übungsaufgaben)
Aufgabe 1 Schwarz am Zug
gewinnt. Schmidt - Rossolimo, BRD 1949

Aufgabe 2 Schwarz am Zug
gewinnt. Schmidt - Rossolimo, BRD 1949
Aufgabe 3 Weiß am Zug
gewinnt. Horowitz - N.N.,
1944

Aufgabe 4 Schwarz am Zug
gewinnt. Lehrbeispiel

Aufgabe 5 Weiß am Zug
gewinnt. Gaprindaschwili - Servatti, Dortmund 1974

Aufgabe 6 Weiß am Zug
gewinnt, in dem er die
lange Diagonale a1-h8 besetzen
kann. Tietz - Judd, Karlsbad 1898

Lösungen zu den
Aufgaben beim Schachseminar 8 "Taktische Damenopfer".